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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2021

Leckere Rezepte, Theorie fragwürdig

Medical Cuisine
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Das neue Kochbuch von Johann Lafer und Dr. Matthias Riedl hat mich durch den Titel neugierig gemacht, in dem das Wort "gesund" praktisch schon drin steckt. Ich interessiere mich sehr für eine gesunde Ernährung ...

Das neue Kochbuch von Johann Lafer und Dr. Matthias Riedl hat mich durch den Titel neugierig gemacht, in dem das Wort "gesund" praktisch schon drin steckt. Ich interessiere mich sehr für eine gesunde Ernährung und achte auch bisher schon sehr darauf, was ich esse. Für neue Informationen und für alles Rezepttipps bin ich trotzdem sehr dankbar!
Nach dem Lesen des Theorieteils, des Durchschauens der Rezepte und dem Nachkochen von einigen dieser muss ich sagen, dass alles, was ich bisher gegessen habe, sehr lecker geschmeckt hat, leicht herzustellen war und die Zutaten tatsächlich leicht zu bekommen waren, wie es im Einleitungsteil auch beschrieben war. Toll fand ich die Nährstoffangaben, die sicherlich den ein oder anderen interessieren, aber vor allem die Angabe, für welche Art von Krankheit das jeweilige Gericht besonders geeignet ist. Und trotzdem war diese Angabe eher dezent eingebaut und ich konnte ein Gericht auch kochen, wenn es mir eher um eine andere Art der Gesundheit ging, denn die Autoren betonten ja vehement, dass es vor allem um den Geschmack und die Liebe zum Essen geht. Nur dass diese eben ein neues Gewand benötigt. In dieser Hinsicht war für mich viel ansprechendes dabei, es war nicht allzu außergewöhnlich, als dass ich mich nicht ran getraut hätte und ich glaube, mit diesem Buch kann wirklich jeder ein Rezepte für sich finden, die die eigene Ernährung aufwerten. Dennoch halte ich das Buch eher für "Anfänger" geeignet, denn ich als Vegetarierin habe mich nach dem Einführungsteil, in dem beispielsweise noch die schlechte Ökobilanz von Rindfleisch verteufelt wird, schon fragen müssen, wieso dann in jedem zweiten Fleischgericht Rindfleisch als Zutat auftaucht. Und sowieso, warum jedes zweite Gericht Fleisch enthält, wo doch mittlerweile altbekannt ist, dass das nicht gerade die tollste Zutat ist und eine gesunde Ernährung definitiv auch ohne funktioniert. Ich habe mich immer wieder gefragt, was denn jetzt genau der Anspruch des Buches ist und ob dieser wirklich umgesetzt wird, oder ob das Buch einfach nur sehr sehr ambitionierte Ziele verfolgt, diese aber dann letztendlich doch nicht so wirklich erfüllen kann... Angefangen bei dem Wunsch der Autoren, das Buch in jedem deutschen Haushalt zu etablieren... Beispielsweise heißt es weiterhin: In der "Medical Cuisine" gibt es keine Verbote (S. 17), nur das Verhältnis der Nahrungsmittel wird verändert. Auf Seite 26 folgt dann eine ausführliche Aufstellung, wie viel von was ich pro Tag essen soll, bzw. maximal darf. So soll man dann so wenig Zucker wie möglich, so wenig Alkohol wie möglich zu sich nehmen. Naja, also klar Verbote sind das keine, aber stark eingeschränkt fühle ich mich da dennoch und das schlechte Gewissen wird bei diesen Produkten dann ja trotzdem einsetzen.
Was für mich in der Theorie gleichzeitig sehr gefehlt hat, sind genaue Ausführungen zu gesunden Lebensmitteln, was warum bei welchen Beschwerden hilft, Erläuterungen für die oben angesprochenen Gesundheitskategorien und vielleicht auch einfach kleine Infoboxen bei den Rezepten, die mir erklären, wie genau ich bei diesem Gericht eine Verbesserung zur klassischen Variante erreiche. Oder vielleicht auch eine Bewertungsskala, die zeigt, wie "gut" das Gericht mir tut. Denn dass es zwischen den Rezepten, die jeweils eine klassische und eine alternative Variante enthalten, keine Unterschiede gibt, kann ich mir nicht vorstellen.
Für mich ist das Buch ein interessantes Werk, das definitiv auch für Vegetarier und Veganer etwas zu bieten hat, es aber gleichzeitig auch jedem recht machen will. Rezeptideen nehme ich viele mit, mit der Theorie konnte ich kaum etwas anfangen. Dennoch gibt es von mir aufgerundete 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 14.06.2021

Großartiger Humor gepaart mit individuellen Einblicken und vielen Infos

Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
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Das erste Sachbuch von John Green hat mich durch den ungewöhnlichen Titel angesprochen, mit dem ich zwar viel anfangen konnte, aber dann doch nicht wusste, wie genau ich mir ein Buch über das Anthropozän ...

Das erste Sachbuch von John Green hat mich durch den ungewöhnlichen Titel angesprochen, mit dem ich zwar viel anfangen konnte, aber dann doch nicht wusste, wie genau ich mir ein Buch über das Anthropozän vorstellen soll. Spätestens mit der Einleitung hatte sich dann geklärt, dass der Autor sich die Ironie der Fünf-Sterne-Bewertung zum Vorbild nimmt und allerlei Phänomene aus dem Anthropozän, also dem aktuellen geologischen Zeitalter, das überaus stark durch den Menschen geprägt ist, in diese 5-Sterne Skala einordnen will. Und das ganze anhand von recht kurzen Essays, deren Themen unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch eine stringente Handlung aufweisen. Die Grundidee zum Buch hat mir schonmal total gut gefallen, und von Anfang an kam die Persönlichkeit des Autors und sein unverwechselbarer Humor total stark durch, so dass das Buch trotz der eher sachlichen Themen schnell unglaublich persönlich wurde. Neben dieser lockeren Art brachte das Buch aber auch alle möglichen Infos mit sich, die ob unnötig oder nicht, mich immer wieder zum Staunen und Nachdenken gebracht haben. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die während des Lesens immer wieder ganze Passagen den anwesenden Leuten vorgelesen hat, weil mir Schreibstil, Humor und Informationsgehalt in dieser Mischung einfach wahnsinnig gut gefallen haben und ich diese einfach teilen musste!
Und wäre das nicht schon genug, regt John Green durch die unterschiedlichsten Themen in seinen Essays jeden irgendwann mal zum Nachdenken und Sinnieren über den Menschen und seine Leistungen und das Glück, am Leben zu sein, an. Auch dieser Aspekt hat mir total gut gefallen und vor allem zu Anfang habe ich die Kapitel nur so verschlungen und das alles in mich aufgesogen!
Ein paar Kritikpunkte habe ich bei allem Lob allerdings auch noch, denn mit der Zeit wurden mir die kurzen und ständig wechselnden Kapitel dann doch zu viel und ich habe gemerkt, dass ich nicht immer ganz so aufmerksam lesen konnte , die Infos nicht mehr alle verarbeiten konnte. Noch dazu kommt der wirre Schreibstil des Autors, der von Thema zu Thema schweift, so dass ich oft gar nicht mehr wusste, worum es in dem Kapitel laut Überschrift geht und gleichzeitig auch nicht, was das unterschwellige Thema sein sollte. Es ging schon immer ziemlich hin und her! Gegen Ende wurde es mir dann irgendwie auch zu persönlich und individuell und ich hätte mir für ein Sachbuch dann doch auch mehr sachlichen Inhalt gewünscht, mehr, mit dem auch ich selbst mich identifizieren kann...
Letztendlich muss ich sagen, dass mich John Greens neues Buch zwar sehr gut unterhalten hat, ich aber trotzdem nicht genau sagen kann, was für ein Buch ich da gerade gelesen habe und auch keine Quintessenz für mich mitnehmen kann. Außerdem hätten ein paar Kapitel weniger meiner Meinung nach auch nicht geschadet. Ich gebe "Wie hat Ihnen das Anthropozän bisher gefallen" vier Sterne

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Gewaltig, brutal, feinfühlig.

Das Lied der Nacht
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Das Lied der Nacht ist das erste Buch, das ich von C.E. Bernard gelesen habe und schon auf den ersten Seiten ist mir aufgefallen, dass ich hier ein ganz besonderes und extrem durchdachtes Werk in der Hand ...

Das Lied der Nacht ist das erste Buch, das ich von C.E. Bernard gelesen habe und schon auf den ersten Seiten ist mir aufgefallen, dass ich hier ein ganz besonderes und extrem durchdachtes Werk in der Hand halte. Denn der Schreibstil ist wirklich total einzigartig, gleichzeitig habe ich aber auch genau dadurch sehr lange gebraucht, um in das Buch hineinzufinden und gerade am Anfang haben mich manche Formulierungen und Sätze tatsächlich sehr gestört, auch wenn mir klar war, dass diese bewusst so formuliert wurden. Beispielsweise werden im Buch immer wieder Sätze in ähnlicher oder sogar gleicher Formulierung wiederholt und das teilweise gleich in der nächsten Zeile oder im nächsten Abschnitt. Irgendwann hat mir das gut gefallen, weil es einfach zu dieser besonderen und magischen Stimmung passt, die die Geschichte erzeugt. Anfangs fand ich es eher nervig, das muss ich ehrlich zugeben. Auch die altertümliche Wortwahl und die teilweise etwas verdrehten Sätze, die dadurch sehr poetisch klingen, waren etwas, womit ich mich erst anfreunden musste. So hat es bei mir erst ungefähr nach der Hälfte des Buches so richtig "klick" gemacht, auch wenn mir die Geschichte und die Handlung schon vorher gut gefallen haben. Aber ab da konnte mich der poetische und sehr emotionale Schreibstil erst so richtig mitnehmen und ich habe gemerkt, wie präzise jedes einzelne Wort ausgewählt wurde, um das Gesamtbild stimmig zu machen und wie viel Feinheit dahinter steckt.

In die Handlung wurde man sehr abrupt geworfen und ich vermisse auch am Ende des Buches noch den ein oder anderen erklärenden Satz zu dieser komplexen neuen Welt, in die die Autorin mich geschickt hat. Zwar wurden viele Erklärungen nebenbei in die Geschichte eingestreut und wahrscheinlich weiß ich dadurch auch alles, das ich wissen sollte, ich bin aber trotzdem mehr der Freund von kurzen Einführungsabschnitten. Trotzdem bin ich echt verzaubert von dieser Geschichte und der Erzählweise, durch die ich manchmal echt das Gefühl hatte, im Kino zu sitzen und einen Film zu schauen. Durch die vielen Perspektivwechsel, die teilweise in jedem neuen Satz stattfanden, wurde die Geschichte unglaublich lebendig und spannend. Allerdings war auch dies eine Facette, in die ich erst hineinfinden musste. Und trotz der brutalen, spannenden und düsteren Geschichte, in der so viele große Dinge geschahen, gelang es der Autorin, auch emotionale Feinheiten der zwischenmenschlichen Beziehungen umfangreich in die Geschichte einzuarbeiten. Ein Buch, das gleichzeitig laut und leise ist, das finde ich wirklich sehr besonders, vor allem im Fantasy-Genre. Was mir persönlich am besten gefallen hat, ist die Rahmenhandlung, in der ein Erzähler eine Geschichte am Lagerfeuer erzählt, die Geschichte von Weyd und seinen Gefährten. Ab und zu schwenkt die Handlung mit einer anderen Schriftart kurz auf diese ganz andere Perspektive um und genau das hat mir mich die Stimmung im Buch nochmal perfektioniert und das ein oder andere Mal eine Gänsehaut erzeugt!

Die Charaktere mochte ich auch total gerne, jeden Einzelnen (Bis auf den grauenhaften eisernen Baron, dessen Taten wirklich nicht für schwache Nerven sind und bei deren Beschreibungen ich manchmal wirklich ein paar Zeilen überspringen musste, weil es mir zu viel wurde). Aber die Gemeinschaft rund um Weyd und Caer, die sich im Laufe des Buches noch erweiterte, ist mir wirklich sehr ans Herz gewachsen und schön fand ich vor allem, dass sie durch einen Fuchs vervollständigt wurde. Allgemein finde ich auch das Worldbuilding der Autorin wirklich bewunderswert, da sie auch in der Beschreibung ihrer facettenreichen Welt neben den wichtigen Informationen über epische Schlachten und politische Vorherrschaft auch die Feinheiten wie die Verständigung zwischen Mensch und Tier mit in die Geschichte einwebt.

Zum Schluss kann ich sagen, dass dieses Buch und ich zwar einige Anfangsschwierigkeiten hatten, aber jetzt, wo ich in der Geschichte angekommen bin, ging sie leider auch schon viel zu schnell vorbei und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu diesem einzigartigen Werk in die Finger zu bekommen. Daher bekommt das Buch von mir vier Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung, denn es ist es definitiv wert!

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Veröffentlicht am 10.01.2021

Ich liebe den Humor!

Miss Bensons Reise
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"Miss Bensons Reise" ist für mich ein Buch, bei dem es mir besonders schwer fällt, meine Meinung durch ein paar Sterne zum Ausdruck zu bringen. Da es mir im Großen und Ganzen total gut gefallen hat, ich ...

"Miss Bensons Reise" ist für mich ein Buch, bei dem es mir besonders schwer fällt, meine Meinung durch ein paar Sterne zum Ausdruck zu bringen. Da es mir im Großen und Ganzen total gut gefallen hat, ich aber ein paar Dinge einfach nicht so toll fand, möchte ich es mit vier Sternen versuchen, und begründe dies wie folgt:

Rachel Joyce hat einen ganz besonderen Schreibstil, der mich schon auf der ersten Seite total gefangen genommen hat. Der Einstieg in die Geschichte gelang mir mühelos und ich war direkt fasziniert von Margery und ihrer Leidenschaft für Käfer, die sie bereits als kleines Mädchen erlangt hat. Ein paar Seiten später ist von dieser Leidenschaft allerdings nicht mehr viel übrig und der Leser wird mit einer abgeschlagenen Frau konfrontiert, die keinen Ansporn und keine Lebensfreude zu haben scheint und die viel älter wirkt als die 46 Jahre, die sie zu diesem Zeitpunkt zählt. Obwohl Margery zu Anfang des Buches schwer zu fassen und voller Resignation war, fand ich sie auf Anhieb sympathisch. Und rückblickend ist der Autorin auf den paar hundert Seiten des Buches eine unglaubliche Charakterentwicklung gelungen, denn die Margery am Ende der Geschichte hat mit dieser müden Person rein gar nichts mehr zu tun und ist dennoch die selbe Person geblieben. Sie ist mir im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz gewachsen und genauso ging es mir mit Enid, die ich auch direkt sympathisch fand, obwohl sie voller Geheimnisse und aufgesetzter Heiterkeit war. Auch sie war für mich ein total authentischer Charakter, der während der Geschichte aus sich heraus gewachsen ist, aber sich dennoch treu blieb.

Der Schreibstil ist bildgewaltig und malt dem Leser eine realistische Szene mitsamt Gerüchen und Geräuschen auf, so dass man sich wirklich als Teil der Geschichte fühlt. Besonders geliebt habe ich den schwarzen Humor der Geschichte und bei manchem Spruch musste ich laut auflachen. Diese Sätze hat Rachel Joyce so passend und unauffällig in die Geschichte eingestreut, dass sie immer genau zum richtigen Zeitpunkt kamen und nie übertrieben wirkten.

Mit dem Ende habe ich so meine Probleme, denn die Botschaft des Buches, die ich an sich total schön und wichtig finde, wurde durch manche unrealistische Entdeckung und Tat leider etwas zu märchenhaft dargestellt und daher unglaubwürdig. Das Buch schließt mit einem Epilog ab, den ich zwar sehr schön fand, der aber doch ziemlich aus der Handlung gegriffen war und den die Geschichte auch nicht zwangsweise benötigt hätte.

Weniger gut gefallen hat mir auch ein Handlungsstrang, zu dem ich leider nur wenig sagen kann, ohne zu spoilern. Diesen eher mysteriösen Teil des Buches hätte ich so nicht erwartet und nach Ende der Geschichte so ehrlich gesagt auch nicht gebraucht. Es wurde eine weitere "Hauptperson" eingeführt, die sich völlig losgelöst vom Rest der Geschichte bewegte und scheinbar nur für eine einzige Szene zu Ende benötigt wurde. Und dafür war mir das Drum-Herum leider viel zu ausgeschmückt und zu düster.

Dennoch halte ich "Miss Bensons Reise" für ein Buch mit außergewöhnlichem Thema, mit dem ich persönlich eigentlich kaum etwas anfangen kann, aber an das man so schön herangeführt wurde, dass ich mir jetzt selbst fast eine Käfer-Expedition vorstellen könnte. Das Buch handelt von zwei völlig unterschiedlichen starken Frauen, die mit sämtlichen Konventionen der damaligen (und teilweise auch heutigen) Konventionen brechen und alles dafür geben, ihre Träume zu verwirklichen. Eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 10.09.2020

Nur mit Vorwissen lesen!

Das Lied des Wolfes
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"Das Lied des Wolfes" ist ein Buch, bei dem es mir sehr schwer fällt, eine Bewertung abzugeben. Sowohl Cover, Inhaltsangabe als auch Leseprobe haben mich total beeindruckt, so dass ich unbedingt dieses ...

"Das Lied des Wolfes" ist ein Buch, bei dem es mir sehr schwer fällt, eine Bewertung abzugeben. Sowohl Cover, Inhaltsangabe als auch Leseprobe haben mich total beeindruckt, so dass ich unbedingt dieses Buch lesen wollte und mir auch sehr viel davon versprochen habe. Nach dem Lesen bin ich nun eher enttäuscht. Der Grund ist, dass mir vorher leider nicht klar war, dass ich den Auftakt einer Trilogie lese, der schon eine andere Trilogie vorgelagert ist, die "Rabenschatten"-Trilogie. Eigentlich sollte das ja auch nicht weiter schlimm sein, aber mit der Zeit sind mir beim Lesen so viele Dinge aufgefallen, die ich nicht verstanden habe, weil sie dem Vorwissen aus dem anderen Büchern bedürfen. Ryan beschreibt seine Welt und alle Geschehnisse in dieser im gesamten Buch sehr anschaulich und detailliert, aber er greift dennoch auf ein Grundwissen zurück, das ich nicht hatte. Deshalb konnte ich mit vielen Begriffen, Mächten und Personen, deren Namen und Bezeichnungen in die Geschichte eingewebt wurden, einfach nichts anfangen, was ich sehr schade finde. Ich hätte mir etwas mehr Erklärungen zwischendurch gewünscht oder zumindest ein einleitendes Kapitel, in dem die Vorgeschichte zusammengefasst wird.
Der Schreibstil des Buches hat mir gut gefallen, es war spannend geschrieben und lies sich leicht lesen. Zu Vaelin konnte ich keine richtige Verbindung aufbauen, ob das an meinem fehlenden Vorwissen lag, oder an dessen Beschreibung selbst, kann ich leider nicht sagen. Auch viele andere Figuren hatten zwar Namen und bestimmte Eigenschaften, so wirklich viel bedeutet hat mir aber keine etwas davon. Bei so vielen Charakteren bin ich auch schnell etwas durcheinander gekommen und konnte einige nicht ganz so gut auseinander halten.
Zur Handlung muss ich sagen dass ich den Aufbau von Kehlbrandts und Luralyns Geschichte sehr spannend fand, die einleitenden Kapitel für jeden Teil des Buches, in denen Luralyn nach und nach die Vorgeschichte erzählte, waren sehr informativ und spannend (genau das, was ich mir auch als Zusammenfassung der Vorgängertrilogie gewünscht hätte). Kehlbrandts Aufstieg war faszinierend und furchteinflößend beschrieben und in den nachfolgenden Kapiteln, in denen Vaelin die Hauptrolle spielte, wurden die Ausmaße, die diese Herrschaft nun hat, sehr deutlich aufgeführt. Das Ende des ersten Bandes blieb recht offen und macht Lust auf mehr.
Da ich mir gut vorstellen kann, dass das Buch für Kenner von Anthony Ryan sehr spannend ist und ich den Schreibstil und die Handlung interessant fand, gebe ich dem Buch trotzdem vier Sterne, auch wenn es für mich persönlich eher drei waren. Ich würde das Buch nur denjenigen empfehlen, die die "Rabenschatten"-Trilogie gelesen haben!

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