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Veröffentlicht am 07.04.2020

Starke Frauen mit tiefen Geheimnissen ...was in Belmonte wirklich geschah ...

Belmonte
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Belmonte … ein typisches kleines Dorf „an der Wade des italienischen Stiefels“ und die Schicksale starker Frauen … das versprach eine interessante Geschichte zu werden. Ich wurde nicht enttäuscht. Simona, ...

Belmonte … ein typisches kleines Dorf „an der Wade des italienischen Stiefels“ und die Schicksale starker Frauen … das versprach eine interessante Geschichte zu werden. Ich wurde nicht enttäuscht. Simona, eine junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst und dem Geheimnis ihrer italienischen Familie ist, macht sich auf den Weg. Sie hatte nichts geahnt von dem kleinen Hof, den ihre verstorbene Großmutter ihr vermacht hatte und wurde mehr als positiv überrascht, als sie dort ankam. Aber warum hatte Franca ihr nie davon erzählt? Worin lag das Geheimnis um das Leben ihrer Vorfahren?

Schicht für Schicht entblättert Antonia Riepp – hinter der sich die bekannte Krimiautorin Susanne Mischke verbirgt – was damals geschah. Sie erzählt aus immer wieder unterschiedlichen Blickwinkeln das Leben von Teresa, der Urgroßmutter, die in dem kleinen Bergdorf wahrlichen keinen einfachen Stand im Leben hatte. Von Franca, der Großmutter, die als erste den Schritt nach Deutschland wagte und natürlich von Simona, die sich zwischen ihren beiden Nationalitäten hin und her gerissen fühlt. Besonders spannend fand ich die Beschreibungen um ein „Gastarbeiterleben“ in Deutschland aber auch die Schilderungen der noch tieferen Vergangenheit und der Gegenwart in Belmonte waren sehr gut gelungen. Es ist ein Roman, der Lust auf Reisen macht und Italien für mich zum Leuchten brachte. Eine Geschichte mal anhand des weiblichen Stammbaums erzählt, fand ich eine schöne Idee. Hiermit komme ich aber leider auch zu meinem kleinen Sternenabzug. Der Stammbaum in der vorderen Buchklappe gibt meiner Meinung vorab zu viele Informationen preis. Ich rate jedem potentiellen Leser, diesen nicht zu intensiv zu studieren.

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Veröffentlicht am 07.04.2020

Als Farben wählen die Suffragetten Violett, Weiß und Grün ...

Zeit des Mutes
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Ich muss ja gestehen, nachdem ich das Cover doch fast ein wenig kitschig fand, war ich dem Roman gegenüber sehr skeptisch gestimmt. Ich erwartete eine eher seichte Liebes- oder auch Nichtliebesgeschichte ...

Ich muss ja gestehen, nachdem ich das Cover doch fast ein wenig kitschig fand, war ich dem Roman gegenüber sehr skeptisch gestimmt. Ich erwartete eine eher seichte Liebes- oder auch Nichtliebesgeschichte mit dem Thema Frauenrechte als Hintergrund. Umso angenehmer wurde ich überrascht, wie gut mir dieses Buch dann doch gefiel. Und umso schöner fand ich dann auch zu erfahren, dass für die Covergestaltung die Farben der Suffragetten Bewegung verwendet wurden. Da hatte sich jemand ja richtig Gedanken gemacht.

Während die Protagonistin Emma zu Anfang recht naiv erscheint, mausert sie sich im Laufe der Geschichte zu einer starken Frau, die zu kämpfen weiß und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Die Autorin versteht es, dem Leser zu vermitteln, wie schwer es durchaus auch gutsituierte Frauen hatten, ihr Leben selbst bestimmen zu dürfen. So gerät Emma nach ihrer Heirat und ihrem Umzug nach London vom Regen in die Traufe. Während ihr Leben in Deutschland von den Eltern geregelt und bestimmt wurde, übernimmt ihr Mann in England nun diese Aufgabe. Rein körperlich ist sie versorgt aber auf ihr Gefühlsleben wird keine Rücksicht genommen. Noch schwerer hat es da das Dienstmädchen Lucy, die nach einem Unfall, an dem sie vollkommen unschuldig war, ihre Stelle und somit ihren Lebensunterhalt verloren. Was bleibt ihr anderes übrig als zu kämpfen. Wie es der Zufall will, treffen die Beiden in London auf einander …

Als Frau möchte ich mich an dieser Stelle bei der Autorin bedanken, die dieses Thema, das sich im Jahr 2018 zum hundertsten Male jährte, aufgegriffen hat und ein klares, informatives aber auch spannendes Bild der damaligen Zeit gezeichnet hat. Sie hat mich wieder einmal daran erinnert, dass viele Frauen hart für das Wahlrecht gekämpft haben und umso mehr erschüttert mich dann immer, wenn ich von Wahlbeteiligungen von unter 40% höre, wie neulich bei unserer eigenen Bürgermeisterwahl. Die Menschen sollten sich schämen ihr eigenes Wahlrecht so mit Füssen zu treten.

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Veröffentlicht am 07.04.2020

Findet man Heimat im Schoße der Familie?

Aber Töchter sind wir für immer
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Der achtzigste Geburtstag des Vaters nimmt die Familie Franzen zum Anlass, ein Wiedersehen der Familie zu inszenieren. Es soll ein froher Anlass sein, dem die Schwestern jedoch kritisch gegenüberstehen. ...

Der achtzigste Geburtstag des Vaters nimmt die Familie Franzen zum Anlass, ein Wiedersehen der Familie zu inszenieren. Es soll ein froher Anlass sein, dem die Schwestern jedoch kritisch gegenüberstehen. Die beiden „Großen“, Johanna und Heike, verbindet viel mit der Vergangenheit von der das Nesthäkchen Britta nichts weiß. Um die zwanzig Jahre trennen die beiden von ihr. Doch alle sind sie aufgewachsen in diesem Bahnwärterhaus am Niederrhein … alle vier … doch Schwester Hermine fehlt. Anhand ihres Tagesbuchs, das Brittas Mann Marcel seit Jahren verwahrt, will sie für sich nun die Geschichte aufdecken, die ihr jahrelang verwehrt wurde. Es kommen viele, auch oft schmerzhafte Erinnerungen ans Tageslicht. Kann die Familie diese gemeinsam verarbeiten? Besteht Hoffnung auf eine glückliche Wiedervereinigung?

Mit ihrem Roman „Aber Töchter sind wir für immer“ ist der Autorin Christiane Wünsche, die sich sonst eigentlich eher im Krimibereich bewegt, ein bewegender Familienroman gelungen, der sich mit einer Vergangenheitsbewältigung der ganz besonderen Art beschäftigt. Mutter Christa kam nach dem Krieg als Schlesienvertriebe mit ihrer eigenen Mutter auf das Gut der Franzens. Wie so viele damals, wurde auch sie nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. In ihrer Ehe mit dem Sohn der damaligen Hofbesitzer Franzen, Hans, wird also immer das Thema Heimatverlust eine unterschwellige Rolle spielen. Doch erschwerend wird dazu kommen, dass Tochter Hermine das zweite Gesicht hat und mit ihren Voraussagungen auf viel Unverständnis in ihrem Umfeld stößt. Eine Mischung, die die Familie auf mehr als eine Zerreißprobe stellen wird.

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit und zeichnen so eine emotionale und sehr nachvollziehbare Familiengeschichte, die mich abgeholt hat. Ich bin gespannt, ob wir von der Autorin weitere Romane in diesem Bereich rechnen dürfen. Diesen hat sie jedenfalls toll hinbekommen.

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Veröffentlicht am 21.03.2020

Von Einem, der auszog Schriftsteller zu werden ...

Unsere wunderbaren Jahre
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Puh, geschafft, was für ein Werk! Mit seinen knapp 1000 Seiten ist der Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange wahrlich kein Pappenstiel. Für mich aber hat sich das Durchhalten gelohnt. Was für ...

Puh, geschafft, was für ein Werk! Mit seinen knapp 1000 Seiten ist der Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange wahrlich kein Pappenstiel. Für mich aber hat sich das Durchhalten gelohnt. Was für eine schöne Idee, den Roman im eigenen Heimatort spielen zu lassen und als Vorlage, die Liebesbriefe der eigenen Eltern zu verwenden. In groben Zügen dreht sich die Geschichte um das Schicksal der drei Wolf Mädels und ihren Freunden Thommy, Benno und Bernd. Sie spielt in Altena, einer Stadt in Westfalen, die auch im wahren Leben durch die Produktion der neuen Währung bekannt wurde. Der Roman deckt die Zeit der D-Mark ab, beginnt quasi mit dem Urknall, der Ausgabe von 40 DM Startgeld für jeden. Der Krieg steckt der älteren Generation 1948 noch in den Knochen. Aus vielen Köpfen ist die vergangene Naziherrschaft auch durch den weißesten Persilschein noch nicht ganz wegzudenken. Doch die sechs jungen Leute haben Zukunftsversionen, die einen mehr, die anderen weniger, und so beginnt sich die Geschichte zu entwickeln. Der bekannte Autor – der sich witzigerweise selbst mit in die Story eingebunden hat – hat es sich nicht einfach gemacht. Akribisch hat er die Geschichte jener Zeit in Ost und West recherchiert. Immer wieder bildet er zeitgenössische Anekdoten und Begebenheit ab, die mir damals kein Geschichtslehrer so gut hätte vermitteln können. Die Unterteilung des Romans in sechs große Abschnitte weckte in mir immer wieder die Neugier, wie es wohl weitergehen wird für die Menschen aus Altena, die natürlich mit der Zeit ihr Glück auch in anderen Ecken Deutschlands suchten.

Wie ich es von Peter Prange gewohnt bin, las sich das Buch flüssig und belohnte mit einer anschaulichen und interessanten Schreibweise. Bei der Fülle an Informationen blieb die ein oder andere Länge nicht aus, deshalb gibt es von mir nicht ganz die Bestnote aber solide vier von fünf Sternen vergebe ich gerne. Übrigens hatte ich das Vergnügen den sympathischen Autor zu einer Lesung zu genau diesem Buch in Stuttgart kennenlernen zu dürfen. Warum das Buch nun noch über drei Jahre im Regal schlummern musste, ist mir ein wenig unverständlich. Erst die Verfilmung des Werkes hat nun doch endlich meine Neugier und vor allem meinen Ehrgeiz geweckt. Ein wirklich empfehlenswertes Buch!

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Veröffentlicht am 17.03.2020

Manchmal verschlägt es einem fast die Sprache ...

Feuerland
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Dieser Thriller war für mich der erste des Autors Pascal Engman und bestimmt nicht der letzte. Wer Spaß daran hat, in einer Geschichte nicht nur jagende Killer sondern auch politisch brisante Themen zu ...

Dieser Thriller war für mich der erste des Autors Pascal Engman und bestimmt nicht der letzte. Wer Spaß daran hat, in einer Geschichte nicht nur jagende Killer sondern auch politisch brisante Themen zu verarbeiten, der ist mit "Feuerland" bestens bedient.

Durch ein Buch der Autorin Anja Jonuleit - "Rabenfrauen" - durfte ich schon vorher mal einen Einblick in die Colonia Dignidad in Chile nehmen und hatte somit bereits wage Vorstellungen, was mich in "Feuerland" erwarten würde. Doch diese Vorstellungen wurden um ein Vielfaches getoppt! Ich muss zugeben, dass sich der Einstieg in dieses Hörbuch bedingt durch die vielen Namen und die unterschiedlichen Locations zunächst ein wenig schwierig gestaltete. Doch war ich einmal drin, war es vor Spannung fast nicht zu toppen. Wie ein großes Puzzle fügten sich die kleinen Steinchen schließlich zu einem großen Gesamtbild zusammen und bilden ein Szenario, dass nichts für Zartbesaitete ist. Durch das Einfließen vieler politischer, geschichtlicher aber auch gesellschaftlicher Aspekte kommen aber nicht nur Thrillerfans auf ihre Kosten. Sehr gut gemacht!

Ein großes Lob natürlich auch mal wieder an Frank Stieren, der mir mit seiner angenehmen Stimme schon so manche lange Autofahrt oder einsame Bügelstunde versüßt hat.

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