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Veröffentlicht am 04.10.2020

Die Nachfolge auf dem Thron von Wessex

Der sterbende König
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"Der sterbende König" ist der sechste Band aus der Uhtred-Reihe von Bernard Cornwell. Wessex im Winter 898, König Alfred ist schwer krank und sein Leben neigt sich dem Ende zu. In ganz Britannien lauern ...

"Der sterbende König" ist der sechste Band aus der Uhtred-Reihe von Bernard Cornwell. Wessex im Winter 898, König Alfred ist schwer krank und sein Leben neigt sich dem Ende zu. In ganz Britannien lauern die jeweiligen Herrscher und warten auf dessen Tod. Denn man sieht die Chance die Krone Wessex an sich zu reißen. Uhtred, der sowohl Hass als auch Bewunderung für Alfred hegt, kehrt an dessen Hof zurück. Er ist immer noch Alfreds bedeutendster Kämpfer und sein Name ist weithin bekannt. Vor seinem Tod schafft es Alfred erneut Uhtred das Versprechen abzuringen dem Königsohn Edward den Treueschwur zu leisten. In diesem sechsten Band steht weniger Uhtred und sein Streben nach seinem Erbe in Bebbanburg im Mittelpunkt, viel mehr geht es um das Ableben von Alfred und dessen Nachfolge auf den Thron von Wessex. So ist die erste Hälfte des Buches geprägt von Alfred und den politischen Ereignissen, bei denen sich so mancher Landesfürst versucht in Stellung zu bringen. Die Dänen sind da natürlich auch mit im Spiel. Bündnisse werden geschmiedet, Verrat wird begangen, es wird taktiert. Die zweite Hälfte des Buches ist dann von der Inthronisierung Edwards geprägt und der ersten Sicherung des Königreichs. Uhtred's Rolle ist dabei klar wieder die des Kriegsherren. Aber es dauert, bis Edward das nötige Vertrauen in ihn setzt. Denn zu viele Einflüsterer in des Königs Ohren lassen diesen zaudern. Und damit ist auch der Schwachpunkt dieses sechsten Bandes aufgedeckt. Denn es wird eben viele Seiten gewartet. Gewartet auf die unausweichliche Schlacht mit den Gegnern von Wessex. Zwar treibt dies Cornwell nicht zum Exzess, so dass Langeweile aufkommt, aber es zieht sich speziell in den ersten zwei Drittel des Romans ein wenig. Jedoch macht dies der Autor dann im letzten Drittel wieder wett, als es dann wieder zum Duell der Sachsen gegen die Dänen und ihre Verbündeten kommt. Dies ist der eigentlich packende und spannende Teil des Buches. Und so reihe ich diesen Band eher als Zepterübergabe des Throns von Wessex ein und bin dennoch gespannt, wie diese Geschichte Bernard Cornwell dann zu Beginn des 10. Jahrhunderts in England fortführt.

Veröffentlicht am 28.09.2020

Was geschah vor 22 Jahren im Moor?

Wenn das Licht gefriert
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"Wenn das Licht gefriert" ist ein Thriller von Roman Klementovic. Es handelt sich dabei um den Mord an der 18-jährigen Anna, der vor 22 Jahren geschah. Bis heute ist er ungeklärt. Als in einer TV-Serie ...

"Wenn das Licht gefriert" ist ein Thriller von Roman Klementovic. Es handelt sich dabei um den Mord an der 18-jährigen Anna, der vor 22 Jahren geschah. Bis heute ist er ungeklärt. Als in einer TV-Serie für Cold Cases dieser erneut aufgegriffen wird, gibt Friedrich Kommentare dazu, die eigentlich nur Täterwissen sein können. Aber Friedrich ist dement und seine Ehefrau Elisabeth ist ergriffen von Panik ob ihr Gatte jahrelang ein furchtbares Geheimnis verbarg. Dieser Thriller hat nicht den klassischen Ansatz, im Gegenteil. Der Leser wird vielmehr mit dem "Was wäre wenn"-Ansatz konfrontiert, und dies aus der Sicht von Elisabeth. Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort in Österreich, aber der Autor umgibt das Setting mit unwetterartigen Regenfällen und einer Leiche im Moor. Fast könnte man meinen es spielt im nassen England im Stile klassischer Autoren wie Doyle, Christie oder Wallace. Obwohl ich sehr früh einen Verdacht hegte, wird der wahre Täter sehr lange geschickt verborgen gehalten und ich war auch nur teilweise auf der richtigen Spur. Immer wieder geschehen Wendungen in der Story, die die Geschehnisse in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dies gibt dem Thriller die nötige Spannung. Aber teilweise kommt es auch zu Wiederholungen, die diese dann auch ein wenig eintrüben. Trotzdem finde ich diesen Ansatz des Thrillers gelungen und das Buch liest sich flüssig. "Wenn das Licht gefriert" ist ein Thriller der etwas anderen Art und durchaus gelungen.

Veröffentlicht am 24.09.2020

Clan-Krieg in den Straßen von Köln

Der Kodex des Clans
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"Der Kodex des Clans" ist der zweite Band der Kommissarin-Westerberg-Reihe von Arne Molfenter. Zurück in ihrer Heimatstadt Köln bekommt es die Kommissarin mit mehreren toten Albanern zu tun. Es scheint ...

"Der Kodex des Clans" ist der zweite Band der Kommissarin-Westerberg-Reihe von Arne Molfenter. Zurück in ihrer Heimatstadt Köln bekommt es die Kommissarin mit mehreren toten Albanern zu tun. Es scheint dabei um Drogengeschäfte zu gehen. Aber je mehr die LKA-Beamtin mit ihrem Kollegen Seker Angehörige vernimmt, deutet sich an das mehr dahinter steckt. Ein Clan scheint die Fäden zu ziehen, kann es Vergeltung oder Ehrenmord sein? Als ihr dann noch ein Ex V-Mann von der Drogenfahndung immer wieder bei den Ermittlungen in die Quere kommt, werden die Geschehnisse immer undurchsichtiger. Arne Molfenter lässt seine Ermittlerin von Berlin zurück in ihre Heimat Köln kommen. Nicht nur beruflich hat sie einen schweren Stand, auch privat muss sie sich um ihre demente Mutter kümmern. Interessant empfand ich bei diesem Thriller das es einige handelnde Personen gab, denen ich als Leser keinerlei Sympathie entgegenbringen konnte. Sie wirkten teilweise der Protagonistin direkt entgegen. Generell ist der Thriller aber gut aufgebaut. Er beginnt spannend, verliert diese ein wenig im Mittelteil, aber zieht im letzten Drittel wieder deutlich an. Fast überschlagen sich dann die Ereignisse gegen Ende. In Summe kommt dieser zweite Band für mich nicht ganz an den ersten heran, ist aber dennoch eine gute Lektüre.

Veröffentlicht am 18.08.2020

Der Alptraum des Ermittlers Major Vierziger

Kollateralschaden
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"Kollateralschaden" ist der dritte Fall des Linzer Ermittlerduo Vierziger / Glück von Joseph Lemark. Als Major Vierziger mit seiner Freundin Conny auf dem Heimweg von deren Geburtstagsfeier ist, wird auf ...

"Kollateralschaden" ist der dritte Fall des Linzer Ermittlerduo Vierziger / Glück von Joseph Lemark. Als Major Vierziger mit seiner Freundin Conny auf dem Heimweg von deren Geburtstagsfeier ist, wird auf offener Straße auf sie geschossen. Dabei wird ein ebenfalls anwesender Journalist tödlich getroffen, Conny muss nach einer Not-OP ins künstliche Koma versetzt werden. Einzig Major Vierziger bleibt wie durch ein Wunder unverletzt. Es stellt sich die Frage wem der Anschlag galt: Rache eines Kriminellen an Major Vierziger oder steckt ein anderes Motiv dahinter? Denn der tote Journalist war anscheinend einem ganz anderen Verbrechen auf der Spur. War der Schuss auf Vierziger's Freundin praktisch ein Kollateralschaden? Gemeinsam mit Chefinspektorin Glück versucht er Licht ins Dunkel zu bringen. Joseph Lemark setzt hier einen Kriminalfall auf, bei dem der Ermittler unmittelbar selbst betroffen ist. Ohne das ich die Vorgängerbände kenne, war es als Leser aber keinerlei Problem in die Geschichte hineinzukommen. Sind anfangs zwei mögliche Tatmotive im Raum, gesellen sich im Laufe des Buches andere hinzu. Doch die Ermittlungen laufen dann schnell in eine gewisse Richtung. Der Leser lernt die Figur Vierziger gut kennen, sowohl seine private Seite als auch sein langjähriges Ermittlerdasein. Man merkt ihm seine gewisse "Müdigkeit" nach den vielen Dienstjahren an, gepaart mit dem Eifer seiner jungen Kollegin. Der Krimi beginnt spannend, macht dann eine kleine Atempause und steigert sich gegen Ende wieder immer mehr bis zum Finale. Hier hält der Autor nochmal eine Wendung parat, die ein wenig überraschend kommt. "Kollateralschaden" ist für mich ein lesenswerter Krimi, teilweise mit einer Portion österreichischem Schmäh in den Dialogen und gutem Lokalkolorit.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Und ich sah einen Engel vom Himmel herabsteigen ...

Ein neuer Himmel
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"Ein neuer Himmel" ist der erste Roman von Margit Steinborn. Sie erzählt die Geschichte der jüdischen Musiklehrerin Hannah Rosenberg, die mit ihrer kleinen Tochter Melina vor den Nazis flüchten muss. Auf ...

"Ein neuer Himmel" ist der erste Roman von Margit Steinborn. Sie erzählt die Geschichte der jüdischen Musiklehrerin Hannah Rosenberg, die mit ihrer kleinen Tochter Melina vor den Nazis flüchten muss. Auf einem abgelegenen Bauernhof bei Würzburg findet sie Unterschlupf, während der Vater ihrer Tochter eine steile Karriere als SS-Mann im Reichsministerium macht. Als sich während der Kriegsjahre die Situation zuspitzt, muss Hannah Rosenberg versuchen ins Ausland zu kommen, aber die Flucht scheitert. Während die kleine Melina gerade noch vor der Gestapo gerettet werden kann, führt Hannahs Weg nach Ausschwitz. Doch sie überlebt und nach dem Krieg beginnt eine verzweifelte Suche nach der verlorenen Tochter. Margit Steinborn verwebt hier ihre fiktiven Figuren und die Story mit tatsächlichem geschichtlichen Hintergrund. So ist der Rahmen der Ereignisse historisch, aber die Erzählung ein reiner Roman. Die Kapitel sind dabei immer kurz gehalten und mit dem jeweiligen Handlungsort und Datum übertitelt. Der Leser kann damit den verschiedenen Handlungssträngen gut folgen. Dieser Roman ist berührend, denn er zeigt zum einen die unglaubliche Spirale der Gewalt gegen Juden im dritten Reich, zum anderen aber auch den Mut von Menschen sich im Geheimen für Flüchtende einzusetzen. Nicht jeder war Nazi und das Leid, das durch das Regime über die Menschen gebracht wurde ist unsagbar. Dieses Buch habe ich zügig gelesen, die Story hat mich ergriffen. Immer wieder bangte ich mit Hannah und ihrer kleinen Tochter um deren Leben, hoffte das Ihnen das Schicksal gnädig ist. Zwar war mir die Zusammenführung im zweiten Teil des Romans ein klein wenig zu überspitzt mit den Ereignissen in Rom, dies schmälert das Buch aber in keiner Weise. Margit Steinborn hat ein ergreifendes und emotionales Erstlingswerk geschrieben, dass mir gut gefallen hat.