Mit Rassismus leben
Wir hofften auf bessere ZeitenMit dem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" von Erin Bartels breitet sich vor dem Leser eine bewegende Geschichte aus, die sich über drei Generationen hinweg in einer Zeitspanne von mehreren Jahrhunderen ...
Mit dem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" von Erin Bartels breitet sich vor dem Leser eine bewegende Geschichte aus, die sich über drei Generationen hinweg in einer Zeitspanne von mehreren Jahrhunderen entwickelt.
Die Geschichte setzt in der Gegenwart ein als Elizabeth Balsam gerade ihren Job als Journalistin verlor und sie ein älterer Herr bittet ihrer Verwandten Nora Balsam sowohl einige alte Fotos als auch einen Fotoapparat zu überreichen.
Schon nach kurzer Suche findet sie ihre Großtante Nora, von der sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört hat. Sie war mit William, einem farbigen Fotografen, zu einer Zeit verheiratet, in der solche Ehen
gesellschaftlich nicht gebilligt wurden.
Elizabeth findet in dem alten Farmhaus viele rätselhafte Dinge, die ihre wissensdurstige Seele beantwortet haben möchte. Ganz besonders neugierig wird sie, als sie im Garten einen Grabstein von "Mary" findet, die ganz
offensichtlich ihre Vorahnin sein musste. Wie hängen die Geschehnisse zusammen? Mary Balsam lebte in Zeiten des Bürgerkriegs um 1860. Sie nahm damals schwarze Flüchtlinge bei sich auf, während ihr Mann an der Front kämpfte.
Über die drei Erzählstränge werden die Schicksale der verschiedenen Generationen skizziert und aus deren Leben berichtet. Am Ende dieses bemerkenswerten Romans fokussieren sich die Fakten aus den drei Lebenswegen und der Leser erkennt die Zusammenhänge als großes Bild im historischen Kontext, den die Geschichte über die Vorfahren von Elizabeth Balsam aufgespannt hat.
Die Schrecken in der Zeit des U.S. Amerikanischen Bürgerkrieges und die Zeit der Rassenunruhen 1960, als Nora noch eine junge Frau war und tapfer die Repressalien an der Seite eines schwarzen Ehemannes erdulden
musste, sind bedrückende und aufrüttelnde Episoden.
Die Lektüre des sehr interessanten Romans wird durch den sehr verständlichen Schreibstil zu einem mühelosen Lesevergnügen. Nur wäre ein Namensverzeichnis am Ende des Romans durch die vielen Namen der
beteiligten Protagonisten sehr hilfreich gewesen.
Ganz besonders schön ist aus meiner Sicht die allmähliche Verwebung der Lebensgeschchten aus drei Generationen gelungen. Über die Schicksale der Personen im jeweiligen historischen Kontext erlebt der Leser hautnah und
eindrucksvoll ein gutes Stück amerikanischer Geschichte mit.
Mary war eine sehr liebevolle und tapfere Frau, die ihre Farm allein mit Hilfe der von ihr aufgenommenen Flüchtlinge bewirtschaften konnte, während ihr Mann im Krieg war.
Nora, die aus einer wohlhabenden Familie stammt, verliebt sich in einen armen farbigen Mann, den sie ohne Erlaubnis ihrer Eltern heiratet. Das Paar erfährt über die damit verbundene soziale Diskriminierung viele
schwere Jahre der Entbehrung und Zurückhaltung.
Elizabeth ist eine mutige und wissensdurstige junge Frau, die durch Tante Nora Details aus ihrer Familiengeschichte erfährt.
Dem Roman hätte es sicherlich gut getan, wenn der Leser nicht mit einigen offenen Fragen zu Personen zurückgelassen worden wäre. Manche Details aus dem Leben und um die Charaktere der Protagonisten wurden im Buch leider nicht so herausgearbeitet, die der Leser gerne noch erfahren hätte.
Die Autorin hat mit ihrem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" einen sehr interessanten und über die reizvolle Verflechtung der drei Zeitachsen faszinierenden Roman geschrieben. Das Thema der Geschichte, die damit verbundenen emotionalen Momente und die tatsächlichen historischen Begebenheiten sind zu tiefst berührend.
Einen herzlichen Dank an Francke Verlag für das bewegende Werk.