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Annafrieda

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

Vergangenheit und Gegenwart

Großmutters Geheimnis
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Im hohen Alter beginnt Ruth in einem jüdischen Seniorenheim in New York ihr bisheriges Leben auf Kassetten zu sprechen, in der Hoffnung, dass diese ihren ihr unbekannten Enkel mal erreichen werden. Sie ...

Im hohen Alter beginnt Ruth in einem jüdischen Seniorenheim in New York ihr bisheriges Leben auf Kassetten zu sprechen, in der Hoffnung, dass diese ihren ihr unbekannten Enkel mal erreichen werden. Sie erzählt von ihrer großen Familie, von deren Zusammenhalt und den jüdischen Gebräuchen. Und auch von ihrer großen Leidenschaft für die Musik. Diese bestimmte vor dem 2. Weltkrieg weitestgehend ihr Leben. Und dass es irgendwann die Zerrüttung im Familiengefüge gab - es besteht kein Kontakt mehr zu ihrer Tochter und dem Enkelsohn. Sie berichtet von dem Beginn der Judenverfolgung, auch sie wurde nach Theresienstadt gebracht und überlebte nur knapp diese Zeit bis zur Befreiung.

Dass Ruth mit ihrer Kassetten-Aufnahme das Trauma wieder nach oben befördert hat, zeigt, dass auch das Verdrängen über Jahrzehnte nicht geschafft hat, das Grauen der Vergangenheit zu beseitigen. Es muss aufgearbeitet werden. Doch es gab kaum Möglichkeiten für die Betroffenen. Umso wichtiger, dass wir uns erinnern. Das größte Drama ist für mich, dass Ruth und Lillian es ein Leben lang nicht geschafft haben, miteinander zu reden, Verständnis zu üben. Vielleicht hätte das ihrer beider Leben verändern können. Umso mehr bewundere ich heute die Menschen, die immer wieder an die Öffentlichkeit gegangen sind und als Sprachrohr dienten für die schweigenden Überlebenden.

In Dänemark erleben wir Lillian, ihren Sohn Alexander und Schwiegertochter Gry in ihrem Bemühen, irgendwie den Kontakt miteinander zu meistern. Lillian, ein vorher erfolgreicher Musicalstar terrorisiert ihre ganze Umgebung und ihre Familie mit ihren hohen Ansprüchen. Alexander hat ihr nichts entgegen zu setzen und fügt sich. Das scheint sein ganzes Leben so gewesen zu sein und ihm fehlt es an vielem: Seltsbewusstsein, Eigenverantwortung und Zielen. Gry scheint sein Halt zu sein und auch in dieser Beziehung zeichnet sich für mich seine Anpassung ab. Krampfhaft wird um eine Schwangerschaft gekämpft, ich kann im ganzen Geschehen kaum Gefühle erkennen. Keine guten Voraussetzungen für ein Leben mit einem Kind. Wie der Autor den "kalten" Akt der medizinischen Hilfe und den leblosen Umgang miteinander beschreibt finde ich sehr passend im Hinblick auf diese Familienkonstellation. Alexander macht keine Anstalten, notwendige Änderungen anzugehen, er scheint ziellos und gleichgültig zu sein. Doch das Hören von Ruths Kassetten löst etwas in ihm aus, er stellt sich der familiären Vergangenheit.

Dennoch lässt mich das Buch zwiegespalten zurück. Ich empfinde den letzten Teil "abgespalten" vom übrigen Inhalt. Es ist wünschenswert, dass sich Dinge auflösen, Traumata der Vergangenheit bewältigt werden, doch das geschieht mir hier eindeutig viel zu glatt und zu schnell. Die Vergangenheit hatte so massiven Einfluss auf alles Nachfolgende, das ist, wie hier geschildert, einfach realitätsfremd. Für mich las es sich wie eine Aufzählung, alles wird gut. Die lang erkämpfte Schwangerschaft, Alexanders 180 Grad Drehung in Bezug auf sein Leben, das wundersame Verständnis von Lillian - sorry, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Vielleicht hätte es keiner kompletten Auflösung bedurft. Ich spreche aus eigener Erfahrung, die Traumata des Krieges sind auch in meiner Familie präsent und es ist ein langer Weg.
Passend und schön fand ich das Zusammentreffen von Ruth und Alexander - ein wunderbarer Anfang, die Schatten der Vergangenheit zu lüften.
Der letzte Teil hat mich tatsächlich enttäuscht. Es ist wirklich schade, weil Ruths Teil sehr berührend und erzählerisch gut geschrieben und die Idee dahinter toll ist. Hier hat die Zusammenführung von Vergangenheit und Gegenwart leider nicht gut funktioniert.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Kratzt an der Oberfläche

Mut beginnt im Herzen
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Die Autorin nimmt uns hier mit auf die Reise einer Frau, die selbstfürsorglich das Zepter der Heilung ihrer Angststörung selbst in die Hand nimmt. Es werden gehbare Wege aufgezeigt und ihr gelingt es ziemlich ...

Die Autorin nimmt uns hier mit auf die Reise einer Frau, die selbstfürsorglich das Zepter der Heilung ihrer Angststörung selbst in die Hand nimmt. Es werden gehbare Wege aufgezeigt und ihr gelingt es ziemlich schnell umzudenken und ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Angststörungen - ein weitreichendes Thema, das m. E. in diesem Buch nur an der Oberfläche kratzt. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Betroffenen die Hoffnung schüren könnte, dass deren Behandlung gar nicht so schwer ist, man muss nur den Anfang machen (was im Prinzip ja auch stimmt). Dem ist nicht so. Der Kampf mit den inneren Dämonen ist m. M. nach hier nicht ansatzweise erkennbar. Die Hürden der Therapieplatzsuche, die Problematik der Medikamentengabe, das Unverständnis vieler Mitmenschen, die Hilflosigkeit der Angehörigen und das eigene Öffnen anderen gegenüber kommen hier viel zu kurz.
Da ich mich als Betroffener an jeden Strohhalm klammere, hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen können.

Der Eindruck entstand, weil das Genre des Buches nicht klar definiert ist. Darf ich es als helfenden Ratgeber interpretieren oder als fiktive Geschichte? Vielleicht ist genau das der Punkt. Das Thema ist einfach zu breit gefächert. Es hätte auf dem Klappentext deutlicher dargestellt werden können, wie sie gemeint ist.

Dennoch kann es Mut machen, erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, die Autorin hat wichtige Punkte angesprochen und es liest sich leicht.
Doch da ist und bleibt die Diskrepanz, wie man das Buch einstufen kann.

Das Cover ist sehr gelungen und ansprechend. Die Farbgebung ist toll.

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Veröffentlicht am 20.08.2020

Stadtpflanze findet Landei

Nur noch ein bisschen Glück
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Stella erbt auf dem Land das Haus ihrer Großmutter, das sich schnell als Ruine herausstellt. Darum möchte sie es schnell verkaufen und es gibt gleich zwei Kandidaten, die es haben möchten. Der eine ist ...

Stella erbt auf dem Land das Haus ihrer Großmutter, das sich schnell als Ruine herausstellt. Darum möchte sie es schnell verkaufen und es gibt gleich zwei Kandidaten, die es haben möchten. Der eine ist der Bauer Thor, Vater zweier halbwüchsiger Kinder, Witwer seit fünf Jahren. Der andere, Eric, ein Großgrundbesitzer und ein Ekel vor dem Herrn. Wer macht das Rennen?

Zumindest gefühlsmäßig kann Thor bei Stella punkten. Schnell stellt sich heraus, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Und schon geht es los, mit Sex, Sex und immer wieder Sex. Das war mir einfach zu viel des Guten. Eine Szene, häufig wiederholt, nur mit anderen Worten, passt in dieser Häufigkeit einfach nicht in einen Roman, in dem die Autorin etwas mitzuteilen hat. Denn hier werden auch gesellschaftliche Themen angesprochen, was mir sehr gefallen hat. Das Zusammenwachsen einer gestörten Beziehung und die Aufarbeitung alter Wunden haben ihren Platz gefunden.

Doch leider sind auch einige Erzählstränge im Laufe der Geschichte auf der Strecke geblieben, andere im Eiltempo abgearbeitet worden. Hier wäre meines Erachtens weniger mehr gewesen. Es muss am Ende nicht alles ein Ende finden, es darf auch was offen bleiben, wenn es plausibel ist.

Die Charaktere fand ich an sich stimmig, an einigen Stellen etwas überzeichnet. Der eine oder andere war mir etwas näher, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Ich finde, dass Simona Ahrnstedt einen schönen Schreibstil hat. Dennoch habe ich hier keinen durchgehenden roten Faden gefunden. Zuviel angerissen, zuviel gewollt

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Veröffentlicht am 13.05.2020

ein netter Plot - aber die Geschichte zieht sich

Der Klang des Herzens
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Erst einmal: Ich hätte niemals gedacht, dass ich für eines von Jojo Moyes' Büchern jemals drei Sterne vergeben werde, aber das ist hier leider der Fall.

Isabel hat ihr Leben ihrer Geige und der Musik ...

Erst einmal: Ich hätte niemals gedacht, dass ich für eines von Jojo Moyes' Büchern jemals drei Sterne vergeben werde, aber das ist hier leider der Fall.

Isabel hat ihr Leben ihrer Geige und der Musik gewidmet. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, ihr Mann und ihre zwei Kinder Thierry und Kitty, leben quasi ein eigenes Leben, versorgt von einer Nanny. Plötzlich stirbt ihr Mann und Isabel steht unverhofft vor den Anforderungen des realen Lebens, das ihr fremd ist. Die hinterlassenen Schulden ihres Mannes zwingen sie, das Haus zu verkaufen und ihr sorgenfreies Leben hinter sich zu lassen. Sie und die Kinder ziehen in einen kleinen Ort auf dem Lande in das "Spanische Haus", das ihr Großonkel ihr vererbt hat. Es liegt wunderschon im Wald am See, doch innen gleicht es eher einer Ruine. Isabel ist "weltfremd" und lässt einfach alles geschehen, was andere vorschlagen. Es gibt noch weitere Interessenten für das Haus, doch das scheint Isabe nicht zu merken. Auch ihren Kindern, die ihre Hilfe in ihrer Trauer um ihren Vater dringend benötigen, kann sie keine Stütze sein. Es ist eher so, als wäre Kitty die treibende Kraft, die alles am laufen hält. Es dauert lange, bis Isabel endlich versteht, was wirkliche Leben bereit hält.

Die Story ist ganz charmant - eine Mutter, die ihr Leben und das ihrer Kinder in den Griff kriegen muss, eine schöne Umgebung, nette Charaktere und eine Prise "es liegt Liebe in der Luft". Dennoch habe ich hier kaum Zugang zu den Figuren bekommen, sie blieben mir ziemlich fremd. Vielleicht war es am ehesten Kitty, die mit ihrer patenten Art die Geschichte trug. Die ganze Geschichte zog sich hin und ich fand es müßig, Isabel dabei zuzusehen, wie sie weltfremd an der Realität vorbei marschierte und andere ihr Leben bestimmten. Und auch, dass sie die Not ihrer Kinder nicht erkannte, die - beide jeder auf ihre eigene Art und Weise - mit der ganzen Situation nicht klar kamen. Viele Phasen hätte man kürzer halten können, ich denke, das hätte dem Buch gut getan. Und zum Ende hin löste sich alles viel zu schnell auf und für mich blieben Fragen offen.

Hervorzuheben ist der (gewohnt) tolle Schreibstil der Autorin. Es fehlte mir hier einfach das letzte Quäntchen Stoff, aus dem Herzensgeschichten gewebt sind. Daher diesmal leider nur drei Sterne.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Hält nicht, was der Klappentext verspricht

Diabolic – Fatales Vergehen
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Drei sechzehnjährige Mädchen - Shiloh, Kathrina und Ruth - werden beim nächtlichen Baden im See von einem Vergewaltiger überrascht, sie entkommen nur knapp. 15 Jahre später sind alle wieder in ihrer Heimatstadt ...

Drei sechzehnjährige Mädchen - Shiloh, Kathrina und Ruth - werden beim nächtlichen Baden im See von einem Vergewaltiger überrascht, sie entkommen nur knapp. 15 Jahre später sind alle wieder in ihrer Heimatstadt und müssen schockiert feststellen, dass während der Zeit ihrer Abwesenheit 3 junge Frauen verschwunden sind. Hat das was mit ihrem Erlebnis von damals zu tun?

Der Anfang war richtg toll und versprach viel Spannung. Auch die Vorstellung der heutigen Shiloh hat mir gefallen. Und dann kam so allmählich ein Einbruch der Geschichte für mich. Vielleicht lag es dran, dass sich die drei Geschichten der Frauen aufgrund der ähnlichen Liebesgeschichten doch stark ähnelten. Die ständigen erotischen Wiederholungen langweilten mich auf Dauer und ich finde, man hätte das kürzer fassen müssen. Und der Mittelteil zog sich und das letzte Drittel verlor sich in z. T. unwichtigen Kleinigkeiten. Vielleicht merkt man daran doch, dass hier mehr als ein Autor gewirkt haben. Das Ende kam dann rasant daher, der Täter blieb mir fremd bzw. fehlten mir mehr Hintergrundinformationen zu seinen Motiven. Auch fehlten mir wichtige Verknüpfungen der drei Frauen, vielleicht wäre mehr Spanung aufgekommen, hätte man die Geschichten nicht jede einzelne für sich erzählt. Shiloh war plötzlich gänzlich von der Bildfäche verschwunden, und dabei war gerade sie für mich der interessanteste Charakter. Mir fehlte hier die konsuquente Linie, irgendwie waren es drei einzelne Geschichten, die zusammen gefügt werden mussten. Für mich war es kein Thriller, viel Spannung kam nicht wirklich auf, alles zog sich in die Länge. Der als mit "Spannung hoch drei!" angekündigte Thriller konnte diesen Anspruch leider nicht erfüllen. Etwas gestrafft wäre sicher besser gewesen. Einige Charaktere erschienen mir nicht rund genug. Schade, ich hatte mir deutlich mehr vom Inhalt versprochen.
Der Schreibstil des Autoren hat mir meistens gut gefallen, lediglich im letzten Drittel tat ich mich mit dem auschweifenden Stil etwas schwer.
Ich vergebe 3 Sterne, da mich der Inhalt als Ganzes nicht wirklich überzeugt hat.

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