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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2019

Im Kopf des Mörders

Schonungslos offen
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Ich habe von der Autorin bisher nur ihren Märchenroman "Zauberschön" gelesen und war nun gespannt auf ihre andere, ihre dunkle Seite und dunkel wird es tatsächlich in ihrem aktuellen Krimi.

Das das Schreiben ...

Ich habe von der Autorin bisher nur ihren Märchenroman "Zauberschön" gelesen und war nun gespannt auf ihre andere, ihre dunkle Seite und dunkel wird es tatsächlich in ihrem aktuellen Krimi.

Das das Schreiben langweiliger Berichte ebenfalls zum Alltag einer Kriminalkommissarin gehört, lernt der Leser bereits auf den ersten Seiten. Die Langeweile währt allerdings nicht lange, denn schon gibt es einen Mordfall. Ein junger Mann wird erdrosselt auf einem Grillplatz entdeckt. Vom Täter fehlt jede Spur, die Familie zeigt sich wenig kooperativ und entscheidende Hinweise gibt es keine. Die Suche nach dem Täter verläuft äusserst zäh, als eine junge Frau verschwindet und kurz darauf die Leiche einer weiteren gefunden wird.

Die Autorin schickt ihre Ermittlerin auf eine nervenaufreibende Tätersuche, sie lässt ihren psychopathischen Täter tief in das Privatleben der Kommissarin eingreifen. Gerade bei der Beschreibung des Mörders und seiner Handlungen, wurde mir wieder einmal bewusst, wie dunkel und extrem gerade weibliche Autoren oft ihre Täterfiguren anlegen, es geht hierbei nicht um das reine Blutvergießen, sondern eher um Manipulation, Psychospielchen, Kontrolle und Sadismus. Der Kontrast dazu dann die sympatischen Ermittlerfiguren, mit ihrem speziellen Umgang miteinander. Da stimmt die Balance einfach.

Selbst wenn die Ermittlungen auf der Stelle treten schafft es die Autorin die Spannung aufrecht zu erhalten. Wenn man einmal in der Geschichte drin ist, kann man das Buch kaum zur Seite legen. Die Story ist nachvollziehbar, die Ermittlungsarbeit gut dargestellt. Der Gemütszustand und die Intension des Täters ist gut ausgearbeitet. Das Buch ist definitiv ein Krimi der etwas härteren Gangart, das sollte man sich vor der Lektüre bewusst machen.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Bewegte Leben

Hamburgs starke Frauen
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Heutzutage ist es ja sehr hipp, seine Autobiografie zu schreiben. Dabei ist es anscheinend egal, ob man ein 17jähriger Youttuber ist, ein Z Promi mit diversen Auftritten in Casting/Kuppel/Dschungel -Shows, ...

Heutzutage ist es ja sehr hipp, seine Autobiografie zu schreiben. Dabei ist es anscheinend egal, ob man ein 17jähriger Youttuber ist, ein Z Promi mit diversen Auftritten in Casting/Kuppel/Dschungel -Shows, oder tatsächlich eine gestandene Persönlichkeit mit Geschichte. In früheren Generationen war dieses Phänomen gänzlich unbekannt, möchte man heute etwas über Personen vergangener Jahrhunderte erfahren, ist man angewiesen auf Briefe, persönliche Tagebucheinträge oder Dokumente, sofern diese die oft turbulenten Zeiten überdauert haben. Dann braucht es noch jemanden, der sich die Mühe macht, all diese Informationen zusammenzutragen.

Für dieses Buch hat sich die Autorin auf Spurensuche in Hamburgs Geschichte begeben. Entstanden ist das Porträt von 30 starken Frauen 1645 bis heute. Frauen, die oft ihrer Zeit weit voraus waren. Frauen, deren Namen man oft gar nicht kennt, die einem aber auf wenigen Seiten ins Bewusstsein gebracht werden. Frauen, die einen großen Einfluss auf Kunst, Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft nicht nur in Hamburg hatten und noch immer haben. Frauen mit einem bewegten Leben, mit Schicksalsschlägen.
Die Bandbreite ist groß und bietet Einblick in die verschiedensten Lebensmodelle und Lebensläufe.

Der Stil der Autorin ist hierbei kurz und prägnant, aber trotzdem persönlich und emotional. Sie versteht es gut wichtige Daten, prägende Lebensereignisse und den Charakter der einzelnen Frauen auf kleinstem Raum zusammenzufassen. Die einzelnen Abschnitte machen Lust auf mehr und durch die detaillierten Quellenangaben am Ende des Abschnitts ermöglichen dem Leser weiterführende Lektüre.

Das Buch verstehe ich ein wenig als Geschichtsunterricht für Hamburger und Hamburgbesucher, es eignet sich durch die kurzen Kapitel gut zum Schmökern nach Bedarf. Ich nenne solche Bücher gern liebevoll - Wartezimmerbuch - weil man es gut in der Handtasche bei sich tragen kann um bei Bedarf kurze Wartezeiten zu überbrücken. Eine starke Idee, die sich gut zum nachahmen eignen würde.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Wie ein Märchen sein soll

Zauberschön
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Das Büchlein enthält, was man bei einer Seitenzahl von 180 gar nicht denkt, nur eine einzige Geschichte, allerdings sind dieser Geschichte ganz wunderbare Bilder beigestellt. Mit der Illustratorin Silvia ...

Das Büchlein enthält, was man bei einer Seitenzahl von 180 gar nicht denkt, nur eine einzige Geschichte, allerdings sind dieser Geschichte ganz wunderbare Bilder beigestellt. Mit der Illustratorin Silvia Paparella hat die Autorin einen Glücksgriff getan. Sie schafft es die märchenhafte Geschichte in kindlich naive, detailreiche, bezaubernde Bilder zu fassen, die einen ganz besonderen Stil haben. Generell ist das Buch mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet, ganz im Stil der alten Märchenbücher, wie ich sie von meiner Mutter kenne. Die Sorgfalt mit der das Buch gestaltet wurde ist im Zeitalter von E-Book und Hörbuch durchaus eine Erwähnung wert.

Die Geschichte ist auch vom Inhalt her sehr an klassische Märchen angelegt. Das Königreich Florapis steht vor dem Ruin und einzig die kluge Tochter des Imkers vermag das Land zu retten und bekommt dabei unerwartete Hilfe. Als erwachsener Leser weiß man natürlich, dass am Ende alles gut wird, aus Kindersicht ist der Weg dorthin aber spannend und voller Widrigkeiten.

Natürlich lese ich als Erwachsener das Buch unter einer ganz anderen Prämisse. Ich besitze leider nicht mehr diese kindliche Leichtigkeit und das Buch erschließt sich mir daher auf ganz andere Weise, trotzdem hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und amüsiert. Als kleinen Kritikpunkt muss ich im Bezug auf das Vorlesen anmerken, dass die einzelnen Kapitel teils etwas lang sind, man muss so, zum abendlichen Vorlesen, eine eigene Aufteilung vornehmen. Aber das sollte den Vergnügen der Geschichte keinen Abbruch tun.

Es war sehr schön für mich wieder einmal in die Welt von Drachen, Prinzen, Gut und Böse einzutauchen und zwar in Form dieses sehr klassischen Marchenromans und nicht in dieser modernen Form, wie sie derzeit bei Erwachsenen einen großen Hype erlebt. Mein Dank an die Autorin für diese zauberschöne Erfahrung!

Veröffentlicht am 03.10.2019

Klassiker

Die Zeitmaschine
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Ein Klassiker, was soll man sagen. Natürlich ist der Schreibstil nicht mit einem modernen Sciences Fiction Roman zu vergleichen, gerade wenn man vielleicht auch die Bilder aus der opulenten Hollywood Verfilmung ...

Ein Klassiker, was soll man sagen. Natürlich ist der Schreibstil nicht mit einem modernen Sciences Fiction Roman zu vergleichen, gerade wenn man vielleicht auch die Bilder aus der opulenten Hollywood Verfilmung vor Augen hat. Da das Buch ja auch als eine Art Tatsachenbericht angelegt ist, bleibt es nicht aus, dass es eher nüchtern und analytisch daher kommt, angepasst an die Figur des erzählenden Erfinders, der eben nicht emotional ist.

Bemerkenswert finde ich die Fantasie des Autors im Bezug auf die Technik, die er seinem Ich-Erzähler an die Hand gibt. Seine Prognose für die Zukunft der Menscheit ist düster, da kann auch die wundervolle Natur und der scheinbare Frieden nicht lange drüber hinwegtäuschen. Mit Blick auf die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse, die herrschenden Lebensumstände, die große Diskrepanz zwischen arm und reich, ist seine Vision eine durchaus denkbare. Nach heutigen Maßstäben sehe diese wohl anders aus. Eine bemerkenswerte gesellschaftspolitische Kritik, die der Autor hier äußert.

Letztendlich wird uns der Untergang prophezeit. Zwar erst in einer weit entfernten Zukunft, aber er wird kommen, der der Menschheit noch vor dem der Erde.

Der Zeitreisende verschwindet am Ende, wohin bleibt offen und der Fantasie des Lesers überlassen. Da mich seine Passivität etwas geärgert hat, hoffe ich sehr, er ist zurückgereist. Vielleicht um Weena zu retten und die Zukunft zu verändern.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Mutter Natur als Killermaschine

Cold Storage - Es tötet
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Szenarien, wie der Untergang der Menschheit vonstatten gehen könnte, gibt es viele. Naturkatastrophen, Asteroideneinschlag, Alieninvasion, mutierte Killerviren, oder im Labor gezüchtete Krankheitserreger. ...

Szenarien, wie der Untergang der Menschheit vonstatten gehen könnte, gibt es viele. Naturkatastrophen, Asteroideneinschlag, Alieninvasion, mutierte Killerviren, oder im Labor gezüchtete Krankheitserreger. Im vorliegenden Buch bekommt es der Mensch mit einem Pilz zu tun, der sich durch kosmische Strahlung zur perfekten biologischen Waffe entwickelt hat, unbemerkt und unbeabsichtigt. Bei Kontamination wirkt er zu einhundert Prozent tödlich, eine Eindämmung ist nur mit extremsten Mitteln möglich. Beim ersten Kontakt gelingt es einem kleinen Spezialteam unter Verlusten den Pilz unschädlich zu machen, aber natürlich wird darauf bestanden eine Probe zu sichern und aufzubewahren. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, genauso wie die Story im Buch. Jahre später wird der Pilz wieder aktiv und ein in die Jahre gekommenes Mitglied des ehemaligen Spezialteams versucht, quasi im Alleingang, die Ausbreitung zu verhindern.

Die Story kommt mit relativ einfachen Mitteln in Fahrt, das beschriebene Szenario ist so durchaus vorstellbar und macht den Schrecken um so realer. Die Entwicklung des einfachen Pilzes zur Killermaschine wird nachvollziehbar erklärt.
Die handelnden Figuren sind überschaubar. Der Autor schafft es mit einem recht begrenzten Ensemble, auf eher begrenztem Raum seine Story unterzubringen. Die Geschichte spielt, mit wenigen Ausnahmen, fast ausschliesslich am selben Ort. Die Figuren sind allesamt sehr spezielle Charaktere, nicht die üblichen Heldenfiguren, sonder richtige Looser, per Zufall in die Story gerutscht, ganz nach dem Motto - zur falschen Zeit, am falschen Ort. Das macht für mich den besonderen Reiz aus.

Ein weiterer Punkt, der für den besonderen Reiz der Geschichte verantwortlich ist, bildet der unglaubliche Humor den der Autor eingearbeitet hat. Nun denkt man bestimmt, Thriller und Humor, das passt nicht zusammen, aber ganz im Gegenteil. Sicher wird die Mischung nicht jedem liegen, aber ich liebe sie. Die Situationskomik lockert die Spannung beim Wettlauf gegen die Zeit. Der Galgenhumor hilft im größten Chaos nicht vor Angst zu erstarren, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Köstlich, wie der Autor den Leser teilhaben lässt an den vermeintlichen Denkprozessen des mutierten Pilzes, an seinen Problemlösungen, daran wie er das Bewusstsein seiner Opfer beeinflusst, seinem zielgerichteten Vorgehen. In dieser Form erinnert mich das Ganze ein wenig an englische Kriminalromane, in denen der typisch britische Humor eine große Rolle spielt. Die Geschichte bekommt durch diese Betrachtungsweise einen ganz besonderen Flow. Ansonsten enthält die Geschichte alle klassischen Bestandteile eines Thrillers, eine Bedrohung, die Guten, die dagegen ankämpfen, ein paar Böse, die das Ganze fast zum Scheitern bringen, temporeiche Spannung und auch etwas Blutvergießen.

Der Autor hat mit dieser unvergleichlichen Mischung ein rasantes Szenario kreiert, dass deutlich macht, welch perfekte Killermaschine Mutter Natur sein kann, und wie schnell man aus dem Alltag heraus zum unfreiwilligen Helden wird. Ein atemberaubendes Lesevergnügen, ein Thriller mit dem gewissen Etwas. Fällt definitiv aus dem Rahmen.