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StefanieFreigericht

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2021

Zombie

Herzgrab
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Elena Gerink, 32, Privatdetektivin in Wien, soll den verschwundenen Vater der 21jährigen italienischen Kunststudentin Monica suchen. Der berühmte Maler Salvatore Del Vecchio verschwand vor einem Jahr, ...

Elena Gerink, 32, Privatdetektivin in Wien, soll den verschwundenen Vater der 21jährigen italienischen Kunststudentin Monica suchen. Der berühmte Maler Salvatore Del Vecchio verschwand vor einem Jahr, kurz nach dem tödlichen Reitunfall von Monicas Mutter Isabella. In einem Abschiedsbrief kündigte er ein vermutlich letztes Gemälde an – das steht jetzt zugunsten von Monica in einem Wiener Auktionshaus zur Versteigerung.
Gleichzeitig bekommt Peter Gerink, 36, beim Bundeskriminalamt den Auftrag, die verschwundene österreichische Staatsbürgerin Teresa Del Vecchio, gebürtige Italienerin, zu suchen. Ja richtig – gleiche Namen: Elena und Peter sind Eheleute, Teresa ist Monicas Tante und Salvatores Schwester. Die Tante verschwand vom Familiensitz in der Toskana, als sie dort zu einer Trauerfeier für ihre beiden Brüder zu Besuch war. Etwas viele Todesfälle in einer Familie?

Was anfängt, als sei man in einer Folge von „Der Pate“ gelandet, entwickelt sich zwischen Österreich und der Toskana zu einer gefährlichen Jagd zwischen besessenen Künstlern und Kunstsammlern, Liebe, Eifersucht und Hass.

Ich liebe Andreas Grubers Maarten S. Sneijder/Sabine Nemez – Reihe und wurde auch hier nicht von seinem Schreibstil und seinen Personenzeichnungen enttäuscht. Der Einzelband ist jedoch etwas „zahmer“ – Gräueltaten finden abgeschwächter statt, dem „gewetzten Messer“ darf der Leser nur einmal live bei der Tat beiwohnen. Die Taten sind dennoch sehr grausam und reichlich gestört mit einem gewissen Ekel-Faktor und eher nichts für sensible Gemüter, gerade beim Kopfkino, sobald man den Umfang der Tat begreift.

Wie immer in letzter Zeit finde ich jedoch nicht alles ganz rund: ich versuche jetzt nicht zu spoilern:
- Teresa passt als Opfer für mich nicht wirklich zum Motiv für die Tat – sie war zum Tatzeitpunkt ein Außenseiter
- Überhaupt nicht nachvollziehbar fand ich, warum Isabella nicht gegangen war – das Buch ist von 2013, der mögliche Auslöser liegt 20 Jahr davor. Das ist kein Jahr, in dem eine Frau in Europa hätte gezögert haben müssen, gerade bei der finanziellen Sicherheit.
- Wo in aller Welt dürfen Privatpersonen (Elena) so in Ermittlungen einbezogen werden, geben Karrieristen (Lisa) so freigiebig in einem nachvollziehbaren Umfeld (ihre Schwester) Tipps?
- Die Helfershelfer bei der Tat finde ich nicht plausibel – da scheint ein Sadist ganz gerne sein eigenes Süppchen zu kochen mit seinem Skalpell und macht eher, was er gerade will
- Und dann gibt es die Situation, dass es beinahe zu einem echten Fehlgriff beim Opfer gekommen wäre (im Keller des Kellers), als eine Frau dort landete, deren Wohl für die Tat mit auslösend war – die hätte also dort nie gelandet sein dürfen, dann wäre nämlich die Auflösung des Falles eher sinnlos gewesen!

Und die sehr verknüpften einzelnen Handlungsstränge, da waren mir die Sprünge nach zu kurzer Zeit. Das ist aber Geschmackssache. Dass es immer noch eine Wendung gab, gefiel mir hingegen.

Uff. Leider nicht einmal mehr 4 Sterne, nur 3. Ich hasse es einfach, bis nach Mitternacht zu lesen und dann vom Showdown her sofort zu wissen „aber was wäre jetzt gewesen, wenn im Keller unter dem Keller“…

Hier steht noch der noch ungelesene „Rachewinter“.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.09.2020

Alles nur eine Frage der Kugel. Im Weltraum, im Leben, beim Boule (Buch-Zitat)

Tod in der Provence
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„Der blanke Kopf aus poliertem Edelstahl blitzte im Mondschein hell auf, als der Mann mit der langstieligen Axt weit ausholte und sie in Richtung des Balkens niedersausen ließ.
Es krachte laut. Ein abscheuliches ...

„Der blanke Kopf aus poliertem Edelstahl blitzte im Mondschein hell auf, als der Mann mit der langstieligen Axt weit ausholte und sie in Richtung des Balkens niedersausen ließ.
Es krachte laut. Ein abscheuliches Geräusch. Einen Moment später breitete sich eine rote Pfütze aus.“ S. 24 und 25
Im zweiten Teil ist es nur Bolognese, aber im ersten Satz leider nicht: In den letzten sechs Jahren sind rund um Avignon acht junge Frauen verschwunden, alle rothaarig. Bislang hatte man keine Leichen gefunden. Der letzte Fall von Albin Leclerc als Polizist. Der eine Fall, den er nie aufklären konnte, bei dem er sich fragte, worum es ging. Der Fall, bei dem ihm als erstem aufgefallen war, dass es da ein Schema gab, mit den roten Haaren bei allen Frauen, und dass es mehr als eine Frau war, die da spurlos verschwand.
Aber Leclerc musste ihn Rente gehen, den Mops Tyson – nach dem Boxer benannt – schenkten ihm seine Kollegen noch.
Und jetzt? „Endlich…haben wir ein Opfer und Spuren. Endlich wissen wir, was er tut und wie er es tut. Er sammelt Körperteile. Als Trophäen, oder weil er sie benötigt.“ S. 54
Gleichzeitig zieht ein junges deutsches Paar in die Nähe, weil der Ehemann von seinem verstorbenen Onkel ein Anwesen geerbt hat. Die Ehefrau hat rote Haare…

Mir hat Albin Leclerc sehr gut gefallen, weil er so eine schnodderige Art hat. So liefert er die beste Taktik zur Anmache, die ich je erlebt habe:
„Véronique schmunzelte. ‚Was willst du wirklich, Albin?‘
Albin löste die Hände aus der Verschränkung und schob ein loses Blatt auf dem Tisch hin und her. Er zuckte mit den Achseln und meinte: ‚Ich gehe abends manchmal essen.‘
‚Ach, tatsächlich.‘
‚Ich dachte, vielleicht gehst du auch abends manchmal essen.‘
‚Nein, ich koche meist.‘
‚Also…Falls du einmal eine Ausnahme machen und doch essen gehen möchtest…‘
‚Wird das jetzt eine Einladung zu einem Rendezvous?‘
Albin ließ das Blatt los, blickte hoch und sagt: ‚Nicht direkt. Also, wenn man so will, je nachdem…Ich dachte nur an ein Abendessen. Es gibt da ein schickes
Restaurant…‘ “ S. 167f.
Und natürlich ist Mops Tyson klasse, mit dem Albin sich irgendwann zu „unterhalten“ beginnt, den er aber auch zielgerichtet einsetzt, so als Ausrede, um an bestimmten Orten unterwegs zu sein – alternativ drückt er jemandem auch einfach die Leine in die Hand, den er irgendwo blockieren möchte.

Was mein Problem mit dem Buch ist: ich hatte gerade schon Provence, Remy Eyssen, Schwarzer Lavendel. http://www.lovelybooks.de/autor/Remy-Eyssen/Schwarzer-Lavendel-1234352427-w/rezension/1236103627/ Auch das eigentlich ein deutscher Autor. Ich frage mich dabei schon, ob es Franzosen gibt, die Krimis schreiben, die im Westerwald spielen.

Jetzt drückt mich schon seit Beginn der Lektüre folgender Schuh: Herr Lagrange ist ja nicht „Schuld“ daran, dass ich ihn als zweite Lektüre vor mir habe. In beiden Büchern gelingt irgendwann der Pétanque-„Golden Goal“ (Verzeihung, ich habe weder von Fussball noch von Boule einen Hauch von Schimmer). Beide Mörder haben eine gehörige Macke, zumindest ähnlich geartet, ähnlich ausgelöst.

Also: Lagranges Ermittler ist irgendwie kauzig-knorziger und gefällt mir dadurch besser.
Eyssen war zuerst auf den Zug aufgesprungen, der „Schwarze Lavendel“ ist schon seine zweite Veröffentlichung. Bei Eyssen hatte ich irgendwie mehr Lust, in die Provence zu fahren, man schmeckte das Essen und den Wein stärker.
Spoiler-Alarm: Bei Lagrange hatte ich mich viel früher auf den Mörder eingeschossen – hatte mir aber doch kurz vor der Bestätigung noch einmal vom Autor Zweifel einpflanzen lassen.

Fazit: im direkten Vergleich gewinnt bei mir hauchdünn Eyssen (wer zuerst kommt, …). Ich werde aber zumindest noch in den zweiten Band bei Lagrange reinlesen (Leseprobe war im Anhang) – und dann vielleicht einen zweiten Vergleich laufen lassen. Die Leseprobe klingt wieder schön kauzig und mopsig, die Tat klingt nicht so kalkuliert gestört.

Veröffentlicht am 26.08.2020

Die Weltverschwörung

Das Syndikat der Spinne
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Frankfurt am Main, ab Juni 2000

Hauptkommissarin Julia Durant erfährt von einem Verbrechen. Der Juwelier Andreas Wiesner hat erst die Edel-Prostituierte Irina Puschkin erschossen, allem Anschein nach ...

Frankfurt am Main, ab Juni 2000

Hauptkommissarin Julia Durant erfährt von einem Verbrechen. Der Juwelier Andreas Wiesner hat erst die Edel-Prostituierte Irina Puschkin erschossen, allem Anschein nach seine Geliebte, danach sich selbst. Sie versucht, mit Rechtsmediziner Bock einige Unklarkeiten zu erklären und befragt auch die völlig verstörte Witwe Ramona Wiesner. Bald ist klar, dass hier einiges nicht stimmt, und das Team ermittelt auch bei Wiesners ehemaliger Mitarbeiterin Helena Maric und der Mitbewohnerin der toten Frau, Natascha Olpitz. Durch einen Kollegen von Julias neuem Freund, Reporter Dominik Kuhn, konzentrieren sich die Ermittlungen bald auf organisierte Kriminalität. Doch es wird nicht bei zwei Toten bleiben.

Mir gefiel hier sehr, wie das Vorgehen organisierter Banden erklärt wird; aber auch, wie eindeutig klar gemacht wird, dass das nur über die Gier der eigentlich „guten“ Menschen funktioniert. Vor Jahren habe ich da einmal den Piloten zu einer ansonsten eher uninteressanten Serie gesehen mit dem Kommentar: „Du kannst einen ehrlichen Menschen nicht betrügen“ (Starman) – wenn ein Angebot zu gut ist, um wahr zu sein, ist es nicht wahr.

Mal die weisen Worte beiseite und den weißen Bart abgelegt, missfiel mir wieder einiges. Durant düpiert eine Kollegin vor versammelter Mannschaft (Güttler), die zwar Fehler gemacht hat, aber nicht aus böser Absicht oder allgemeiner Faulheit. Da könnte man auch erst mit der Person unter vier Augen reden und selbst die Möglichkeit geben – aber die Kollegin entschuldigt sich noch, nun ja. Auch der neue Freund wird permanent angezickt. Der Leser erfährt immer so halb viel mehr, das finde ich eigentlich nutzlos: man liest, dass zum Beispiel Frau Maric nach dem Besuch der Polizei sehr nervös ist und jemanden anruft; erfährt aber nicht, wen. Später ermitteln dann die Polizisten die Telefonverbindungen – das hätte eigentlich gereicht, nicht diese „Pseudo-Spannung“ im Halbsatz.

Im Nebensatz erfährt der Leser, dass Chef Berger nicht mehr säuft und dass Kullmer tatsächlich auch einen Vornamen hat – Peter. Die meisten Personen im Buch haben übrigens keinen.

Selbstjustiz und das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen wird hier wieder einmal positiv dargestellt – so sind gleich vier Polizisten Beteiligte oder Mitwissende dabei, einen bestechlichen Kollegen aufzumischen mit verbaler und physischer Gewalt. Man mag das verständlich finden bei gewissen Taten, leider macht man sich damit angreifbar. Wieder spricht Julia recht offen mit ihrem Vater über Interna, inzwischen auch mit ihrem neuen Freund, ausgerechnet einem Reporter der Bild-Zeitung (ich könnte mir in der Realität vorstellen, dass solche Beziehungen ein echtes Karriere-Hindernis sind – ich kenne das bereits als Dauer-Unterstellung bei konkurrierenden Firmen).

Ein wenig befremdlich fand ich, dass bei dem einen Mord ermittelt wurde, dass die Frau während des Orgasmus getötet wurde, was sehr geschickt vom diesen „verursachenden“ Täter gewesen sei – weil das ja jeder Mann auch bei jeder Frau sicher einplanen kann? Da der Trick im durch Erschöpfung verursachten ATP-Mangel liege, könnte vielleicht, ahem, Joggen ein sichererer Trick sein… sehr seltsames Konstrukt. Die 14-jährige Tochter eines Erpressungsopfer wird entführt, vergewaltigt und man schneidet ihr den kleinen Finger ab – entsetzt sind alle nur wegen des Fingers. Hallo, die ist noch dazu erst 14? 14??

Als Randnote zu organisierter Kriminalität lässt Autor Franz über einen Fall berichten, den Chef Berger in den 90er erlebte, bei dem es um Taten der Russenmafia ging. Leider ist Herr Franz da falsch informiert über den realen Fall; man fand sehr sehr schnell heraus, nein, es war NICHT die Russenmafia https://www.fnp.de/frankfurt/frankfurt-sechsfach-mord-kettenhofweg-12913393.html
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/edelbordell-am-frankfurter-kettenhofweg-verbrechen-in-stilvollem-ambiente-13096937.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3

Und ernsthaft, der Mossad oder irgendein anderer Geheimdienst lassen einen Geheimnisträger gehen, ohne zu prüfen, wohin? Ganz sicher – nicht. Und die Diskussion darüber, ob jemand als Jude kritisiert werden kann oder nicht, empfinde ich als sehr unangenehm – so wie sich gerade einige Weiße beschweren, „Black Lives Matter“ sei rassistisch gegenüber Weißen?!

Das ist ein richtig richtig richtig guter Plot. Leider ist sehr viel an der Umsetzung völlig hanebüchen. Und dann läuft es noch darauf hinaus, die These eines Einzelnen über eine „Weltverschwörung“ bestätigt zu sehen, bei der die Politiker nichts zu sagen haben, die Masse Mensch völlig macht- und ahnungslos ist und das Böse immer gewinnt. Wenn man das in der Corona-Pandemie liest – Aluhut-Alarm. Plot 4, Umsetzung 2 Sterne. Also 3.

Pierre Doux, Reisender
Andreas Wiesner, Juwelier
Ramona Wiesner, seine Frau
Irina Puschkin, Edel-Callgirl
Natascha Olpitz, ihre Mitbewohnerin und Kollegin
Daniel Laskin, der Freund von Irina
Dominik Kuhn, Reporter bei Bild am Sonntag und seit 6 Monaten liiert mit Julia Durant
Peter Schulze, Kollege von Dominik. Recherchiert zu OK
Helena Maric, frühere Mitarbeiterin von Andreas Wiesner
Thomas Wiesner, Bruder des toten Andreas Wiesner
Sophia geborene Muti – Ehefrau von Thomas
Igor Andrejew, Arzt

Julia Durant, Hauptkommissarin
Christine Güttler, Polizistin
Frank Hellmer, Polizist
Peter Kullmer, Polizist
Gebhardt, Polizist
Berger, Chef von Durant, Hellmer, Kullmer
Rechtsmediziner Bock
Oberstaatsanwalt Küchler
Staatsanwältin Schneider-Glauka
Generalbundesanwalt Blumenthal

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Veröffentlicht am 26.08.2020

Erst top, dann mir zu viel, zu gewollt, zu viel gewollt

Das Mädchen
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Wie kann man es denn wagen, etwas gegen ein Buch zu sagen, das über die Situation der 2014 in Nigeria durch die djihadistischen Boko Haram entführten Schulmädchen erzählt?

Edna O’Brien schreibt aus ...

Wie kann man es denn wagen, etwas gegen ein Buch zu sagen, das über die Situation der 2014 in Nigeria durch die djihadistischen Boko Haram entführten Schulmädchen erzählt?

Edna O’Brien schreibt aus der Sicht der jungen Ich-Erzählerin Maryam, die als Kind noch mit ihren Mitschülerinnen von den selbsternannten Gotteskriegern verschleppt wird. Auf Angst und Gebetsterror folgt Schlimmeres.

„Er sprach nicht. Seine Macht lag in seinem Schweigen und diesem ekelhaften Stieren. Als er sich auf mich legte, war es, als würde eine schwarze Plane auf mich geworfen, eine Schwärze, die mich unter sich begrub und alles andere aussperrte. Ich wusste, dass er mich umbringen würde, wenn ich etwas falsch machte. Ich versuchte, meinen Körper seinen Bedürfnissen anzupassen, hörte ihm zu, während er rackerte und fluchte, schäumte, ich sei nicht offen genug, nicht gefügig.“

Dieser Teil des Textes ist kaum erträglich und am stärksten dort, wo er wie im vorangestellten Zitat in der Bildhaftigkeit bleibt. Meine Frage an den Beginn der Lektüre war es, wie die Autorin mit dem Horror umgeht, sich ihm nähert. Hier finde ich das Buch stark.

Doch Maryam wird zwangsverheiratet, bekommt ein Kind von dem Sektenmitglied. Es kommt zu einem Angriff auf das Lager, einige Mädchen fliehen, unter ihnen Maryam mit ihrer Tochter Babby. Sie sieht sich dem Misstrauen der Ordnungsbehörden gegenüber, die in ihrer Flucht eine Finte vermuten, um sich getarnt als angebliches Opfer mit den Beamten in die Luft zu sprengen. Aus der Heimkehr wird eine Propaganda-Maßnahme der Politik. Das Leben daheim hat sich verändert, und Maryam sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, an allem Schuld zu sein, Schande auf sich geladen zu haben. Eine Tante bezeichnet die junge Mutter als „Buschfrau“, deren Kind man in einem Findelhaus unterbringen solle – die kleine Babby trage das Böse in sich.

Und hier etwa steige ich aus. Wir leben selbst in einem Land, wo immer noch Vergewaltigungsopfern vorgeworfen wird, selbst schuld zu sein, zu kurze Rücke getragen zu haben, sich zu aufreizend benommen zu haben. Und da stellt sich eine europäische Autorin hin und wirft der Gesellschaft in einem afrikanischen Land die dortige Version von Bigotterie und Misogynie vor? Danke, aber irgendwie nein danke. Das fängt stark an und endet schwach in Betroffenheitsschreibe; das ist mir „zu viel, zu gewollt, zu viel gewollt“. Ich hätte mir eine Fortsetzung des ersten Parts denken können oder alle Bestandteile, dann aber eher als Sachbuch oder Reisebericht. Interessanterweise empfinde ich eine ähnliche Thematik zu Afghanistan als stärker und weniger plakativ: Khaled Hosseini: Tausend strahlende Sonnen

3 Sterne – wegen Beginn und guten Absichten.

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Auf den ersten Blick spannend – beim Nachdenken extrem viele Schwächen

Letale Dosis
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Bislang der beste der Reihe – leider mit so einigem, was nicht passt.

In der (fiktiven) christlichen Religionsgemeinschaft „Kirche des Elohim“ stirbt einer der Amtsträger auf mysteriöse Weise nach seiner ...

Bislang der beste der Reihe – leider mit so einigem, was nicht passt.

In der (fiktiven) christlichen Religionsgemeinschaft „Kirche des Elohim“ stirbt einer der Amtsträger auf mysteriöse Weise nach seiner Insulindosis. Sie war mit Gift versetzt, einem exotischen noch dazu. Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig: von seiner Familie und Gemeinschaft wird der ermordete Rosenzweig geradezu als Heiliger beschrieben, doch in seiner Firma hielt man in eher für einen Schürzenjäger und Tyrannen.
HK Julia Durant und ihre Kollegen Kullmer und Hellmer dringen ein in eine sehr traditionelle Gemeinschaft, in der so einiges anders ist als es scheint. Der Tote wird nicht das einzige Opfer bleiben – doch wo liegt das Motiv?

Tja. Wo liegt das Motiv. Letztlich bleibt diese Frage, wenn man über das Buch genau nachdenkt.
Dieser dritte Band der Reihe ist nach meiner Meinung der erste, der wirklich recht spannend ist und auch die Thematik etwas variiert – nur etwas, die Folgen von Kindes- und Machtmissbrauch bleiben irgendwie kleben, der Autor erspart uns nur die große große Verschwörungs-Geheimorganisation, immerhin.

Es gibt wieder sehr viel Fülltext, zum Beispiel, wie Julia Durant sich im Bad verhält (Deo, etwas Makeup, sie entleert ihre Blase), was sie frühstückt (Milch, Cornflakes, Zucker darauf, Kaffee, Zigarette), was es mittags gibt (häufig Currywurst, Bier, Zigarette), was abends (Brot, Salami, Gurke, Bier, Zigarette). Das zieht sich leider durch jedes Buch, mehrfach; es ist langweilig, banal. Wieder saufen und rauchen sich alle durch die Seiten – bis auf Hellmer, der ist jetzt mit Nadine verheiratet, die nach einer Fehlgeburt wieder schwanger ist. Seltsamerweise trinkt er bei der abendlichen Grillfeier, zu der er und seine Frau Julia eingeladen haben, ein Bier?! Klappt eigentlich nicht bei trockenen Alkoholikern, entweder oder. Chef Berger säuft heimlich aus der Flasche im Schreibtisch. Alle fahren Auto mit „Sprit extra“. Allerdings hat man das zu der Zeit tatsächlich auch getan, das ging, bis man dafür seinen Führerschein verlieren konnte. Die Raucherei ist ebenso zeitgemäß.

Julia Durant erweist sich leider häufig als unhöflich oder zickig. Da fragt sie die Ärztin nach ihrer Meinung, lauscht der Antwort, fragt nach - und unterbricht sie dann. Ziemlich häufig steht da „sagte Durant kühl“ oder ähnliches. Dauernd unterbricht sie jemanden. Wohlgemerkt: einen nervigen Kollegen unterbrechen oder einen Wichtigtuer, meinetwegen; aber sie unterbricht auch Zeugen, auf deren Kooperation sie dringend angewiesen ist, für die sie eine angenehme Atmosphäre schaffen müsste. Auf der anderen Seite fragt sie sich häufiger (wie auch einige andere Frauen im Buch sich ähnliche Fragen stellen), was SIE denn getan habe – damit der Mann sich nicht bei ihr glücklich fühlt, um die Essenz der Zweifel wiederzugeben. Willkommen in den Fünfzigern?!

Das bislang könnte man ja noch als persönliche Verlieben abtun. Dicke kommt es aber bei dem Fall. Wenn er geklärt ist, weiß man, dass eine Protagonistin aus dem Buch anscheinend ganz bewusst als Erwachsene eine sexuelle Beziehung mit ihrem eigenen Vater aufnahm – wobei er immerhin die Entschuldigung hatte, nicht zu wissen, dass sie seine Tochter ist. Sie wusste Bescheid. Sorry, das „kaufe“ ich nicht.
Dazu passt es vom Ende der Geschichte her nicht, dass die Ärztin zu Beginn auf ihren Verdacht hinwies, noch dazu auf Gift.
Dann stellt sich die Frage mit der Frau im Pflegeheim – warum war sie in einer Situation, von einem Mitglied der Gemeinschaft unter Druck gesetzt werden zu können, war sie selbst in der Kirche? „Einfach“ nur sehr halbwegs jung (17) schwanger, das ist nun zu der Zeit längst nicht mehr so ungewöhnlich.
Und als letztes: kann mir jemand erklären, warum es nicht nur das zeitlich erste und letzte Mordopfer gab? Die anderen sind ja anscheinend mitnichten direkt für das Täter-Leid verantwortlich, selbst indirekt maximal sehr sehr sehr indirekt – eher im Sinne von „sie waren auch Schweine“ oder „sie haben ihrem Mitbruder bei der Vertuschung geholfen“. Das taten aber auch die Familien, die Mütter, die gesamte Gemeinschaft, die nichts kontrollierte, nicht einmal die Geldflüsse. Ach, und als allerletztes: Welche Bedeutung hatte der Bär aus dem Abschiedsbrief?

Darüber hinaus ist hier etliches unprofessionell: Julia diskutiert ihren Fall mit ihrem Liebhaber, mit ihrem Vater, mit der Frau ihres Kollegen; darüber gibt sie weitere Informationen an diverse Mitglieder der Gemeinde. Ihr Chef Berger weiß, dass sie durch ihren Liebhaber persönlich involviert ist und er weiß zumindest, dass sie den Fall mit ihrem Vater diskutiert – das erzählt sie ihm nämlich. In der normalen Welt hätte man sie vom Fall abgezogen und sie hätte mindestens eine Abmahnung kassiert.

3 Sterne. Guter Ansatz, da hätte besser lektoriert worden sein müssen.

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