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Veröffentlicht am 09.12.2019

Berührende Geschichte zur Weihnachtszeit

Das Strandhaus der kleinen Kostbarkeiten
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Die 51jährige Karen ist Literaturagentin und hat eine eigene kleine Verlagsagentur in Berlin. Gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter Hannah lebt sie im oberen Stockwerk ihrer Büroräume. Es ist wenige ...

Die 51jährige Karen ist Literaturagentin und hat eine eigene kleine Verlagsagentur in Berlin. Gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter Hannah lebt sie im oberen Stockwerk ihrer Büroräume. Es ist wenige Tage vor Weihnachten und der jährliche Pflichtbesuch bei ihrer Mutter auf Husum steht an. Hannah verbringt den Heiligen Abend bei ihrem Vater und seiner neuen Familie, während Karin sich widerwillig auf den Weg Richtung Nordsee macht. Die Beziehung zu ihrer Mutter Marit ist sehr distanziert und Karen ist meistens froh, wenn sie sich wieder auf den Heimweg nach Berlin aufmacht. Zwischen den Frauen herrscht seit einem Ereignis in der Vergangenheit, welches der Leser zu Beginn noch nicht kennt, eine Art Mauer. Doch diesmal ist es anders, denn in Husum angekommen, trifft Karen bei ihrer Mutter auf Bent. Er ist einige Jahre älter als Karen und war ihr Teenagerschwarm. Bent hat sich nach dem Tod seiner Mutter, die eine Freundin von Marit war, mit ihr angefreundet und unterstützt Marit hin und wieder. Zudem ist er wieder zurück in der Heimat, nachdem er seinen anstrengenden Job, der ihn rund um die Welt geführt hat, gekündigt hat. Bent möchte demnächst ein Restaurant in Husum eröffnen. Nach all den stressgen Jahren sucht er nach Ruhe. Im Beisein von Bent geben sich Mutter und Tochter nicht so verkrampft und beide Frauen gehen etwas mehr aus sich heraus, doch es brodelt weiterhin an der Oberfläche.... Ob Bent das Vertrauen zwischen den beiden Frauen wieder herstellen kann?

Karen fühlte sich nach einem traumatischen Ereignis in ihrer Familie nicht wirklich geliebt und dieses Ereignis und ihre Gefühle haben sich bis heute tief in ihr Herz gegraben. Nach außen hin ist sie sehr pflichtbewusst. Karen liebt ihren Job und hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter Hannah. Zu ihrer Mutter und zu Männern hat sie allerdings ein etwas angespanntes Verhältnis. Die jahrzehntelange Sprachlosigkeit zwischen Marit und Karen hat Jan Steinbach außerordentlich gut dargestellt. Es geht hier vorallem um Familiengeheimnisse und ums Verzeihen können. Mit Bent hat der Autor einen sehr symapthischen männlichen Charakter entworfen, der sich nach turbulenten beruflichen Jahren nach Ruhe und seiner Heimat sehnt. Außerdem möchte er sich seiner großen Liebe, dem Kochen, widmen. Und es wird in diesem Roman auch gekocht und gegessen...da läuft einem oft das Wasser im Mund zusammen. Man sollte daher diesen Roman auf keinen Fall hungrig lesen ;)
Das Ende kam für mich etwas abrupt und lässt einigen Spielraum, beantwortet aber die wichtigsten Fragen und versprüht Zuversicht.


Der Erzählstil ist ruhig und passt zur vorweihnachtlichen Stimmung. Absolut gelungen ist die winterliche Atmosphäre in Husum und der nahen Nordsee. Mit viel Lokalkolorit und friesischen Rezepten am Ende des Romans, fühlt man sich als Leser schnell angekommen. Auch das heimelige Cover versprüht diese Stimmung und passt hervorragend in die Weihnachtszeit. Nur den Titel finde ich etwas irreführend. Er passt nicht wirklich zur Geschichte.

Fazit:
Eine nette warmherzige Geschichte mit kleinen Botschaften, die perfekt in die Weihnachtszeit passt.

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Veröffentlicht am 05.12.2019

Abtauchen in sonnige Gefilde

Die Stille der Savanne
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Der neue Roman von Heike Franke ist für mich das dritte Buch der Autorin. Der Inhalt ist wieder ganz anders und der Schreibstil ist diesmal einfach wunderbar lebendig und bildhaft. Aber beginnen wir von ...

Der neue Roman von Heike Franke ist für mich das dritte Buch der Autorin. Der Inhalt ist wieder ganz anders und der Schreibstil ist diesmal einfach wunderbar lebendig und bildhaft. Aber beginnen wir von vorne....
Alexandra will das neue Jahr mit einem neuen Lebensabschnitt beginnen. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund Paul plant sie bereits seit Monaten eine Weltreise. Ein Jahr Auszeit haben sich die Beiden genommen und ihr altes Wohnmobil restauriert. Die Route ist festgelegt und alle erforderlichen Impfungen erledigt, als Alexandra zu Silvester einen Zettel von Paul findet, in dem er ihr mitteilt, dass er die Reise mit seiner neuen Flamme Sabine angetreten hat. Die Welt von Alex bricht in Scherben. Sie kann es nicht fassen und hadert mit ihrem Schicksal. Ihre ältere Nachbarin Magda Kaiser kümmert sich rührend um Alex und rückt nach einiger Zeit mit einer Bitte heraus. Sie hat seit 5 Jahren nichts mehr von ihrer Tochter Eva gehört, die den Kontakt zur Familiegänzlich abgebrochen hat. Sie bittet Alex den Aufenthaltsort auszuforschen und schickt sie anschließend nach Kenia, wo sich die letzten Spuren ihrer Tochter ausfindig machen konnten. Um sich von ihrem Liebeskummer und der freien Zeit abzulenken, nimmt Alexandra das Angebot an und landet vorerst in einem Luxus-Resor.

Heike Franke hat in "Die Stille der Savanne" einen bildgewaltigen Roman geschrieben, der die Sehnsucht nach Afrika weckt. Ich bin eher kein Afrika-Fan, sondern tendiere zu Asien oder Südamerika, aber die wundervollen detaillierten und bildhaften Beschreibungen der Landschaft und der Tierwelt hat mich augenblicklich gefangen genommen. Gekonnt stellt die Autorin die Gegensätze des Landes dar. Einerseits das Luxus-Resort der Urlauber und andererseits das ärmliche und einfachen Leben der Kenianer. Die Schönheit des Landes und seiner Tierwelt wird durch die angetretene Safari von Alex in die Savanne eindrucksvoll geschildert. Vorallem die Fußpirsch, die sie unternimmt, wird bemerkenswert beschrieben und öffnet jedermanns Herz für Mutter Natur. Am liebsten würde man selbst sofort die Koffer packen und in den dunklen Kontinent reisen. Auch Alexandra erliegt der Schönheit Kenias und findet langsam wieder ins Leben zurück. Eine große Hilfe sind auch diverse Gäste des Hotels, die sie auf andere Gedanken bringen, ihr dabei helfen Eva zu finden und sich von Paul zu lösen. Alexandra ist sich sicher nach Kenia zurückzukehren, denn die Sehnsucht, die dieser Kontinent erweckt, ist wohl nie ganz zu stillen." (Rolf Seelmann - Eggebert)

Die Charaktere sind facettenreich und lebendig dargestellt. Ich konnte mir jeden von ihnen lebhaft vorstellen. Die Entwicklungs Alexandras ist erkennbar und die Botschaft dahinter hat mir sehr gut gefallen. Ihre Gefühls- und Gedankenwelt wird authentisch dargestellt. Auch die vielen Nebencharaktere sind lebendig und bergen noch die eine oder andere Überraschung. Die spannende Suche nach Eva trägt zu einem flotten Lesetempo bei.

Leider gestaltet sich das Ende dann aber zu schnell und bringt einige Sequenzen mit sich, die der Roman nicht gebraucht hätte. Das fand ich schade und hat die sonst wirklich hervorragende Geschichte ein bisschen "zerstört".

Fazit:
Ein bildgewaltiger Roman an einem exotischen Schauplatz, der durch wunderbare Landschaftsbeschreibungen und mit Bilder rund um die interessante Tierwelt Afrikas punkten kann. Man würde am liebsten sofort die Koffer packen und die Hauptprotagonistin auf ihrer Reise begleiten. Einzig das Ende hat mich dann etwas unzufrieden zurückgelassen...trotzdem ein richtiges Wohlfühlbuch zum Abtauchen in sonnige Gefilde.

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Veröffentlicht am 26.11.2019

Für spannende Lesestunden

Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
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Der neue Thriller von Arno Strobel ist mir bereits im Vorfeld aufgefallen. Schon alleine das Cover ist ein Hingucker und das Thema Detox momentan in aller Munde. Ich sitze zwar auch täglich im Büro und ...

Der neue Thriller von Arno Strobel ist mir bereits im Vorfeld aufgefallen. Schon alleine das Cover ist ein Hingucker und das Thema Detox momentan in aller Munde. Ich sitze zwar auch täglich im Büro und danach auch zuhause Stunden vor dem PC, aber ein Handyfreak bin ich überhaupt nicht. Im Gegensatz zu den jungen Leuten von heute bin ich ohne Handy aufgewachsen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich nicht so sonderlich gut auskenne, auch wenn ich auf Instragram bin. Ein paar Tage ohne dem Teil wäre für mich eher kein Problem.
Für die Gruppe, die sich bei der Agentur Triple-O Journey angemeldet haben, um sich auf eine digitale Auszeit zu begeben, scheint es jedoch nicht so einfach zu sein. Die Veranstalter Johannes, Ellen und Nico haben sich als Location für dieses Abenteuer ein noch nicht fertig gestelltes Hotel am Königssee ausgesucht. Obwohl heftiger Schneefall gemeldet wird, soll die Wanderung auf den Watzmann stattfinden. Hier musste ich das erste Mal mit der Stirn runzeln, denn kein erfahrener Bergführer würde mit einer Gruppe unerfahrener Wanderer bei dem gemeldeten Wetterbedingungen aufsteigen. Aber gut...es ist ein Thriller und dieses Detail ist wichtig für den Plot...also ein Auge zugedrückt.
Zur Reisegruppe gehören auch Jenny, die Chefin einer Kommunikationsgesellschaft, die mit ihrem Team rund um Thomas, Anna und Florian ein Wochenende offline verbringen möchte. Sie ist die Ich-Erzählerin der Geschichte und Hauptprotagonistin. Dabei sind auch Sandra, eine Angestellte, das Ehepaar Annika und Matthias, sowie der Vermögensberater David. Es kommt, wie es kommen muss....der angekündigte Schneefall setzt noch stärker ein, als prognostiziert und die Gruppe ist im Hotel mit den anwesenden zwei Hausmeister eingeschlossen.
Bereits in der ersten Nacht ist ein Teilnehmer der Gruppe verschwunden und wird später zwar lebend gefunden, ist jedoch all seiner Sinne beraubt. Er kann weder hören, noch sehen oder sprechen und ist in seinem eigenen Körper gefangen....eine sehr grausame Vorstellung!

Vom Autor kenne ich bereits "Fremd", das er gemeinsam mit Ursula Poznanski geschrieben hat. "Offline ist nun mein erstes Buch von Arno Strobel, das aus seiner Feder stammt. In seinem neuen Thriller nimmt er sich einer nicht mehr ganz neuen Idee an, die aber noch immer zieht: Eine Gruppe Menschen eingesperrt in einem Gebäude, abgeschnitten von der Außenwelt, das wachsende Misstrauen der Figuren untereinander und ein Toter nach dem anderen, wobei man die Gewissheit hat, dass sich der Täter nur unter den Teilnehmern der eingeschlossenen Gruppe befinden kann. Richtig perfekt für Gänsehautfeeling!
Das erhält man allerdings nur teilweise. Die Tötungsart ist grausam, die Spannung hoch, jedoch fand ich die Figuren etwas stereotyp, die etwas mehr Tiefe vertragen hätten. Auch die immer selben Dialoge und Streitigkeiten beginnen mit der Zeit zu nerven und die Handlungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar, erhöhen aber die Spannung. Und spannennd ist das neue Werk von Arno Strobel allemal. Man rast förmlich durch das Buch und hält den Atem an. Das Ende hätte gerne noch etwas länger und ausführlicher sein können und der Titel "Offline" birgt eigentlich nur für die angegebene handylose Zeit, die durch die Störung des Netzes wegen dem Schneesturms sowieso eingetroffen wäre....

Wie schon vorher erwähnt ist der Plot nicht unbedingt neu, aber seit Agathe Christie`s "Zehn kleine Negerlein" noch immer sehr beliebt. Ich muss aber sagen, dass ich bei dieser Art von "Whodunit Krimis" den wirklich sehr guten Krimi "Blutlauenen" von Christof Gasser bevorzuge, den ich sehr gerne weiterempfehle. Ich fand ihn weitaus besser und er hat auch noch einen Strang aus der Vergangenheit, der dem Morden a la 10 kleine Negerlein wirklich auch Sinn ergibt...

Schreibstil:
Der Schreibstil ist eher einfach, lässt sich aber wunderbar flüssig lesen. So eilt man von Seite zu Seite, um der Auflösung näher zu kommen. Die unheimliche Stimmung im teilweise restaurierten Hotel wird großartig vermittelt. Um die Spannung noch zu erhöhen lesen wir neben der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Jenny auch noch aus anderen Sichweisen.

Fazit:
Ein sehr spannender Thriller, der allerdings nicht unbedingt etwas Neues erzählt. Das Motiv für die Tötungen ist interessant, die Lösung gut gewählt. Für spannende Lesestunden kann ich den neuen Thriller von Arno Strobel allemal empfehlen!

Veröffentlicht am 21.11.2019

Zwei einsame Seelen

Noch alle Zeit
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Nachdem der Vater von Edvard die Familie ohne ein Wort verlassen hat, hat er sich sein ganzes Leben lang um seine Mutter gekümmert, die an der "Automatenkrankheit" litt. Dabei ist sein eigenes Leben ins ...

Nachdem der Vater von Edvard die Familie ohne ein Wort verlassen hat, hat er sich sein ganzes Leben lang um seine Mutter gekümmert, die an der "Automatenkrankheit" litt. Dabei ist sein eigenes Leben ins Hintertreffen geraten. Nun ist die Mutter tot und Edvard auch nicht mehr der Jüngste. Seine große Liebe Elsie hat er gehen lassen, da er das Gefühl hatte seine Mutter nicht verlassen zu können. Nun ist Elsie, nach einer gescheiterten Ehe, wieder in das kleine Dorf am Deich zurückgekehrt. Da findet Edvard im Schrank seiner Mutter ein Sparbuch auf seinem Namen, auf demjahrelang regelmäßig eingezahlt wurde. Es scheint, als hätte sein Vater aus Norwegen Geld überwiesen. Edvard, der sonst eher ein stilles Leben geführt hat, das mehr an ihm vorbeigegangen ist, als dass er es lebte, packt seine Sachen und macht sich auf den Weg nach Norwegen. Er will endlich die Wahrheit wissen und seinen Vater aufspüren. Auf der Fähre lernt er Alva kennen. Die knapp 30jährige ist auf der Suche nach sich selbst. Die Journalistin hat ihre Tochter bei der Mutter gelassen und möchte einen Artikel über das magische Norwegen schreiben. Sie möchte den Kollegen zeigen, dass sie etwas kann und nicht nur das Liebchen des Chefs ist. Bis die Beiden sich gemeinsam auf die Suche nach Evards Vater machen, gibt es zuerst einige Meinungsverschiedenheiten auszuräumen....

Man braucht etwas Zeit um in diesen Roman zu finden. Die spezielle und poetische Sprache des Autors ist anfangs etwas ungewöhnlich. Durch den Klappentext hatte ich mir neben der Story viele Landschafts- und Naturbeschreibungen von Norwegen erhofft. Doch erst in der zweiten Hälfte gibt es einige Darstellungen, die jedoch durch die sprachgewaltige Prosa anders ausfallen, als man es sich vorstellt. Da wird eine Sage erzählt, die die Magie des Landes widerspiegelt - einem Land voller Trolle, Elfen und anderen magischen Wesen - oder die Beschreibung, wie Alva zufällig einen Wal aufs Foto bannt. Diese Szenen berühren auf eigene Weise und verbreiten dabei eine melancholische Stimmung.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf der Sinnsuche. Die außergwöhnliche Charakterstudie macht den Roman zu etwas Besonderem. Man lernt die Figuren sehr gut und intensiv kennen. Dazu kommt noch der poetische Schreibstil des Autors.

Alva und Edvard sind zwei einsame und verlorene Seelen, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gegenseitig Halt geben. Sie sind ähnlich gestrickt. Beide sind Einzelgänger und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht. Sowohl Edvard, als auch Alva, lassen sich vom Leben treiben, doch die gemeinsame Reise lässt sie beide an sich selbst wachsen. Während Alva Schuldgefühle wegen ihrer Tochter hat und keine rechte Liebe aufbauen kann, verliert sich Edvard in seinem unspektakulären Leben. In Gedanken schweift er oft in die Vergangenheit ab. Dadurch erhält der Leser einen Einblick in sein früheres, eher tristes Leben und in seine Lebenslüge.
Diese Reise und die daraus resultierende Wahrnehmung des Lebens lässt sowohl Alva, als auch Edvard bei der Rückkehr nach Deutschland den Mut finden neue Wege zu gehen. Das Ende ist etwas offen gelassen, aber nicht so, dass es mich stören würde (ich hasse in der Regel offene Enden!), sondern für diese Geschichte ist sie perfekt gewählt.

Fazit:
Ein melancholischer Roman über die Sinnsuche zweier Menschen. Die poetische Sprache und die Charakterstudie sind das Herausragende an dieser Geschichte. Sie hallt nach und lässt einem nachdenklich zurück. Trotzdem brauchte ich einige Zeit um in die Erzählung zu finden und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 19.11.2019

Roman auf drei Zeitebenen

Die vergessenen Stimmen von Chastle House
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Der neue Roman von Felicity Whitmore spielt auf drei Zeiteben und zwar 1866, 1909 und in der Gegenwart und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Der Spannungsbogen ist relativ hoch und das Geheimnis ...

Der neue Roman von Felicity Whitmore spielt auf drei Zeiteben und zwar 1866, 1909 und in der Gegenwart und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Der Spannungsbogen ist relativ hoch und das Geheimnis rund um Chastle House bildet den roten Faden, wobei eine leichte mysteriöse Stimmung aufkommt.

In der Gegenwart begleiten wir Dioane Dearing, eine gefeierte amerikanische Sängerin. Sie wird seit ihrer Kindheit fremdbestimmt. Der erfolgreiche 27jährige Popstar wurde seit iseit Kindertagen von der Mutter zum Star gedrillt. Ihr wird nicht nur alles abgenommen, sondern ihr werden auch sämtliche Handlungen vorgeschrieben. Ihr Tag ist von der Früh an durchgeplant. Eigene Wünsche oder Pläne werden ignoriert bis Dione gar nicht mehr daran denkt, dass sie überhaupt welche haben könnte. Dione stellt ihr Leben auch nicht mehr infrage bis sie eines Tages Besuch von einem Notar aus England bekommt. Dieser offenbart ihr ein Geheimnis und bietet ihr an nach England zu fliegen, eine kleine Auszeit zu nehmen und ihre Wurzeln kennenzulernen. Doch da ist noch ihre Mutter, die alles kontrolliert und die die Vergangenheit ruhen lassen möchte. Doch Dione macht sich inkognito und ohne dem Wissen ihrer Mutter auf nach Großbritannien und stößt am Lake District auf ein mysteriöses Familiengeheimnis, das auch ihre Zukunft beeinflussen könnte...

Im Handlungsstrang um 1866 lernen wie Henry kennen, der aus verarmten Adel stammt und -wie damals oft üblich- eine vermögende Frau ehelichen soll, um das Anwesen und das Familienerbe zu schützen. Mit der lebenslustigen Amerikanerin Katherine, die von der Schwiegermutter nicht gebilligt wird und die in England vereinsamt, scheint er kein Glück zu haben, obwohl er sich in sie zu verlieben beginnt. Doch die wahre Tragödie nimmt langsam ihren Lauf. In diesem Strang geht es hauptsächlich um Standesdünkel und um die gesellschaftliche Stellung von Künstlern zu dieser Zeit.

Ihre Enkeltochter Hatty lebt mit ihrer Mutter in Chastle House im Lake District, das einst Henry und Katherine als Heim diente. Nach einer Tragödie hat sich Henry in ein abgeschiedenes Herrenhaus am Waldrand zurückgezogen. Als Hettys Mutter stirbt, verlangt Henry, dass Hetty Chastle House verlassen soll, da es den Frauen Unglück bringt und ein Fluch darauf liegen soll. Er weiht sie nach und nach in ein schreckliches Geheimnis ein...

Die Geschichte zieht den Leser sehr schnell in den Bann und man möchte unbedingt wissen, welcher Fluch auf Chastle House liegt. Der Autorin gelingt es dabei sehr gut eine richtige Sogwirkung auszuüben und den Leser zu begeistern. Der Wechsel der Handlungsstränge und Zeitebenen verstärkt die Spannung noch zusätzlich. Unerwartete Wendungen geben dem Roman noch mehr Biss. Mir hat vorallem der Part, der in der Vergangenheit spielt, sehr gut gefallen. Die Auflösung um den Fluch wird erst auf den letzten Seiten preisgegeben.
Der Gegenwartstrang war mir dann am Ende des Romans allerdings etwas zu klischeehaft und vorhersehbar. Insgesamt hat mir der Roman aber wirklich spannende Lesestunden beschert.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist fesselnd und liest sich extrem gut. Die Charaktere sind sehr facettenreich und individuell. Sie werden äußerst lebendig dargestellt und entwickeln sich weiter, egal ob in der Vergangenheit oder mit Dione in der Gegenwart.
Auch die Umgebung rund um den Lake District wird sehr stimmungsvoll und bildhaft beschrieben.

Fazit:
Ein fesselnder und atmosphärischer Familienroman auf drei Zeitebenen, der mir spannende Stunden bereitet hat. Besonders Liebhaber von England und alten Herrenhäuser, sowie Familiengeheimnissen kommen hier auf ihre Kosten.