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Veröffentlicht am 23.01.2020

Eine alleinstehende Frau sucht ihren Weg

Violet
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Violet ist schon 38, und damit schon längst eine alte Jungfer. Es ist das Jahr 1932, und die Folgen des großen Krieges sind immer noch zu spüren. Viele Männer sind im Krieg gefallen, unter anderem auch ...

Violet ist schon 38, und damit schon längst eine alte Jungfer. Es ist das Jahr 1932, und die Folgen des großen Krieges sind immer noch zu spüren. Viele Männer sind im Krieg gefallen, unter anderem auch Violets Bruder und ihr Verlobter. Durch den Männermangel bleiben viele Frauen allein, ein trostloses Leben in der damaligen Zeit.

In den 30er Jahren gibt es wenig Hoffnung für eine alleinstehende Frau. Als Berufstätige verdient sie nur wenig, und im Notfall hat sie immer für ihre Familie da zu sein. Im Alter ist sie nicht abgesichert, und muss ihrer Familie zur Last fallen.

Es kostet Violet viel Mut, aber sie wagt es ein selbstständiges Leben zu führen. Da es sie schier erdrückt mit ihrer stets unzufriedenen, nörgelnden Mutter zusammenzuleben, wechselt sie ihre Arbeitsstelle und zieht in eine nahgelegene Stadt. Nachdem sie die Miete für ihr karges Zimmer gezahlt hat, bleibt kaum etwas von ihrem mageren Gehalt übrig, aber diesen Preis zahlt sie gerne für ihre neugewonnene Freiheit.

Die wunderschön bestickten Kissen in der Kathedrale der Stadt faszinieren sie. Sie will nichts lieber als eigene Kissen beizusteuern, also schließt sie sich den fleißigen Stickerinnen an. Jede freie Minute widmet sie sich diesem Hobby. In der Kathedrale erfährt sie auch mehr über die Arbeit der Glöckner. Im Glockenturm findet sie den Ort, an dem sie sich wirklich wohl fühlt, doch leider ist sie als Frau dort nicht gern gesehen. Und dann gibt es da noch jemand, bei dem ihr Herz schneller schlägt, doch kann aus dieser Liebe nie etwas werden.

Obwohl die Protagonistin dieses Buchs eine erwachsene Frau ist, ähnelt dieses Buch ein „coming of age“ Buch, ein Entwicklungsroman. Violet kämpft darum ein selbstständiges Leben führen zu können, und sich aus dem grauen Alltag einer alleinstehenden Frau zu erheben.

Das Tempo dieses Romans ist langsam. Stellenweise sind die Beschreibungen langatmig, vor allem wenn es um die Stickerei, Violets Wanderung und um das Glockenspiel geht. Es gibt durchaus spannende Stellen, doch besteht die Spannung eher in der Entwicklung von Violets Charakter.

Fazit: Ein aufschlussreicher Blick in das Leben einer Frau in den frühen dreißiger Jahren. Mit seinem langsamen Tempo braucht der Leser Geduld für dieses Buch, aber es gibt einen guten Eindruck von den Problemen und Gefühlen der Frauen dieser Zeit. Manche Charaktere sind so eigen, dass sie dem Leser schnell ans Herz wachsen. Empfehlenswert für Liebhaber von historischen Romanen.

Veröffentlicht am 19.01.2020

Den richtigen Spruch für jede Grußkarte

Bibel-Lettering Ideenbuch
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„Lettering“ ist wohl der moderne Ausdruck für Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens. Die Aufmachung von diesem Hardcover-Buch ist sehr schön. Es ist ein Buch, dass man gerne in die Hand nimmt. Auch ...

„Lettering“ ist wohl der moderne Ausdruck für Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens. Die Aufmachung von diesem Hardcover-Buch ist sehr schön. Es ist ein Buch, dass man gerne in die Hand nimmt. Auch das Blättern im Buch macht Spaß, denn die einzelnen Kapitel sind mit unterschiedlichen Farben unterlegt, und die Seiten sind sehr schön gestaltet.

Die Themen der Kapitel sind unterteilt in Feste, Anlässe und Alltägliches. So findet der Leser schnell den passenden Spruch, zum Beispiel für Weihnachten, Muttertag, einer Taufe, oder um Dankbarkeit auszudrücken.

Auf den meisten Seiten stehen gute Zitate und wertvolle Bibelverse. Dazwischen sind mehrere Bilder mit verschiedenen Artikeln, zum Beispiel Tassen oder T-Shirts, auf denen jeweils ein Spruch zu sehen ist.

Wer das Lettering erst erlernen will, wird vielleicht von diesem Buch enttäuscht sein, denn es gibt nur sieben Anleitungen. Bei diesen Anleitungen werden, auf jeweils einer Doppelseite, die einzelnen Arbeitsschritte beschrieben, und es wird gezeigt wie der fertige Spruch aussieht. In einer kurzen Einführung am Anfang des Buchs erfährt der Leser außerdem welche Materialien für das Lettering benötigt werden, aber alles in allem ist dieses Buch eher ein Sprüche-Buch als ein Bastelbuch.

Fazit: Ein sehr schönes Buch zum Verweilen, mit wunderschönen Sprüchen und Bibelversen. Auch wenn das Buch gerne mehr praktische Ideen und Anleitungen enthalten dürfte, überzeugen Gestaltung und Aufmachung.

Veröffentlicht am 08.01.2020

Schnell, einfach und gesund

Das neue vegetarische FAMILY-Kochbuch
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Viele Familien stellen ihre Ernährung um. Wir konsumieren viel zu viel Fleisch, da sind Vorschläge für fleischlose Gerichte immer willkommen. Die Gerichte in diesem Buch sind vielfältig, und die meisten ...

Viele Familien stellen ihre Ernährung um. Wir konsumieren viel zu viel Fleisch, da sind Vorschläge für fleischlose Gerichte immer willkommen. Die Gerichte in diesem Buch sind vielfältig, und die meisten lassen sich einfach und schnell zubereiten.

Das Buch enthält über 120 Rezepte. Der Schwerpunkt liegt auf Hauptgerichte, unterteilt in verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel „Aus dem Ofen“, oder „Aus Topf und Pfanne“. Dazu kommen Suppen, Salate und Snacks, und natürlich süße Gerichte.

Die Mengenangaben beziehen sich jeweils auf eine vierköpfige Familie. Auf einer Doppelseite finden sich meistens zwei oder drei Gerichte. Viele Speisen, aber nicht alle, sind auf einem schön gestalteten Bild neben dem Rezept zu sehen.

Einige Rezepte sind vegan und besonders gekennzeichnet. Die Zubereitung wird jeweils schrittweise erklärt und lässt sich in der Regel schon von älteren Kindern oder Teenagern nacharbeiten. Bei den Zutaten finden sich nicht nur frische Zutaten, denn der Fokus dieses Buchs sind familientaugliche Gerichte. Dadurch, dass mal eine Dose oder ein Fertigteig Verwendung finden, ist das Essen schneller zubereitet.

Es wäre eine große Hilfe, wenn die Rezepte Angaben über die Zubereitungszeiten enthalten würden. Manche werden sich auch an den fehlenden Nährwertangaben stören.

Die Rezepte wurden von verschiedenen Familien zusammengetragen, darum sind sie alltagserprobt. Ein weiterer Vorteil ist die dadurch entstandene Vielfalt der Rezepte, wobei es viele Pasta- und Pizzavariationen gibt, vermutlich, weil solche Gerichte bei Kindern gut ankommen. Exotischere Gerichte fehlen aber nicht, wie indisches Naan-Brot oder amerikanisches Coleslaw.

Das Register am Ende des Buchs ist nach gängigen Lebensmitteln geordnet, wie Kartoffeln oder Möhren, sodass der Koch oder die Köchin auf den ersten Blick sehen kann, was aus den vorhandenen Zutaten gemacht werden kann.

Fazit: Schnell, einfach und gesund – dieses Kochbuch bietet viele alltagstaugliche Vorschläge für fleischlose Gerichte. Es erinnert an eine Sammlung von erprobten Gerichten, die Freunde einander weitergeben. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 28.12.2019

Auf der Suche nach dem wahren Mörder

A Good Girl’s Guide to Murder
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Die 17jährige Pip steht kurz vor ihrem Schulabschluss. Als Thema für ein Schulprojekt will sie einen Mordfall untersuchen, der vor fünf Jahren in ihrem Heimatort geschehen ist. Der Fall wurde damals schnell ...

Die 17jährige Pip steht kurz vor ihrem Schulabschluss. Als Thema für ein Schulprojekt will sie einen Mordfall untersuchen, der vor fünf Jahren in ihrem Heimatort geschehen ist. Der Fall wurde damals schnell aufgeklärt. Schon bald stand fest, wer der angebliche Täter ist. Aber Pip glaubt, dass da etwas nicht stimmt.

Damals verschwand eines Nachts die hübsche Andie. Eine Leiche wurde nie gefunden. Aber ihr Handy und Blutspuren im Kofferraum ihres Autos. Und ein Schuldbekenntnis. Von ihrem Freund, Sal, der anschließend Selbstmord beging.

Pip beginnt ihre Befragungen mit Rav, dem Bruder des angeblichen Mörders. Seit fünf Jahren wird die indische Familie in dieser britischen Kleinstadt geächtet, da für alle feststeht, dass Sal dieses blühende junge Mädchen ermordet hat. Nach anfänglichen Misstrauen, entscheidet sich Rav Pip bei ihrer Suche zu helfen, denn auch er kann sich nicht vorstellen, dass sein Bruder ein Mörder ist.

Die strebsame Pip macht sich wie ein Spürhund auf die Suche und lässt sich von nichts aufhalten. Dabei deckt sie Überraschendes auf. Vielen ist es gar nicht recht, dass sie die Ruhe stört und alte Wunden aufreißt. Und viele Beteiligte haben etwas zu verbergen.

Dieses Buch beginnt mit einer Mischung aus Protokollen über Pips Forschungsergebnissen, und einer Erzählung über Pips Erlebnissen. Es dauert ein bisschen, bis man sich eingelesen hat, und nicht durcheinander kommt beim Wechsel der Erzählperspektive. Einige Personen tauchen in der Geschichte nur kurz auf und spielen danach kaum eine Rolle, wodurch es am Anfang schwer sein kann der Geschichte zu folgen.

Aber nach einigen Seiten ist man mittendrin, und es fällt schwer das Buch wegzulegen. Die unerwarteten Wendungen und die erstaunlichen Offenbarungen nehmen den Leser gefangen. Dieser Jugendkrimi erinnert ein bisschen an Agatha Christies Bücher, da der Leser hin und her schwankt mit seinem Verdacht, wer denn nun der Täter sein könnte.

Pip, mit ihrer ungewöhnlichen Persönlichkeit und ihren Stärken und Schwächen, wächst dem Leser schnell ans Herz. Ihre Motivation, aber auch ihr Zögern, lässt sich beim Lesen gut nachvollziehen. Ein weiterer Pluspunkt ist der Humor, der an manchen Stellen durchblitzt. Auch wenn einige Erzählstränge zu schnell abgehandelt werden, überzeugt diese Geschichte.

Fazit: Ein spannender Krimi für jugendliche Leser, an dem auch Erwachsene Freude haben werden. Mit einer ungewöhnlichen und sympathischen Heldin rätselt der Leser bis zum Schluss mit bei der Auflösung eines scheinbar abgeschlossenen Falles.

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Veröffentlicht am 18.12.2019

Sich aufmachen und führen lassen

Eigentlich nordwärts
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Im Jahr 2018 ist das Autoren-Ehepaar dieses Buchs zusammen 100 Jahre alt. Das soll mit einem besonderen Erlebnis gefeiert werden. Geplant ist eine Fahrradtour durch Norwegen.

Als es soweit ist, müssen ...

Im Jahr 2018 ist das Autoren-Ehepaar dieses Buchs zusammen 100 Jahre alt. Das soll mit einem besonderen Erlebnis gefeiert werden. Geplant ist eine Fahrradtour durch Norwegen.

Als es soweit ist, müssen sie zunächst ihren Plan ändern, denn der betagte Familienhund soll mit. Darum beginnt die Reise mit dem VW-Bus, und wird später auf Fahrrädern fortgesetzt. Mit dabei ist auch Sohn Noah, der kurz vor dem Schuleintritt steht. Die Reisedauer ist auf drei Monate begrenzt.

Der erste Teil des Buchs beschreibt die Vorüberlegungen und die längere Strecke in Deutschland, Schweden und Norwegen, die mit dem Auto zurückgelegt wird. Im zweiten Teil verändert sich die Reise. Da die Familie nun auf Fahrrädern unterwegs ist, werden kürzere Strecken in Norwegen beschrieben. Die Herausforderungen sind jetzt auch ganz andere, denn nun geht es darum immer einen sicheren Schlafplatz zu finden und schwierige Wegstrecken zu bewältigen. Im dritten Teil nähert sich die Reise in Dänemark ihrem Ende. Dieser dritte Teil enthält außerdem nützliche Infos für Leser, die eine ähnliche Reise planen.

Das Buch ist sehr hochwertig gestaltet. Das beginnt mit dem freundlichen Bild auf dem Hardcover und dem praktischen Lesebändchen. Innen sind sehr viele einladende Fotos und eine gezeichnete Übersichtskarte der Reise. Auf manchen Seiten finden sich kurze Informationen zu den besuchten Städten. Fast immer wird in der Wir-Form berichtet. An besonders kniffligen Stellen kommen aber beide Autoren einzeln zu Wort. Der Leser erfährt außerdem, wie der kleine Noah die Reise erlebt.

Der Bericht nimmt den Leser mit auf diese herausfordernde Reise. Da die Varnholts ihre Reise nicht im Detail vorausgeplant haben, kommt es immer wieder vor, dass sie nicht wissen, wo sie die Nacht verbringen werden. Manche Wegstrecke entpuppt sich als viel anstrengender als geplant. Trotzdem möchten sie auf ihre innere Stimme hören und sich führen lassen. Dabei erleben sie manch wunderbare Begegnung.

Für den Leser, der wenig Interesse an Skandinavien oder an einer langen Auszeit mit dem Fahrrad hat, ist das Buch vielleicht weniger fesselnd. Es ist schön, dass die Autoren den Leser in ihre Freuden und Sorgen hineinnehmen, aber es fehlt manchmal die Spannung. Es reiht sich ein Dorf ans andere. Schöne Landschaften und Regentage wechseln sich ab. Diesen authentischen Bericht werden Leser unterschiedlich empfinden, je nachdem wie groß ihr Interesse an einer solchen Reise ist.

Auch wenn die Autoren über einige Begegnungen mit Einheimischen erzählen, erfährt der Leser nicht sehr viel über die Norweger. Die Autoren bleiben weitgehend in ihrer eigenen Auszeit-Welt. Interessant zu lesen ist, wie der kleine Sohn diese ungewöhnliche Reise erlebt, und wie sein großer Glauben seine Eltern immer wieder ermutigt. Besonders wertvoll sind die „Mitbringsel“ am Ende des Buchs. Die Autoren listen hier ihre Erkenntnisse nach der Reise auf. Sie haben entdeckt was in ihrem Leben wichtig ist und was nicht, und so können sie Gelerntes von der Reise mit in ihren Alltag nehmen – und dem Leser mitgeben.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Reisebericht über eine dreimonatige Auszeit zu dritt. Gemeinsam mit ihrem 6jährigen Sohn reisen die Autoren auf dem Fahrrad durch den Norden Europas. Offen berichten sie von den Freuden und Herausforderungen dieser Reise. Besonders interessant für Menschen, die sich ein entschleunigtes Leben wünschen!

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