Gute Grundidee, der leider die Tiefe fehlt
V is for VirginDas Cover gefällt mir unglaublich gut, weil so außergewöhnlich ist und man schon aus Interesse direkt dazu greift, nur um wissen zu wollen, worüber das Buch handelt. Ich finde auch sehr passend es in Rose ...
Das Cover gefällt mir unglaublich gut, weil so außergewöhnlich ist und man schon aus Interesse direkt dazu greift, nur um wissen zu wollen, worüber das Buch handelt. Ich finde auch sehr passend es in Rose und Pink zu halten, weil es sich hier vor allem um Vals Geschichte handelt.
Diese beginnt, als sich ihr Freund von ihr trennt, weil Valerie noch Jungfrau ist. Zach ist schon seit einiger Zeit mit ihr zusammen und würde an diesem Wochenende mit ihr schlafen, doch Val eröffnet ihm, dass sie noch Jungfrau sei und auch gedenke, dies bis zur Ehe zu bleiben. Zach ist dadurch so gekränkt, dass er sich von ihr trennt und am nächsten Tag in der Schule mit der beliebten Olivia rummacht. Als sich dann auch noch alle darüber lustig machen, dass sie noch Jungfrau ist, wehrt Val sich und hält vor der ganzen Schule eine Rede darüber, warum es sich lohnt auf Sex zu verzichten. Damit wird ‚VirginVal‘ mit einem Schlag in ganz Kalifornien berühmt und das ruft auch Kyle Hamilton, Sänger der Band Tralse, auf den Plan. Er bietet an, dass er und seine Band auf dem Schulfest spielen, will aber eigentlich nur derjenige sein, der Val ihre Jungfräulichkeit nimmt und obwohl er es jedes Mal schafft, sie auf die Palme zu bringen, fliegen auch jedes Mal die Funken…
Ich war relativ gespannt auf die Geschichte, weil ich zum einen die Idee der Story interessant fand und zum anderen wissen wollte, was hinter dem Hype um das Buch steckt. Der Schreibstil ist wie bei allen anderen Büchern von Kelly Oram wunderbar flüssig und leicht, sodass die Seiten vor allem zu Beginn des Buches nur so dahinfliegen.
Auch die erste Hälfte des Buches fand ich unglaublich gut und ich war direkt davon gefesselt, wie anders die Geschichte und vor allem das angesprochene Thema war. Ich finde es unglaublich wichtig zu thematisieren, wie groß der Druck auf (vor allem weibliche) Teenager in Bezug auf die Sexualität ist. Vals öffentlicher Auftritt ist dafür Gold wert, weil sie ihre eigene Entscheidung verteidigt, bis zur Ehe Jungfrau bleiben zu wollen und somit ein Vorbild für eine Bewegung wird. Ich fand das ziemlich faszinierend, war aber auch von Anfang an zwiegespalten. Mir ist vor allem sauer aufgestoßen, dass Val Verständnis für ihre Entscheidung einfordert, aber einen anderen Umgang mit der Sexualität ablehnt. So bezeichnet sie Olivia beispielsweise während ihres Plädoyers als „größte Schlampe in Orange County“ (S. 21). Zugegeben Olivias Verhalten ist nicht besonders nett, schließlich mobbt sie Val zunächst und macht dann auch noch mit ihrem Ex-Freund rum, dennoch passt Slut-Shaming nicht zu Vals Behauptungen, sich für die sexuelle Selbstbestimmung einzusetzen, vielmehr setzt sich dafür ein, eben keinen Sex zu haben. Ich kann verstehen, dass sie es nicht überstürzen und auf keinen Fall so früh schwanger werden will wie ihre leibliche Mutter, aber es gibt ja auch andere Möglichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern, wofür gibt es bitte für beide Parteien Verhütungsmittel? Ich finde einfach die Vorstellung zu heiraten, ohne zu wissen, ob man sexuell zusammenfasst, schwierig, weil die Sexualität möglichweise nicht immer der entscheidendste, aber doch ein zentraler Punkt einer Beziehung ist. Aber dass man durch dieses Buch viel mehr über die Thematik nachdenkt und sich dadurch des Drucks bewusst ist, macht das Thema zumindest spannend.
Die Figuren des Buches schaffen es aber leider nicht wirklich, mich zu überzeugen. Val mochte ich zu Beginn noch recht gerne, weil ich es bewundernswert fand, wie selbstbewusst sie bei dem Thema ist und mit wie viel Herzblut sie sich für ihre Sache einsetzt. Allerdings wird sie mir im Verlauf der Story zunehmend immer unsympathischer, weil sie sich viel zu extrem entwickelt. Sie hat weder Zeit für ihre Freunde, noch für ihre Familie, noch lässt sie andere Meinungen zu, sondern stößt selbst Menschen vor den Kopf, die immer an ihrer Seite waren. Ich fand sie ab einem gewissen Zeitpunkt als Charakter nicht mehr glaubwürdig und auch nicht nachvollziehbar. So ähnlich ging es mir auch mit Kyle. Mir fehlte der Moment, in dem man hinter die Fassade des arroganten Rockstars gucken konnte. Das lag vielleicht auch daran, dass es keine Möglichkeit gab, die Geschichte aus Kyles Sicht zu erleben, sondern alles durch Vals Blick erleben. Dadurch wirkt er immer arrogant, kindisch und extrem hormongesteuert, man kann einfach überhaupt nicht verstehen, wie er in sie verliebt sein kann, weil er sich zu keiner Zeit so verhält.
Was mich aber am allermeisten an dem Buch gestört hat und der Hauptgrund dafür ist, dass ich nach dem Lesen extrem sauer war, ist das Ende. Von diesem werde ich aus Spoilergründen nicht zu viel verraten, aber wenn man das Buch schon offen und im Bezug auf den zweiten enden lassen will, soll man einfach den Epilog weglassen, weil der mich einfach nur extrem aufregt hat, sodass meine erste Intention war, auf keinen Fall, den zweiten Teil lesen zu wollen. Nachdem ich allerdings darüber geschlafen habe, bin ich nicht mehr ganz so abweisend und werde Kyle vielleicht im zweiten Teil nochmal eine Chance geben, einen besseren Eindruck zu machen.