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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.05.2020

Herzerwärmend

Pandatage
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Danny Maloony verliert seit dem Tod seiner Frau vor einem Jahr die Verbindung zu seinem 11 jährigen Sohn Will. Dieser spricht seitdem kein Wort mehr. Dazu kommt ein aggressiver Vermieter, der Verlust seines ...

Danny Maloony verliert seit dem Tod seiner Frau vor einem Jahr die Verbindung zu seinem 11 jährigen Sohn Will. Dieser spricht seitdem kein Wort mehr. Dazu kommt ein aggressiver Vermieter, der Verlust seines Jobs und der Mangel an Perspektiven. Die Verzweiflung treibt Danny dazu sich ein Pandakostüm zu kaufen, mit ungeahnten Folgen.

Der Roman ist inhaltlich besonders stark. Die berührende Beziehung zwischen Vater und Sohn sowie der Verlust der Mutter sind bedeutende Themen. Es ist spannend zu begreifen welche Rollen die einzelnen Familienmitglieder einnehmen und wie Familien durch den Verlust einer Person auseinanderfallen können. Die Entwicklung der einzelnen Charaktere ist beeindruckend. Dem Autor gelingt es dabei sehr gut die Schwierigkeiten, Beweggründe und Gefühle der beiden Hauptpersonen darzustellen und die Lesenden auf deren Reise mitzunehmen.

James Gould-Bourn hat einen leichtfüßigen Erzählstil, der durch derbe Situationen und viel Humor gekennzeichnet ist. Ebenso sind es die Nebenfiguren, wie Dannys Freund Ivan, eine knallharte Stangentänzerin oder der aggressive Vermieter mit seinem Hinkebein, die das Ganze urkomisch und gleichzeitig sehr ernst erscheinen lassen. Mit solchen Figuren und den filmreifen Entwicklungen könnte eine Geschichte leicht oberflächlich werden. Das geschieht hier jedoch nicht. Trotzdem wirkt die Handlung vereinfacht sowie fatalistisch und dadurch leicht überzogen. Dies schadet der Aussagekraft letztendlich nicht, steht doch die Tragik vieler Menschen dahinter, die sich abstrampeln, um das Nötigste in einem trostlosen Leben zu bekommen.

Schade ist dabei, das solch eine Geschichte scheinbar zwangsläufig gut enden muss. Und zwar ausschließlich gut. Die Aussage an die Lesenden lautet: Alles, was vorher schlecht war, wird gut werden. Nichts wird schlecht bleiben. Dies erscheint jedoch zu sehr schwarz-weiß und damit unrealistisch. Andererseits hat der Hoffnungsaspekt darin auch was für sich und macht das Buch zu einem vergnüglichen Leseabenteuer.

Ein urkomischer feel-good-Roman über einen großen Verlust, einen sprachlosen Sohn und seinen Vater im Pandakostüm.

Veröffentlicht am 19.04.2020

Was wir gerne wären

Was wir sind
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Die Freundinnen Hannah, Cate und Lissa stehen mit 30 mitten im Leben und genießen das Zusammenwohnen in London. Ihre Träume und Hoffnungen breiten sich vor ihnen aus. In den nächsten zehn Jahren werden ...

Die Freundinnen Hannah, Cate und Lissa stehen mit 30 mitten im Leben und genießen das Zusammenwohnen in London. Ihre Träume und Hoffnungen breiten sich vor ihnen aus. In den nächsten zehn Jahren werden sie mit den Härten des Lebens umgehen müssen.

Anna Hope beschreibt in ihrem Roman, wie sich das Leben und die Freundschaft der drei Frauen alles andere als geradlinig entwickelt. Ungeschönt und schonungslos beschäftigt sie sich mit enttäuschten Hoffnungen, Einsamkeit und der verzweifelten Suche nach einem Platz im Leben. Das Ringen mit der Elterngeneration und dem eigenen Werden zu Erwachsenen, die Kompromisse machen müssen steht im Mittelpunkt. Hope hat damit einen spannenden Generationen- und coming-of-age Roman geschrieben, in dem Freundschaft eine wichtige Rolle spielt.

Lissa, Hannah und Cate haben es nicht leicht, es ist anstrengend und niederschmetternd wie unglücklich die drei immer wieder sind und wie sehr ihre Hoffnungen von dem tatsächlichen Alltag abweichen. Sie sind ständig davon bedroht zu scheitern. Es ist lange kaum vorstellbar, dass sich dieses Geschehen nochmal wenden könnte.

Umso gelungener ist das doch überraschende Ende. Die Autorin schafft es nach der langen Leidensphase ein tröstliches Ende zu formulieren, das weder beschönigend noch übertrieben und schon gar nicht "gut" ist.

Der Roman entwickelt sich gemächlich, zwischenzeitlich nimmt er Fahrt auf. Die Frauencharaktere werden einfühlsam, nahbar und berührend beschrieben. Sie gefallen nicht immer, haben ihre Ecken und Kanten. Das Geschehen entwickelt sich erstaunlich, erschreckend und ist immer authentisch. Erzählungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart werden geschickt verknüpft. Die Wechsel zwischen den Charakteren und den Situationen sind in der ersten Hälfte des Romans nicht immer leicht nachzuvollziehen. Der zweite Teil des Romans fließt mehr, dann sind auch die Figuren vertrauter.

Ein sehr bewegender coming-of-age Roman, der auf Beschönigungen und ein gutes Ende keinen Wert legt.

Veröffentlicht am 19.03.2020

Sehr reale Frauenschicksale

Das Haus der Frauen
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Soléne ist eine erfolgreiche Anwältin in Paris. Ihr Leben bricht zusammen, als sich ein Mandant vor ihren Augen das Leben nimmt. Im Haus der Frauen findet sie Halt. Als öffentliche Schreiberin bekommt ...

Soléne ist eine erfolgreiche Anwältin in Paris. Ihr Leben bricht zusammen, als sich ein Mandant vor ihren Augen das Leben nimmt. Im Haus der Frauen findet sie Halt. Als öffentliche Schreiberin bekommt sie die Frauenschicksale unmittelbar mit. Sie merkt, dass jede Vergangenheit eine Zukunft haben wird.

Laetitia Colombani ist erneut ein sehr bewegender Frauenroman gelungen. Sie erschafft ein Nebeneinander der Schicksale, die doch so unterschiedlich sind und enthält sich damit der Bewertung. Sie befasst sich also mit dem Schicksal der gutbürgerlichen Soléne, ebenso wie mit denen der geflüchteten afrikanischen Frauen, den vielen vergewaltigten Obdachlosen und der Mutter die ihr Kind in der Heimat zurück lassen musste um ein anderes zu schützen. Ein Schicksal ist ergreifender als das andere. Der Roman wiegt schwer, die Beschreibungen wirken sehr realistisch und sind emotional ergreifend. So ist es im ersten Erzählstrang: der Gegenwart.

In einem zweiten Erzählstrang geht es um die Entstehungsgeschichte des Hauses der Frauen aus der Bewegung der Heilsarmee. Die Gründerin des Hauses hat selbst ein starkes Schicksal.

Die Wechsel zwischen dem aktuellen Geschehen und dem Vergangenen geben der Geschichte das gewisse Etwas und gleichen die Schwere des Inhalts aus. Die Hintergrundinformationen zur Heilsarmee bringen einen sachlichen Anteil in die Erzählung und auch die Gedanken zu gesellschaftlichen Dynamiken sind sehr wertvoll.

Der geradlinige Erzählstil und die unaufdringliche, zwischendurch blumige Sprache passen sehr gut zum Inhalt. Die Geschichte ist mitreißend und liest sich meistens sehr zügig. Phasenweise stören jedoch die inhaltlichen Wiederholungen.

Am Ende wird alles gut, es kann nicht anders sein. So ganz zufriedenstellend ist das nicht. Brauchen die krassen Frauenschicksale als Gleichgewicht das feel-good-Ende? Vielleicht geht es dabei um Vermittlung von Trost und Hoffnung.

Der ergreifende Inhalt, der unaufgeregte Erzählstil und die komplexen Frauenschicksale ergeben ein rundes Ganzes. Das feel-good-Ende hätte nicht sein müssen.

Veröffentlicht am 01.02.2020

Harmonie versus das Böse in der Welt

Die Frauen von Richmond Castle
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Ishbel (Blue) Camberwell lebt gut situiert mit ihrer Familie in einem Stadthaus, im England der 1920er. Ihre Familie hat Krieg und Tod erlebt. An ihrem 21. Geburtstag macht ihr Vater gegen ihren Willen ...

Ishbel (Blue) Camberwell lebt gut situiert mit ihrer Familie in einem Stadthaus, im England der 1920er. Ihre Familie hat Krieg und Tod erlebt. An ihrem 21. Geburtstag macht ihr Vater gegen ihren Willen eine Ankündigung vor allen Geladenen, durch die sie einen Ehemann finden soll. Das wirbelt nicht nur in der Familie viel auf. Und als die Familie die todunglückliche Delphine vor dem Ertrinken rettet und sie vor ihrem gewalttätigen Ehemann schützt, kommt noch so einiges Anderes ins Rollen.

In ihrem Roman beschreibt die Autorin drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise für die Zeit der 1920 stehen und ihren Weg suchen. Alle Drei hadern mit den Konventionen und ihrer Rolle als Frau. So strebt Blue eher nach einer Berufstätigkeit als nach einer Ehe, Delphine erarbeitet sich ein glückliches Leben nach der Flucht aus einer gewalttätigen Ehe und die vorher mittellose Mitch sucht als Stiefmutter ihren Platz in der Familie. Es ist spannend in das Leben der drei starken Frauen Einblick zu bekommen, deren Entwicklung mitzuverfolgen. Ein spannendes Thema mit Vorbildfunktion für heutige Frauen.

In der gesamten Erzählung rückt das Familienleben sehr in den Vordergrund, alle unterstützen sich gegenseitig und "überschlagen" sich in ihrem Liebreiz und ihrem uneigennützigen Einsatz für die Anderen. Es wirkt fast etwas irreal, mit welcher "Inbrunst" sich jede Einzelne für das Wohl der Anderen einsetzt und wie groß die Harmonie untereinander ist. Sogar der Vater wirkt übermäßig in seiner Güte, Nachsicht und Fürsorge. Dagegen steht die böse Umwelt, mit dem gewalttätigen Ehemann Delphines beispielsweise, in krassem Gegensatz. Die Familie wirkt wie unter einer Glasglocke, das gibt der Geschichte etwas märchenhaft, übertrieben Unrealistisches.

Darüber lässt sich jedoch hinweg sehen, da die Erzählung sehr unterhaltsam, leichtgängig und spannend ist. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und umfassend beschrieben. Die Vielfalt der Charaktere macht ebenfalls einen Reiz des Buches aus. Ihre Entwicklungen werden einühlsam mit großer Emotionalität transportiert, sodass darauf bezogen Tiefe entsteht. Die Sprache war gut verständlich, auch wenn die Figuren in den Dialogen etwas gestelzt rüber kommen. Am Ende wird alles gut, anders kann es (das ist von Anfang an klar) gar nicht sein.

Ein Feelgood-Roman mit Tiefgang vor historischem Hintergrund der 20er Jahre in England.

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Veröffentlicht am 11.11.2019

Ungewöhnlich, skurril und bissig

Letzte Rettung: Paris
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Frances und ihr Sohn Malcom Price leben mit ihrem Kater Kleiner Frank in New York ein luxuriöses Leben. Das Erbe des verstorbenen Mannes ist bald verprasst und deswegen "flieht" Frances mit ihrem Sohn ...

Frances und ihr Sohn Malcom Price leben mit ihrem Kater Kleiner Frank in New York ein luxuriöses Leben. Das Erbe des verstorbenen Mannes ist bald verprasst und deswegen "flieht" Frances mit ihrem Sohn und dem Kater, den sie für die Inkarnation ihres toten Mannes hält nach Paris. Eine seltsame Reise beginnt.

Die Geschichte ist durchweg komisch, nicht witzig oder lustig, eher sonderbar. Dies liegt vor allem an den skurrilen Charakteren, davon einer merkwürdiger als der andere. Keine der Personen ist besonders sympathisch, eher spröde und komisch. Doch das macht nichts. Zudem werden es immer mehr von ihnen und untereinander entsteht ein Wirrwarr an Interessen, Bedürfnissen und Vorbehalten. Die Unterhaltungen und die Dynamiken untereinander sind äußerst skurril und unterhaltsam, passen nicht immer zueinander. Dies scheint gewollt.
Ich konnte der kuriosen Ansammlung an seltsamen Menschen viel abgewinnen. Die vielfältigen und seltsamen Charakterzüge, so abgedreht sie auch sind, haben einen hohen Unterhaltungswert und die grundlegenden Bedürfnisse werden offen gelegt. Der Autor befasst sich intensiv mit den Charakteren, entblößt diese und setzt sie in Beziehung zueinander.

Das Geschehen entwickelt sich äußerst kurios. Die Handlung ist stark überspitzt und spielt mit dem Irrealen. Zeitweise ist die Entwicklung sehr real, fast schon tragisch. Die Wendungen kommen unerwartet, passen gut in diese absurde Geschichte. Hinzu kommt ein schwarzer Humor, der der Geschichte noch mehr Charme gibt, jedoch auch abschrecken kann. Das derbe, heftige und spröde vieler Situationen gefällt vermutlich nicht Jedem, mir jedoch sehr.

Die Geschichte lässt sich, anders als erwartet, sehr angenehm lesen und fließt zügig dahin. Zwischendurch gibt es ein paar Höhepunkte, die ungewöhnliche Wendungen mit sich bringen und die Charaktere in Entwicklungen zwingen.

Eine bissig und skurrile Charakterstudie, äußerst unterhaltsam.