Profilbild von bookworm72

bookworm72

Lesejury Star
offline

bookworm72 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bookworm72 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2020

Bewegende Geschichte eines Aufbruchs

Unorthodox
0

Die chassidische Jüdin Devoireh lebt in New Yorker Stadtviertel Wiliamsburg, inmitten einer durch strenge Regeln und Gesetze geprägten jüdischen Gemeinde. Bereits als junges Mädchen merkt sie, dass sie ...

Die chassidische Jüdin Devoireh lebt in New Yorker Stadtviertel Wiliamsburg, inmitten einer durch strenge Regeln und Gesetze geprägten jüdischen Gemeinde. Bereits als junges Mädchen merkt sie, dass sie nicht wirklich in diese Welt hineingehört. Sie fühlt sich in vielerlei Hinsicht eingeengt und gezwungen, ihre wahre Natur, ihre Gefühle und Neigungen stets zu verbergen, um nicht ausgegrenzt bzw. von der Gemeinde verstoßen zu werden. Selbst ihre scheinbar harmlose Leidenschaft Bücher zu lesen gilt als verwerflich. Devoireh darf sie nicht ausleben, sodass sie heimlich Bücher ausleiht und sie in ihrem Zimmer verstecken muss. Mit zunehmenden Alter verstärkt sich in ihr immer mehr der Wunsch nach einem anderen Leben, nach Freiheit und Selbstbestimmung. Doch der Weg dahin ist lang und alles andere als einfach...

Das Buch, mit dem Deborah Feldman 2012 die Bestsellerliste der New York Times im Sturm eroberte, ist eine autobiographische Erzählung, in der die Autorin laut eigener Aussage weitgehend ihre persönlichen Erlebnisse schildert. Bereits diese Tatsache macht „Unorthodox“ besonders authentisch und berührend. Deborah Feldman schreibt offen und schonungslos und dabei ist ihre Sprache schön, kraftvoll und von einer Intensität, die den Leser wie ein Sog hineinzieht. Man kann nicht anders als mit dieser Frau zu fühlen und zu hoffen. Und sie zu bewundern für ihre Stärke, ihren Willen und ihren Mut, mit denen sie sich den eigenen Emanzipationswunsch letztendlich tatsächlich erkämpft.

Mein Fazit: Eine beeindruckende und stellenweise erschütternde Geschichte, toll erzählt! Deborah Feldmans Bericht macht Mut und erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu sein und wenn notwendig um seine Rechte zu kämpfen. Darüber hinaus liefert der Roman einen aus meiner Sicht extrem spannenden Einblick in die den meisten Lesern fremde und völlig unverständliche Strukturen einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.03.2020

Ein Buch, auf das Frauen gewartet haben!

Midlife-Care
0

Irgendwann erwischt es jede von uns: die Wechseljahre! Die manchmal belächelte und oft befürchtete Phase im Leben einer Frau bringt gravierende Hormonveränderungen mit sich, die durchaus unangenehme Auswirkungen ...

Irgendwann erwischt es jede von uns: die Wechseljahre! Die manchmal belächelte und oft befürchtete Phase im Leben einer Frau bringt gravierende Hormonveränderungen mit sich, die durchaus unangenehme Auswirkungen haben und Frauen aus der Bahn werfen können. Nicht immer wissen sie, wie sie mit den typischen Symptomen, wie etwa Stimmungsschwankungen, starker Erschöpfung und Schlafproblemen umgehen sollen. Häufig verstehen sie die zugegeben recht komplizierten Prozesse nicht, die gerade in ihren Körpern stattfinden. Nicht selten ist ihnen sogar gar nicht bewusst, dass sie sich bereits in der frühen Phase der Wechseljahre – der Perimenopause- befinden. Leider geschieht es zuweilen, dass selbst Ärzte die Symptome falsch deuten und den Frauen keine angemessene Behandlung zukommen lassen, was ihren Zustand noch verschlechtert. Es herrscht auf diesem Gebiet immer noch viel Aufklärungsbedarf und genau diese Lücke schließen Dr. med. Susanne Esche-Belke und Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns mit ihrer Publikation.

Die beiden Autorinnen nutzen ihre langjährige Praxiserfahrung und private Erlebnisse und ergänzen diese mit einer ordentlichen Portion neuesten Wissens, beispielsweise mit den aktuellen Erkenntnissen aus der Endokrinologie, Stressmedizin und Ernährungswissenschaften. Das Ergebnis ist ein äußerst informatives Buch, das Frauen in der Zeit des hormonellen Umschwungs (und nicht nur) begleitet, unterstützt und ihnen viele wichtige Fragen beantwortet. Dabei wird das Wissen mit Hilfe von anschaulichen Beispielen und Vergleichen auf verständliche Weise vermittelt. Der Schreibstil ist trotz der Thematik nicht trocken, sondern angenehm lebendig und recht locker. Das macht die Lektüre angenehm und stellenweise sogar richtig spannend. Man wird auf viele interessante Dinge aufmerksam gemacht, über die man sich sonst kaum Gedanken machen würde. Das Buch liefert auch wertvolle Tipps und Anregungen, die den Frauen helfen sollen, nicht nur gesünder und entspannter die Wechseljahre zu meistern, sondern generell ein glücklicheres und erfüllendes Leben zu führen. Somit ist „Midlife-Care“ Leserinnen in jedem Alter zu empfehlen. Gerade jüngere Frauen könnten besonders davon profitieren, indem sie rechtzeitig sensibilisiert und auf die Folgen der hormonellen Umstellung vorbereitet werden.

Mein Fazit: Ein wichtiges Buch, das Hilfe leistet und Mut macht – ich bin begeistert und möchte es jeder Frau wärmstens ans Herz legen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Thema
  • Umsetzung
  • Wissen
Veröffentlicht am 17.02.2020

Eine ergreifende deutsch-türkische Liebesgeschichte in Berlin der 20er Jahre

Die Madonna im Pelzmantel
1

Der Türke Raif Efendi lebt in Ankara und ist ein stiller, unscheinbarer Zeitgenosse. Er arbeitet als Übersetzer für eine Firma, wo man ihn trotz seiner guten Leistungen und seines Fleißes kaum beachtet ...

Der Türke Raif Efendi lebt in Ankara und ist ein stiller, unscheinbarer Zeitgenosse. Er arbeitet als Übersetzer für eine Firma, wo man ihn trotz seiner guten Leistungen und seines Fleißes kaum beachtet geschweige denn schätzt. Auch zu Hause wird er nur geduldet, obwohl er die Familie ernährt und sich um die meisten Angelegenheiten kümmert. Raif erträgt dies ohne zu klagen und scheint diese Behandlung als sein Schicksal zu akzeptieren. Als er eines Tages schwer krank wird, erfährt sein jüngerer Bürokollege durch Zufall, dass der auf den ersten Blick so unscheinbare Mann seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herumträgt, das mit seiner bewegten Vergangenheit zusammenhängt. Damals lebte der junge Raif Efendi in Berlin, wo er die Liebe seines Lebens traf...

Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und bin sehr glücklich darüber! Es ist eines der Bücher, die wie der Protagonist von Sabahattin Ali sind: Nach außen unscheinbar und langweilig, offenbaren sie doch, wenn man sich näher mit ihnen beschäftigt, ihre Tiefgründigkeit und ihre Schönheit. Die Geschichte Raif Efendis ist wie ein kostbares Juwel in einer schlichten Schachtel. Auch wenn dieser Vergleich sehr pathetisch klingt, so finde ich ihn für dieses Buch angemessen und absolut passend: Eingebettet in eine recht kurze Rahmenerzählung wird hier eine tieftraurige und doch wunderschöne Liebesgeschichte geschildert, die von seltener Originalität ist. Ein junger Türke, der in Berlin die Kunst der Seifensiederei erlernen sollte, um später in der Heimat die Geschäfte seines Vaters besser führen zu können, lernt durch Zufall eine junge, exzentrische Malerin kennen. Raif kennt bereits ihr Gesicht von einem Selbstporträt, das er in einer Galerie entdeckt und das ihn vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Die Begegnung mit der realen Maria wird Raifs Leben für immer verändern... Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber ich würde gern allen, die beim Lesen auch etwas riskieren und bereit sind, etwas Neues zu entdecken, dieses Buch ans Herz legen. Ich hoffe, sie werden nicht enttäuscht sein! Für mich ist der Autor Sabahattin Ali wie ein Zauberer, der mich in fremde Welten entführt hat: zuerst in die exotische Türkei, nach Ankara und dann nach Deutschland, in das nicht weniger aufregende Berlin der 20er Jahre. Vor dieser Kulisse, die er sehr stimmungsvoll zu schildern vermag, findet die Begegnung von Raif und Maria statt. Ihre Geschichte wird in einer Sprache erzählt, die nicht nur schön, sondern auch von unglaublicher Intensität ist. Dadurch, dass Raif als Ich-Erzähler selbst zu Wort kommt, bekommen wir einen besonders intimen Einblick in seine Gedanken und Gefühle. Ich konnte mich dadurch mühelos in ihn hineinversetzen, fieberte und litt mit. Ja, dieses kleine und soweit ich weiß relativ unbekannte Buch hat es in sich... Mich hat es jedenfalls so richtig in seinen Bann gezogen, von daher: fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 17.02.2020

Komm, ich tröste dich!

Die perfekte Strafe
1

Ein besonders perfider Mörder treibt sein Unwesen in Edinburgh: Er tötet den nächsten Angehörigen einer Person, deren Vertrauen er sich im Vorfeld erschlichen hat und kommt dann als Tröster getarnt, um ...

Ein besonders perfider Mörder treibt sein Unwesen in Edinburgh: Er tötet den nächsten Angehörigen einer Person, deren Vertrauen er sich im Vorfeld erschlichen hat und kommt dann als Tröster getarnt, um sich am Leid der Hinterbliebenen zu ergötzen. Seine letzten Taten – der Mord an einem jungen Mädchen und an der Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation – werden von der Polizei zunächst für tragische Unfälle ohne Fremdverschulden gehalten, doch schon bald weisen merkwürdige Details darauf hin, dass die beiden Frauen in Wahrheit vergiftet wurden. Detective Chief Inspector Ava Turner und Detective Inspector Luc Callanach suchen fieberhaft nach dem Täter, wohl wissend, dass er bald wieder zuschlagen könnte...

Da mich sowohl „Die perfekte Gefährtin“ als auch „Die perfekte Unschuld“ begeisterten und ich nach der Lektüre zum Fan von Helen Fields wurde, habe mich schon riesig auf den dritten Band der Reihe gefreut. Meine Hoffnung, dass ich auch diesmal gut unterhalten werde, hat sich erfüllt. Mit „Die perfekte Strafe“ liefert die Autorin erneut ein Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Wie davor punktet es mit einem gut durchdachten, interessanten Plot, rasantem Erzähltempo, überraschenden Wendungen und jeder Menge Spannung. Hinzu kommen die toll gezeichneten Charaktere, allen voran die beiden Ermittler Turner und Callanach, die ich bereits bei den vorausgegangenen Bändern liebgewonnen habe. Die Tatsache, dass wir als Leser den Ermittlern einen Schritt voraus sind, den Einblick in die Gedankenwelt des Mörders bekommen und in seine Pläne eingeweiht werden, schmälert die Spannung nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil: Man fiebert noch mehr mit, weil man weiß, was der Täter vorhat und bangt um Menschen, die er als Opfer auserkoren hat... Es ist auch immer wieder faszinierend, wie gut sich die Autorin in einen Psychopathen hineinversetzen und uns seine gruseligen Gedankengänge vermitteln kann. Ich bin zwar keine Psychologin oder Psychiaterin, aber auf mich wirken ihre Darstellungen sehr überzeugend. Interessant und einfühlsam beschrieben fand ich auch Ava Turners inneren Konflikt, in den sie in diesem Band gerät: Sie entdeckt, dass ihr langjähriger Vorgesetzter und geliebter Mentor, an dessen Selbstmord sie nicht glauben kann, in der Vergangenheit offenbar seine Prinzipien verraten und schwerwiegende Fehler begangen hat. Diese Entdeckung wirft Ava aus der Bahn und stellt sie vor eine äußerst schwierige Entscheidung. Die Autorin versteht es, die moralischen Zweifel und die Zerrissenheit der Protagonistin gekonnt zu schildern und macht sie damit noch lebendiger.

Eine kurze Anmerkung zum Cover: Der schwarze Hintergrund und das Insekt darauf sind inzwischen ein Erkennungszeichen der Reihe und passen aus meiner Sicht perfekt zu der düsteren Atmosphäre der Romane.

Mein Fazit: Ein weiterer hochspannender und toll geschriebener Thriller von Helen Fields, bei dem man als Fan des Genres voll auf seine Kosten kommt – von mir fünf Sterne!



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2020

Sehr unterhaltsam!

Das Fest
0

Weihnachten steht vor der Tür, doch bei Luther Krank will sich die Vorfreude auf das Fest nicht einstellen. Der alljährliche Trubel und Streß sind ihm eher ein Greuel und als Finanzberater weiß er allzu ...

Weihnachten steht vor der Tür, doch bei Luther Krank will sich die Vorfreude auf das Fest nicht einstellen. Der alljährliche Trubel und Streß sind ihm eher ein Greuel und als Finanzberater weiß er allzu gut, dass man vor Weihnachten immer unnötig viel Geld ausgibt. Er nutzt den Umstand, dass sich ihre einzige Tochter Blaire gerade in Peru befindet und überredet seine Frau Nora, dem ganzen Tohuwabohu den Rücken zu kehren und statt zu feiern auf eine Kreuzfahrt in die Karibik zu gehen. Die beiden freuen sich und treffen Vorbereitungen, doch sie haben die Rechnung ohne ihre Nachbarn gemacht. Diese können gar nicht begreifen, dass man Weihnachten einfach ausfallen lassen kann und wollen die Entscheidung der Kranks keineswegs akzeptieren...

Eigentlich habe ich dieses Buch in den Urlaub mitgenommen in dem Glauben, dass es ein typischer Grisham-Roman sein wird, ein spannender Krimi halt, bei dem man mitfiebern kann. Nach den ersten Seiten wusste ich, dass es dem nicht so ist und war zugegebenermaßen etwas enttäuscht. Ich habe aber weiter gelesen und musste feststellen, dass es ein Glücksfall war. Das Buch ist einfach wunderbar - eine tolle Satire auf den weihnachtlichen Konsumwahnsinn, stellenweise zum Brüllen komisch und gleichzeitig ein herzerwärmender Roman über die Kraft der Freundschaft und der Liebe. Die Charaktere sind total sympathisch und wachsen einem ans Herz und obwohl es sich um keinen Krimi handelt, ist die Handlung durchaus spannend, sodass ich irgendwann mit dem Lesen gar nicht aufhören konnte. Auch der Schluss hat mich absolut überzeugt und in eine richtig gute Stimmung versetzt

Alles in allem ist dieser "Grisham mal ganz anders" aus meiner Sicht genauso gelungen wie seine packenden Thriller und ich kann den Roman jedem, der Lust auf einige unterhaltsame Lesestunden ohne Nervenkitzel und Blutvergießen hat, wärmstens empfehlen