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Venatrix

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Veröffentlicht am 21.12.2023

Eine Spurensuche nach den eigenen Wurzeln

Isabels Geheimnis.
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Mit „Isabels Geheimnis“ entführt uns Autorin Katharina Schöndorfer (Pseudonym von Anni Bürkl) ins schöne und geheimnisvolle Salzkammergut. Doch zunächst begegnen wir Rona und ihrer Mutter Martha in Wien. ...

Mit „Isabels Geheimnis“ entführt uns Autorin Katharina Schöndorfer (Pseudonym von Anni Bürkl) ins schöne und geheimnisvolle Salzkammergut. Doch zunächst begegnen wir Rona und ihrer Mutter Martha in Wien.

Rona hat sich im Jahr 2000 mit einem Kräuterladen selbstständig gemacht und ist in einer toxischen Beziehung zu Leon gefangen. Als dann Ronas Mutter Martha eine Spenderniere benötigt, machen sich die beiden Frauen in Salzkammergut auf, um dort nach Verwandten zu suchen. Sowohl Martha als auch Rona sind uneheliche Kinder, Vater unbekannt - was die Suche nicht wirklich erleichtert.

Im Salzkammergut machen die beiden dann eine Entdeckung, die ein anderes Licht auf Ronas verstorbene Großmutter Isabel wirft, die ein dunkles Geheimnis mit sich herumgetragen hat.

Können Martha und Rona das Geheimnis lüften?

Meine Meinung:

Dieser Roman spielt in zwei Zeitebenen: zum einen in der Vergangenheit, in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und zum anderen in der Gegenwart rund um das Jahr 2000.

Mit persönlich hat ja der Handlungsstrang mit Isabel als Hauptperson viel besser gefallen als jener rund um Rona und Martha. Warum?

Martha wird als selbstbewusste Frau beschrieben, die einiges von der Welt gesehen hat und ihre Tochter Rona allein großgezogen hat. Allerdings scheint Rona eher nach dem unbekannten Vater zu kommen, denn sie wirkt mit dreißig Jahren noch ein wenig naiv. Sie hat bis vor Kurzen in einer WG gewohnt und lebt nun mit Leon in einer toxischen Beziehung, aus der ein Entrinnen kaum möglich scheint. Ständig in Geldnöten, weil das Geschäft nicht wirklich gut läuft, ist sie auf Leon angewiesen, der das weidlich ausnützt und Rona manipuliert. Erst mit der Reise ins Salzkammergut, scheint Rona aufzuwachen und ihr Leben endlich in den Griff zu bekommen.

Da ist die verstorbene Isabel schon ein anderes Kaliber. Als junges Mädchen, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, träumt sie davon, Schauspielerin zu werden. Nach einigen Jahren in Wien kehrt Isabel kurz vor Ende des Krieges ins Salzkammergut zurück und muss sich dort den Veränderungen stellen. Das Salzkammergut, früher die Sommerfrische des jüdischen Großbürgertums aus Wien, ist zur Hochburg der NS-Bonzen und zur „Alpenfestung“, in der man nicht nur Kunstschätze verbirgt, geworden. Ihre Freundin Helene ermöglicht unter Einsatz ihres eigenen Lebens, Regimegegnern und Deserteuren das Abtauchen.

Statt der weinerlichen Rona, die mich stellenweise ziemlich genervt hat, hätte ich gerne mehr über Isabels Freundin Helene erfahren. Diese Ereignisse kommen für mein Dafürhalten leider ein wenig zu kurz.

Der Roman ist leicht zu lesen. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen gelingt mühelos. Geschickt sind die historischen Fakten in die Geschichte rund um Isabel eingeflochten.

Eine nette Idee ist es auch, zwischen den Kapiteln einzelne Kräuter und deren Wirkung vorzustellen.

Fazit:

Dieser Spurensuche nach den Wurzeln ihrer Familie, die die Leser in die Zeit des Zweiten Weltkrieges entführt, gebe ich 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

EIn Polizist mit Leichenphobie ermittelt

Seelenfriede
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Seelenfriede ist der erste Fall für Revierinspektor Werner Zufall, der im schönen Salzkammergut ermittelt.

Worum geht’s?

Der in Natascha verliebte Rudi sucht sich für das Liebesspiel eines der zahlreichen ...

Seelenfriede ist der erste Fall für Revierinspektor Werner Zufall, der im schönen Salzkammergut ermittelt.

Worum geht’s?

Der in Natascha verliebte Rudi sucht sich für das Liebesspiel eines der zahlreichen Bootshäuser am Attersee aus. Es ist natürlich nicht sein eigenes. Die Zärtlichkeiten werden jäh unterbrochen, als die ziemlich angeheiterte Natascha ein grausliche Entdeckung macht und das Liebespaar schlagartig nüchtern wird, um wenig später in einer Schwärze zu versinken.

Nahezu gleichzeitig findet die vierjährige Claudia beim Spielen an der Wasserlinie des Attersees eine männliche Leiche.

Ausgerechnet Revierinspektor Werner Zufall, der eigentlich keine Toten sehen kann, was für einen Polizisten eher blöd ist, muss zu der Wasserleiche.

Doch dieser unbekannte Tote wird nicht das einzige Problem sein, mit dem sich Werner Zufall, herumschlagen muss: Da wären dann noch sein Vater, der ihn unbedingt an die Frau bringen will, seine kiffende Tante und dann die ständigen Wortspiele mit seinem Namen sowie Rudi, der seine Freundin Natascha vermisst.

Meine Meinung:

Autor Erich Weidinger liebt das Salzkammergut und kennt sich hier bestens aus, führt er doch in Seewalchen eine Buchhandlung. Daher dürfen präzise Beschreibung von Land und Leuten nicht fehlen.

Dieser Krimi ist der erste, einer vorerst als Trilogie angelegten Reihe. Werner Zufall ist grundsätzlich gerne Polizist, nur mit Leichen hat er wenig am Hut. Denen geht er am liebsten aus dem Weg, was aber als Polizist bekanntlich nicht immer möglich ist.

Die Charaktere sind durchaus Menschen wie du und ich, wobei manche Eigenschaften einen Hauch überzeichnet dargestellt werden.

Neben der Krimihandlung erfahren wir einiges aus Werner Zufalls Privatleben, das so gut wie nicht existent ist. Er kann einem fast ein bisschen leidtun. Doch als er den Baumeister Baumann kennenlernt, der ebenfalls wegen seines Namens gehänselt wird, beschließt er zum einem, etwas gegen seine Ängste zu unternehmen und zum anderen, seinen Familiennamen zu ändern. Das wird dann bestimmt Thema in den nächsten Krimis „Seelenblick-2“ und „Seelensturm-3“ sein.

Fazit:

Ein Auftakt, einer Regionalkrimi-Reihe aus dem Salzkammergut, der Potenzial hat und von mir 3,5 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 26.03.2020

LEichte Krimiunterhaltung

Waldviertelfluch
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Dieser Krimi ist der dritte aus der Reihe um die umtriebige PR-Lady Walli Winzer, die als Hobby-Ermittlerin der örtlichen Polizei ein Dorn im Auge ist.

Anders als in der lauten Großstadt Wien geht es ...

Dieser Krimi ist der dritte aus der Reihe um die umtriebige PR-Lady Walli Winzer, die als Hobby-Ermittlerin der örtlichen Polizei ein Dorn im Auge ist.

Anders als in der lauten Großstadt Wien geht es im kleinen Waldviertler Ort Großlichten eher gemütlich und beschaulich zu, außer, es geht um ein Erbe. So auch diesmal, als während einer Weinverkostung einer der größten Winzer tot hinter dem Presshaus aufgefunden wird. Recht bald ist klar, dass hier jemand nachgeholfen hat, nur wer?

Die beiden Söhne, die unterschiedlicher nicht sein könnten? Die angebliche Russen-Mafia? Und was haben die Machenschaften des Bürgermeisters mit dem Tod des Winzers zu tun?

Walli fischt im Trüben, stochert in den Leben der Leute herum und wird, das kann Dorfpolizist Grubinger überhaupt nicht verstehen, zur „Leiterin“ der Ermittlungen ernannt. Geht’s noch? Eine Modepuppe aus Wien, ohne jegliche kriminalistische Ausbildung? Warum musste er, Grubinger, die Bank der Polizeischule drücken und die Schnepfe darf ermitteln?

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist mein erster aus der Feder von Maria Publig. Die beiden Vorgänger warten schon auf dem eBook-Reader. Es ist nicht notwendig diese zu kennen, denn es gibt immer wieder Rückblenden. Allerdings, wird manches gleich mehrfach erzählt, was irgendwie lästig ist. Als Leser kann man sich schon merken, dass Walli ihren Reiterhof vor dem Abriss gerettet hat, indem sie dem Bürgermeister beim Kauf zuvorgekommen ist.

Der Krimi selbst ist leicht zu lesen. Man erfährt einiges über Land und Leute, gibt sich den kulinarischen Genüssen hin. Die Mega-Spannung gibt es nicht.
Dass eine Zivilistin in einem Mordfall ermitteln darf ist ziemlich unwahrscheinlich.

Fazit:

Leichte Krimiunterhaltung mit kulinarischen Genüssen und Lokalkolorit, die mit knappen 4 Sternen belohnt wird.

Veröffentlicht am 16.11.2019

5 Tote und ein Virus - eine Herausforderung

Soko Sandbank
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Dieser Krimi ist der zweite Fall für das Ermittler-Duo Olofsen und Greiner. Innerhalb weniger Tage werden jeweils zwei Ehe-Paare auf ihren Yachten, die auf einer Sandbank nahe Cuxhaven aufgelaufen sind, ...

Dieser Krimi ist der zweite Fall für das Ermittler-Duo Olofsen und Greiner. Innerhalb weniger Tage werden jeweils zwei Ehe-Paare auf ihren Yachten, die auf einer Sandbank nahe Cuxhaven aufgelaufen sind, ermordet aufgefunden. Ein fünfter Toter scheint dann die Kriminalisten auf die rechte Spur zu führen, denn es steht nun fest, dass die Toten mehr gemeinsam hatten als nur den Liegeplatz in einem Yachtclub.

Gleichzeitig setzt ein Magen-Darm-Virus einige Mitarbeiter des Ermittlungsteams außer Gefecht. Es dauert eine geraume Weile bis klar ist, wo und wie sich die Polizisten angesteckt haben.

Dann fällt das letzte Puzzleteilchen an den richtigen Platz und der Täter ist ausgemacht. Doch kann man ihn noch vor einem neuen Verbrechen dingfest machen?

Meine Meinung:

Für mich ist dies der erste Krimi rund um Olofsen und Greiner. Auch wenn es heißt, den Vorgänger nicht zu benötigen, fehlt mir doch ein wenig der Hintergrund zu den beiden KHK. Olofsen scheint zwar dem Namen nach ein Nordlicht zu sein, aber kein Hanseate. Ich habe ja den Verdacht, dass er „strafversetzt“ worden ist, weil er durch seine eher ruppige Art jemandem auf die Zehen getreten ist. Dass er allerdings nichts von Schiffen versteht, mutet seltsam an. Aber, vielleicht ist das ebenso ein Klischee, wie dass alle Tiroler Schifahren können und die Schweizer jodeln.

Gut hat mir gefallen, dass hier die Ermittler und ihr Trupp ziemlich menschlich gezeigt werden. So liegen die Nerven blank, weil das ohnehin nicht üppige Personal durch den Virus weiter ausgedünnt wird. Dass hier das eine oder andere unbedachte Wort fällt, ist durchaus authentisch. Dass sich der Kriminaltechniker Pall für eine ungehörige Wortwahl bei Olofsen entschuldigt, zeigt von Größe und guter Kinderstube.

Aufgefallen ist mir, dass die beiden Ehefrauen, der Ermordeten, die ja auch getötet worden sind, dem Autor weder bei den Ermittlungen noch bei der Obduktion ein weiteres Wort wert gewesen sind.

Die nautischen Begriffe und die Arbeitsweise der Seenotretter finde ich sehr interessant. Das erfährt man ja als Landratte (so wie ich) nur wenig.
Dass Olofsen sich während der wenigen Tage vier Paar Schuhe ruiniert hat, sollte wohl humorvoll sein. Spätestens nach dem zweiten Mal hätte er taugliches Schuhwerk im Auto haben sollen. Nun, man könnte zu seiner Entschuldigung die Hektik auf Grund der vielen Erkrankungen und des Schlafmangels anführen. So ganz tough ist es meiner Ansicht nicht.

Fazit:

Da ich hier keine halben Sterne vergeben kann, runde ich auf vier auf, weil ich mich doch ganz gut unterhalten gefühlt habe und ich die Nord- und Ostsee mit ihren wortkargen Typen mag.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Eine sehr detailreiche Biografie Beethovens

Beethoven
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Diese Biografie gibt uns einen detailreichen Blick auf das Leben Ludwig van Beethovens. Sie bereitet die Leser auf die Flut von Büchern, die zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 erscheinen werden.

Ludwig ...

Diese Biografie gibt uns einen detailreichen Blick auf das Leben Ludwig van Beethovens. Sie bereitet die Leser auf die Flut von Büchern, die zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 erscheinen werden.

Ludwig wird 1770 in Bonn geboren. Vater Johann erkennt bald das musikalische Talent seines Sohnes und ermöglicht ihm eine fundierte Ausbildung. Allerdings ist Johann van Beethoven ein schwerer Alkoholiker. Dass dies in einer Zeit von chronischem Alkoholabusus erwähnt wird, sagt eigentlich alles. Natürlich prägt diese Kindheit einen Menschen. Dazu kommt, dass Ludwig in einer höchst dramatischen Zeit lebt: 1789 Revolution in Frankreich, 1793 werden König Louis XVI. und Königin Marie Antoinette geköpft, bis 1815 überzieht Napoleon ganz Europa mit Kriegen.
Da ist es erstaunlich, dass überhaupt Platz für Kunst und Kultur sein kann.
Ludwig hat nie gelernt mit Geld umzugehen und damit ist er ebenfalls ein Kind seiner Zeit. Schulden machen ist en vogue - Was kostet die Welt? Morgen schon kann alles vorbei sein!

Auch das unstete Leben ist typisch für seinen bürgerlichen Stand und die Epoche. Als Künstler muss er dorthin reisen, wo seine Mäzene leben. Er wird von zahlreichen Adeligen finanziell unterstützt. Er lernt die Créme de la Créme des kulturellen Lebens kennen: Haydn, Albrechtsberger, Salieri, Goethe oder die Brentanos.

Meine Meinung:

Ich mag grundsätzlich Biografien, die viele geschichtliche Details enthalten, die aus Briefen zitieren. Doch das eine oder andere Mal war es mir fast zu viel. Da werden zusätzliche Anmerkungen, die reine Nebenfiguren betreffen, in Klammer oder zwischen Bindestriche gesetzt.

Die aufwändige Recherchen der Autoren und das daraus gewonnene Wissen erschlagen den Leser beinahe. Nicht alles, was der Schriftsteller weiß, muss so detailliert an den Mann (Frau) gebracht werden.
In insgesamt 27 Kapiteln zeichnet Kirsten Jüngling ein eher düsteres Bild des Komponisten.

Der erbitterte Rechtsstreit um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl füllt viele Seiten. Hier wird jede Menge Schmutzwäsche gewaschen. Das Motiv, seinem Neffen eine adäquate Erziehung angedeihen zu lassen, erscheint mir hier ein wenig vorgeschoben bzw. dann in einem Justament-Standpunkt zu enden. Gut hat mir gefalllen, dass hier historische Details genannt werden, die sonst eher unbekannt wären: Zum Beispiel die unterschiedliche Gerichtsbarkeiten, die eine für die Adeligen, die andere (der Magistrat) für die Bürger.

Die zahlreichen echten oder angedichteten Liebschaften finden zwar Erwähnung, aber ganz erschließt sich mit Beethovens Verhältnis zu den Frauen nicht.

Einigen Lesern wird vielleicht unbekannt sein, dass es so etwas wie das Urheberrecht zu Beethovens Lebzeiten noch nicht gegeben hat. So konnte jeder – auch der Großmeister selbst – bei anderen Komponisten „abkupfern“. Musikverlage konnten die Notenblätter der Werke verkaufen, ohne dass der Schöpfer auch nur einen Cent an Tantiemen erhalten hätte – heute unvorstellbar.

Ähnlich wie das Buch von Eleonore Büning „Reden wir über Beethoven“, hat mir ein wenig die Leichtigkeit in dieser Biografie gefehlt.
Leider gibt es auch eine Reihe von Tippfehlern (z.B. „Geschäftsgebahren“ S.193), die mein Lesevergnügen ein wenig gestört haben.

Fazit:

Eine sehr detailreiche Biografie, der es ein wenig an Leichtigkeit fehlt. Dennoch gebe ich 4 Sterne, denn die viele Recherchearbeit sollen auch belohnt werden.