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Veröffentlicht am 27.11.2019

Zwischen gestern und heute

Sehnsucht nach St. Kilda
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"Sehnsucht nach St. Kilda" ist das erste Buch, das ich von der deutschen Autorin Isabel Morland gelesen habe. Durch ihre Reisen hat sie ihre Liebe für das rauhe Schottland entdeckt, welches die Kulisse ...

"Sehnsucht nach St. Kilda" ist das erste Buch, das ich von der deutschen Autorin Isabel Morland gelesen habe. Durch ihre Reisen hat sie ihre Liebe für das rauhe Schottland entdeckt, welches die Kulisse für ihre mystisch anmutenden Liebesromane bildet.

In ihrem neuen Roman geht es um die verlassene Hebriden-Insel St. Kilda, deren letzte Einwohner vor fast 90 Jahren aufs Festland evakuiert worden. Ein seltsamer Zauber umgibt ihre schroffe Schönheit, das spürt auch die Londonerin Rachel, die nach drei schweren Schicksalsschlägen in der Abgeschiedenheit der Insel Zuflucht sucht. Gemeinsam mit einigen Helfern soll sie für den National Trust Gebäude instand setzen. Und Rachel ist nicht die Einzige, die in den hellen Nächten keinen Schlaf findet und dem Schrei der wilden Vögel lauscht: Da ist auch noch der Fotograf Ailic, der hinter einer Maske von Leutseligkeit einen tiefen Schmerz verbirgt …

Das mystisch anmutende, stimmungsvolle Cover ist in sanften Farben gehalten. Es spiegelt die herbe Schönheit der Insel und schlägt jeden Betrachter in seinen Bann. St. Kilda ist ein Sehnsuchtsort, was der Titel des Buches ausdrücklich unterstreicht.

Wenn man sich auf dieses Buch einlässt, wird man sofort von dem eigenwilligen Charme dieser Hebriden-Insel gefangengenommen. Dank der anschaulichen Landschaftsbeschreibungen springt das Kopfkino sofort an, und man taucht ein in eine fremde, faszinierende Welt, in der die Grenzen von Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen.

Das Geschehen spielt auf zwei zeitlichen Ebenen, nämlich in der Vergangenheit, die wir in der Kindheit von Annie gegen Ende der 1920er Jahre bis Anfang der 1930er Jahre verorten können, und in der aktuellen Gegenwart, die auf 2005 festgelegt wird. Die Handlung wird aus zwei verschiedenen Perspektiven vermittelt. Hierbei wird die Vergangenheit aus dem Blickwinkel des kleinen Mädchens Annie betrachtet, die ihre geliebte Heimat aufgrund der sich extrem verschlechternden Lebensbedingungen auf St. Kilda verliert, während die Gegenwart aus der Sichtweise der alleinerziehenden jungen Mutter Rachel geschildert wird.

Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei starke Frauengestalten, die schlimme Schicksalsschläge in ihrem Leben ertragen mussten. Annie und Rachel sind sehr sympathisch; dies gilt vor allem für Rachel, die ihren Mann durch eine unheilbare Krankheit verloren hat und mit ihrem kleinen Sohn Sam in der Metropole London lebt. Mit mehreren Jobs versucht sie, sich in der Metropole London über Wasser zu halten, bis sie sich ihr Scheitern eingestehen muss und nach Schottland zu ihrer betagten Großmutter Annie zieht. Durch einen glücklichen Zufall erhält sie einen Aushilfsjob als Köchin für einen Workshop des National Trust for Scotland und darf 4 Wochen lang auf der Hebriden-Insel St. Kilda verbringen, die für ihre Großmutter Annie untrennbar mit den Erinnerungen an ihre entbehrungsreiche, glückliche Kindheit in einer intakten Gemeinschaft und ihren zwei Jahre älteren besten Freund Finlay verbunden ist. Auf der Suche nach einem verloren gegangenen "Schatz" ihrer Großmutter verliert sie ihr Herz an den berühmten Landschaftsfotografen Ailic Burnett, der aufgrund eines traumatischen Erlebnisses einer festen Beziehung aus dem Weg gehen möchte.

Der Roman "Sehnsucht nach St. Kilda" ist eine reizvolle Mischung aus historischen Fakten und literarischer Fiktion. Für mich persönlich ist die Schilderung der geschichtlichen Ereignisse, die zur Evakuierung der einheimischen Bevölkerung auf das Festland führten, etwas interessanter gewesen als die romantische Liebesgeschichte zwischen Rachel und Ailic, die etwas zu vorhersehbar gestaltet worden ist. Dafür wird Isabel Morland jeden Leser zu Tränen rühren, weil sie gegen Ende des Buches mit einer riesengroßen Überraschung aufwartet, die man niemals erwartet hätte.

Alles in allem ist "Sehnsucht nach St. Kilda" ein Buch der leisen Töne, das jeden Leser betroffen macht. Isabel Morland beschönigt nichts, das entbehrungsreiche, harte Leben der Bewohner von St. Kilda wird anschaulich geschildert, so dass man ihre schwere Entscheidung gegen ihre Heimat und für eine Evakuierung logisch nachvollziehen kann. Auch wenn sie St. Kilda verlassen mussten, in alle Winde zerstreut wurden und gezwungen waren, ein neues Leben fernab von ihren vertrauten Nachbarn zu führen, sind ihre Herzen fest mit diesem Ort verwurzelt; die einstigen Bewohner halten die Vergangenheit lebendig und träumen von einer Rückkehr an diesen Sehnsuchtsort - und für Annie McViccar wird sich dort der Kreis wieder schließen.

Diese berührende, emotionale und unterhaltsame Familiengeschichte könnte sich zu meinem persönlichen Lese-Highlight entwickeln. Auf jeden Fall vergebe ich gern die Höchstnote und spreche eine klare Lese-Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 19.11.2019

Orphan Girl

Nellie Bly
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Lange vor Günter Wallraff haben investigative Journalisten durch aufsehenerregende Reportagen für Schlagzeilen gesorgt. Zu ihnen zählt Elizabeth Jane Cochran (1864 - 1922), die unter ihrem selbstgewählten ...

Lange vor Günter Wallraff haben investigative Journalisten durch aufsehenerregende Reportagen für Schlagzeilen gesorgt. Zu ihnen zählt Elizabeth Jane Cochran (1864 - 1922), die unter ihrem selbstgewählten Pseudonym Nellie Bly als die erste amerikanische Undercover-Reporterin in die Geschichte eingegangen ist. In seiner Biografie "Nellie Bly. Die Biografie einer furchtlosen Frau und Undercover-Journalistin" schildert Nicola Attadio wichtige Momente aus dem Leben dieser starken Frau, die für ihre Reportagen in eine psychiatrische Anstalt, an die Front des 1. Weltkrieges und als erste Frau, ohne männliche Begleitung, in 72 Tagen um die Welt reiste.

September 1887: Eine junge Frau klopft an die Tür von John Cockerill, Direktor von Pulitzers Zeitung »New York World«. Sie verlangt, als Reporterin eingestellt zu werden. Keine Frau hat sich bisher so weit vorgewagt. Ihr Name ist Elizabeth Cochran, sie ist 23-jährig, seit drei Jahren schreibt sie unter dem Pseudonym Nellie Bly für den »Pittsburgh Dispatch«. Nellie Blys Idee, undercover in die psychiatrische Anstalt Blackwell‘s Island zu gehen und aus erster Hand über die dortigen Zustände zu berichten, überzeugt Cockerill. Es entsteht eine Reportage, die in die Geschichte des Journalismus eingeht und weit über New York hinaus Schlagzeilen macht. Doch das ist erst der Anfang einer beeindruckenden journalistischen Karriere. Sie reist allein und in Rekordgeschwindigkeit um die Welt, wird zum Albtraum korrupter Politiker und berichtet von Beginn weg als einzige Kriegsreporterin von der Ostfront des Ersten Weltkriegs, wo sie vier Jahre bleibt.


Das Cover zeigt ein Portrait von Elizabeth Jane Cochran in Sepia, das alle gängigen Klischees von einer jungen Dame spiegelt, die aus einem (früher wohlhabenden) gutem Hause stammt. Ihr Haar ist ordentlich frisiert und aufgesteckt, ihre Kleidung wirkt adrett und ist hochgeschlossen, wie es sich gehört. Auch ihre gerade Haltung und ihr sanftes Lächeln passt in dieses Bild. Nur ihre ernsten Augen können ihren eigenen Willen nicht verleugnen,. Jeder aufmerksame Betrachter ahnt, dass diese junge Dame für sich selbst einstehen kann und will.

Etwas Anderes bleibt ihr nicht übrig. Denn der soziale Abstieg nach dem Tod ihres Vaters macht alle Hoffnungen auf eine rosige Zukunft zunichte. Die neue Ehe ihrer Mutter endet mit einer Katastrophe, es ist kein Wunder, dass sie sich selbst vor einem ähnlichen Schicksal schützen will. Leider kann sie ihre angestrebte Laufbahn wegen fehlender finanzieller Mittel nicht fortführen, sie lässt sich nicht irritieren, setzt auf eine autodidaktische Bildung und behauptet sich in einer von Männern dominierten Welt.

Das Leben von Nellie Bly ist nicht gradlinig verlaufen, es weist viele Brüche und Sprünge auf, die jeden kritischen Betrachter stutzen lassen. Eins jedoch ist sicher: Sie war alles andere als gewöhnlich. Nach ihrem erfolgreichen Einsatz als "Undercover-Reporterin" in einer Irrenanstalt in New York folgten weitere aufsehenerregende Reportagen und eine spektakuläre Reise um die Welt, auf den Spuren von Jules Verne, die sie in den Fokus der Öffentlichkeit rückten. Danach suchte sie sich eine neue Herausforderung und übernahm nach dem Tod ihres wesentlich älteren Mannes die Leitung eines großen Konzerns. Nach dem durch einen Betrug ihres engsten Mitarbeiters verursachten wirtschaftlichen Zusammenbruch ihres Unternehmens kehrte sie wieder in ihren Beruf als Journalistin zurück und machte als mutige Kriegsberichterstatterin an der Ostfront während des Ersten Weltkriegs von sich reden.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich niemals zuvor von Nellie Bly gehört hatte. Sie war für mich eine große Unbekannte, genauso wie das in den USA bekannteLied von Stephen Foster, das Elizabeth Jane Cochran zu ihrem Pseudonym inspiriert hat. Dank der einfühlsamen Biographie von Nicola Attadio habe ich diese Wissenslücke füllen können. Er schreibt in einem nüchternen, sachlichen Stil, fasst die Höhepunkte ihres Lebens kurz und knapp zusammen und ordnet sie in den geschichtlichen Zusammenhang ein. Dennoch kann man seine Bewunderung für diese starke Frauengestalt des 19. Jahrhunderts in jeder Zeile seiner Buches spüren, die stets ihrem sozialen Gewissen gefolgt ist, mit spitzer Feder die gesellschaftlichen Zustände ihrer Zeit kritisch hinterfragt und sich im von männlichen Wertvorstellungen geprägten Viktorianischen Zeitalter durchgesetzt hat.

Wir sollten ihr Andenken in Ehren halten. Deshalb gibt es von mir eine klare Lese-Empfehlung!


Veröffentlicht am 03.11.2019

Schwestern

Die Schuld jenes Sommers
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Vor einigen Jahren habe ich die historischen Romane der englischen Schriftstellerin Katherine Webb entdeckt. Seitdem fiebere ich jeder Neuerscheinung entgegen. In ihrem Buch "Die Schuld jenes Sommers" ...

Vor einigen Jahren habe ich die historischen Romane der englischen Schriftstellerin Katherine Webb entdeckt. Seitdem fiebere ich jeder Neuerscheinung entgegen. In ihrem Buch "Die Schuld jenes Sommers" führt sie ihre Leser in eine dunkle Epoche. Im April 1942 verschwindet der kleine Davy im Chaos eines Bombenangriffs auf die englische Stadt Bath. Frances wird von schrecklichen Schuldgefühlen geplagt. Warum nur hat sie Davy allein gelassen? Und lebt er noch?

Am nächsten Morgen wird das Skelett eines kleinen Mädchens gefunden: Die Tote ist Frances Freundin Wyn, die vor über 20 Jahren spurlos verschwand. Und so taucht Frances während ihrer unermüdlichen Suche nach Davy ein in die Vergangenheit, deren dunkle Schatten sie bis heute begleiten. Doch sie ist fest entschlossen herauszufinden, was in jenem Sommer vor 20 Jahren geschah ...

Das ansprechende Cover ist in warmen Farben gehalten. Der Betrachter blickt direkt auf einen gewundenen Weg, der durch eine naturbelassene Landschaft zu einem alten Haus führt. Es scheint ein warmer Sommerabend zu sein, die Sonne scheint untergegangen zu sein, aber von einer heiteren ländlichen Idylle kann keine Rede sein. Man ahnt eine drohende Gefahr, die irgendwo im Nirgendwo auf einen nichtsahnenden Spaziergänger lauert. Auch der aussagekräftige Titel zielt in die gleiche Richtung und weckt eine gewisse Erwartungshaltung ,

Angesiedelt ist der Roman in der englischen Stadt Bath im Südwesten Englands, wo die Schriftstellerin Katherine Webb ganz in der Nähe lebt. Diesmal nimmt sie ihre Leser mit in eine dunkle Epoche Europas, die von zwei Weltkriegen geprägt ist. Die Handlung spielt auf zwei zeitlichen Ebenen, nämlich im Jahre 1942 und in der Zeit des Ersten Weltkriegs, an die sich die Protagonistin Frances in Form von Rückblenden erinnert. Zentrales Motiv ist die verzweifelte Suche nach einem vermissten Kind, das in dem Leben von Frances eine besondere Rolle einnimmt.

Man kann das literarische Können von Katherine Webb nur bewundern. Einfühlsam schildert sie die schreckliche Bombardierung Baths durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Man erlebt das Chaos der Kriegswirren, man fühlt Hunger, Not und Verzweiflung der Zivilbevölkerung, die viele Schicksalsschläge ertragen muss. Die Grundstimmung dieses Romans ist düster; auch die Protagonistin Frances ist eine depressive, gebrochene Figur, die mit dem Gefühlschaos in ihrem Inneren ringt, als die Leiche ihrer ehemals besten Freundin Wryn gefunden und ein "cold case" wieder aufgerollt wird.

Mit einem Schlag wird die lange verdrängte Vergangenheit wieder lebendig, und Frances erinnert sich an ihre Kindheit in Bath. Während sie selbst in einer liebevollen Familie aufgewachsen war, stammte Wryn aus einer bitterarmen dysfunktionalen Familie, in der brutale Gewalt an der Tagesordnung war. Frances hat den Verlust ihrer besten Freundin nicht verarbeitet, nur verdrängt. Die schrecklichen Ereignisse haben ihr Leben zerstört. Nach dem Verschwinden von Wryn war ein geflohener deutscher Kriegsgefangener, der losen Kontakt zu den kleinen Mädchen hatte, für den Tod von Wryn verantwortlich gemacht und hingerichtet worden. Nun kämpft sie mit tiefen Schuldgefühlen, weil sie selbst niemals über eine an ihr begangene sexuelle Gewalttat in jenem Sommer gesprochen und durch ihr Schweigen wider besseres Wissen mitschuldig an einem grausamen Verbrechen geworden ist.

Mit dem Roman "Die Schuld jenes Sommers" ist Katherine Webb ein packender historischer Roman um einen lange zurückliegenden Mord gelungen, in dem ein schockierendes Familiengeheimnis aufgedeckt wird. Mich hat dieses dramatische, emotionale Buch trotz einiger Längen überzeugt, und ich spreche eine klare Lese-Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 03.10.2019

Weihnachten mit Herz und Hund

Stille Nacht, flauschige Nacht
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Weihnachten ist keine Jahreszeit. Es ist ein Gefühl.

(Edna Ferber)


Zugegeben: der neue Weihnachtsroman von Petra Schier ist etwas früh ins Haus geflattert. Auf den ersten Schnee, der alle Gärten in ...



Weihnachten ist keine Jahreszeit. Es ist ein Gefühl.

(Edna Ferber)


Zugegeben: der neue Weihnachtsroman von Petra Schier ist etwas früh ins Haus geflattert. Auf den ersten Schnee, der alle Gärten in winterliche Traumlandschaften verwandelt, müssen wir noch etwas warten. Dennoch habe ich es mir mit einer Heißen Schokolade, einigen selbstgebackenen Keksen und dem romantischen Roman "Stille Nacht, flauschige Nacht" auf dem Sofa gemütlich gemacht und ein Wiedersehen mit der liebenswerten Hoteliers-Familie Sternbach gefeiert, die ich in dem Buch "Vier Pfoten für ein Weihnachtswunder" kennengelernt habe.

Es ist kurz vor Weihnachten, Patrick versinkt mit seinem gut gehenden Bauunternehmen in Arbeit. Zu Hause verwandeln die Zwillinge Joel und Jessica gemeinsam mit Hund Oskar noch das bisschen verbliebene Ruhe in Chaos. Dass nach der Kündigung eines Mitarbeiters Patricks einzige Rettung die quirlige und nervenaufreibend gut organisierte Angelique ist, lässt ihn erst recht verzweifeln. Das Konfliktpotenzial zwischen ihnen ist einfach viel zu hoch, niemals kann das gut gehen! Zu seiner Überraschung kommen sie allerdings viel besser miteinander aus, als Patrick erwartet hat - auch privat - und das war auf keinen Fall geplant. Eine verwirrende Romanze ist das Letzte, was Patrick jetzt gebrauchen kann. Mischlingshund Oskar hingegen ist da ganz anderer Meinung.

Das glitzernde Cover ist ein Traum! Wer die muntere Promenadenmischung mit den dunklen Augen auf dem Schutzumschlag betrachtet, hat schon verloren: Oskar startet einen Flauschangriff mitten ins Herz. Eine gewisse Ähnlichkeit mit "Boomer, dem Streuner", der in der gleichnamigen US-Serie die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass dieser kleine Held es faustdick hinter seinen Öhrchen hat, ahnt man schon, ehe man die ersten Seiten des Romans gelesen hat...

Wieder einmal hat Petra Schier einen zauberhaften Weihnachtsroman mit Herz und Hund vorgelegt, der mich in seinen Bann geschlagen hat. Alle Protagonisten sind genau ausgearbeitet, sie besitzen viele Ecken und Kanten und agieren absolut glaubwürdig. Dies gilt vor allem für Patrick und Angelique, welche zwei ausgemachte Kontrollfreaks sind, die vor allzu viel Nähe und Liebe zurückschrecken und im Laufe der Handlung lernen müssen, einfach loszulassen, ihren Verstand auszuschalten und auf ihre Gefühle zu vertrauen.

Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven dargestellt. Auf diese Weise kann man sich gut in alle Charaktere einfühlen und ihre Handlungsweisen nachvollziehen. Auch der kleine Mischlingshund Oskar kommt nicht zu kurz. Petra Schier verleiht dem ehemaligen Streuner eine eigene Stimme, und es macht so viel Spaß, sich auf seine Gedankengänge einzulassen, die jedem Leser ein Lächeln ins Gesicht zaubern werden.

Wenn Weihnachten ein Gefühl ist, dann hat Petra Schier es in ihrem neuen Roman "Stille Nacht, flauschige Nacht" perfekt wiedergegeben. Mit ihren atmosphärisch dichten, stimmungsvollen Beschreibungen und ihrem angenehmen, lebendigen Schreibstil hat sie eine wunderschöne weihnachtliche Stimmung aufs Papier gezaubert, die ihren Wohlfühl-Roman mit Herz und Hund zur perfekten Lektüre für die schönste Zeit im Jahr machen.

Veröffentlicht am 21.09.2019

Im Tante Emma Laden

Darf`s ein bisschen Mord sein?
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"Tante Emma" - so lautet ein bekanntes Lied des Entertainers Udo Jürgens aus den späten Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das im kollektiven Gedächtnis fest verankert ist. In Band 11 der ...

"Tante Emma" - so lautet ein bekanntes Lied des Entertainers Udo Jürgens aus den späten Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das im kollektiven Gedächtnis fest verankert ist. In Band 11 der erfolgreichen Reihe um Loretta Luchs nimmt uns die Autorin Lotte Minck auf eine Zeitreise der ganz besonderen Art.

Seit Jahrzehnten ist Gittis Tante-Emma-Laden Dreh- und Angelpunkt der nachbarschaftlichen Nachrichten- und Lebensmittelversorgung. Als Gitti sich bei einem Sturz das Schlüsselbein bricht, ist es für Stammkundin Loretta Ehrensache, im Laden auszuhelfen. Doch der Sturz war nur vermeintlich ein Unfall. Als dann auch noch eine Leiche vor Gittis Haustür liegt, steht für Loretta fest: Hier stinkt es gewaltig, und zwar nicht nach dem Tilsiter aus der Käsetheke!

Bereits das Retro-Cover von Ommo Wille ist eine Hommage an die gute alte Zeit. Mit einem Schlag fühlt man sich in die Siebziger und Achtziger Jahre versetzt, in denen sich die beliebten Tante-Emma-Läden gegen die aufstrebenden Supermärkte behaupten konnten. Auf den ersten Blick scheint es mit seinen dunklen Farben, die nur von einigen hellen Tönen durchbrochen werden, unauffällig. Bei gründlicher Betrachtung fallen viele Details auf, die Omma Wille in die winterliche Szene eingearbeitet hat. Der Betrachter sieht eine lässig gekleidete Frau mit dunklen Locken vor der Eingangstür stehen und aufmerksam das Treiben auf der verschneiten Straße beobachten. Auch wenn eine weiße Schürze Ringelpulli und Jeans verdeckt, liegt es nahe, in ihr Loretta Luchs, die Heldin der Ruhrpott-Krimödie zu erkennen, die für die unschlagbare Kombination von Herz und Schnauze bekannt ist.

Der Titel ist schlichtweg genial, eine augenzwinkernde Variation eines typischen Spruchs, den man aus jedem Tante-Emma-Laden kennt. Die Ruhrpott-Krimödie atmet viel Lokalkolorit, Lotte MInck hat allen Protagonisten, die man als eingefleischter Loretta-Luchs-Fan aus den bereits erschienenen Bänden der Reihe kennt, viel Leben eingehaucht, angefangen von der jeweils unverwechselbaren Sprache bis zu den typischen Charaktereigenschaften. Das Hobby-Ermittler-Team Loretta, Erwin und Frank hilft einer patenten alten Ladenbesitzerin aus der Klemme, die von Fremden zum Verkauf ihres Geschäftes gedrängt wird. Routiniert nimmt es die Ermittlungen in einem komplizierten Fall auf und ist wieder einmal schlauer als die Polizei erlaubt.

Auch der 11. Band zeichnet sich durch den lakonisch-lässigen, humorvollen Schreibstil von Lotte Minck aus, die eine unterhaltsame, spannende Geschichte vorgelegt hat. Routiniert lockt sie ihre Leser auf falsche Fährten und überrascht mit unerwarteten Wendungen, so dass dieser Roman nicht eine einzige Sekunde lang langweilig wird.

Vorsicht: Suchtgefahr! Wer einmal mit der Lektüre dieser Ruhrpott-Krimödien angefangen hat, wird nicht mehr aufhören können. Deshalb vergebe ich fünf Sterne und wünsche mir viele weitere Abenteuer um das bodenständige, hilfsbereite, selbstbewusste "Hornbrillen-Girl" aus Bochum, das aus seinem Herzen keine Mördergrube macht!