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Veröffentlicht am 22.01.2020

Ein Buch mit eigenwilligem Charme

Das Knistern der Sterne
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„Wenn man es genau betrachtete, hatte sie ja gar kein Leben mehr und auch keinen einzigen Freund. Nur Trümmer und zwei Koffer und jede Menge Meer um sich herum.“ (S. 201)

Stella Milewski befindet sich ...

„Wenn man es genau betrachtete, hatte sie ja gar kein Leben mehr und auch keinen einzigen Freund. Nur Trümmer und zwei Koffer und jede Menge Meer um sich herum.“ (S. 201)

Stella Milewski befindet sich in einer handfesten Lebenskrise. Sie hat ihren Job verloren, ihre Ehe ist in die Brüche gegangen und – was sie am traurigsten macht – sie hat ihre „Gabe“ verloren. Stella ist Masseurin und vermochte es, jedem ihrer Patienten mit den Händen Gutes zu tun. Sie hat die „Problemzonen“ sicher gespürt und konnte immer helfen – dieses Gespür ist plötzlich verschwunden und Stella fühlt sich ungemein hilflos und unsicher.

Auf einer Parkbank begegnet sie dem knapp 80jährigen Balthasar, der sie kurzentschlossen auf eine Kreuzfahrt einlädt. Er ist jedoch ein wenig wunderlich und seine Bedingung ist: während er auf der Kabine bleibt, soll sie sich einen schönen Urlaub machen und ihm jeden Abend beim Essen ausführlich von ihrem Tag berichten.

Stella braucht dringend eine Auszeit und so sagt sie zu, ob-wohl ihr die Sache recht merkwürdig vorkommt.

Merkwürdig ist allerdings nicht nur Balthasar. Im Laufe der Reise stellt sich heraus, dass beide – auch Stella – Geheimnisse voreinander haben. Dass sie sich zwar eigentlich öffnen wollen und sich gegenseitig versuchen dazu zu bewegen – es ihnen aber kaum gelingt. Das Buch zeigt, wie schwer es ist, einem Menschen Vertrauen zu schenken – und vor allem, sich vorher selbst zu vertrauen, um dann wiederum anderen vertrauen zu können.

Stella lernt auf der Reise einige Menschen kennen, die sie nachhaltig beeinflussen. Die engste Verbindung knüpft sie zu dem 12jährigen Luis, der als halb-blinder Passagier reist und sämtliche Verstecke auf dem Ozeanriesen kennt. Luis hat viele Allergien und nur auf dem Meer geht es ihm so gut, dass er halbwegs problemlos leben kann. Seine Mutter arbeitet auf dem Schiff und er… wird eben geduldet. Die Szenen mit Luis und Stella waren Highlights für mich, da sie sehr warmherzig davon erzählen, wie zwei ganz unterschiedliche Menschen (sowohl im Wesen als auch vom Alter her) zueinander finden.

Ich gebe zu, die Geschichte ist kein typischer „Wohlfühlroman“. Dazu haben die Charaktere zu viele Ecken und Kanten, die Sprache ist dafür nicht „glatt“ genug, die Unterhaltungen der Protagonisten zu philosophisch. Man muss sich einlassen auf dieses Buch, um es genießen zu können, denn es hat einen eigenwilligen Charme. Mitunter mutet es ein wenig märchenhaft an (z. B. diese Sache mit der „Gabe“). Deshalb ist es mir am Anfang auch recht schwer gefallen hineinzukommen in die Geschichte. Bis etwa zur Hälfte des Buches hätte ich sicher nur drei Sterne vergeben.

Wer aber bis zum Finale durchhält, wird belohnt. Denn ich fand die letzten 100 Seiten sehr gelungen und spannend – dann hatte ich mich richtig festgelesen in dem Roman. Für das Ende würde ich daher fünf Sterne vergeben. Alles in allem also: gute 4 Sterne für diesen außergewöhnlichen Roman, der sich in keine Schublade stecken lässt.

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Veröffentlicht am 13.01.2020

Der Mantel des Schweigens…

Die Tochter des Arztes
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… wird so oft um Dinge gehüllt, die zwiespältige oder negative Meinungen hervorrufen. So ist es auch bei den Behandlungsmethoden und dem Klinikalltag in der psychiatrischen Anstalt Ambergate in England ...

… wird so oft um Dinge gehüllt, die zwiespältige oder negative Meinungen hervorrufen. So ist es auch bei den Behandlungsmethoden und dem Klinikalltag in der psychiatrischen Anstalt Ambergate in England in den 1950er Jahren.

Die Schwesternschülerin Ellen Crosby hat es anfangs nicht leicht an ihrem neuen Arbeitsplatz. Die Patientinnen scheinen unberechenbar, die ihr überstellten Schwestern und Ärzte gefühlskalt. Dass man den Alltag in einer solchen Klinik oft nur meistern kann, wenn man abstumpft, hat Ellen noch nicht gelernt. Sie ist noch besessen von dem Eifer, ihren Patientinnen zu helfen, ihnen zur Seite zu stehen und einen Alltag zu biegen, der möglichst nah an „normal“ ist. Doch was ist überhaupt normal und wo beginnen Auffälligkeiten?
Dass dies gar nicht so einfach zu erkennen ist, merkt Ellen, als Amy eingewiesen wird – eine junge Frau in ihrem Alter, die auf den ersten Blick gesund wirkt und ein ausgeprägtes Ego hat. Nur langsam kommt Ellen der Geschichte auf die Spur, die Amy nach Ambergate gebracht hat: sie soll versucht haben, sich und das Neugeborene ihrer Stiefmutter umzubringen. Für die Gründe scheint sich zunächst kaum jemand zu interessieren – Amy wird traktiert mit zum Teil grausamen Methoden zur „Heilung“.

Dann erkennt auch der Arzt Dr. Lambourn, dass Amy eine ganz besondere Patientin ist und geht mit ihr Schritte, die den bisher anerkannten Heilmethoden widersprechen. Er setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die erst 50 Jahre später ihre Auflösung finden wird.

Mich hat Amy als Charakter fasziniert, denn ich war mir bei ihr bis zum Schluss nicht wirklich sicher, wie ich sie einordnen soll – ist sie einfach nur eine traumatisierte junge Frau, deren Erlebnisse mit entsprechender Behandlung und ggf. Medikation gut aufzuarbeiten sind? Oder steckt mehr dahinter und sie ist tatsächlich psychisch krank? Die Grenzen verwischen und die Autorin beantwortet diese Frage im Buch – bewusst oder unbewusst – nicht. Was das angeht, machte es auf mich den Eindruck, als wolle sie an der einen Stelle mal den Eindruck erwecken, Amy sei tatsächlich sehr krank und nicht berechenbar, an anderer Stelle klingt es eher so, als sei sie „nur“ ein Opfer der Umstände. Hier wäre es für mich als Leser schöner gewesen, einen „roten Faden“ zu haben – aber vielleicht war das auch bewusst nicht gewollt. Insofern dann ein sehr cleverer Schachzug der Autorin, denn das zeigt, wie schwer es ist, psychische Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln.

Dennoch war es kein Buch, was mich runtergezogen hat – der Fokus liegt ganz klar auf dem Familiengeheimnis rund um Amy, das im Laufe der Geschichte aufgedeckt wird, und bei dem sowohl Schwester Ellen als auch die junge Historikerin Sarah im Jahr 2006 eine Rolle spielen. Insoweit ist es doch irgendwie ein klassischer historischer Familienroman. Nur das Thema ist eben doch irgendwie besonders.

Einen Minuspunkt muss ich jedoch für den Titel vergeben. Er ist aus meiner Sicht vom Verlag nicht glücklich gewählt, da sich erst im letzten Drittel des Buches, wenn die Zusammen-hänge langsam offenbar werden, erschließt wieso das Buch „Die Tochter des Arztes“ heißt. Da hätte man vielleicht etwas wählen können wie „Das Haus der verlorenen Seelen“ oder so ähnlich – das hätte keinen direkten Bezug zur Entwicklung der Handlung gehabt und doch neugierig gemacht.

Wer geheimnisvolle Familienromane alà Katherine Webb oder Kate Morton mit einem Hauch Düsternis liebt, der trifft mit diesem Buch eine gute Wahl und wird sicher beim Lesen seine Freude haben.

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Veröffentlicht am 09.01.2020

Schöne Familiengeschichte, etwas weitschweifig erzählt

Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer
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Willkommen auf der Insel Amrum, willkommen im Hotel Inselblick! So dachte ich zumindest, als ich begann, diesen ersten Band der Inselblick-Trilogie zu lesen. Aber nach 50 Seiten war die Familie Stockmann ...

Willkommen auf der Insel Amrum, willkommen im Hotel Inselblick! So dachte ich zumindest, als ich begann, diesen ersten Band der Inselblick-Trilogie zu lesen. Aber nach 50 Seiten war die Familie Stockmann immer noch in Hamburg und ich fragte mich so langsam, wann es denn endlich nach Amrum gehen würde…

Es dauerte also ein wenig, bis der Roman dort angekommen war, wo der Klappentext beginnt. Dann aber eröffnet sich eine schöne Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt Marta Stockmann steht, die schon immer von einem eigenen Hotel geträumt hat. Aufgewachsen in der Pension ihrer Tante Nele hat sie es schon früh lieben gelernt, Gäste zu bewirten und ihnen eine erholsame Zeit zu bereiten. Als dieser Traum für sie, ihren Mann Wilhelm und die drei Töchter Rieke, Ida und Marie wahr wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch wie in einem guten Schmöker üblich, werden sie und ihre Mädchen natürlich mit vielen Irrungen und Wirrungen konfrontiert. Auch ein dramatischer Schicksalsschlag bleibt nicht aus.

Das Wesen dieses Romans ist das traumhafte Setting: die Nordseeinsel Amrum kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert und der zaghafte Beginn des Tourismus eignen sich perfekt für eine Familiensaga. Anke Petersen erzählt ausführlich, für mich mitunter etwas zu ausführlich, vom Schicksal der Familie und ihres Hotels. In sich finde ich den Erzählstil rund, aber wie gesagt, etwas zu ausschweifend. Ich bin der Meinung, man hätte diese Geschichte auch mit 100 Seiten weniger erzählen können und es hätte dem Buch keinen Abbruch getan.

Dennoch ist es ein schönes Buch, um sich an einem Sonntag nachmittag zurückzulehnen, sich mit Decke und Tee im Sessel einzukuscheln und quasi die stürmische See vor Amrum vor dem geistigen Auge zu haben. 4 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 15.12.2019

Das charmante Chaos im Wild-at-heart-Hotel geht auch im Winter weiter

Wild at Heart - Winterglück im Hotel der Herzen
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Bereits zum zweiten Mal habe ich nun eingecheckt im Wild-at-heart-Hotel in Port Magdalen, Cornwall. Inhaberin Gretchen Wilde, ihre Familie und Freunde sorgen auch in diesem Fortsetzungsband wieder für ...

Bereits zum zweiten Mal habe ich nun eingecheckt im Wild-at-heart-Hotel in Port Magdalen, Cornwall. Inhaberin Gretchen Wilde, ihre Familie und Freunde sorgen auch in diesem Fortsetzungsband wieder für charmantes Chaos und einen Winter, den keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird.

Als über den Spätherbst eine Filmcrew das Wild-at-heart belagert, um hier ihre Basis für einen Dreh aufzuschlagen, wird es unerwartet turbulent im Hotel. Denn obwohl Gretchen und ihre Mannschaft gewöhnt sind, auch mit schwierigen Gästen umzugehen, spielen die resolute Aufnahmeleiterin und der launische Regisseur scheinbar noch einmal in einer ganz anderen Liga. Ganz zu schweigen von der Hauptdarstellerin Heather, denn niemand leidet so schön wie sie… Und Hollywood-Traummann Noah, der die männliche Hauptrolle gibt, bringt so einiges durcheinander im sonst so gediegenen Port Magdalen. So erlebt nicht nur das Pub einen Zulauf wie noch nie und platzt aus allen Nähten – auch Gärtnerin Sara erlebt plötzlich ihr blaues Wunder… Und während Gretchens Schwiegervater Theo auf dem Gelände des Hotels heimlich einem Piratenabenteuer auf der Spur ist, erlebt Nesthäkchen Nettie mit ihren süßen 16 Jahren die Ups and Downs der ersten großen Liebe.

Wie schon beim letzten Mal war es eine große Freude, die Wildes und ihre Freunde zu begleiten. In der ersten Hälfte des Buches nahm allerdings die Teenager-Romanze von Nettie und Damian einen recht großen Teil ein. Es mag daran liegen, dass ich diesem Alter dezent entwachsen bin, dass mir dieser Erzählstrang etwas zu ausführlich war. Auch Filmsternchen Heather war mir am Anfang ein wenig zu theatralisch, aber das ist meine persönliche Empfindung.

Die zarten Bande zwischen Noah und Sara wiederum fand ich sehr liebevoll geschildert, mit allem Ungemach, das eine Liaison zwischen einem Star und einer „normalen“ Frau bringen kann. Das kam authentisch rüber und ich habe die beiden sehr gern auf ihrer Reise zum Happy End begleitet. Gretchen und ihre Familie waren wie immer sympathisch und umtriebig, was mich oft schmunzeln ließ.
Auch wenn ich den ersten Teil kannte, würde ich sagen, dass man diesen Winterroman auch problemlos ohne Kenntnis des ersten Buches lesen kann. Die wichtigsten Eckpunkte und Er-eignisse aus dem Eröffnungsband werden an passender Stelle nochmals eingeflochten und zusammengefasst. So dürfte es sowohl für Erstleser als auch für „gute Bekannte“ des Wild-at-heart ein Lesevergnügen sein.

Nun bin ich gespannt, ob es – so wie auf den letzten Seiten des Buches angedeutet – bald wieder ein Sommerabenteuer mit Familie Wilde geben wird. Ich würde mich drüber freuen und wäre gern wieder mit dabei!

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Veröffentlicht am 06.12.2019

Die Welt aus Sicht eines vorwitzigen Katers

Kater Anton und der Weihnachtsengel
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Mit Kater Anton war ich schon im letzten Jahr in der Weih-nachtszeit unterwegs. Der kleine graue Rabauke mit den bernsteinfarbenen Augen hat es faustdick hinter den Ohren und weiß sich in jeder Situation ...

Mit Kater Anton war ich schon im letzten Jahr in der Weih-nachtszeit unterwegs. Der kleine graue Rabauke mit den bernsteinfarbenen Augen hat es faustdick hinter den Ohren und weiß sich in jeder Situation zu helfen. Seinem Lieblingsmensch Ella steht er immer mit Rat und Tat und Trösteschnurren zur Verfügung, wenn in ihrem Leben mal wieder Chaos herrscht. So auch diesmal, als sie – zurück aus Frankreich – in München versucht ihre kleine Firma voranzubringen.

In einer Nebenhandlung lernen wir den elfjährigen Samuel, kurz Sam, kennen. Er und Anton teilen sich ein Versteck, einen alten Geräteschuppen. Anton, um in Ruhe Mäuse und sonstige Beute bei einem Nickerchen zu verdauen, Samuel, um eigene „Beute“ zu verstecken. Was es damit genau auf sich hat, wird hier nicht verraten.

Ich bin bei diesem Roman ein bisschen hin und her gerissen. Einerseits fand ich die aus Sicht von Anton geschriebenen Kapitel äußerst süß, witzig und – das muss ich als Katzenbesitzer sagen – voll aus dem Leben gegriffen. Wenn mein Kater sprechen könnte, ich glaube, er würde das Gleiche erzählen

Andererseits muss ich aber auch sagen, dass ich den Plot der Geschichte nicht überzeugend fand. Es werden zwei Geschichten parallel erzählt, deren einziger Schnittpunkt dieser Geräteschuppen ist. Ich hätte ja (Achtung, Spoiler!) zumindest gedacht, dass Samuel durch irgendwas auch Ella kennenlernt – weit gefehlt. So hatte ich am Schluss das etwas unbefriedigende Gefühl, dass die erzählte Geschichte nicht rund ist. Darüber hinaus habe ich mich bis etwa 15 Seiten vor Schluss gefragt, wer der im Titel benannte Weihnachtsengel sein soll. Dieses Geheimnis wird erst ganz zum Schluss gelüftet, es hat aber mit der Handlung auf den vorigen 240 Seiten kaum etwas zu tun… auch das empfand ich als unbefriedigend.

Dennoch – es ist einfach eine niedlich erzählte Geschichte, auch wenn ich mich lange Zeit gefragt habe, wo sie hinwill. Besonders Anton wird super liebenswert dargestellt und man schmunzelt bei seinen „Überlegungen“ auf fast jeder Seite. Besonders sein Unverständnis gegenüber dem kleinen „Piepskasten“, den sein Mensch ständig bei sich trägt und ständig mit den Fingern betatzt, hat mich amüsiert. Aber auch sein Kampf mit dem „Futterautomatenkollege“, mit dem er sich anfreunden will, um nie mehr einen Anflug von Hunger verspüren zu müssen, ist lesenswert. Das hat mich letztlich auch bewogen, 4 statt 3 Sterne zu vergeben. Anton ist einfach zu süß!

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