Dass ich das überhaupt gelesen habe
Dass es uns überhaupt gegeben hatBeschrieben als "literarisches Selbstportrait" und "bestechend ehrliches Buch über das Leben", war ich sehr gespannt auf Marco Wandas Buch, obwohl ich die Band kaum kenne. Sehr schnell trat jedoch Ernüchterung ...
Beschrieben als "literarisches Selbstportrait" und "bestechend ehrliches Buch über das Leben", war ich sehr gespannt auf Marco Wandas Buch, obwohl ich die Band kaum kenne. Sehr schnell trat jedoch Ernüchterung ein: Der Schreibstil ist wirr, konfus und literarisch meinem Empfinden nach nicht sonderlich gut gelungen. Ob es hier als "literarisches Selbstportrait" angekündigt wurde, weil Marco Wanda Sprachkunst studiert hat? Während der Lektüre hatte ich leider nicht den Eindruck, dass in der Umsetzung des Buches ein hoher sprachkünstlerischer Anteil steckte. Vielmehr bestand das Buch, gerade im ersten Drittel, aus endlosem Namedropping und der Beschreibung von Drogen-, Alkohol- und Gewaltexzesse. Man kann sicherlich darüber streiten, ob das nun zur damaligen Zeit, zur Branche oder zum Genre der Band passt. Wenn sich der Autor jedoch für ein autobiographisches Werk entscheidet, das im Übrigen mit einem Alkohol- und Drogenentzug endet, entscheidet er auch über die entsprechende Darstellung. Da hätten retrospektiv Einordnungen, Bewertungen oder Reflexion stattfinden können. Was ich vor allem gelesen habe, war ein Determinismus, den Marco Wanda unter und über alles gestellt hat. Mir wurde tatsächlich nicht deutlich, woher er diesen nimmt und weshalb er davon ausgeht, dass mit ihm und der Band inklusive der ganzen Exzesse alles so hat sein müssen und gar nicht anders hätte laufen können. Vielleicht, weil es nicht nur in gutem Rausch, sondern auch in Tragödien endete? Keine Ahnung.
Auf der Handlungsebene passiert auch kaum etwas. Es wurden Gespräche innerhalb der Musikbranche und zwischen Bandmitgliedern oder anderen Künstlern (ich meine, es waren auch ausschließlich Männer, an die sich hier erinnert wurde) beschrieben. Es gab Schilderungen von Auftritten, Albumproduktionen und Reisen - alles gut unterfüttert mit Drogen- und Alkoholkonsum, der auch in jeder sich bietenden Situation beschrieben und thematisiert wurde.
Zum Ende hin wurde das Buch etwas persönlicher, da Marco Wanda Einblicke in Rückschläge und Verlustmomente bietet, eine Bindung oder Nahbarkeit konnte ich jedoch bis zum Schluss nicht nachempfinden.
Unterm Strich war das Buch für mich eine Mischung aus Namedropping, exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum und Gewalt. Außerdem enthält das Buch rassistische Sprache (das N-Wort), was für mich Grund genug ist für eine Ein-Stern-Bewertung.
Ein Buch, das vermutlich maximal Wanda-Fans begeistern kann - aber auch nur, wenn sie sich über die Musik hinaus für das Bandgeschehen und deren Exzesse interessieren.