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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2020

Faszinierende Charakterstudie

Die Wahnsinnige
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War Johanna, die Wahnsinnige, wirklich wahnsinnig? Oder hat das Leben, das für sie bestimmt war, sie dazu gemacht? Als Tochter von Isabella, der Katholischen, hat Johanna kein leichtes Leben. Früh wird ...

War Johanna, die Wahnsinnige, wirklich wahnsinnig? Oder hat das Leben, das für sie bestimmt war, sie dazu gemacht? Als Tochter von Isabella, der Katholischen, hat Johanna kein leichtes Leben. Früh wird sie mit Philipp dem Schönen verheiratet, den sie leidenschaftlich und mir rasender Eifersucht liebt. Jedes weibliche Wesen in seiner Nähe scheint ihr verdächtig. Und gleich ob in seiner Nähe oder festgehalten in Spanien, immer wieder übermannen Johanna kaum kontrollierbare Gefühle, die sie am Rande des Wahnsinns erscheinen lassen.

„Die Wahnsinnige“ ist kein historischer Roman und so hält sich die Informationsdichte an historischen Gegebenheiten in Grenzen. Natürlich kann man diese Lücken mit ein bisschen Googeln auffüllen, aber man muss es nicht, denn das Buch funktioniert ganz wunderbar als Charakterstudie einer einsamen und verzweifelten Frau und ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, Informationen zu vermissen.

Die Charakterzeichnung von Johanna ist der Autorin wirklich gut gelungen. Der Grad zwischen „Normalität“ und Wahnsinn wird als eine verschwommene Linie dargestellt. Oft erscheinen Johannas Handlungen sehr nachvollziehbar und aus ihrer Perspektive ganz logisch, aber gleichzeitig kann man sehr gut verstehen, wie Außenstehende ihr Verhalten als wahnsinnig auslegen konnten. Dieser Drahtseilakt ist wirklich sehr gelungen. Manchmal hat mir jedoch ein bisschen die Tiefe in Johannas Darstellung gefällt, sie ist intensiv, sie ist impulsiv, aber irgendetwas schien mir zu fehlen, um sie wirklich als lebendige Person vor mir zu sehen.

Ich habe „Die Wahnsinnige“ gerne gelesen. Das Buch ist kein historischer Roman, aber das will er ja auch nicht sein, sondern ein fein gezeichnetes Porträt mit faszinierenden Einblicken in eine ungewöhnliche Psyche.

Veröffentlicht am 27.08.2020

Wohlfühlabenteuer

Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea
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Herbie Lemon ist Sachenfinder im Grand Nautilus Hotel. Normalerweise ist er für die Fundstücke der Gäste zuständig, doch eines Wintertages klettert ein Mädchen durch das Fenster in seinen Lagerraum und ...

Herbie Lemon ist Sachenfinder im Grand Nautilus Hotel. Normalerweise ist er für die Fundstücke der Gäste zuständig, doch eines Wintertages klettert ein Mädchen durch das Fenster in seinen Lagerraum und möchte von ihm gefunden werden, weil sie als kleines Mädchen im Hotel verlorengegangen ist. Doch Herbie ist nicht der einzige, der sich mit dem Fall „Violet“ beschäftigt, immer mehr Dorfbewohner zeigen ein gefährliches Interesse an dem Mädchen. Und dann ist da noch die Sache mit dem Malamander – einem monströsen Seeungeheuer, das sein Unwesen an der Küste von Eerie-on-Sea treibt und das die einzige Verbindung zu Violets Eltern zu sein scheint.

„Malamander“ ist ein Kinderbuch voller herrlich skurriler Gestalten, hier ist jeder ein bisschen anders und auf seine eigene Art verschroben. Das hat viel Spaß gemacht zu lesen. Herbie selbst ist eine sehr sympathische Hauptperson, er ist mehr der Denkertyp und ein bisschen vorsichtiger – die Mutige ist Violet mit der wir eine starke Mädchenrolle haben.

Die Handlung entwickelt sich gemächlich, es gibt genug Zeit alle kennenzulernen und gemütlich Eerie-on-Sea zu erkunden. Richtig Action gibt es erst gegen Ende, dann für meinen Geschmack sogar ein bisschen zu viel. Ich hätte mir eine etwas weniger fantastische, dafür aber skurrilere, Lösung gewünscht, das hätte für mich besser ins Gesamtbild des Buches gepasst.

Alles in einem habe ich „Malamander“ sehr gerne gelesen und glaube, dass es gerade für den Herbst eine perfekte Lektüre ist. Da ich nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe gehöre, kann ich sagen, dass ich das Buch guten Gewissens auch erwachsenen Lesern empfehlen kann, die ihre Freude an guten Kinderbüchern behalten haben.

Veröffentlicht am 29.07.2020

Atmosphärisches Drama

Ich will dein Leben
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Tamsyn liebt das weiße Haus auf den Klippen Cornwalls – und als dort neue Nachbarn einziehen, liebt sie auch diese. Sie beobachtet die kleine Familie und wünscht sich nichts mehr als ein Teil ihres Lebens ...

Tamsyn liebt das weiße Haus auf den Klippen Cornwalls – und als dort neue Nachbarn einziehen, liebt sie auch diese. Sie beobachtet die kleine Familie und wünscht sich nichts mehr als ein Teil ihres Lebens zu sein. Als Tamsyn die Tochter der Bewohner kennenlernt, scheint ihr Traum sich zu erfüllen und sie taucht in ein anderes Leben ein. Schon bald muss sie erkennen, dass auch im Haus auf den Klippen nicht alles so perfekt ist, wie es scheint, doch das will Tamsyn nicht akzeptieren und sie ist bereit für ihre Scheinwelt zu kämpfen.

Zu allererst muss ich sagen, dass mich „Ich will dein Leben“ begeistert hat. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und habe es sehr genossen mit Tamsyn das Klippenhaus und seine Bewohner kennenzulernen. Normalerweise lese ich keine Thriller, aber da mich der Klappentext bei diesem Buch so angesprochen hat, habe ich beschlossen, hier eine Ausnahme zu machen und ich bin äußerst froh, das getan zu haben! Die Geschichte ist zwar sehr spannend, aber für mich war es viel mehr ein psychologisches Drama, das sich im Klippenhaus entwickelt hat und das vor allem von den feinen Spannungen zwischen den Figuren lebte.

Besonders hervorheben möchte ich auch den Schreibstil. Die Geschichte wird größtenteils aus der Ich-Perspektive erzählt, auch wenn immer wieder Kapitel aus der Sicht anderer Personen eingeschoben sind. Ich kann gar nicht genau sagen, warum mir der Stil so gut gefallen hat, weil er eigentlich nicht auffällig war – und doch war er perfekt und hat einen unheimlichen Sog auf mich ausgeübt. Die Sprache passt perfekt zu der Hauptperson und vermittelt unheimlich gut die anschwellende bedrohliche Atmosphäre.

Die Handlung entwickelt sich relativ langsam – Action gibt es eher weniger, dafür läuft ganz viel über die Beziehung zwischen den Personen und eher kleinen Gesten. Das heißt aber nicht, dass es weniger spannend wäre, oh nein, ich hätte das Buch in einem Rutsch durchlesen können. Gegen Ende ging mir dann leider alles etwas zu schnell und es gab ein kleines bisschen zu viel Drama. Trotzdem bin ich mit der Art des Endes aber sehr zufrieden.

Insgesamt ist „Ich will dein Leben“ ein spannendes und faszinierendes Beziehungsdrama, das mir wirklich gut gefallen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2020

Snows Geschichte hat mich gepackt

Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange
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Panem zehn Jahre nach Kriegsende – die zehnten Hungerspiele werden ausgetragen. Dieses Jahr gibt es Mentoren aus den Reihen der Akademie-Schüler des Kapitols, die ihre Tribute im Kampf um ein Stipendium ...

Panem zehn Jahre nach Kriegsende – die zehnten Hungerspiele werden ausgetragen. Dieses Jahr gibt es Mentoren aus den Reihen der Akademie-Schüler des Kapitols, die ihre Tribute im Kampf um ein Stipendium in Szene setzen sollen. Mit dabei ist Coriolanus Snow – späterer Präsident von Panem, was zu diesem Zeitpunkt aber niemand außer seiner Großmutter ahnt. Die Snows haben schon bessere Zeiten gekannt und so ist der intelligente Coriolanus auf das Stipendium mehr als angewiesen, doch zu seinem Entsetzen wird ihm ausgerechnet Lucy Gray zugeteilt, das weibliche Tribut aus Distrikt 12 – das Tribut mit den schlechtesten Chancen. So scheint es zumindest, doch manchmal kommt alles ganz anders oder wie der Wahlspruch der Snows lautet: „Snow landet immer oben!“

Ich habe mich sehr auf den neuen Panem-Band gefreut – und ja, auch, weil die Hungerspiele wieder mehr im Fokus zu stehen schienen als es im dritten Band der Fall war. Zuerst war ich etwas skeptisch, dass dieses Mal ein Mentor die Hauptrolle hat und kein Tribut, wir also nicht unmittelbar in der Arena sind, aber das hat der Handlung keinen Abbruch getan. Im Gegenteil war es total spannend, das ganze mal von der anderen Seite zu erleben und Konflikte und Spannungen gab es da wahrlich mehr als genug.

Das Panem der zehnten Hungerspiele ist ein ganz anderes als zurzeit von Katniss, das glänzende Kapitol wird noch von Armut und Verfall regiert und auch die Hungerspiele sind noch nicht das Massenspektakel, das sie einmal sein werden. Wie es zu letzterem kommt, wird zu einem Gutteil in diesem Buch erzählt, das hat mir sehr gut gefallen. Auch all die Anspielungen auf spätere Ereignisse machen einfach Spaß.

Wiedererwartend war Coriolanus eine sehr spannende und interessante Hauptperson. Er war überhaupt nicht unsympathisch, wie ich es erst befürchtet hatte und ich habe sehr mit ihm mitgefiebert. Besonders gut hat mir gefallen, dass er so intelligent und ja, auch selbstsüchtig ist. Auch mit dem weiblichen Gegenspieler Lucy Gray ist eine faszinierende Person gelungen, deren Schicksal ich gerne mitverfolgt habe.

Das einzige Manko des Buches war für mich das letzte Drittel. Während ich durch die ersten beiden Drittel nur so durchgerauscht bin, gab es für mich hier doch eine Durststrecke. Ich habe hier zwar auch schnell weitergelesen, war aber nicht mehr so begierig zu erfahren, wie es weitergeht, wie am Anfang. Hier haben mir einfach die Konflikte etwas gefehlt, es war zu repetitiv und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass hier ein bisschen Seiten gefüllt wurden. Gut, vielleicht war dieser Abschnitt auch nötig, damit das Ende in seiner vollen Wucht wirken konnte, aber ich hätte mir hier trotzdem mehr Spannung gewünscht. Das Ende hingegen hatte es dann wieder in sich und konnte mich total überzeugen. Es war einfach perfekt und hat mich mit dem vorangegangenen Teil wieder versöhnt. Also allein für das Ende lohnt es sich, das Buch zu lesen.

Insgesamt hat mich der vierte Panem Band überzeugt und ich spreche eine klare Leseempfehlung aus. Man kann das Buch lesen, wenn man die anderen Bücher noch nicht kennt, aber ich glaube, mehr Freude hat man, wenn man die Haupttrilogie bereits kennt, weil man die Anspielungen auf spätere Ereignisse besser versteht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2020

Sprache ist alles

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Es gibt nicht viel Handlung in diesem Buch – es lebt von Gedanken und vor allem von Sprache. Die 19-jährige Mary McLane sagt von sich selbst, dass sie ein Genie wäre und da kann ich nur zustimmen. Sie ...

Es gibt nicht viel Handlung in diesem Buch – es lebt von Gedanken und vor allem von Sprache. Die 19-jährige Mary McLane sagt von sich selbst, dass sie ein Genie wäre und da kann ich nur zustimmen. Sie schreibt wunderschön und es macht großen Spaß, ihre Gedankengänge zu verfolgen und sich ganz auf den Teufel, Sand und Ödnis einzulassen.
Das Buch liest sich recht schnell, was auch daran liegen kann, dass die Tagebucheinträge recht kurz sind und ich oft gesagt habe „einen Eintrag noch, einen noch, …“ Dennoch glaube ich, dass man diesen autobiographischen Text vor allem dann genießen kann, wenn man ihn ab und zu weglegt und immer mal wieder zur Hand nimmt. Etwa ab der Mitte hat sich das Buch für mich etwas gezogen, teilweise war es zu repetitiv, teilweise hätte ich mir dann doch irgendeine Art von Handlung gewünscht. Vielleicht lag das auch daran, dass ich einen etwas anderen Text erwartet habe.
Alles in einem kann ich „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ jedem empfehlen, der einen außerordentlich gut geschriebenen literarischen Text zu schätzen weiß, der sich an Sprache erfreuen kann und nicht daran stört, wenn es keine nennenswerte Handlung gibt. Ein Leseerlebnis war es allemal!