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Veröffentlicht am 12.10.2022

Fluch des Nordatlantiks

Unsterblich sind nur die anderen
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Zwei Freundinnen, Iva und Malin, besteigen auf der Suche nach ihren verschwundenen Freunden eine Fähre nach Island, die MS Rjúkandi. Sehr schnell fällt ihnen auf, dass die anderen Menschen an Bord der ...

Zwei Freundinnen, Iva und Malin, besteigen auf der Suche nach ihren verschwundenen Freunden eine Fähre nach Island, die MS Rjúkandi. Sehr schnell fällt ihnen auf, dass die anderen Menschen an Bord der Fähre nicht dem Standard entsprechen – und überhaupt hat Iva ein ganz komisches Gefühl…
Lange schon wollte ich endlich einmal einen der viel empfohlenen Krimis der Autorin lesen, nun aber ist dieser ganz neue (und ganz andere) Roman mein erster von Simone Buchholz geworden – deswegen hatte ich keinerlei Erwartungen aufgrund ihrer vorherigen Werke.
Es ist definitiv ein sehr besonderes Buch, das für mich unheimlich viel Atmosphäre hatte. Ein klein wenig musste ich dabei auch an Jack Sparrow und Fluch der Karibik denken – aber insgesamt war es wesentlich ernster, düsterer und auch kälter (weil Nordatlantik). Besonders auch deswegen, weil es in jedem Fall die Genreschubladen sprengt und Schreibstil/Textart auch gerne mal zwischendurch ziemlich unvermittelt wechseln. Dieser recht experimentelle Aspekt des Buches hat mir eigentlich ganz gut gefallen, gegen Ende wurde es mir dann aber einen Tick zu viel.
Iva war für mich die eigentliche Protagonistin der Geschichte, auch wenn der Leser ebenfalls Einblicke aus anderen Perspektiven erhält. Iva mochte ich besonders gerne, gerade ihre zwiespältigen Gefühle im Laufe der Fahrt fand ich toll herausgearbeitet, aber es gab noch so einige andere Figuren, die ich gleichermaßen besonders wie sympathisch fand. Einzig die Sprache in den Dialogen, vor allem zwischen Iva und Malin, fand ich manchmal für deren Alter etwas befremdlich.
Für mich war „Unsterblich sind nur die anderen“ auf jeden Fall ein besonderes Buch, das im Gedächtnis bleiben wird – auch wenn ich persönlich mir vielleicht die ein oder andere Kante weniger gewünscht hätte. Empfehlen würde ich es den Lesern, die gerne mal auch Neues ausprobieren und ein Faible für besondere Atmosphäre haben.

Veröffentlicht am 18.07.2022

Wichtiges Buch zu wenig beachtetem Thema mit einigen Längen

Loveless (deutsche Ausgabe)
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Georgia ist gerade mit der Schule fertig und beginnt ihr Studium an der Uni. Neben den vielen neuen Eindrücken nagt aber immer öfter eine Frage an ihr, die sie eigentlich schon länger plagt: Wann finde ...

Georgia ist gerade mit der Schule fertig und beginnt ihr Studium an der Uni. Neben den vielen neuen Eindrücken nagt aber immer öfter eine Frage an ihr, die sie eigentlich schon länger plagt: Wann finde ich endlich jemanden, der zu mir passt?
Alice Osemann konnte mich bereits mit ihrer Heartstopper-Reihe sehr begeistern, daher wollte ich mich sehr gerne auf dieses Buch einlassen, das sich um eine asexuelle Protagonistin dreht, wie sie einem praktisch nie in der Literatur begegnet.
Das Hineinfinden in die Geschichte fiel mir ziemlich leicht: Georgias erstes Jahr an der Uni kann wohl so ziemlich jeder, der selbst einmal Student war, bestens nachvollziehen. Zudem ist man doch sehr nah an der Protagonistin dran und liest sozusagen ihre Gedanken mit. Stellenweise war das dann etwas gewöhnungsbedürftig, wenn sie Ereignisse mittendrin kurzzeitig rückblickend betrachtet.
Gefallen hat mir die Art und Weise, wie man sozusagen „live“ bei Georgias Selbstfindung dabei ist – das hat sich sehr authentisch und ehrlich angefühlt. Gleichzeitig hätte ich mir in den ersten zwei Dritteln aber gewünscht, wenn die Geschichte etwas mehr auf das Wesentliche reduziert worden wäre. Für meinen Geschmack hat es sich in diesem Teil doch etwas gezogen.
Dranbleiben lohnt sich allerdings, denn im letzten Drittel konnte mich das Buch noch einmal richtig begeistern – mit tollen Erkenntnissen und einem richtig guten, runden Schluss.
Insgesamt gebe ich dem Buch 3,5 von 5 Sternen. Die Autorin hat hier ein Thema, das einem sonst nirgendwo begegnet, aufgegriffen und sehr gut entwickelt. Die Rahmengeschichte war mir allerdings zunächst etwas zu weitläufig, auch wenn sie zum Ende noch mal an Fahrt aufnimmt.

Veröffentlicht am 19.04.2022

Geschichte eines Sommers

Schallplattensommer
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Die 17jährige Maserati lebt bei ihrer Großmutter in einem kleinen Ort, wo sie zu zweit die Dorfkneipe schmeißen. In diesem Sommer gibt es jedoch Zugang bei der Dorfgemeinschaft: Eine Familie mit zwei Söhnen ...

Die 17jährige Maserati lebt bei ihrer Großmutter in einem kleinen Ort, wo sie zu zweit die Dorfkneipe schmeißen. In diesem Sommer gibt es jedoch Zugang bei der Dorfgemeinschaft: Eine Familie mit zwei Söhnen zieht in die Villa am Rande der Ortschaft und bringt die beschauliche Ruhe und Maseratis Gefühle durcheinander.
Nach ihrem Roman „Barbara stirbt nicht“, der mich sehr begeistern konnte, war ich sehr gespannt auf das nächste Buch von Alina Bronsky. Natürlich ist „Schallplattensommer“ ein ganz anderes Genre, daher lässt es sich nicht direkt vergleichen – aber Frau Bronsky kann einfach gut schreiben, das steht auf jeden Fall fest.
Entsprechend liest sich dieses relativ kurze Buch auch im Nu weg. Man fliegt nur so durch die Geschichte, genießt den Sommer zwischen den Seiten und verfolgt gespannt, wie sich diverse Geheimnisse entfalten. Ich mochte Maserati sehr – schon allein deswegen, weil sie nicht nach dem Schema F gestrickt ist und ihr Verhalten so gar nicht vorhersehbar ist.
Trotz der Spannung durch diverse Geheimnisse plätschert die Geschichte insgesamt etwas dahin – was aber ja irgendwie zu einem langen und heißen Sommer im Nirgendwo passt. Die Entwicklung zum Ende hin war mir persönlich ein bisschen zu wenig, da hätte ich mir vielleicht ein paar Seiten mehr gewünscht.
Alles in allem habe ich „Schallplattensommer“ schon alleine wegen der sommerlichen Stimmung und dem angenehmen Schreibstil gerne gelesen. Allerdings befürchte ich, dass mir die Geschichte nicht lange im Gedächtnis bleiben wird – dafür war sie dann doch etwas zu unscheinbar.

Veröffentlicht am 11.05.2020

About a Panda

Pandatage
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Danny Maloony steckt nach dem Tod seiner Frau in einer tiefen Krise, die nicht besser wird, als er auch noch seinen Job verliert und von seinem Vermieter wegen ausstehender Mieten das Messer auf die Brust ...

Danny Maloony steckt nach dem Tod seiner Frau in einer tiefen Krise, die nicht besser wird, als er auch noch seinen Job verliert und von seinem Vermieter wegen ausstehender Mieten das Messer auf die Brust gesetzt bekommt. Besonders nahe geht ihm aber, dass sein Sohn seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht. In einem Anflug der Verzweiflung ersteht er ein Panda-Kostüm und versucht nun als Straßenkünstler zu etwas Geld zu kommen. Seinem Sohn erzählt er aber nichts davon…

Bei diesem Buch bin ich nun wirklich hin- und hergerissen – was vermutlich daran liegt, dass ich mich so sehr darauf gefreut habe und begeistert sein wollte. Der Verweis auf „About a Boy“ war bestimmt schuld daran.

Zunächst einmal: Ich habe das Buch gerne gelesen und hatte auch viel Spaß dabei. Ich mochte die ganzen skurrilen Charaktere, die die Briten eben immer beherrschen: Von Mo, dem Freund von Sohn Will, bis hin zu Krystal, der Tänzerin, und ganz besonders Ivan, der ukrainische (ehemalige) Kollege von Danny. Ja, Ivan ganz besonders: Seine hauptsächlich kurzen und knappen Bemerkungen in nicht ganz astreiner Grammatik haben einen wunderbar trockenen Humor.

Ich mochte außerdem die vielen kleinen Geschichten, die um die Haupthandlung herum eingeflochten sind – etwa viele kleine Anekdoten aus der Zeit, als Dannys Frau noch lebte. Sie haben das Buch sehr bunt und lebendig gemacht.

Manchmal hatte das Buch jedoch auch Längen und ich hatte das Gefühl, es geht nicht wirklich voran, was ich sehr schade fand. Am schwersten habe ich jedoch mit dem Vergleich zu „About a Boy“ gehadert: Vielleicht lag es ja daran, dass ich das im Original gelesen habe, aber der trockene und leichtfüßige Humor darin hat mir einfach wahnsinnig gefallen, und damit konnte „Pandatage“ einfach nicht mithalten.

3,5 Sterne

Veröffentlicht am 16.04.2020

Wir sind Passanten

Wenn der Winter vorbei ist
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Nach einer Leseprobe zu diesem Buch war ich sehr begeistert und wollte es unbedingt lesen. Nachdem ich das nun endlich tun konnte, bin ich sehr unschlüssig, was die Rezension angeht. Ich befürchte fast, ...

Nach einer Leseprobe zu diesem Buch war ich sehr begeistert und wollte es unbedingt lesen. Nachdem ich das nun endlich tun konnte, bin ich sehr unschlüssig, was die Rezension angeht. Ich befürchte fast, dass diese ähnlich wie das Buch selbst ausfallen wird: Etwas zusammenhangslos.

Thomas, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller, zieht aus seiner Wohnung aus und mit seiner Frau zusammen, was ihn dazu bewegt, auf sein Leben zurückzublicken.

Die Rückblicke auf Thomas' Leben beginnen bereits in seiner Kindheit, folgen aber nur lose einer chronologischen Ordnung und sind eher kurze Einblicke in einzelne Momente seines Lebens. Den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit fand ich weniger problematisch, eher die Kürze der Kapitel und der fehlende rote Faden dabei.

Den eher poetischen Schreibstil an sich mochte ich und ich habe mir an vielen Stellen Sätze markiert, die mir besonders gefallen haben. Insbesondere gegen Ende des Buches ging mir das so, beispielsweise als er die Menschen als Passanten beschreibt: „Wir gehen weiter, sind Leute, die vorbeigehen wie jeder andere Passant auch. Manchmal fragt jemand nach dem Weg, denn es gibt solche, die den Weg wissen und solche, die keinerlei Vorstellung davon haben.“

Im Großen und Ganzen plätschert die Geschichte etwas dahin, mit Ausnahme zweier erschütternder Ereignisse (eines gleich zu Beginn, das andere ungefähr im letzten Drittel), die sehr unerwartet kommen und mich auch noch nach dem Lesen beschäftigt haben.

Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich das Buch nicht ungern und auch sehr schnell gelesen habe, und dass es vielleicht Geschmackssache ist. Ich werde mir wohl auch noch einmal andere Werke des Autors ansehen.
(3,5 Sterne)