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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2020

Leichte Lektüre über wichtige Fragen

Das Buch eines Sommers
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Nicolas ist verheiratet, Vater eines kleinen Sohnes und Chef eines mittelständischen Familienbetriebs, der an Mitteln zur Verlangsamung des Alterungsprozesses arbeitet. Er investiert viel Zeit und Energie ...

Nicolas ist verheiratet, Vater eines kleinen Sohnes und Chef eines mittelständischen Familienbetriebs, der an Mitteln zur Verlangsamung des Alterungsprozesses arbeitet. Er investiert viel Zeit und Energie in die Firma und hat entsprechend wenig davon für seine Familie. Als sein geliebter Onkel stirbt und das Projekt der Firma - und somit auch die Firma - vor dem Scheitern steht, gerät Nicolas Welt aus den Fugen. Er reist mit seiner Familie in das Haus seines Onkels um die Beisetzung zu organisieren und sieht sich mit Fragen zu seinem Leben, dem Sinn des Lebens und seiner Identität konfrontiert. Mit etwas Widerwillen lässt sich Nicolas auf den Sommer ein, den er ganz anders verbringt als er erwartet hatte.

„Der Sommer meines Lebens“ ist ein Roman, der sich problemlos an einem entspannten Nachmittag durchlesen lässt. Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen und auch inhaltlich zieht der Roman in den Bann. Der Roman stellt dem Protagonisten und indirekt dem Leser oder der Leserin die Frage, was für einen selbst wirklich wichtig ist und welchen Stellenwert bestimmte Neben- oder auch Hauptschauplätze in unserem Leben tatsächlich haben sollten. Ganz neu sind die Antworten, die aus dem Buch gezogen werden können, natürlich nicht. Dennoch werde ich mir „Der Sommer meines Lebens“ sicherlich ins Regal stellen und hoffentlich daran denken, wenn es in meinem Leben angeraten wäre, eine weitere Perspektive zuzulassen. Für den Moment hat mich der Roman auf jeden Fall dazu gebracht, mir selbst einige Fragen zu stellen und darüber nachzudenken, wer ich sein möchte.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Historische Ermittlungsarbeit

Der falsche Preuße
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In München wird ein Toter in einem Federmantel gefunden, der offensichtlich ermordet wurde. Der preußische Reserveoffizier Gryszinski, der seit einigen Monaten als kriminalistischer Ermittler in München ...

In München wird ein Toter in einem Federmantel gefunden, der offensichtlich ermordet wurde. Der preußische Reserveoffizier Gryszinski, der seit einigen Monaten als kriminalistischer Ermittler in München ist, beginnt zu ermitteln. Schon die Identifizierung des Opfers stellt ihn und seine Kollegen vor Herausforderungen. Neben den Ermittlungen ist der Freiherr von Gryszinski noch dabei, sich mit seiner belesenen Frau und dem kleinen Sohn in München einzugewöhnen.

„Der falsche Preuße“ ist ein eher gemächlicher Krimi, der klassische Ermittlerarbeit beschreibt. Die Besonderheit ist, dass der Roman Ende des 19. Jahrhunderts spielt und die Ermittlungsarbeit entsprechend anders verläuft als in Krimis, die in der heutigen Zeit zu verorten sind. Besonders interessant sind die Gedanken des Protagonisten bezüglich des voranschreitenden technischen Fortschritts. Die Kriminalistik steckt noch in den Kinderschuhen, Gryszinski selbst hat von dem Pionier der Kriminalistik beziehungsweise Forensik gelernt. Es wurde auch der Konflikt zwischen Fortschritt und Gewohntem deutlich. Bestimmte Methoden der Ermittlungsarbeit haben mich überrascht, zum Beispiel die Vermessung von Ohren und Fingern bevor es den Abgleich von Fingerabdrücken gab.
Die Charaktere sind mehrdimensional und authentisch beschrieben. Besonders anschaulich sind die Beschreibungen der bayerischen Speisen und auch von den Gepflogenheiten zu jener Zeit in der Region lässt sich ein Eindruck gewinnen. Spannend war für mich auch das Spannungsfeld zwischen Preußen und Bayern und das politische und strategische Handeln und Denken der Protagonisten, das doch immer wieder auch im Alltag eine nicht zu unterschätzende Rolle eingenommen hat.

„Der falsche Preuße“ ist ein eher ruhiger Roman, der bei mir nicht die ganz große Spannung erzeugt, mich aber dennoch durch die Charaktere und historischen Beschreibungen überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 01.10.2023

Gut geschrieben, aber mit Längen

Wellenkinder
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Der Roman Wellenkinder erzählt die Geschichte dreier Protagonist:innen auf unterschiedlichen Zeitebenen. Da ist zum einen Jan, dessen Geschichte in der Gegenwart spielt. Er ist Vater eines Jungen im Kindergartenalter ...

Der Roman Wellenkinder erzählt die Geschichte dreier Protagonist:innen auf unterschiedlichen Zeitebenen. Da ist zum einen Jan, dessen Geschichte in der Gegenwart spielt. Er ist Vater eines Jungen im Kindergartenalter und wird gegen seinen Willen mit seiner Kindheit und Jugend auf Rügen konfrontiert. Außerdem wird Margits Geschichte erzählt, die Ende des zweiten Weltkriegs beginnt, sowie Odas Geschichte, die mit ihrer gescheiterten Flucht über die Ostsee aus der DDR in die BRD ihren Anfang nimmt.

Die drei Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab, die Länge der Kapitel hat mir gut gefallen. Längere Pausen sollten beim Lesen vielleicht besser vermieden werden, da doch relativ viele Charaktere vorkommen und der Überblick verloren gehen könnte. Die Charaktere habe ich als recht vorstellbar empfunden. Die Protagonist:innen waren mit nicht alle sympathisch, wobei ich das auch nicht schlimm finde. Manchmal konnte ich ihre Reaktionen aber einfach nicht nachvollziehen.

Leider hat sich der Roman für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge gezogen, insbesondere die absehbare Zusammenführung der drei Zeitebenen bzw. Geschichten der Protagonist:innen hat sich etwas gezogen. So ganz überraschend war diese dann leider auch nicht mehr für mich.

Gut gelungen ist meiner Meinung nach aber der Transport des Hauptmotivs oder -gefühls dieses Romans: die große Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Auch habe ich die historischen Hintergründe als vorstellbar und gut in die Geschichte eingeflochten empfunden.

Insgesamt ist Wellenkinder für mich ein Roman mit kleinen Schwächen und Längen, der aber durchaus gut zu lesen ist und mich zum Nachdenken angeregt hat.

Veröffentlicht am 16.05.2022

Leichter Sommerroman

Sommerschwestern
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In Berlin bekommt Yella per Post eine Einladung ihrer Mutter zu einem Familientreffen mit ihr und Yellas drei Schwestern. Der Grund für die Einladung? Ein Geheimnis. Nur der Ort ist bekannt. Ihre Mutter ...

In Berlin bekommt Yella per Post eine Einladung ihrer Mutter zu einem Familientreffen mit ihr und Yellas drei Schwestern. Der Grund für die Einladung? Ein Geheimnis. Nur der Ort ist bekannt. Ihre Mutter hat ein Ferienhaus an der niederländischen Nordseeküste gemietet, genau in dem Ort, in den sie früher immer als Familie in den Urlaub gefahren sind. Bis Yellas Vater im Urlaub dort verunglückte. Mit gemischten Gefühlen fährt sie in die Niederlande. Ihre Schwestern sind sehr unterschiedlich und ein wirklich enges Verhältnis haben die vier nicht mehr zueinander. Auch Yellas Verhältnis zu ihrer Mutter ist mehr als ambivalent. Gemeinsam wollen die vier Schwestern das Beste aus der Situation machen und ihr „Sommerschwesternsein“ wieder aufleben lassen. Und nebenbei natürlich noch herausfinden, weshalb ihre Mutter die mysteriöse Einladung ausgesprochen hat.

Der Schreibstil von Monika Peetz lässt sich ausgezeichnet lesen. Ihre Schreibweise hat mich direkt in den Bann gezogen und mich bis Romanende nicht mehr losgelassen. Die Geschichte wird größtenteils aus der Perspektive von Yella und ihrer jüngeren Schwester Amelie erzählt. Doch auch die beiden anderen Schwestern bekommen ausreichend Raum. Monika Peetz gelingt es gut, die Vorbehalte gegenüber den anderen Schwestern, das Loslassen der Vorbehalte und auch das Wiederaufbauen der Vorbehalte realistisch zu beschreiben.

Bei „Sommerschwestern“ handelt es sich um eine Familiengeschichte, die sehr authentisch die Schwierigkeiten, aber auch die Verbundenheit einer Familie schildert. An einigen Stellen hat mir leider die Tiefe gefehlt. Hier hätte ich mir mehr Zeit und Worte gewünscht. So wurde vielleicht die eine oder andere Chance für ein nachhaltigeres „in-Erinnerung-bleiben“ verschenkt.

Insgesamt ist der Roman für alle empfehlenswert, die Lust auf einen gut geschriebenen, leicht lesbaren Familienroman für zwischendurch haben.

Veröffentlicht am 28.03.2021

Zu hohe Erwartungen?

Unter Wasser Nacht
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Nach dem Tod ihres Sohnes Aaron leben Sophie und Thies weiter auf einem Hof im Wendland, im Nebenhaus wohnen Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Die vor Aarons Tod sehr eng befreundeten Paare ...

Nach dem Tod ihres Sohnes Aaron leben Sophie und Thies weiter auf einem Hof im Wendland, im Nebenhaus wohnen Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Die vor Aarons Tod sehr eng befreundeten Paare haben sich seit dem Verunglücken von Aaron voneinander entfernt, genauso wie sich auch Aarons Eltern fremd geworden zu sein scheinen. Als dann die geheimnisvolle Mara auftaucht, die auf fast alle Protagonisten einen ungeheuren Einfluss hat, kommt langsam heraus, was am Fluss mit Aaron wirklich passiert ist.

Mich hat dieser Roman vom Cover und von der Inhaltsbeschreibung her sehr gereizt und so bin ich mit entsprechend hohen Erwartungen gestartet. Die ersten Kapitel haben mich auch überhaupt nicht enttäuscht, die Beschreibungen der Flusslandschaft und des heimeligen Hofs haben mir fast das Gefühl gegeben, vor Ort zu sein. An irgendeinem Punkt hat mich der Sog des Buchbeginns aber verloren. Vermehrt habe ich mich in einigen Kapiteln schwergetan, die handelnden Personen zu verstehen und ihre Handlungen nachzuvollziehen. Während ich die Protagonisten zu Beginn noch als durchweg spannend empfunden habe, hat dies bei einigen leider auch nachgelassen. Vor allem die Charaktere Mara und Thies haben bei mir immer mehr unbeantwortete Fragen aufgeworfen. Auch die häufigen Perspektivwechsel haben mit der Zeit eher den Lesefluss gestört als dass sie wie zu Beginn die Spannung gesteigert hätten.

Irgendwann waren es mir dann auch etwas zu viele Zufälle, die Geschichte um Mara ist mir zu konstruiert und hat mich eher von dem eigentlich sehr spannenden Thema des Umgangs mit dem Tod des Kindes abgelenkt. Die Herangehensweise an die Frage, wie unterschiedlich mit einem großen Unglück umgegangen werden kann, hat mir aber trotz einiger Abstriche gut gefallen. Auch hat mich der Schreibstil genauso wie die Charakterbeschreibungen der meisten Protagonisten sehr überzeugt.

Schlussendlich befürchte ich, dass meine Erwartungen an den Roman zu hoch oder vielleicht einfach falsch waren.