Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2020

Botschaften von der Insel

Ein Jahr mit C. S. Lewis
0

Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch ...

Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch für das ganze Jahr, zusammengestellt mit Texten aus verschiedenen seiner Bücher. Alle Texte sind klug und erkenntnisreich, ja, sie sind auch weise. Was mich ein bisschen gestört hat, hat nichts mit den Worten des großen Mannes zu tun: Ich lese gerne zwischendurch mal an einem beliebigen Tag, der für mich von Bedeutung ist, sei es als Geburtstag eines lieben Menschen, sei es eine wichtige Wegmarke für mich wie der Tag, an dem ich mein Universitätsexamen ablegte oder auch meinen ersten "echten" Arbeitstag beging, oder eben auch einer mit besonders traurigen Gedanken, bspw. der Todestag eines lieben Menschen. Natürlich gibt es auch besonders fröhliche Tage wie den Hochzeits- oder Jahrestag.

Ich bin also eine, die gerne einzelne Tage voneinander losgekoppelt nachliest. Und genau damit tue ich mich schwer. Denn es folgen oft in logischer Folge mehrere zueinander gehörende Texte und man verliert den Faden.

Das ist für mich nicht der Sinn eines Andachtsbuches, auch wenn ich das Vorgehen natürlich verstehe und es den Texten nichts von ihrer Qualität raubt. Aber zu mir passt es nicht so ganz - dafür sicher zu vielen anderen Lesern!

Veröffentlicht am 30.09.2020

Oranges Lehrstück für bereits Belehrte

Der größte Kapitän aller Zeiten
0

Ein großes Schiff, das peu à peu ins Aus gesteuerte, dessen fähigste Besatzungsmitglieder und Reisende nach und nach ausgeknockt werden - das klingt doch schon sehr nach einem Machthaber mit kleinen Händen ...

Ein großes Schiff, das peu à peu ins Aus gesteuerte, dessen fähigste Besatzungsmitglieder und Reisende nach und nach ausgeknockt werden - das klingt doch schon sehr nach einem Machthaber mit kleinen Händen und Füßen und einem großen Ego. Und natürlich ist er es, um den es geht. Man braucht gar nicht viele Parallelen, um ihn zu karrikieren, die Wirklichkeit kann kaum noch durch die Persiflage überboten werden.

Auch, wenn sich Dave Eggers so einiges hat einfallen lassen - manches amüsant, anderes so platt, wie man es diesem so virtuosen Wort- und Stilzauberer niemals zugetraut hätte. Doch andererseits passt hier nur platt, platter, am plattesten. So platt, wie er hoffentlich nach dem Wahldienstag im November sein wird.

Allerdings wage ich es nicht, darauf zu hoffen, gerade wenn mir sein Weg noch einmal so wie hier vor Augen geführt wird!

Veröffentlicht am 20.09.2020

Ihren Willen durchsetzen

Die zitternde Welt
0

Das will Maria, die Anfang des 20. Jahrhunderts hochschwanger ihrem Liebsten in den Orient, nämlich nach Anatolien folgt. Und sie bleibt bei Wilhelm, dem österreichischen Ingenieur, der mit am ...

Das will Maria, die Anfang des 20. Jahrhunderts hochschwanger ihrem Liebsten in den Orient, nämlich nach Anatolien folgt. Und sie bleibt bei Wilhelm, dem österreichischen Ingenieur, der mit am Bau der Bagdadbahn arbeitet. Heiraten werden sie aber erst nach Jahren, dann haben sie bereits drei Kinder.

Maria - das ist eine, die ihren Kopf durchsetzen will und zwar mit Erfolg. Dass das nicht immer klappt, das lernt sie erst Jahre später - da ist sie wieder in Wien, ihre Familie in alle Winde verstreut, teilweise auch tot. Und muss erkennen, dass es nicht immer nach ihrem Kopf geht.

Es ist aber nicht ein Roman um Maria, nein, es ist einer um die gesamte Familie Paar (ja, sie heißt wie die Autorin, die allein weiß, warum?). Es ist eine schillernde, eine bunte Geschichte, in der aber aus meiner Sicht leider nicht immer das Wichtigste erzählt wird. Manches - wie die Ankunft Marias in Anatolien - erfährt man eher so nebenher, oft sind das die interessantesten Aspekte.

Ein Roman um den eigenen Willen, um Individualismus und um den Lauf der Welt im allgemeinen und im besonderen. Ich habe ihn gern gelesen, auch wenn ich nicht immer dem nachspüren konnte, worauf ich am neugierigsten war - hier hatten die Autorin Tanja Paar - die übrigens eindringlich und mitreißend zu schreiben vermag - und ich unsere Prioritäten leider doch sehr unterschiedlich gesetzt.

Veröffentlicht am 17.08.2020

Wer war Miranda?

Alles, was zu ihr gehört
0

Das soll Kate in Erfahrung bringen. Sie ist aus ihrem Job als Journalistin in New York gegangen worden und versucht nun, auf eine andere Art weiterzukommen: Die Künstlerin Miranda Brand, eine Fotografin, ...

Das soll Kate in Erfahrung bringen. Sie ist aus ihrem Job als Journalistin in New York gegangen worden und versucht nun, auf eine andere Art weiterzukommen: Die Künstlerin Miranda Brand, eine Fotografin, ist vor Jahren verstorben und ihr Sohn Theo, inzwischen Vater zweier Kinder, hat Kate mit der Ordnung des Nachlasses beauftragt.

Das Spannende daran: alles ist mehr oder weniger vorhanden, wie Miranda es vor ihrem Tod verlassen hat. Allerdings hat Theo die Lage verändert und alles zusammengeworfen. Doch es gibt noch mehr Geheimnisse zu Miranda in diesem Haus - es stand seit ihrem Tod leer, Theo lebt dort mit den Kindern erst seit kurzem wieder.

Kate hängt dadurch zwischen zwei Familien, denn sie kommt in Kalifornien bei ihrer Tante unter, die in dem kleinen Ort eine große Nummer ist und unter deren Neugierde Kate, die eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben hat, ganz schön leidet.

Ihre Wühlerei bringt informationen in einer Art Tagebuch Mirandas zum Vorschein, in dem allerdings Teile zu fehlen scheinen. Und sie findet Mirandas Arbeiten - all das wirft mehr Rätsel auf, als dass es zur Klärung beiträgt.

Ein Roman, der auf Stimmungen und auf Atmosphäre basiert - wem kann man trauen, wem nicht. Das bezieht sich übrigens sowohl auf Kate als auch auf Miranda.

Einer, der sehr viel Konzentration erfordert, der sicher auch nicht unsperrig ist - andererseits fand ich die Sprache der Autorin Sara Sligar zumindest teilweise durchaus faszinierend, ihren Ansatz ungewöhnlich. Ein Buch für Leser, die das Rätselhafte lieben, auch wenn es sich nicht um einen Krimi handelt.


Veröffentlicht am 16.08.2020

Leider keine Friedentauben

Der Leutnant und das Mädchen
0

Eine Menge Tauben schwirren in diesem Roman durch den Westen Europas. Leider sind es keine Friedenstauben, sondern vielmehr das Gegenteil: es sind kleine Krieger im Dienste der Alliierten, die Nachrichten ...

Eine Menge Tauben schwirren in diesem Roman durch den Westen Europas. Leider sind es keine Friedenstauben, sondern vielmehr das Gegenteil: es sind kleine Krieger im Dienste der Alliierten, die Nachrichten der Briten zu den Franzosen und umkehrt befördern.

Wir befinden uns nämlich im Ersten Weltkrieg und zwar gefühlt mittendrin, auch wenn dieser eigentlich schon fast zu Ende ist. Denn wir schreiben das Jahr 1918 und den jungen britischen Leutnant Colin Mabry, ein Kriegsopfer - er hat seine Hand im Kampf eingebüßt - erreichte eine zunächst vermessen wirkende Bitte. Die junge Johanna bittet ihn um Unterstützung bei der Suche ihrer SchwesterJewel - Colins großer Liebe - die offenbar von einem Deutschen verschleppt wurde und zwar in Frankreich. Rasch stellt sich heraus, dass einiges anders ist als es scheint und der Leser begibt sich mit dem Duo auf eine Odyssee durch den Westen Europas, bei der Brieftauben eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Ein spannender und ungewöhnlicher Roman, in dem Gottes Kraft gewürdigt wird, aber leider nicht die Emanzipation der Frau. Im Gegenteil, wenn man genauer hinschaut (-liest), ist es gewissermaßen ein Loblied auf das Heimchen am Herd, das seinem Mann den Rücken freihält.

Was mir den Roman ein kleines bisschen madig machte - aber nicht zu sehr, dafür war er einfach zu ungewöhnlich!