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Veröffentlicht am 31.07.2020

2045 kommt schneller als man denkt...

Im nächsten Leben wird alles besser
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Arnold hat bisher eigentlich ein recht durchschnittliches, beschauliches Leben geführt: Er besitzt eine kleine Buchhandlung, mit der er seinen knappen Lebensunterhalt verdient, hat zwei bereits erwachsene ...

Arnold hat bisher eigentlich ein recht durchschnittliches, beschauliches Leben geführt: Er besitzt eine kleine Buchhandlung, mit der er seinen knappen Lebensunterhalt verdient, hat zwei bereits erwachsene Kinder und ist verheiratet. Doch als Arnold eines Morgens aufwacht, kann er zunächst nicht glauben, wie sehr sich sein Leben über Nacht verändert haben soll. Denn es ist zwar wie erwartet der 16. Februar, jedoch nicht im Jahr 2020, sondern im Jahr 2045. Arnold ist nun 73 und muss sich nicht nur in seinem plötzlich um 25 Jahre gealterten Körper, sondern auch in einer hochtechnisierten Welt zurechtfinden. Fenster sind keine Fenster, sondern nur von Nanobots erzeugte Illusion, tägliches Einnehmen von Funktionstränken hält den Alterungsprozess auf und überall trifft man auf sogenannte synthetische Charaktere, nahezu perfekte künstliche Intelligenzen in exakten Nachbildungen von menschlichen Körpern. Einer dieser synthetischen Charaktere ist Gustav, Arnolds persönlicher Assistent, der ihm im Alltag zur Seite steht. Doch Arnolds scheinbar plötzlich und unerklärlich aufgetretene Amnesie erregt Aufmerksamkeit in einer Welt, in der alles kontrolliert abläuft und in der die Superreichen an der Macht sind. Da Arnold eine potenzielle Gefahrenquelle darstellt, soll er nach Times Beach umgesiedelt werden - an einen virtuellen Ort, in den das Bewusstsein der einzelnen Menschen eingespeist werden kann, sodass sie fortan in der Realität nur noch als Datensatz existieren...

Im ersten Moment denkt man vielleicht, diese Entwicklungen seien zu weit hergeholt. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass gerade in der Technik die Fortschritte immer schneller aufeinanderfolgen, und so fragt man sich beim Lesen dieses Buches sicherlich mehr als einmal, ob so oder so ähnlich wohl tatsächlich unsere nähere Zukunft aussehen könnte. Denkbar wäre es zumindest in Teilen allemal. Ich fand diese Vorstellung einerseits irgendwie beklemmend, andererseits ist sie hochinteressant. Entwicklungen, die sich schon heute abzeichnen (etwa Fitnesstracker und Co), werden hier auf die Spitze getrieben und gleichzeitig aber auch so dargestellt, dass es durchaus vorstellbar bleibt und nicht zu abstrus wirkt. Der Schreibstil ist wie vom Autor gewohnt humorvoll, behält jedoch auch stets einen gesellschaftskritischen Unterton bei. Insgesamt lässt sich das Buch sehr gut lesen und lädt zum Nachdenken ein!

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Veröffentlicht am 29.07.2020

Eher "Der Ruf des Amazonas"

Der Ruf der rosa Delfine
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Direkt vorab: Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, nur hatte ich irgendwie die Erwartung, es ginge um Delfine. Ging es aber nicht, zumindest nicht so wirklich.

Dem Buch, das erstmals vor 20 Jahren ...

Direkt vorab: Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, nur hatte ich irgendwie die Erwartung, es ginge um Delfine. Ging es aber nicht, zumindest nicht so wirklich.

Dem Buch, das erstmals vor 20 Jahren erschienen ist, wurde ein zweites, aktuelles Einführungskapitel vorangestellt. Schon auf diesen ersten Seiten erhält der Leser einen erschreckenden Einblick, wie schlimm es um die Wälder des Amazonasgebietes steht und wie wenig bisher für ihren Erhalt getan wurde. Im eigentlichen Hauptteil wird dann Sy Montgomerys Reise nach Brasilien und Peru beschrieben, auf die sie sich begeben hat, um mehr über die sagenumwobenen, kaum erforschten rosa Delfine, auch Botos genannt, in Erfahrung zu bringen.

Was mir sehr gut gefallen hat, sind zum einen der gut lesbare Schreibstil, der auch kompliziertere Fakten leicht verständlich macht, und zum anderen die kleinen Illustrationen von Tieren des Amazonasgebiets, die alle paar Seiten eingestreut wurden. Insbesondere ist auch die wirklich hohe Informationsdichte an interessanten Fakten über Tier- und Pflanzenwelt, aber auch über die Lebensweise und Bräuche der Einheimischen sowie die (zu dem Zeitpunkt) aktuelle gesellschaftliche Situation hervorzuheben. Das bietet einen tollen Einblick in diese uns so fremde Welt. Besonders schön fand ich auch, dass an einer Stelle auf die zeitgeschichtliche Entwicklung eingegangen wurde.

Würde der Titel nun also "Der Ruf des Amazonas" lauten, wäre ich insgesamt vermutlich vollkommen zufrieden gewesen mit diesem Buch, das einen so schönen Rundumblick auf so viele verschiedenen Aspekte bietet und im Leser die Bilder wunderschöner Wald- und Flusslandschaften oder von Städten mit ihren Märkten voller pulsierenden Lebens hervorruft.

Da der Titel aber nunmal "Der Ruf der rosa Delfine" lautet, hatte ich automatisch die Erwartungshaltung, vorrangig auch genau das zu bekommen - rosa Delfine eben. Und ja, natürlich spielen sie eine Rolle, denn sie sind ja der Grund, aus dem die Autorin sich überhaupt erst auf diese Reise begeben hat, und auch ihr Handeln vor Ort ist größtenteils darauf ausgerichtet, den Delfinen zu begegnen. Nur will das einfach nicht so recht gelingen, da sich die Delfine gerade anfangs kaum zeigen und man sie wenn, dann auch nie vollständig zu Gesicht bekommt. Ich kann es absolut nachvollziehen, dass dadurch wirkliche Beobachtungen ungemein erschwert werden. Allerdings hatte ich gerade weil der Titel etwas von Delfinen sagt und ja auch einer auf dem Cover abgebildet ist, erwartet, dass es letztendlich doch gelingen wird. Jedoch kann kaum etwas über die Delfine in Erfahrung gebracht werden, die meisten Informationen werden noch am ehesten aus Geschichten und Sagen bezogen, die die Autorin immer wieder von Einheimischen erzählt bekommt. Leider wird das beim Lesen irgendwann eher nervig, da die Geschichten sich alle schon sehr stark ähneln, und wenn man mehr oder weniger dieselbe Geschichte gerade zum siebten Mal liest... Naja.

Am Ende des Buches bin ich mit sehr gemischten Gefühlen zurückgeblieben. Einerseits hat mir die Gestaltung des Buches sehr gut gefallen, ich fand die vielen Informationen wirklich sehr spannend und habe mich auch wirklich gedanklich ins Amazonasgebiet versetzt gefühlt. Andererseits hatte ich mich auf das Buch gefreut, weil ich die Erwartungshaltung hatte, etwas über die rosa Delfine zu erfahren, und das war leider nicht der Fall. Sie sind nach dem Lesen ein genauso großes Mysterium wie zuvor und neue Erkenntnisse über sie habe ich nicht erlangt.



Mein Fazit also: Das Buch ist wirklich gut, keine Frage, ich hatte mir nur etwas ganz anderes erhofft und bin daher etwas enttäuscht. Trotzdem schätze ich die Arbeit, die die Autorin in das Buch gesteckt hat und habe die vielen Fakten über den Amazonas sehr genossen. Ich denke, wenn man im Voraus schon weiß, dass die Delfine nur Nebenfiguren sind und nicht der Hauptgegenstand, kann man mit einer ganz anderen Sicht an das Buch herangehen. Diese Information hätte ich mir also vorher gewünscht!

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Veröffentlicht am 15.05.2020

Sehr spannende Thematik

Lips Don't Lie
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Als Riley mit ihrem Vater wiederholt umzieht, ahnt sie noch nicht, was sie dieses Mal erwarten wird - denn der neue Bezirk, in dem sie lebt, ist das Reich der Fifty-Sevens, einer Gang, die vor nichts zurückzuschrecken ...

Als Riley mit ihrem Vater wiederholt umzieht, ahnt sie noch nicht, was sie dieses Mal erwarten wird - denn der neue Bezirk, in dem sie lebt, ist das Reich der Fifty-Sevens, einer Gang, die vor nichts zurückzuschrecken scheint. Auch Tristan ist Teil dieser Gang, doch er scheint anders zu sein - an ihm entdeckt Riley eine fürsorgliche, sanfte, menschliche Seite, und schon bald entwickelt sie Gefühle für ihn. Auch Tristan verspürt die Anziehungskraft, die von Riley ausgeht, und über das große Hobby beider - das Basketballspielen - nähern sie sich an. Doch Tristan weiß, dass er Riley nicht in sein Leben als Gangmitglied hineinziehen darf, denn das kann schnell wirklich gefährlich werden...


Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Riley und Tristan, jeweils aus Ich-Perspektive. Beide Protagonisten sind interessant und gut ausgearbeitet. Wir haben einmal Riley, deren Mutter vor zwei Jahren verschwand, sodass sie und ihr Vater die alte Wohnung aufgeben und sich eine neue Bleibe suchen mussten. Um ihrem Alltag zu entkommen, hat Riley sich ganz dem Basketballspiel verschrieben und hofft trotz der schlechten Schule, auf welche sie nun gehen muss, auf ein Collegestipendium. Tristans Vater starb früh, und so geriet er ins Visier des Anführers der machthabenden Gang - er wurde gewissermaßen zu dessen Ziehsohn. Anfangs als kleines Kind noch ganz begeistert von diesem spannenden Leben, kommen im Teenageralter erste Zweifel auf und er merkt schnell, wie grausam und brutal die anderen Gangmitglieder sind. Am liebsten möchte er austreten, doch das kann er nicht, denn damit würde er zum Sicherheitsrisiko werden und das würde der Ganganführer niemals so hinnehmen.

Die Thematik ist sehr interessant und ungewohnt, die Ausgangssituation spannend - die ersten 100 Seiten lagen hinter mir, kaum hatte ich das Buch in die Hand genommen. Im Laufe der Geschichte habe ich dann aber doch einige Sachen vermisst. Beispielsweise gibt es mehrere Nebencharaktere, bei denen man mehr hätte in die Tiefe gehen können, da sie so eigentlich sehr interessant wirkten. Insgesamt bleiben alle Figuren bis auf Riley und Tristan jedoch eher blass. Nicht ganz so gut gefallen hat mir außerdem, dass das Ende recht schnell abgehandelt wurde - ich möchte nicht spoilern, deshalb sage ich nur, dass eine wirklich spannende Situation, aus der man viel hätte rausholen können, auf wenigen Seiten nur kurz beschrieben wurde. Da hätte ich mir mehr Ausführungen erhofft. Vor allem steht es in keinem Verhältnis zur vorherigen Ausführlichkeit, denn die erste Woche, die Riley in ihrer neuen Heimat verbringt, wird so detailreich erzählt, dass man beinahe das Gefühl hat, sie sei schon einen Monat dort. Längen ergeben sich dadurch allerdings keine!

Es sollte auch noch erwähnt werden, dass die Liebesgeschichte, die man hier womöglich aufgrund des Covers und Titels erwartet, tatsächlich eher im Hintergrund bleibt. Sie wird natürlich erzählt, allerdings könnte man sich da, wenn man nach dem Äußeren des Buches geht, möglicherweise mehr erhofft haben, deshalb diese kleine "Warnung". Mich persönlich hat das aber gar nicht gestört und ich fand die Mischung aus Liebesgeschichte und Spannung eigentlich recht gelungen!


Mein Fazit also: "Lips don´t lie" ist ein schönes Jugendbuch, das sich angenehm und leicht lesen lässt mit einer spannenden und ungewöhnlichen Thematik. Schön wäre es gewesen, wenn noch etwas mehr auf die Nebencharaktere eingegangen wäre, aber alles in allem hat mir das Buch gut gefallen!

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Bleibt nicht hängen

Durch das Raue zu den Sternen
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Arkadia Fink ist 13 Jahre alt, und vor einer Weile ist ihre Mutter kurz weggegangen. Während der Vater sich zum Weinen in seine Werkstatt zurückzieht, liegt Arkadia in der Kammer unter dem alten, verstimmten ...

Arkadia Fink ist 13 Jahre alt, und vor einer Weile ist ihre Mutter kurz weggegangen. Während der Vater sich zum Weinen in seine Werkstatt zurückzieht, liegt Arkadia in der Kammer unter dem alten, verstimmten Bechtstein, liest die Kompositionen ihrer Mutter und schmiedet eifrig Pläne, wie es ihr, einem Mädchen, gelingen kann, Teil des Wiener Knabenchors zu werden. Denn sie ist sich sicher: Wenn die Mutter sie im Fernsehen sieht, wird sie gar nicht anders können, als wieder nachhause zurückzukehren.

Schon bald lässt sich beim Lesen erahnen, dass hinter dem Verschwinden der Mutter mehr steckt, und hin und wieder möchte man dieses kleine Mädchen einfach nur noch in den Arm nehmen und ganz fest drücken. Durch die allgegenwärtigen Verbindungen zur Musik und die Rückblenden auf Arkadias Kindheit entsteht ein atmosphärisch dichtes Geflecht, das für mein Gefühl jedoch zu häufig auf Kosten der Authentizität entsteht. Arkadia ist eine äußerst willensstarke Protagonistin, die einem dabei in ihrer Naivität manchmal deutlich jünger und in ihrer Ausdrucks- und Handlungsweise manchmal deutlich älter als ihre 13 Jahre vorkommt; entwicklungsmäßig dreht sich hier recht viel im Kreis und auch die Nebenfiguren bleiben überwiegend recht blaß.

Ich wollte diesen Roman so gerne mögen, leider habe ich aber nicht so ganz den Zugang dazu gefunden. Gut lesen lässt er sich auf jeden Fall, im Gedächtnis bleiben wird er mir aber vermutlich nicht sehr lange.

Veröffentlicht am 08.02.2022

Manchmal ist weniger mehr

Zum Paradies
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Wo fängt man an bei einem Roman, der eigentlich aus drei größtenteils unabhängigen Geschichten besteht? Vielleicht genau damit, denn das war es, was mein Gefühl beim Lesen geprägt hat. Zwischen den einzelnen ...

Wo fängt man an bei einem Roman, der eigentlich aus drei größtenteils unabhängigen Geschichten besteht? Vielleicht genau damit, denn das war es, was mein Gefühl beim Lesen geprägt hat. Zwischen den einzelnen Geschichten liegen jeweils hundert Jahre, sie spielen alle auf dem amerikanischen Kontinent und behandeln alle Themen wie Homosexualität, Armut vs. Reichtum, Krankheit, Sehnsucht. Was mir aber gefehlt hat, ist eine wirkliche Verbindung, die über die thematische hinausgeht. Ja, es gibt einige wenige Anspielungen auf den möglichen Fortgang der jeweils anderen Geschichten, aber im Großen und Ganzen bleiben ihre Enden mehr als offen. Erwartet hatte ich eine Handlung, die sich über drei Jahrhunderte erstreckt, stattdessen musste ich mich gleich dreimal auf völlig neue Geschichten einlassen, die sich in ihrer Weitschweifigkeit verlieren.

Dabei macht Yanagihara durchaus deutlich, dass sie schreiben kann. Die Figuren und ihr Schicksal werden einfühlsam beschrieben, ihr Leid in allen Facetten geschildert - und doch habe ich bis zur dritten Geschichte gebraucht, um mich darauf einlassen zu können. Erst hier wurden die Protagonist*innen für mich greifbarer, erst hier konnte ich mich in sie hineinfühlen und mit ihnen hoffen. Sicherlich hat dazu auch die spannende bis beklemmende dystopische Grundstimmung beigetragen, die hier vorherrscht; in den beiden vorherigen Teilen hat mir diese Spannung größtenteils gefehlt. Gerade die zweite empfand ich über weite Strecken als sehr anstrengend, was das Weiterlesen manches Mal zur Überwindung gemacht hat.

Meine Kritik besteht hauptsächlich in der für meinen Geschmack zu losen Verknüpfung und der darunter leidenden, fehlenden Tiefe der Charaktere und Handlung(en). Ich frage mich, ob es wirklich notwendig war, drei Geschichten in ein Buch zu packen? Meiner Meinung nach nicht unbedingt.
Insgesamt ein Roman, den man lesen kann, aber nicht muss - mich hat er eher weniger überzeugt.

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