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Veröffentlicht am 13.07.2020

Goldene Klassiker, pfiffige Neuheiten

Vegan! Das Goldene von GU
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„Das Goldene von GU“ bietet auf 400 Seiten eine große Vielfältigkeit über veganes Essen und stellt über 300 vegane Rezepte vor - sehr strukturiert und optisch hochwertig aufbereitet.
Nach einem kleinen ...

„Das Goldene von GU“ bietet auf 400 Seiten eine große Vielfältigkeit über veganes Essen und stellt über 300 vegane Rezepte vor - sehr strukturiert und optisch hochwertig aufbereitet.
Nach einem kleinen Workshop, wie man vegane Basics wie Nussmilch, Hafersahne, Cashewjoghurt und Co. selbst herstellen kann, geht es los mit klassischen (Porridge) und recht außergewöhnlichen (Haferbirnensuppe) Frühstücksideen. Auf Anhieb ein Augenfang neben den großen, sehr gut in Szene gestellten Bildern sind die treffsicheren und lustigen Beschreibungen der Gerichte nach dem Titel wie "Morning-Aufpepper in Quietschgrün" oder "Unverwüstliche Kindheitserinnerung".

Im Folgkapitel „To go und Zwischendurch“ gibt es viele nützliche Tipps, um gesund und vegan durch die Mittagspause oder unterwegs zu kommen - mit Salaten, Snacks und Fingerfood. Insgesamt ein starker Abschnitt mit tollen Salaten, Dressings und anderen Köstlichkeiten wie vegane vietnamesische Sommerrollen und Sushi sowie Wraps, Aufstriche und Falafel.

Auch das folgende Kapitel „One-Pot-Seelenfutter“ mit vielen Suppen, Eintöpfen und Currys hat mich überzeugt, denn das ist die Ernährung mit viel Gemüse, die ich schätze und täglich koche. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass sich alles recht unkompliziert und ohne große Zutatensuche nachkochen lässt. Bei „Hauptgerichte für jeden Tag“ gibt es auch viel Gemüse und dazu Pasta, Pizza und Hülsenfrüchte, Ofengemüse, Gemüsepuffer und Co.

Einzig und alleine der recht großzügige Abschnitt mit "Tut so wie Fleisch"-Rezepte bei den veganen Küchenklassikern war nicht so ganz mein Geschmack - zuviel Tofu und und ähnlicher „Fleischersatz“ . Aber das ist Geschmackssache.

Sehr gut gelöst wird nach dem umfangreichen und sehr ansprechenden Teil über Süßspeisen das Inhaltsregister, denn es wird auch nach Zutaten sortiert - so kann man die vielen übrigen Möhren bestimmt schnell in ein passendes Rezept integrieren.

Ein insgesamt sehr ansprechendes Kochbuch und besser als erwartet - mit goldenen, bodenständigen Klassikern wie Wirsingtopf und Röstkartoffeln sowie pfiffigen Rezepten aus indischer oder asiatischer Küche. Ein gut gelungenes, buntes Potpourri an veganen Köstlichkeiten, gespickt mit Küchenpraxis-Infos, aus dem man immer wieder aufs Neue schöpfen kann.

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Veröffentlicht am 30.05.2020

Fingerabdrücke im Leben

Der restliche Sommer
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„Der Fingerabdruck eines Paares liegt in einer Sprache, die nur ein anderer Mensch auf der Welt wirklich vollkommen richtig entschlüsseln konnte.“ (S. 196)

Vier sehr unterschiedliche Menschen sind miteinander ...

„Der Fingerabdruck eines Paares liegt in einer Sprache, die nur ein anderer Mensch auf der Welt wirklich vollkommen richtig entschlüsseln konnte.“ (S. 196)

Vier sehr unterschiedliche Menschen sind miteinander verwoben und reflektieren in einem Sommer ihr Leben, ihre Vergangenheit und Zukunft - in der Liebe, der Gesundheit und im Beruf. Paul ist Zeitungskolumnist über Stil- und Benimmregeln, der langsam von seinem Arbeitgeber aufs Abstellgleis rangiert wird - er verbringt mit Künstlerin Sara einen längeren Urlaub in Portugal. Zwölf Jahre lang war Paul vorher mit der Paartherapeutin Sonja verheiratet. Sara war mit dem ruhigen Programmierer und Social Media-Spezialist Tin zusammen. Als Ereignisse das Leben der Menschen auf den Kopf stellen, kommen Veränderungen, Selbszweifel und viel Hinterfragen der eigenen Lebenslinien ins Spiel - spiele ich nur eine Rolle, geknüpft an bestimmte Erwartungshaltungen und komme ich da nochmal raus? Doch viel leichter tun sich die Protagonisten mit dem Prokrastinieren von eigenen Entscheidungen, denn der Sommer ist ja noch lang.

Max Scharnigg ist selbst Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, hat schon Romane, Reiseführer und ein Buch veröffentlicht. In seinem neuem Roman „Der restliche Sommer“ lässt er abwechselnd verträumte, sonderbare und teils auch witzige Charaktere von ihrem Leben erzählen. Dabei wird die Handlung nie ktischig, der Grundtenor ist eher ernst mit verspielten Elementen. Lebensklug, gesellschaftskritisch, aber auch mal gerne ausschweifend mit fantasievollen, kleinen Nebensächlichkeiten aus dem Alltag, die er zeitgeistig scharf beobachtet. Mit einem überraschenden Setting, das in der nahen Zukunft spielen könnte, verblüfft er den Leser: So sind terroristische Anschläge an der Tagesordnung und die Menschen haben viele neue soziologische Vorlieben. Max Scharnigg hat einen außergewöhnlichen, versierten und abwechslungsreichen Schreibstil, der länger nachhallt, auch wenn die eigentliche Geschichte schon in Vergessenheit gerät.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

Kleine, intuitive Schritte zur Gesundheit

Flow flow flow mit Ayurveda
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Vicky (Vata), Pia (Pitta) und Karla (Kapha) sind Freundinnen und die Stellvertreter für die verschiedenen Doshas in der indischen Heilkunst Ayurveda. Auf spielerische, authentische und humorvolle Weise ...

Vicky (Vata), Pia (Pitta) und Karla (Kapha) sind Freundinnen und die Stellvertreter für die verschiedenen Doshas in der indischen Heilkunst Ayurveda. Auf spielerische, authentische und humorvolle Weise führen sie durch ihr Leben, ihre Gewohnheiten und wie sie mit Ayurveda viel besser für ihre Gesundheit sorgen können. Dabei harmonieren die leicht verständliche und doch mit viel Wissen angereicherte Sprache von Lisa Fenger mit den wunderschönen und liebevoll warmen Illustrationen von Mareike Engelke. Die Autorin schreibt schon seit Jahren einen sehr gut besuchten Blog über Ayurveda.

Das Aufteilen der Doshas in drei bebilderte Persönlichkeiten bringt Nähe, Lebendigkeit und spielerisches Interesse, das man im Alltag integrieren kann. Nach einem aufschlussreichen Dosha-Test erfährt der Leser sehr viel über seinen Rhythmus in Sachen Jahres- und Tageszeiten, mit welchen Mahlzeiten und Lebensmittel er sein Dosha harmonisieren kann und welchen Einfluss die morgendliche Zungenhygiene, eine Ölmassage und ein warmes Zitronenwasser hat.

In der zweiten Hälfte dreht es sich um Selbstfürsorge, besseren Schlaf und entspannte Wochenenden zur Regeneration. Abgerundet wird es mit einem schön aufbereiteten Ayurveda-Bingo und Raum für eigene Notizen.

Das Buch liegt mit der Größe und dem festem Papier sehr gut in der Hand - eine sehr schöne Haptik und Optik. Ermutigend fand ich die stressfreie und spielerische Aufforderung, kleine Schritte im Ayurveda zu gehen, um die eigene Intuition wieder zum Erwachen zu bringen. So dass jeder in seinen eigenen, entspannten Ayurveda-Flow finden kann.

Ein toller und etwas anderer Einstieg in die Heilkunst - locker, frisch, bunt, humorvoll & viele kleine Schritte zur Gesundheit.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Jäger und Gejagte

Das wirkliche Leben
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Das wirkliche Leben der namenlosen, 10jährigen Ich-Erzählerin ist kaum zu ertragen. Der sadistische Vater und Großwildjäger misshandelt die Mutter psychisch und physisch, trinkt und guckt Fernsehen. Die ...

Das wirkliche Leben der namenlosen, 10jährigen Ich-Erzählerin ist kaum zu ertragen. Der sadistische Vater und Großwildjäger misshandelt die Mutter psychisch und physisch, trinkt und guckt Fernsehen. Die Mutter gleicht einer Amöbe, hält sich so gut es geht aus allem raus und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Ziegen, während im Keller im Kadaverzimmer die ausgestopften Tiere des Vaters hängen.

Wie in einem Pulverfass nehmen die erschreckenden, brutalen und quälenden Ereignisse in einer sich konstant aufbauenden Thriller- und Angststimmung ihren Lauf. Bei einem schrecklichen Unfall müssen die Protagonistin und ihr vier Jahre jüngere Bruder Gilles mitansehen, wie der Eismann ihres Viertels in seinem Wagen explodiert. Die beiden sind schwer traumatisiert und erhalten zuhause keine Hilfe - im Gegenteil. Gilles verliert sein Lächeln und fängt an, Tiere bestialisch zu quälen, während der Vater immer mehr die Kinder als Zielscheibe seiner Misshandlung entdeckt. Das fantasievolle, empfindsame und von Schuldgefühlen geplagte Mädchen hegt von nun an den Wunsch, eine Zeitmaschine zu bauen, um wieder in die Vergangenheit vor den Unfall zu reisen. Sie beginnt sich bei einem alten Professor in Physik unterrichten zu lassen, kommt in die Pubertät und schwärmt für einen älteren Nachbarn. Je mehr ihre weiblichen Formen zunehmen, desto rasender wird der Vater, der sie eines Nachts als Beute für seine Treibjagd benutzen wird. Doch die unbändige Widerstandskraft des Mädchens ist nicht zu bremsen und erwacht da erst recht zum vollen Leben.

Adeline Dieudonné ist mit ihrem Debütroman ein faszinierender und ambivalenter Wurf gelungen - Grobheit trifft auf Zartheit, Beklemmung und Angst auf Lebensmut. Mit einer präzisen, filmischen Sprache, die trotz Gewalt und Blut mit poetischen, außergewöhnlichen Sprachbildern glänzt, katapultiert sie den Leser direkt in das scheinbar aussichtslose Leben des Mädchens und ihrem unbändigen Willen, sich daraus zu befreien, um keine Beute mehr zu sein. Und sie gibt den Leser erst wieder frei, wenn er die Geschichte zu Ende gelesen hat - abgeschreckt aufgerüttelt, hypnotisiert durchgeschüttelt und die brachialen Schläge noch im Nacken, die der Vater verteilt hat. Das entsetzt, wirkt lange nach und muss verdaut werden.

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Veröffentlicht am 04.05.2020

Denken ist alles

Die drei Leben der Hannah Arendt
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Aufbauend auf einer Biografie von Elisabeth Young-Bruehl, gespickt mit Eigeninterpretation und überlieferten Gedankensätzen aus Hannah Arendts Werken hat der Karikaturist und Autor Ken Krimstein ein mitreißendes ...

Aufbauend auf einer Biografie von Elisabeth Young-Bruehl, gespickt mit Eigeninterpretation und überlieferten Gedankensätzen aus Hannah Arendts Werken hat der Karikaturist und Autor Ken Krimstein ein mitreißendes und humorvolles Graphic Novel über eine der größten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts geschaffen. Keines mit Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit, aber eines mit viel Persönlichkeit und jeder Menge Menschen, die Hannah begegnet sind und viel Raum für ihren eigenen Denker- und Charakterkopf.

Aufgeteilt in drei Teilen zieht sich der Graphic Novel entlang an den drei Leben oder wagemutigen Fluchten von Hannah. Als Kind in Königsberg werden ihre Sorgen skizziert: der kranke Vater, der Judenhass und später schon der Hang zum eigenen Denken und in Marburg die schicksalsweisende Begegnung mit Heidegger, von dem sie lange nicht loskommen wird. Die erste Flucht führt sie über Tschechien nach Paris, nachdem man im Berliner Romanischen Café schon die ersten großen Charaktere kennengelernt hat. In Frankreich findet sie nie richtig ihren Frieden, natürlich auch kriegsbedingt und durch schreckliche Ereignisse. Doch sie lernt Heinrich Blücher, ihren zukünftigen Ehemann kennen. Der Leser macht Begegnung mit Walter Benjamin und ist im nächsten rasanten Schritt auch schon mit Hannah in New York - ihrem dritten Leben. Dort wird sie Dozentin in Princeton, verfaßt wichtige Werke und die Eichmann-Reportagen der Philosophin zum Prozess , "Banalität des Bösen", werden sie lange verfolgen.

In "Denken ohne Geländer" kommen dann viele Thesen von Hannah Arendt zur Geltung, hier wird philosophisches Mitdenken gefordert. Der Autor gibt der Ausführung zu ihren Theorien zu Pluralität und Natalität viel Platz.

Insgesamt ist es Krimstein gelungen, mit seinen bleistifthaften, präzisen Skizzen sowohl den persönlichen Eigenarten als auch dem Denken von Hannah Arendt eine tolle Komposition zu geben. Er öffnet den Zugang zu diesem komplexen, philosophischen Thema mit Wort und Bild. Weiteren wissenschaftlichen Input kann man sich über Biografien oder natürlich über ihre Werke holen. Wichtige Weggefährten kommen zu Wort - Menschen, die Hannah geprägt haben. Im schwarz-weißen Kontext bleibt Hannah immer mit grünem Detail und somit sehr gut erkennbar. Perfekt formulierte in Grün gehaltene Überschriften liefern dem Leser die notwendige Orientierung, wo er sich in Hannahs Leben gerade befindet.

Hannah Arendts streitbares und komplexes Denken hat Ken Krimstein anhand gewisser prägender Eckpfeiler ihres Lebens mitreißend und durchaus auch humorvoll nacherzählt. Und "Leben und Denken sind ein und dasselbe". (S. 232)

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