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Veröffentlicht am 12.03.2020

Liebe das Leben. Und das Leben liebt dich!

Das kann uns keiner nehmen
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Hans möchte mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen - mit einer Besteigung des Kilimandscharo und der Übernachtung im Gipfelkrater. Doch als er und seine Gruppe oben ankommen, muss Hans zu seinem Ärger ...

Hans möchte mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen - mit einer Besteigung des Kilimandscharo und der Übernachtung im Gipfelkrater. Doch als er und seine Gruppe oben ankommen, muss Hans zu seinem Ärger feststellen, dass dort schon ein Anderer seine Zelte aufgeschlagen hat. Widerwillig nähert er sich dem Platz und es kommt noch schlimmer: Der ihnen Zuvorgekommene, Tscharli, ist ein ungehobelter, respektloser Urbayer mit fürchterlichen Ansichten. Auf dem am nächsten Morgen gezwungenermaßen gemeinsamen Rückweg wird deutlich, wie schlecht es um Tscharlis Gesundheit bestellt ist. Und eh Hans es sich versieht, befindet er sich plötzlich für eine Woche auf einer gemeinsamen Reise mit diesem Rüpel.
Hans berichtet diese Geschichte als Ich-Erzähler und, natürlich, ist er selbst der Maßstab, an dem er Tscharli misst. Immerhin ist er von Beginn an ehrlich genug um festzustellen, dass dieser unsägliche Bayer mit den Afrikanern wesentlich besser klar kommt als Hans, auch wenn er sie immer wieder 'Neger' nennt. Es ist durchaus belustigend zu lesen, wie der politisch korrekte Hanseat dem alten Zausel klar zu machen versucht, wie reaktionär dessen Ansichten und Verhalten sind. Tatsächlich ist es Hans jedoch, der den Einheimischen fremd bleibt bzw. sie auf Distanz hält. Ungewollte europäische Arroganz, Überheblichkeit oder schlicht Furcht? Die beiden so verschiedenen Männer freunden sich wider Erwarten an und nach und nach erzählen sie sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten; zumindest den Teil, der sie nach Afrika geführt hat.
Es ist nicht nur eine bzw. zwei Geschichten über die Liebe des Lebens, sondern auch die Liebe zum Leben, die Tscharli aller Widrigkeiten zum Trotz nicht verliert. Er, der zeitweise schmerzhaft geradeheraus ist und scheinbar zwanghaft fast immer gute Laune hat, zeigt seinem Begleiter, wie gut es sich leben lässt und Hans lernt von ihm. Er fühlt sich zum ersten Mal frei, ohne jede Zwänge, die ihm in Deutschland nicht mehr bewusst waren.
Matthias Politycki lässt seinen Protagonisten in einem Tonfall erzählen, als säße er einem gegenüber. Selbst Zögerlichkeiten beim Nachdenken, das Abwägen - alles wird festgehalten und wirkt damit wie ein persönliches Gespräch. Ein Gespräch mit Beschreibungen die so deutlich sind, dass man die Menschen wie auch die Szenerien unmittelbar vor Augen hat. Tscharli ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass es noch viel mehr Tscharlis auf dieser Welt gibt.

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Veröffentlicht am 05.02.2020

Ein Single-Leben

Nicht mein Ding
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Die fast 40jährige Andrea lebt als Single in New York und erlebt, wie um sie herum Familien gegründet und Kinder geboren werden – etwas, mit dem sie überhaupt nichts anfangen kann und will. Doch mit ihrem ...

Die fast 40jährige Andrea lebt als Single in New York und erlebt, wie um sie herum Familien gegründet und Kinder geboren werden – etwas, mit dem sie überhaupt nichts anfangen kann und will. Doch mit ihrem Singleleben ist sie ebenso wenig zufrieden wie mit ihrem Job, ohne jedoch konkret zu wissen, was sie tatsächlich möchte. Eine Entscheidung für oder gegen etwas zu treffen vermeidet sie und so vergehen die Tage ohne Sinn und Ziel und mit einem zunehmenden Gefühl der Verlassenheit.

Eigentlich ist es ein trostloses Buch, denn das Leben von Andrea zeigt tatsächlich wenig Erbauliches und sie selbst bietet zudem nur wenig Anreiz, sie sympathisch zu finden. Dennoch lohnt es sich zu lesen, denn die Art und Weise, wie die Autorin uns an Andreas Gedanken und ihrem Leben teilhaben lässt, wirkt derart authentisch und realitätsnah, dass zumindest ich Vieles mit ihr fühlen, wenn auch nicht wirklich Alles nachvollziehen konnte. Haben nicht viele Menschen Zeiten, in denen sie sich unfähig fühlen, Entscheidungen zu treffen und/oder Verantwortung zu übernehmen oder das Leid anderer zu ertragen? Doch darüber redet man nicht, denn es ist ein Zeichen von Schwäche und wer gibt die schon gern zu? Bei Andrea tauchen diese ‚Mängel‘ in geballter Form auf, aber was für sie spricht, dass sie sie klar benennt, zumindest sich selbst gegenüber. Somit mag Jede und Jeder sich in etwas wiederfinden, wenn auch vermutlich nicht in dieser Extremform wie bei Andrea.

Trotz des eher trostlosen Themas gibt es ein versöhnliches Ende, das jedoch sehr unterschiedliche Lesarten zulässt. Und so mag sich Jede und Jeder seine eigenen Gedanken dazu machen, wie es mit Andrea weitergeht.

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Veröffentlicht am 03.01.2020

Poetische gefühlvolle Geschichte in einer unwirtlichen Welt

Whiteout
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Hanna hat ihren Traum endlich wahr gemacht: Sie ist als Expeditionsleiterin in der Antarktis. Doch als sie von ihrem Bruder eine Mail erhält mit der Nachricht 'Scott ist tot.', bricht sie beinahe zusammen. ...

Hanna hat ihren Traum endlich wahr gemacht: Sie ist als Expeditionsleiterin in der Antarktis. Doch als sie von ihrem Bruder eine Mail erhält mit der Nachricht 'Scott ist tot.', bricht sie beinahe zusammen. Scott war ihre beste Jugendfreundin, die kurz vor ihrem gemeinsam geplanten Studium einfach verschwand und nie mehr auftauchte. Den Schmerz und die Enttäuschung darüber hat Hanna nie überwunden, nur tief in sich vergraben wie das Eis, nach dem sie und ihre KollegInnen suchen. Plötzlich stürzen all die Erinnerungen wieder über sie herein und Hanna ist kaum noch in der Lage, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Doch die Antarktis verzeiht keine Fehler.
Es ist ein krasser Gegensatz zwischen der unwirtlichen und auch gefährlichen Umgebung, in der die Geschichte spielt und dem Stil, in dem Anne von Canal sie geschrieben hat. Voller Gefühl, Poesie und Sanftheit beschreibt sie das Vergangene, das so plötzlich Hannas Denken und Fühlen fast vollständig in Anspruch nimmt. Und das in einer Situation, in der sie sich als Expeditionsleiterin keine Fehler erlauben kann. Wunderschöne Sätze bringen einem die Lage, in der sich Hanna befindet, so nahe, dass man ihre Anspannung und Zerrissenheit förmlich mitfühlen kann. "Vielleicht findet der Schlaf mich vor den Gedanken, dann müssen sie sich ein anderes Opfer suchen." Oder "Am Morgen sitze ich in einem Haufen loser Knochen, die irgendjemand über mir ausgeschüttet hat. Die Arme und Beine, die ich finde, scheinen nicht zu mir zu passen, jedenfalls kann ich sie kaum bewegen. Das bin doch nicht ich."
Chronologisch erzählt wird lediglich die Expedition; die Erinnerungen an Scott sind hingegen zeitlich ungeordnet und springen stellenweise willkürlich auch innerhalb eines Rückblicks. Doch ich fand es weder störend noch verwirrend, sondern eher normal. Wer denkt schon an längst Vergangenes, das einem zudem wichtig war, in streng chronologischer Reihenfolge?
Es ist ein Buch, das viele Fragen offen lässt. Während der ersten 20 bis 40 Seiten wollte ich diese unbedingt gelöst wissen, doch Hannas Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit ist so eindringlich geschildert, dass all meine Fragen weitestgehend in den Hintergrund rückten - wo sie auch geblieben sind

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Spannender Krimi und Abenteuerroman in altertümlicher Sprache

Flamingofeder
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Im Südafrika des Jahres 1948 geht Merkwürdiges vor sich. Vor dem Haus des weißen Siedlers Pierre de Beauvilliers wird ein Fürst vom Stamme der Takwena ermordet. Da de Beauvilliers diesen Menschen sehr ...

Im Südafrika des Jahres 1948 geht Merkwürdiges vor sich. Vor dem Haus des weißen Siedlers Pierre de Beauvilliers wird ein Fürst vom Stamme der Takwena ermordet. Da de Beauvilliers diesen Menschen sehr nahe steht, macht er sich auf die Suche nach dem Mörder. Dabei stößt er auf mysteriöse Frachtschiffe, die offensichtlich etwas zu verbergen haben und muss bald um sein Leben fürchten.
Van der Post weiß, wovon er schreibt, denn mit seiner Hauptfigur teilt er nicht nur die gleichen Überzeugungen, sondern wie diese ist er ebenso in Afrika aufgewachsen. Seine Liebe zu diesem Kontinent ist auf jeder Seite deutlich spürbar. Auch wenn seine Sprache altertümlich klingen mag - lässt man sich darauf ein, stehen einem anhand der eindringlichen Beschreibungen die Landschaften und Menschen Afrikas deutlich vor Augen. " So sonderbare Blumen habe ich sonst im Leben nie gesehen... Manche sahen aus wie in tiefen Gewässern eingeschlafene Kraken, andere wie die aufgerissenen, samtenen Mäuler von Puffottern, die ihr Gift in gespenstische Schalen tröpfeln. Wieder andere hatten die Gestalt goldener Sandalen - wie Diana sie in der Morgendämmerung mit rosigen Fingern vor ihrem Lager aufheben mochte."
Die Grundstruktur der Geschichte mag sehr schwarz-weiß gezeichnet erscheinen, doch van der Post zeigt auch deutlich, wie leicht die Verführung durch eine schiere Masse von Gleichgesinnten erfolgen kann, sofern es nur jemanden gibt, der die Richtung aufzeigt.
Mehr als 60 Jahre alt ist dieses Buch bereits, doch hat man sich an den Sprachstil erst gewöhnt, liest es sich ebenso spannend wie ein moderner Abenteuerroman. Und viele der Kritikpunkte, die der Autor in diesem Buch angesprochen hat, gelten heute noch genau so wie damals. Ein zeitloser Klassiker!

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Informatives und Amüsantes über Frankreich

Tour de France Frankreich in kleinen Geschichten
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Dieses zweisprachige Büchlein mit knapp 140 Seiten umfasst etwas mehr als 40 Geschichten, die meist nicht länger als ein bis zwei Seiten sind. In den ersten zwei Drittel werden die verschiedenen Gegenden ...

Dieses zweisprachige Büchlein mit knapp 140 Seiten umfasst etwas mehr als 40 Geschichten, die meist nicht länger als ein bis zwei Seiten sind. In den ersten zwei Drittel werden die verschiedenen Gegenden Frankreichs dargestellt, häufig ergänzt durch humorvolle Anekdoten von Land und Leuten. Das letzte Drittel beschreibt die Geschichte Frankreichs, beginnend mit den Galliern und endend mit Charles de Gaulles' Satz, den er an Churchill richtete: "Si je ne suis pas la France, pourquoi discutez-vous avec moi?" - "Warum reden Sie überhaupt mit mir, wenn ich nicht Frankreich bin?"
Obwohl ich bereits diverse Mal in Frankreich gewesen bin, habe ich Vieles zuvor nicht gewusst: Beispielsweise die Geschichte der Störche im Elsass und dass das Essen dort nicht immer so gut war. Oder woher das Wort poubelle rührt und Montmartre seinen Namen hat. Auf der linken Seite steht der französische Text und auf der rechten der deutsche, wobei ich diese Übersetzung nicht immer sehr gelungen fand. Manches klang ziemlich holprig und fällt besonders auf, wenn man das französische Original dazu liest.
Der Umschlagtext behauptet "Texte für Einsteiger", was meiner Meinung nach allerdings nur daran liegt, dass man die Geschichten in beiden Sprachen direkt vor sich liegen hat. Ansonsten behaupte ich, dass hier durchaus auch Fortgeschrittene eine Herausforderung finden können.

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