Jugendthriller mit Suchtpotenzial – auch für ältere Leser!
ErebosAn Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: ...
An Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: Erebos ist nämlich kein gewöhnliches Spiel. Es ist nicht nur sagenhaft spannend, sondern auch äußerst raffiniert: Es scheint Nicks Vorlieben zu kennen und mit ihm zu kommunizieren. Wie manche anderen Schüler ist er dabei, Erebos zu verfallen und sich von ihm beherrschen zu lassen. Doch dann merkt er, dass eine düstere, zerstörerische Macht von dem Spiel ausgeht, die in der Lage ist, die Spieler zu manipulieren und für ihre Zwecke zu benutzen...
Ich habe „Erebos“ vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen und weiß noch, dass mich das Buch damals sehr gefesselt hat. Nun steht seit einigen Wochen in meinem Regal „Erebos 2“, die vor kurzem erschienene Fortsetzung des Romans, auf die ich mich sehr gefreut habe. Allerdings wollte ich nicht mit der Lektüre beginnen, ohne zuvor nochmal Teil 1 gelesen zu haben. Ich war sehr gespannt, ob ich es nach all den Jahren genauso packend finden werde. Und siehe da – kaum angefangen zu lesen war ich sofort in der Geschichte drin, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und fieberte wie damals mit Nick und seinen Freunden mit! „Erebos“ gehört für mich zu den Büchern, bei denen alles, aber wirklich auch alles stimmt: Ein toller, gut durchdachter Plot, klasse Schreibstil, Spannung von Anfang bis zum Ende, lebendige Charaktere, die einem ans Herz wachsen oder umgekehrt negative Emotionen erzeugen, ein fulminanter Showdown und ein aus meiner Sicht perfektes Ende. Die Autorin bietet aber nicht nur spannende Unterhaltung. Mit der Thematik ihres Romans spricht sie ein brisantes Thema an: die Gefahren, die von der virtuellen Welt ausgehen, vor allem das Suchtpotenzial, die diese bei manchen, insbesondere jungen Menschen, entfaltet. Dieses Thema hat in den letzten zehn Jahren nichts von seiner Aktualität verloren, ganz im Gegenteil. Man weiß inzwischen, dass übermäßiger Medienkonsum Kinder und Jugendliche nicht nur müde, unkonzentriert und gereizt macht, er soll auch bei ihnen gewisse Hirnstrukturen verändern. Umso wichtiger ist es, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang leistet „Erebos“ einen wichtigen Beitrag und regt zum Nachdenken an. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass Ursula Poznanski mit diesem Titel den Deutschen Jugendliteraturpreis und einige andere Preise gewonnen hat.
Die graphische Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Das Auge-Motiv passt sehr gut zum Thema, das Signalrot des Covers und der kurze Klappentext erfüllen wirkungsvoll ihre Aufgabe: Sie versprechen eine spannende Lektüre und machen den Leser neugierig auf den Inhalt.
Alles in allem ist „Erebos“ ein rundum gelungener Jugendthriller, den ich mit gutem Gewissen nicht nur älteren Jugendlichen, sondern auch erwachsenen Lesern wärmstens empfehlen kann!