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Veröffentlicht am 23.02.2020

Unbekannte Historie

Der Empfänger
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Josef (Joe) Klein ist in den 1920er Jahren in die USA ausgewandert und schlägt sich mit einfachen Jobs durch. Er ist begeisterter Funker und tritt auf diese Weise in Kontakt mit der ganzen Welt.
Als die ...

Josef (Joe) Klein ist in den 1920er Jahren in die USA ausgewandert und schlägt sich mit einfachen Jobs durch. Er ist begeisterter Funker und tritt auf diese Weise in Kontakt mit der ganzen Welt.
Als die Nazis in Deutschland an die Macht kommen, entsteht auch in der deutschen Community in New York eine starkte Nazibewegung und Josef gerät in diese Kreise. Er soll angeblich für einen Unternehmer Geschäftsdaten nach Hamburg funken, doch in Wirklichkeit funkt er verschlüsselte Informationen für die deutsche Abwehr. Als er auf Drängen seiner Freundin Lauren aussteigen will, wird er zusammengeschlagen.
1941 treten die Amerikaner in den 2. Weltkrieg ein und Josef wird wie viele andere Deutsche auf Ellis Island interniert, kann aber 1946 nach Deutschland ausreisen. Dort nimmt er wieder Kontakt zu seinem Bruder Carl auf.
Das Buch ist eingebettet in eine Rahmenhandlung im Jahr 1953, als Josef in Costa Rica lebt. Dazwischen pendelt die Handlung zwischen den USA und Deutschland. Das macht das Buch lebendig und wegen der Zeitangaben auch gut verständlich.
Ich habe viel über das Wirken der Nazis in den USA gelernt, mit war nicht bewusst, dass es dort so eine starke Nazibewegung gab, die auch sogar in die schwarze Bevölkerung hinein reichte.
Ulla Lenze schreibt sehr sachlich, aber pointiert und gut lesbar. Ihre manchmal sehr poetische Sprache hat mir gut gefallen. Die Heimatlosigkeit und Einsamkeit des Mannes wird sehr deutlich.
Das Titelbild fand ich sehr gelungen, denn trotz der gut erzählten Geschichte bleibt Josef Klein schemenhaft und nicht wirklich zu fassen.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Langatmig

Eine Welt nur für uns
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Nach dem Krieg kehrt der Soldat Vincent 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankreich zurück. Er will unbedingt seine Freundin Ariane wiederfinden und schließt sich einem Trupp aus Minenräumern in ...

Nach dem Krieg kehrt der Soldat Vincent 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankreich zurück. Er will unbedingt seine Freundin Ariane wiederfinden und schließt sich einem Trupp aus Minenräumern in seinem Heimatort an. Die Arbeit ist gefährlich, immer wieder kommt es zu Unfällen, die auch tödlich enden können. Aber Vincent hofft neben der Arbeit zu Arianes Aufenthaltsort recherchieren zu können. Er trifft auf Saskia, die das KZ überlebt hat und viele Traumata mit sich schleppt. Sie versucht das Haus ihrer Eltern zurückzubekommen, aber das ist nicht einfach, denn wie kann sie beweisen, dass ihre Eltern im KZ ermordet wurden?

Das Buch beschäftigt sich intensiv mit der Arbeit der Minenräumer, den einzelnen Minentypen und ihrer Entschärfung. Das fand ich langatmig und überflüssig. Auch die Erzählung über Vincent, seinen deutschen Kameraden Lukas und den Rest der Minenräumtruppe konnte mich nicht begeistern, manchmal ist das alles etwas wirr. Allein die Figur der Saskia hat mich angesprochen. Die Ungerechtigkeit ihres schweren Schicksals ist beklemmend und beschämend. Erst am Schluss, als sich Arianes Schicksal aufklärt, wird das Buch interessanter.

Durch dieses Buch habe ich mich leider hindurchgequält, obwohl das Thema mich sehr interessierte, aber die Umsetzung konnte mich leider nicht begeistern.

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Rasant und grausam

Romeos Tod
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Mona ist nach zehn Jahren aus dem Knast entlassen worden und lernt den Schauspieler Jan kennen, sie stürzen sich in eine heftige erotische Affäre. Während Jan immer wieder in große Schaffenskrisen gerät, ...

Mona ist nach zehn Jahren aus dem Knast entlassen worden und lernt den Schauspieler Jan kennen, sie stürzen sich in eine heftige erotische Affäre. Während Jan immer wieder in große Schaffenskrisen gerät, ausgelöst durch sein intensives Hineinsteigern in seine Rollen, erfährt er nach und nach Monas Geschichte. Ihre Geschichte? Nach und nach zweifelt man an deren Wahrheitsgehalt, denn sie scheint nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. Zusammen mit Jans Mutter macht sie sich auf nach Italien, um ihre beiden Kinder und den Vater ihrer Kinder zu suchen, die nach ihrer Verureilung verschwunden sind.

Das Buch is sehr rasant geschrieben, aber auch sehr gewalttätig. Jans existenielle Krisen sind grenzwertig, nah am Rande zum Wahnsinn. Mona dagegen scheint überlegter zu sein, aber unter der harten Schale brodeln Racheglüste übelster Art. Für meinen Geschmack war das alles einfach zu viel des Schlechten. Die Charaktere blieben trotz aller Psychospiele zu oberflächlich und flach, mit einem sehr groben Pinsel gezeichnet.

Das war nicht mein Buch ich mag es lieber "feiner".

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Vexierspiel

Das Nachthaus
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Wer bei diesem Buch einen Krimi in der Tradition der Harry-Hole-Bücher erwartet, der liegt vollkommen falsch. Schon der Aufdruck "Roman" auf dem Schutzumschlag hätte mir zeigen können, dass es sich hier ...

Wer bei diesem Buch einen Krimi in der Tradition der Harry-Hole-Bücher erwartet, der liegt vollkommen falsch. Schon der Aufdruck "Roman" auf dem Schutzumschlag hätte mir zeigen können, dass es sich hier nicht um einen Krimi handelt, sondern so etwas wie eine abwechslungsreiche Fingerübung des Autors.
Ein Junge wird von einem Telefon eingesogen, ein anderer verwandelt sich in ein Insekt (Kafka lässt grüßen) und Richard gerät unter Verdacht mit dem plötzlichen Verschwinden der beiden Jungen etwas zu tun zu haben.
Das Buch entwickelt sich weiter in Richtung Horrorstory, doch dann ist plötzlich alles anders und das Bild dreht sich vollkommen. Erst im dritten Teil findet man die Auflösung der seltsamen Geschichte und es gibt doch noch einen Twist in Richtung Kriminalfall.
Bei diesem Buch wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes "ent-täuscht", denn ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Die Geschichte ist ohne Zweifel hervorragend geschrieben, wie alles von Nesbo, und lässt sich gut und flüssig lesen. Auch ist das Buch spannend, denn man möchte ja wissen, was es mit diesen Horrorgeschichten auf sich hat. Aber es ist eben sehr ungewöhnlich und kein "richtiger" Nesbo. Darauf muss man sich einlassen und sollte nicht enttäuscht sein, weil es kein richtiger Krimi ist.

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Veröffentlicht am 16.10.2023

Verstörend

Schwachstellen
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Dieses Buch bekam ich in der Leserunde und es hat mich verstört. Auch auf Grund der aktuellen Situation in Israel, aber nicht nur deshalb, ist es sehr aktuell.

Sivi erzählt seine Geschichte. Er ist ein ...

Dieses Buch bekam ich in der Leserunde und es hat mich verstört. Auch auf Grund der aktuellen Situation in Israel, aber nicht nur deshalb, ist es sehr aktuell.

Sivi erzählt seine Geschichte. Er ist ein echter Nerd und erstklasiger Hacker und weiß mit seinem Leben nicht wirklich etwas anzufangen. Als er das Angebot bekommt in einer Technikfirma zu arbeiten und viel Geld zu verdienen, sagt er zu und kann dadurch endlich bei seinen nervigen Eltern ausziehen. Doch dann werden die Aufträge immer seltsamer und er muss in einem Schurkenstaat Überwachungssoftware installieren, die das Leben der Menschen in allen Bereichen sichtbar machen. Gleichzeitig macht sich die Familie Sorgen um Sivis Schwester Schiri und Sivi kann der Verlockung nicht widerstehen auch ihr hinterherzuspionieren. Ein gefährliches Spiel!

Bei diesem Buch habe ich zwischen drei und vier Sternen geschwankt, aber im Zweifel für den Autoren! Der Stil ist sehr monoton, fast roboterhaft und wenig abwechslungsreich. Sivi lebt ganz in seiner Computerwelt, er hinterfragt nichts, er reflektiert nichts. Das ist manchmal langatmig. Gefallen hat mir aber der sehr aktuelle Bezug, denn sind wir nicht alle schon längst gläsern? Durch "soziale" Medien, durch Apps, durch unsere Obsession Fotos zu posten? Obwohl man das alles weiß und es genug Warnungen von Fachleuten gibt, bleiben wir unserem Verhalten treu, statt uns von Handynutzung etc. zu entwöhnen. In diesem Buch wird erschreckend deutlich, wohin das führt. Bezeichnend ist ja auch, dass der Anführer der Hamas, die den Überfall auf Israel begangen hat, nur mündlich und über Zettel komuniziert, nie über elektronische Medien. Das konnte der eigentlich hoch gelobte israelische Geheimdienst nicht kontrollieren.

Insgesamt fand ich das Buch zwar langatmig, aber auch faszinierend. Ein echtes Dilemma!

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