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Veröffentlicht am 27.10.2020

Unerwartet - der dritte Band der Hartwell-Reihe

Things We Never Said – Geheime Berührungen
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Schmuckdesignerin Dahlia McGuire lebt seit einigen Jahren in dem verschlafenen Küstenort Hartwell, Delaware. Nach einem tragischen Vorfall in ihrer Jugend, der mehr als ein Jahrzehnt zurück liegt, hat ...

Schmuckdesignerin Dahlia McGuire lebt seit einigen Jahren in dem verschlafenen Küstenort Hartwell, Delaware. Nach einem tragischen Vorfall in ihrer Jugend, der mehr als ein Jahrzehnt zurück liegt, hat sie sowohl ihre Familie als auch ihre große Liebe, den Polizisten Michael Sullivan, ohne ein Wort der Erklärung verlassen. Einzig ihr Vater kennt ihren Aufenthaltsort und als er sich in Not befindet, kehrt Dahlia mit gemischten Gefühlen nach Boston zurück. Dort muss sie sich sowohl Michael als auch den Geistern der Vergangenheit stellen.

Absolut unerwartet für mich ist mit diesem Buch der dritte Band der Hartwell-Reihe erschienen. Zum einen ist es aus dem Klappentext leider nicht ersichtlich, wenn man nicht den Namen Dahlia noch aus dem 2017 aufgelegten zweiten Band im Hinterkopf hat. Zum anderen führen sich Titel und Cover nicht in die Reihe ein, da der Verlag gewechselt hat. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Serie nun bei MTB fortgesetzt wird.

Viel Raum nehmen die uns bekannten Protagonisten aus den ersten Teilen ein. Wie schön, dass die vertrauten Paare hier wieder auftreten. Haben wir mit Jess und Cooper gelitten, mit Bailey und Vaughn gelacht, so wandern wir jetzt mit Dahlia und Michael durch tiefe Täler. Denn dieses Buch lebt von den Schicksalsschlägen, die beiden, besonders Dahlia, widerfahren sind und sowohl ihre kurze gemeinsame Zeit als auch die langen Jahre der Trennung geprägt haben. So sind die vorherrschenden Gefühle vor allem Wut, Entfremdung, tiefes Leid, unverarbeitete Trauer und Distanziertheit. Aber auch Hingabe und tiefe Liebe und, zumindest von Michaels Seite, die Sehnsucht und der Wille, wieder zur alten Zuneigung zurückzufinden.

Dabei hat er es schwer. Denn Dahlia fühlt sich schuldig an den vergangenen Unglücken, kann sich nicht frei machen von den Anklagen ihrer Geschwister und ihrer Mutter. Sie fühlt sich seiner Liebe nicht gewachsen und nicht würdig. Immer wieder stößt sie ihn weg. Es ist ein ewiger Kampf, sowohl gegen einander als auch gegen sich selbst.

Und da liegen auch die Schwierigkeiten, die ich mit diesem Buch hatte. Dahlias Gedanken und Selbstzweifel nehmen sehr, sehr viel Raum im Buch ein. Sie wiederholen sich in nahezu jedem Kapitel und füllen viele Seiten. Auch wenn ich Samantha Young zweifellos für eine begabte Schriftstellerin halte, deren Bücher ich ausnahmslos gelesen habe, habe ich hier oft das Gefühl gehabt, dass ihr zündende Ideen fehlten. Sie selbst gibt im Nachwort zu, mit diesem Band Schwierigkeiten gehabt zu haben, ohne dies weiter zu erläutern. Da ich, das muss ich leider zugeben, die ein oder andere Seite überblättert habe, bin ich sowohl mit Dahlia als auch Michael, nicht so richtig warm geworden. Mir fehlten auch ein paar mehr humorvolle Momente, um die Düsternis ein wenig aufzulockern.

Eine Second-Chance-Romanze, die den Leser*innen viel abverlangt. Dem Verlag muss ich ein Lob aussprechen für ein in grammatikalischer und orthografischer Hinsicht fehlerfreies Buch. Ich hoffe, dass auch Emerys Geschichte bald auf Deutsch erscheinen wird und bin optimistisch, dann wieder fünf Sterne vergeben zu können.

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Veröffentlicht am 12.10.2020

Zwischen urkomisch und herzzerreißend

The Friend Zone
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Kristen ist auf dem Weg zu einem Treffen mit ihren besten Freunden Sloan und Brandon, deren Trauzeugin sie bei der Hochzeit der beiden sein wird. Vor einem Supermarkt fährt jemand ihr hinten in ihren Wagen. ...

Kristen ist auf dem Weg zu einem Treffen mit ihren besten Freunden Sloan und Brandon, deren Trauzeugin sie bei der Hochzeit der beiden sein wird. Vor einem Supermarkt fährt jemand ihr hinten in ihren Wagen. Der gutraussehende und witzige Typ entpuppt sich kurze Zeit später als Josh, bester Freund des Bräutigams und zweiter Trauzeuge. Beide fühlen sich voneinander angezogen, doch Kristen wartet auf die Rückkehr ihres Freundes, der in wenigen Wochen seinen Militäreinsatz beenden wird und dann bei ihr einzieht. Zudem muss sie sich einer Operation unterziehen, die es ihr unmöglich machen wird, Kinder zu bekommen. Aber Josh träumt von einer Familie mit vielen Kindern.

Das deutsche Debüt der Autorin Abby Jimenez startet mit derartig viel Humor und Wortwitz, dass ich aus dem Lachen gar nicht mehr heraus kam. Urkomische, genau auf den Punkt gebrachte und knackige Dialoge zwischen Kristen und Josh sind so fabelhaft kreiert, dass diese Geschichte fulminant startet und ich gar nicht mehr aufhören konnte, zu lesen. Kristens oft sarkastische Äußerungen werden von Josh derart trocken gekontert, dass man als Leser*in seine wahre Freude daran hat. Dazu trägt auch Kristens Yorkshire Terrier „Stuntman Mike“ bei, der als Sidekick mit Menschenkenntnis und witziger Kleidung seine Momente hat.

Doch bald wird es ernster und deutlich komplexer. Angelehnt an eine wahre Geschichte (so das Nachwort der Autorin), wird hier ein Thema zur Sprache gebracht, dass sicher lange Zeit ein Tabu war und für viele leider heute noch ist. Unfruchtbarkeit bei Frauen ist eine Belastung für alle Beteiligten. Jimenez macht klar, wie sich Frauen fühlen, die mit einer solchen Diagnose belastet sind. Es trifft letztlich nicht nur sie selbst, sondern natürlich auch die Partner und den Freundeskreis. Hier wird es nicht behutsam angesprochen, sondern in aller Deutlichkeit und mit manchmal brachialer Ehrlichkeit. Was gut ist, ohne Frage.

Für mich jedoch hat es meine Sympathie mit der Protagonistin geschmälert, obwohl ich eigentlich Mitleid mit ihr haben wollte. Denn Kristen versteckt sich - bei all ihrer sonst von ihr selbst so gerühmten Ehrlichkeit - hinter der Krankheit und lässt eine Beziehung zu Josh nicht zu, ohne ihm allerdings die Wahrheit zu gestehen. Lieber opfert sie ihre wahre und große Liebe, unter der Vorgabe, sein künftiges Familienglück mit vielen Kindern nicht zu ruinieren. Leider ergehen sich ihre Gedanken darum in etlichen Wiederholungen, die einige Kapitel damit deutlich in die Länge ziehen. Ja, sie will ihn schonen, aber mit ihrer Zurückhaltung verletzt sie sich selber und ihn umso mehr. Josh dagegen bekam durchweg meine volle Bewunderung, weil er sich, ohne den wahren Hintergrund zu kennen, so enorm liebevoll und mit allem, was er hat, um die Rettung ihrer Liebe bemüht.

Das herzzerreißende Drama um ihre gemeinsamen Freunde Sloan und Brandon hat mich emotional mehr in einen Abgrund gestürzt, den ich so nicht kommen sah. Was habe ich geweint! Das es letztlich zu einer Klärung der Situation beigetragen hat, war fast nebensächlich.

Leider muss ich Abby Jimenez auch vorwerfen, ihre Leser um jeden Preis mit einem Happyend versöhnen zu wollen. Zu dieser Geschichte hätte ein bittersüßes Ende besser gepasst als dieses zuckersüße. Letztlich aber ist dies ein wirklich gut geschriebenes und stilistisch einwandfreies Buch von einer begabten Schriftstellerin. Und die Leseprobe am Ende, die auf den zweiten Teil der Reihe hinweist, verspricht weiteres Lesevergnügen. Mit geringen Einschränkungen durchaus empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 07.09.2020

Ein warmherziges und intelligentes Buch

Weil alles jetzt beginnt
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Evvie Drake ist seit einem Jahr Witwe und hat sich fast komplett vom öffentlichen Leben in ihrer Kleinstadt in Maine zurückgezogen. Während alle glauben, dass sie tief in ihrer Trauer versunken ist, hält ...

Evvie Drake ist seit einem Jahr Witwe und hat sich fast komplett vom öffentlichen Leben in ihrer Kleinstadt in Maine zurückgezogen. Während alle glauben, dass sie tief in ihrer Trauer versunken ist, hält sie sich eher für ein Monster. Denn ihr Mann starb in dem Moment nach einem Autounfall, als sie ihre Koffer packte, um ihn zu verlassen. Ihr bester Freund Andy vermittelt ihr einen Untermieter für ihr zu großes Haus. Sein alter Schulfreund Dean Tenney, ein berühmter Baseballspieler, will für eine Weile New York und einer Pressehetzjagd auf ihn entkommen. Seine Karriere als Profisportler scheint aufgrund körperlicher Probleme zu Ende und er muss sich über sein weiteres Leben klar werden.

Um es gleich zu sagen: das ist ein wirklich gutes Buch. Linda Holmes hat eine fantastische Art, Menschen als auch deren Umfeld zu kreieren und ihnen Authentizität und Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Sie fängt die leichte Schrulligkeit von amerikanischen Kleinstadtbewohnern auf verständnisvolle und liebenswerte Weise so ein, dass man nicht über sie lacht sondern über die
kleinen Anekdoten, die dort erzählt werden. Natürlich ist jemand wie Evvie, die ihren allseits beliebten Mann und damit auch den Arzt der Stadt verloren hat, im Fokus aller. Sei es, um sie zu bemitleiden oder sich um ihren Gemütszustand kümmern zu wollen.

Evvie hingegen will diese Aufmerksamkeit nicht, da sie sich selbst als Monster sieht, das diesen in der Realität so gar nicht tollen Mann verlassen wollte, als er sein Leben verlor. Sich schuldig fühlend und zugleich völlig unentschlossen, meidet sie Nachbarn und Freunde. Einzig ihr bester Freund seit Kindertagen, Andy, bleibt ihr nahe. Aber auch er kennt ihr Geheimnis nicht.

Dean seinerseits hat mit dem Verlust seines Baseballteams zu kämpfen und muss sich ebenfalls neu orientieren. Auch da, typisch Kleinstadt, wird er freundlich aufgenommen und bekommt Möglichkeiten für die Zukunft aufgezeigt, die er nicht erwartet hat. Dass Evie und er sich über die gemeinsame Wohnsituation zwangsläufig näher kommen, tut beiden gut.

Allerdings geschieht das sehr, sehr langsam. Wie beiden zunächst erst Freunde und dann Liebende werden, erzählt die Autorin über viele Kapitel hinweg in einer ruhigen, unaufgeregten, manchmal etwas ausufernden Weise. Ich war durchaus geneigt, mal ein Kapitel zu überblättern, damit es schneller voran geht. Andererseits passte es zur Charakteristik der Geschichte und ich habe Holmes diesen ruhigen Fluss nicht wirklich übel genommen.

Schwer getan habe ich mich ein wenig mit dem Thema Baseball, über das in der Story doch eine Menge vorkommt. Nichts gegen Sportromanzen, aber Baseball ist im europäischen Raum natürlich kaum so populär wie in den USA. Es mag eine Minderheit geben, die sich mit Fachbegriffen und Regeln auskennt - aber das macht es vielleicht für einige zu einer uninteressanten Lektüre.

Bei aller Verarbeitung von Trauer und Schuld gibt es auch viele humorvolle Momente. Es reicht nicht unbedingt für lautes Gelächter, aber immerhin für ein Schmunzeln oder amüsiertes Lächeln. Das Buch mag nicht dem Standard einer romantischen Komödie entsprechen, aber es immer realistisch und glaubwürdig. Holmes schreibt über Menschen wie Du und Ich, den Wert von Freundschaft, Zusammenhalt und nicht über Alphamännchen, Mafia-Bosse oder CEOs, die momentan viel in diesem Genre vorkommen.

Das mag ein wenig am Trend der Zeit vorbeigehen, aber wenn man etwas Außergewöhnliches lesen will, ist man hier gut bedient.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

Solide sommerliche Romanze, der es aber an Highlights mangelt

Off Limits - Wenn ich von dir träume
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Die zwanzigjährige Heather lebt mit ihrer psychisch kranken Mutter in einem alten Haus an einem See. Sie hat ihre Collegeträume aufgeben müssen, um ihre Mutter zu pflegen und jobbt in einer Bar. Um finanziell ...

Die zwanzigjährige Heather lebt mit ihrer psychisch kranken Mutter in einem alten Haus an einem See. Sie hat ihre Collegeträume aufgeben müssen, um ihre Mutter zu pflegen und jobbt in einer Bar. Um finanziell über die Runden zu kommen, vermieten sie ein kleines Bootshaus am Wasser. In diesem Sommer hat es der attraktive, aber abweisende Fotograf Noah gleich für mehrere Monate gemietet. Heather ist sofort von ihm fasziniert, aber er hält sie auf Abstand. Er ist nicht ohne Grund an diesem Ort und außerdem ist er 14 Jahre älter als sie.

Ich hatte ein bisschen Mühe, in diese Geschichte hineinzufinden. Das lag hauptsächlich an Heather und ihrer oft aufdringlichen und jugendlich anstrengenden Art, wie sie sich Noah immer wieder genähert hat, ohne seine Verschlossenheit zu akzeptieren. Als Mann seines Alters wäre ich davon mehr als genervt gewesen. Aber mit jeder weiteren Seite kristallisierte sich heraus, dass sie auf eine besondere Weise durchaus Reife und Weisheit besitzt, die andere junge Frauen so nicht besitzen. Vom Vater verlassen, eine Schwester durch Selbstmord verloren und das Leben mit einer kranken Mutter - andere wären daran zerbrochen.

Die ersten Kapitel erzählen die Story aus Heathers Sicht, als später auch Noahs Blickwinkel hinzukommt, wird deutlich, dass er sich durchaus von Heather angezogen fühlt, dem aber um keinen Preis nachgeben will. An einem Punkt angelangt, an dem er sich über sein weiteres Leben
Gedanken machen muss, ist sie ein Lichtblick, den er nicht erwartet hat. Auch wenn Heather im Laufe des Buches meine Sympathie durchaus gewonnen hat, war Noah für mich der herausragende Charakter. Wie er Heather darin bestärkt, auch mal an sich zu denken und eine Ausbildung zu starten, selbst wenn es bedeutet, sich trennen zu müssen, beweist eine Stärke, die dann doch zeigt, dass ein größerer Altersunterschied Bedeutung hat.

Penelope Ward hat einen einfachen - manchmal zu simplen - Erzählstil, der die Geschichte zu einer schnellen Lektüre macht. Das ist auch ein Hauptgrund für mich, dem Buch nicht die nötige Tiefe abgewinnen zu können und es für eher oberflächlich zu halten. Sie konzentriert sich weitgehend auf ihre beiden Protagonisten und deren gemeinsamen Weg. Gegen Ende gibt es ein paar Twists, die es nicht gebraucht hätte und die ich auch nicht unbedingt logisch fand.

Mir fehlten auch emotionale Highlights wie beispielsweise lautes Gelächter, obwohl es durchaus humorvolle Stellen gibt. Die Erotik ist gut abgestimmt, reicht aber nicht für intensives Kopfkino. Dramatische Momente waren nicht traurig genug, um zum Taschentuch zu greifen.

Ein ganz gutes Buch, ja. Aber keines, das mir länger im Kopf bleiben wird.

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Veröffentlicht am 01.09.2020

Einwandfreier Reihenauftakt - aber mit Luft nach oben

Wolfes of Wall Street - Kennedy
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Ian Bradley ist ein Wall Street Broker, wie er im Buche steht. Smart, arrogant und reich. Beziehungen sind nichts für ihn, nach seinen One-Night-Stands sieht er keine Frau ein zweites Mal. Gemeinsam mit ...

Ian Bradley ist ein Wall Street Broker, wie er im Buche steht. Smart, arrogant und reich. Beziehungen sind nichts für ihn, nach seinen One-Night-Stands sieht er keine Frau ein zweites Mal. Gemeinsam mit seinen langjährigen Freunden Matt und Kennedy ist er ganz oben angekommen. Bis Lara McKenzie in seiner Firma auftaucht, um als Mitarbeiterin der Bankenaufsicht gegen ihn zu ermitteln. Ihm wird Insiderhandel vorgeworfen und sollte sich der Verdacht bestätigen, stehen ihm einige Jahre Gefängnis bevor.

Lara ist die Tochter zweier FBI-Agenten und ihr Ziel ist es, genau dort auch Karriere zu machen. Dafür braucht sie ein gutes Ermittlungsergebnis und ein Empfehlungsschreiben ihres Vorgesetzten. Deshalb ist sie bereit, mit aller Konsequenz und Härte nachzuforschen, egal, wie attraktiv sie Ian findet und wie sehr er ihre Untersuchung behindert.

Lauren Layne legt hier eine Geschichte vor, die uns natürlich nicht neu ist. Der typische New Yorker Playboy, der sich nicht binden will, trifft auf die junge Frau, deren Liebesleben aufgrund ihres Jobs ziemlich brach liegt. Schon aufgrund der vorliegenden Situation sind sie praktisch natürliche Feinde, was sich in etlichen amüsanten Wortwechseln zeigt. Aber Layne bleibt nicht oberflächlich und handelt die Story in 08/15-Routine ab. Komplexe und bestens ausgearbeitete Haupt- und Nebendarsteller treffen auf eine Handlung, die intelligent und clever konstruiert ist.

Insiderhandel an der Börse ist nun nichts, was uns in dem Genre Liebesromane öfter begegnet. Vor dem Lesen befürchtete ich leichte Verständnisschwierigkeiten, da das so gar nicht mein Fachgebiet ist. Aber die Autorin fokussiert sich nicht unendlich auf das Thema, sondern erklärt in den nötigen Worten, wie so etwas abläuft. Viel mehr steht natürlich die Frage im Raum, ob Ian schuldig oder unschuldig ist. Und als Leser*in fragt man sich zwangsläufig - muss der Ermittler die Schuld nachweisen oder der Verdächtige seine Unschuld. Können beide überhaupt gemeinsam daran arbeiten? In der Theorie weiß man natürlich, dass jemand als unschuldig zu erachten ist, bis das Gegenteil bewiesen ist. Aber in der Praxis ist es nicht immer so einfach.

Der Plot ist geschickt aufgebaut und spielt eine ganze Weile mit Laras Zweifeln an Ians Vergehen und seiner Frustration, als sich die leidige Angelegenheit nicht so schnell klären lässt. Aus meiner Sicht hätte die Geschichte hier auch durchaus 50 Seiten weniger haben können. Die Autorin verwickelt sich manchmal in seitenlange Überlegungen ihrer Protagonisten. Auf der anderen Seite mochte ich die Sidekicks in Form seiner Freunde, seiner besten Freundin Sabrina oder seiner Assistentin Kate, deren Frotzeleien und den ungebrochenen Zusammenhalt untereinander. Der Grundstein für die weiteren Bände der Reihe wurde so gut gelegt, dass ich mich auf die nachfolgenden Bücher sehr freue.

Das bringt mich auch dazu, ein klein wenig mehr zu erwarten und hier „nur“ vier Sterne zu vergeben. Lauren Layne ist ohne Frage eine wirklich gute Schriftstellerin. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass Matt und Sabrina oder Kennedy und Kate mich mehr begeistern.

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