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Veröffentlicht am 22.04.2020

Mit Rassismus leben

Wir hofften auf bessere Zeiten
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Mit dem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" von Erin Bartels breitet sich vor dem Leser eine bewegende Geschichte aus, die sich über drei Generationen hinweg in einer Zeitspanne von mehreren Jahrhunderen ...

Mit dem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" von Erin Bartels breitet sich vor dem Leser eine bewegende Geschichte aus, die sich über drei Generationen hinweg in einer Zeitspanne von mehreren Jahrhunderen entwickelt.

Die Geschichte setzt in der Gegenwart ein als Elizabeth Balsam gerade ihren Job als Journalistin verlor und sie ein älterer Herr bittet ihrer Verwandten Nora Balsam sowohl einige alte Fotos als auch einen Fotoapparat zu überreichen.
Schon nach kurzer Suche findet sie ihre Großtante Nora, von der sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört hat. Sie war mit William, einem farbigen Fotografen, zu einer Zeit verheiratet, in der solche Ehen
gesellschaftlich nicht gebilligt wurden.

Elizabeth findet in dem alten Farmhaus viele rätselhafte Dinge, die ihre wissensdurstige Seele beantwortet haben möchte. Ganz besonders neugierig wird sie, als sie im Garten einen Grabstein von "Mary" findet, die ganz
offensichtlich ihre Vorahnin sein musste. Wie hängen die Geschehnisse zusammen? Mary Balsam lebte in Zeiten des Bürgerkriegs um 1860. Sie nahm damals schwarze Flüchtlinge bei sich auf, während ihr Mann an der Front kämpfte.

Über die drei Erzählstränge werden die Schicksale der verschiedenen Generationen skizziert und aus deren Leben berichtet. Am Ende dieses bemerkenswerten Romans fokussieren sich die Fakten aus den drei Lebenswegen und der Leser erkennt die Zusammenhänge als großes Bild im historischen Kontext, den die Geschichte über die Vorfahren von Elizabeth Balsam aufgespannt hat.
Die Schrecken in der Zeit des U.S. Amerikanischen Bürgerkrieges und die Zeit der Rassenunruhen 1960, als Nora noch eine junge Frau war und tapfer die Repressalien an der Seite eines schwarzen Ehemannes erdulden
musste, sind bedrückende und aufrüttelnde Episoden.

Die Lektüre des sehr interessanten Romans wird durch den sehr verständlichen Schreibstil zu einem mühelosen Lesevergnügen. Nur wäre ein Namensverzeichnis am Ende des Romans durch die vielen Namen der
beteiligten Protagonisten sehr hilfreich gewesen.
Ganz besonders schön ist aus meiner Sicht die allmähliche Verwebung der Lebensgeschchten aus drei Generationen gelungen. Über die Schicksale der Personen im jeweiligen historischen Kontext erlebt der Leser hautnah und
eindrucksvoll ein gutes Stück amerikanischer Geschichte mit.

Mary war eine sehr liebevolle und tapfere Frau, die ihre Farm allein mit Hilfe der von ihr aufgenommenen Flüchtlinge bewirtschaften konnte, während ihr Mann im Krieg war.
Nora, die aus einer wohlhabenden Familie stammt, verliebt sich in einen armen farbigen Mann, den sie ohne Erlaubnis ihrer Eltern heiratet. Das Paar erfährt über die damit verbundene soziale Diskriminierung viele
schwere Jahre der Entbehrung und Zurückhaltung.
Elizabeth ist eine mutige und wissensdurstige junge Frau, die durch Tante Nora Details aus ihrer Familiengeschichte erfährt.
Dem Roman hätte es sicherlich gut getan, wenn der Leser nicht mit einigen offenen Fragen zu Personen zurückgelassen worden wäre. Manche Details aus dem Leben und um die Charaktere der Protagonisten wurden im Buch leider nicht so herausgearbeitet, die der Leser gerne noch erfahren hätte.
Die Autorin hat mit ihrem Debüt "Wir hofften auf bessere Zeiten" einen sehr interessanten und über die reizvolle Verflechtung der drei Zeitachsen faszinierenden Roman geschrieben. Das Thema der Geschichte, die damit verbundenen emotionalen Momente und die tatsächlichen historischen Begebenheiten sind zu tiefst berührend.
Einen herzlichen Dank an Francke Verlag für das bewegende Werk.

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Wie rettet Luise den Kontor?

Der mutige Weg
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Im fünften Teil der Hansen Saga "Der mutige Weg" von Ellin Carsta wagt Therese mit ihren Kindern den langen Weg nach Kamerun um mit Robert dort ihr gemeinsames Leben zu verbringen. Eine glückliche Zeit ...

Im fünften Teil der Hansen Saga "Der mutige Weg" von Ellin Carsta wagt Therese mit ihren Kindern den langen Weg nach Kamerun um mit Robert dort ihr gemeinsames Leben zu verbringen. Eine glückliche Zeit scheint angebrochen zu sein, denn die Freude ist sehr groß und auch ihre Hochzeitspläne nehmen Gestalt an. Doch macht ein Schädling beinahe die gesamte Ernte zunichte. Die Hoffnung wäre gestorben, gäbe es nicht Hamza, der mit seinem klugen Rat das Schlimmste abwendet.

In Wien führt in der Zwischenzeit Georg das Geschäft im Kontor weiter. Allerdings kommt es zwischen ihm und seiner Frau Vera zu einer schlimmen Krise, die er fast nicht bewältigen kann. Auch Franziska steht eigentlich kurz vor der Vermählung mit Anton, als sie merkt wie stark sich ihr Verlobter mittlerweile verändert hat. In Hamburg gerät Martha in eine immer stärkere Abhängigkeit zu den von ihr eingenommenen starken Opiaten. Sie weiß nicht wie sie das Geld für die Beschaffung des Rauschgifts besorgen soll zumal ihr Mann nichts von ihrer Sucht ahnt.
Luise findet heraus, dass die Firma Verluste macht. Sie kommt Richard auf dessen Schliche, indem sie ihn beobachten lässt und zieht daraus Konsequenzen. Kurze Zeit später springen viele Kunden ab, wodurch die Firma derart in Bedrängnis kommt, dass eine Insolvenz droht, wenn keine Lösung gefunden wird.
Auch mit diesem Roman hat Ellin Carsta einen wunderschönen, unterhaltsamen und über ihren leicht verständlichen Schreibstil sehr angenehm zu lesenden Roman geschaffen, der seine Leser in eine faszinierende Geschichte entführt. Die Autorin entfaltet mit Ihrer Schreibkunst im Leser ein wahres Feuerwerk an Emotionen, die sie geschickt, beispielsweise vor einer malerischen Landschaftskulisse Kameruns inszeniert und transportiert diese über hervorragend agierende und überzeugend menschliche Protagonisten direkt in's Herz. Die liebgewordenen Romanfiguren durch ihre Lebenssgeschichte zu begleiten berührt zu tiefst. So ist die Lektüre auch dieses Buches wie ein lang ersehntes Wiedersehen von Freunden, deren Schicksal zu Herzen geht.
Ich freue ich mich auch schon auf den kommenden Teil, der schon bald erscheinen wird.

Einen herzlichen Dank an Tinte & Feder und an NetGalley für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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Veröffentlicht am 06.04.2020

Frauen wehren sich

Whisper Network
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Der Roman "Whisper Network" von Chandler Baker beschäftigt sich mit sexuller Belästigung am Arbeitsplatz und dessen Auswirkungen auf das Leben der Opfer.
Sloane, Ardie und Grace sind als Juristinnen, bei ...

Der Roman "Whisper Network" von Chandler Baker beschäftigt sich mit sexuller Belästigung am Arbeitsplatz und dessen Auswirkungen auf das Leben der Opfer.
Sloane, Ardie und Grace sind als Juristinnen, bei Truviv, einer Firma für Sportbekleidung beschäftigt. Sie leiden schon lange unter dem
anzüglichen Verhalten ihres Vorgesetzten Ames. Gerüchte kursieren in der Firma, wobei die Belegschaft im Zweifel darüber ist, ob es sich lediglich um Gerüchte oder die Wahrheit handelt.

Die drei Frauen wissen es, denn sie mussten die sexuellen Übergriffe am eigenen Leib erdulden. Als nun Ames auch noch zum Geschäftsführer ernannt werden soll ist für die Frauen das Maß voll. Sie müssen etwas unternehmen.
Eine BAD - Liste tauchte anonym verschickt in der Firma auf.
Eine der Mitarbeiterinnen ergreift die Gelegenheit, um den Namen von Ames darauf zu notieren.
Diese Liste dokumentiert Männer, die sich Gravierendes zuschulden kommen ließen, Grenzen am Arbeitsplatz überschritten haben
und keinen Widerspruch duldeten. Eine Lawine kommt nun in's Rollen...

Die Autorin hat facettenreich gestaltete und lebensecht agierende Charaktere, welche die Botschaft des Romans bestens transportierten. Der flüssig zu lesende Schreibstil lädt zum Weiterlesen dieses außerordentlich spannenden und fesselnden Romans ein.
Sloane ist mit einem lieben Mann verheiratet und hat mit ihm eine Tochter Abigail im Teenageralter. In der Schule wird sie gemobbt, erhält jedoch von ihrer eher kämpferisch eingestellten Mutter liebevolle Hilfe.
Die humorvolle Grace ist vor einigen Monaten Mutter einer Tochter geworden.
Die alleinerziehende Ardie kümmert sich rührend um ihren Sohn Michael.
Katherine ist "die Neue" im Job. Auch sie versucht sich so gut wie möglich mit Ames zu arrangieren, damit sie ihre gute berufliche
Position behalten kann.
Die interessante Mischung aus sich abwechselnden Zeugenaussagen und damit verbundenen Erzählungen fügt sich zu einer spannenden Geschichte, die den Tod von Ames schlaglichtartig beleuchtet. Schritt für Schritt macht die Autorin dem Leser klar, in welch fürchterlichen Zwangslagen sich die betroffenen Frauen befinden, welchen Ängsten, Nöten und seelischen Abgründen sie sich stellen müssen und wie übel sich die oft niederträchtigen Kommentare von Arbeitskollegen auswirken. Das Unrecht
der ungeschriebenen "Rechte" in der männerdominierten Arbeitswelt kann im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle für die Opfer sexueller Belästigung werden.

Der mitreißende Roman hält seine Leser garantiert bis zur letzten Seite in Atem. Hat Ames nun Selbstmord verübt oder ist er einem
Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen?
"Whisper Network" ist ein aufrüttelnder Roman, der seine Leser ganz sicher zum Nachdenken bringt. Der rätselhafte Tod, dessen Lösung bis zum Schluß rätselhaft bleibt, steigert die Neugier und bietet ein überraschendes Ende.

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Veröffentlicht am 11.03.2020

Ein Traum geht in Erfüllung

Volles Glück voraus
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In dem Buch "Volles Glück voraus " von Joshi Nichell nimmt der Leser an seinen 21 monatigen Reiseerlebnissen zwischen Mainz und Feuerland teil.

Gleich nach dem Abitur trampt er - zunächst in Begleitung ...

In dem Buch "Volles Glück voraus " von Joshi Nichell nimmt der Leser an seinen 21 monatigen Reiseerlebnissen zwischen Mainz und Feuerland teil.

Gleich nach dem Abitur trampt er - zunächst in Begleitung des jungen Mädchens Anna - los. Er überquert den Atlantik, wobei die Fahrt auf unterschiedlichen Segelbooten fortgesetzt wird.
Auf seiner Reise begegnen ihm immer wieder hilfsbereite und herzliche Menschen, die ihn ein Stück weiter mitnehmen oder sogar eine Unterkunft
gewähren. Oft laden sie ihn auch zum Essen ein. Joshi ist Vegetarier und bietet daher an, für alle zu kochen, was diesen dann auch noch schmeckt!

Die Mitfahrgelegenheiten per Auto sind einfacher zu organisieren als die mit einem Boot. Joshi staunt wie offenherzig und bereit Menschen sind, seine Reisepläne zu unterstützen. Die Natur ist eine der Hauptgründe für
seine waghalsige Reise. Er ist überwältigt von den vielen Schönheiten, welche unsere Erde bietet: Die unterschiedliche Flora und Fauna eines
Regenwalds steht beispielsweise in drastischem Gegensatz zu vielen anderen Gegenden, wie Naturschutzparks, Lagunen und einer Wüste.
Sonnenuntergänge und Delphine begleiteten ihn auf der Reise und Momente wie diese ließen seine absolvierten Strapazen rasch vergessen. Diese wunderschöne Entlohnung war ihm Gold wert,

Erstaunt erfährt der Leser, wie er sich versucht von den Resten einer Pizza in einer Pizzeria zu ernähren. Man erfährt, dass es in Südamerika ein übliches Verhalten von Wirten ist, den Reisenden die Übrigbleibsel von Speisen zu schenken: Somit geht nichts verloren, was eine geniale
Idee ist.
Mit seinem Schlafsack kann Joshi überall übernachten oder einfach eine Pause von seinen Strapazen einlegen.
Interessant war zu erfahren als Alejandro Joshi zu Weihnachten zu sich nimmt als er, von der Familie weit entfernt, doch etwas Sehnsucht bekommt.
Ihm begegnen Menschen, die er wohl nie vergessen wird. Mit dieser Reise hat er sich seinen Traum erfüllt und viele Wunder erlebt.
Das Buch ist eine wunderschöne Reisebeschreibung eines sehr jungen Mannes, der den Mut aufbringt alleine die Welt mit einem Rucksack zu erkunden.

Herzlichen Dank an Adeo  Verlag für diesen staunenswerten Reisebericht.  

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Veröffentlicht am 01.03.2020

Das Völxen Team in Gefahr

Hättest du geschwiegen
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Die Autorin Susanne Mischke präsentiert mit dem neunten Fall "Hättest du geschwiegen" aus der Serie rund um das Team Völxen der Kripo Hannover zwei Fälle, die auf mysteriöse Weise miteinander verwoben ...

Die Autorin Susanne Mischke präsentiert mit dem neunten Fall "Hättest du geschwiegen" aus der Serie rund um das Team Völxen der Kripo Hannover zwei Fälle, die auf mysteriöse Weise miteinander verwoben zu sein scheinen.

Else Dorn, eine Rentnerin die schon früh unterwegs war, stößt unvermittelt auf die Leiche des Bild Reporters Boris Markstein, der brutal erschlagen auf einem Spielplatz liegt. Das Völxen Team sucht fortan fieberhaft nach dem Mörder und die Hintergründe, welche zu dieser
schrecklichen Tat führten. Ist der Reporter etwa durch seine Ermittlungen in einem heiklen Fall auf für ihn tödliche Zusammenhänge gestoßen? Begab er sich zu nahe an gefährliche Personen im Umfeld des
Drogenhandels oder kam er gar der russischen Mafia im Rotlichtmilieu in die Quere? Da im gleichen Zeitraum eine prominente Person des Rotlichtmilieus, Hannes Piekenbrock, verstarb deutet alles darauf hin,
dass Markstein möglicherweise von diesem wichtige Informationen erhielt.
Völxen und sein Team arbeiten mit Hochdruck an den Fällen bis Drohungen der Mafia eintreffen...

Susanne Mischke gelingt es jedes Mal die Fälle und den Dienstalltag der Ermittler so spannend herauszuarbeiten und die Handlung mit so vielen unvorhersehbaren Wendungen zu versehen, dass das Lesen ihrer Romane
beste Unterhaltung bietet. Ihre typische Prise Humor und die spannende Story schafft eine Atmosphäre reinsten Lesevergnügens. So ist es kein Wunder, dass ich mich jedes mal aufs Neue auf die Kriminalfälle des
Teams Völxen freue.

In der vorliegenden Episode greift die Autorin brisante Themen wie die
Prostitution, Drogen, Altersarmut und die Russenmafia auf. Die Leser erhalten interessante und spannende Informationen aus diesen zwielichtigen Gesellschaftsschichten und die Bedeutung die deren
Aktivitäten auch in unser Alltagsleben hinein ausstrahlen.

Für diese Autorin ist ihre herrliche Bodenständigkeit und das sprichwörtliche Augenzwinkern typisch, das auch diesem Roman "Hättest du geschwiegen" seine schwungvolle Leichtigkeit gibt. Die Story ist
authentisch und mit vielen normalen, familiären Alltagssituationen durchwoben, was der Geschichte durch diese Prise Normalität eine.überzeugende Glaubwürdigkeit verleiht.
Ich kann diesen Krimi der durch seine sehr gute Sprache überzeugt, sehr gerne allen Liebhabern guter Kriminalromane wärmstens empfehlen.

Einen herzlichen Dank an Piper Verlag und NetGalley für das Leseexemplar.

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