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Veröffentlicht am 15.09.2016

Daraus hätte man mehr machen können

Eiskalter Atem
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Der Anfang ist wirklich stark. Man wird gleich in eine Welt geworfen, die im Großen und Ganzen wie "unser" viktorianisches London ist, doch gleichzeitig extrem von Magie durchzogen ist. Wir lernen Moira ...

Der Anfang ist wirklich stark. Man wird gleich in eine Welt geworfen, die im Großen und Ganzen wie "unser" viktorianisches London ist, doch gleichzeitig extrem von Magie durchzogen ist. Wir lernen Moira kennen, die bei einer Toten einbricht und dabei von einer Art Seelentier (erinnert sich jemand an den Goldenen Kompass? Ein bisschen so!) begleitet wird. Diese Moira ist ein starker Charakter, die auf den Dächern lebt und ständig auf der Hut vor einer Art Magiepolizei sein muss. Leider ist nach dem Prolog der Handlungsstrang mit Moira zu Ende und man trifft eine ziemlich lange Zeit nicht mehr auf sie, denn man lernt Emma und ihre Cousinen Gretchen und Penelope kennen, die sich als Debütantinnen in der höheren Gesellschaft ziemlich langweilen, denn alles, was Spaß macht, ist natürlich für junge Damen verboten.

Die drei stolpern über eine gewaltige Verschwörung, die sich zum Teil direkt mit Emmas Familiengeschichte deckt und sie müssen versuchen, nicht nur mit ihren erwachenden magischen Fähigkeiten fertig zu werden, sondern auch den gesellschaftlichen Normen entsprechen und die Gefahr abzuwenden, die ganz London betrifft. (Dabei treffen sie übrigens auch wieder auf Moira.)

Eigentlich ist alles vorhanden, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Verbindung aus Viktorianischer Epoche, Magie und eine Art Kriminalfall sollte doch ziehen, zumal auch die Mädels nicht unsympathisch sind. Trotzdem fehlt da was, ein Spannungsbogen, der durchweg gehalten wird, ein roter Faden, der die Geschichte besser verbindet. Es wurde zwischendurch recht verwirrend. Einerseits wurde so getan, als würde Magie etwas Schlechtes sein, andererseits scheint so gut wie jeder magisch begabt zu sein. Auch die Auflösung fand ich etwas unbefriedigend (wobei ich das nicht bewerte, immerhin sollen Gretchen und Penelope ja auch noch ihre Story kriegen). Extrem störend fand ich, dass sich viele Rechtschreibfehler in dem Buch fanden - es muss doch so was wie ein Lektorat geben, oder?

Bin mir noch nicht sicher, ob ich irgendwann die Nachfolger lesen werde, empfehlen kann ich dieses Buch aber Leuten, die mit komplexen Entwürfen was anfangen können und nicht gleich überfordert sind, wenn mehr als drei oder vier Namen in einer Geschichte auftauchen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein typischer Zwischenband

Das unendliche Meer
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Cassie, ihrem kleinem Bruder und wenigen anderen ist die Flucht aus dem Ausbildungslager der Anderen gelungen. Frei sind sie deshalb noch lange nicht, denn den perfiden Aufspürmethoden der Außerirdischen ...

Cassie, ihrem kleinem Bruder und wenigen anderen ist die Flucht aus dem Ausbildungslager der Anderen gelungen. Frei sind sie deshalb noch lange nicht, denn den perfiden Aufspürmethoden der Außerirdischen sind sie kaum gewachsen. Zumal sich diese wirklich an keine Genfer Konventionen halten. Da werden aus Kindern Zeitbomben gebastelt, Menschen, die anderen Menschen helfen wollen, sterben eben obgleich ihrer Menschlichkeit. Cassie und die anderen verschanzen sich in einem alten Hotel, und während sie noch immer hofft, dass "ihr" Außerirdischer überlebt hat und zu ihr zurückkehrt, kämpfen Ben, Ringer und die anderen nicht nur mit den Traumata, die sie versuchen müssen zu verarbeiten, sondern auch ums blanke Überleben. Und Cassies kleiner Bruder macht sie für den Tod ihres Vaters verantwortlich.

Das wird, wie man es von Yancey gewohnt ist, auch sehr eindringlich und emotional beschrieben, und doch fehlt was, finde ich. So erschütternd das alles war, es gab kein Vorankommen der Geschichte. Die Ereignisse wurden immer nur aus neuen Blickwinkeln beschrieben, und auch wenn ich sowohl Ben als auch Ringer und die anderen Kids mag und sympathisch finde, auch mitlitt, wenn einem von ihnen was passierte, so entfernte man sich doch von der eigentlichen Geschichte und der großen Frage: Wie geht es weiter? Wie soll - wie kann man überhaupt - die Anderen bekämpfen? So endete das Ganze für mich eher deprimierend/resignierend und ich frage mich wirklich, wie Yancey das in einem letzten Band auflösen will. Selbstverständlich werde ich diesen trotzdem lesen und hoffe, dass er zur alten Brillanz zurückkehrt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Die Magie der Namen
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Meine Überschrift kann sich auf mehrere Dinge beziehen: Darauf, dass Tirasan anfangs nichts mit seinen Begleitern anfangen kann oder auch auf die Tatsache, dass ich persönlich mit ihm - der Hauptperson ...

Meine Überschrift kann sich auf mehrere Dinge beziehen: Darauf, dass Tirasan anfangs nichts mit seinen Begleitern anfangen kann oder auch auf die Tatsache, dass ich persönlich mit ihm - der Hauptperson - nicht warm werden konnte.

Wir lernen Tirasan zuerst als Nummer kennen. In diesem Weltenentwurf wachsen alle Kinder in staatlichen Einrichtungen auf und werden vor ihrem 16. Geburtstag nur mit Nummern benannt. Erst bei der Namenszeremonie (eine Art magische Firmung) werden ihnen von besonders Begabten ihre Namen genannt und ab diesem Moment verwandeln sich die Kids in ... ja, so eine Art Wiedergeburt von jemandem, der bereits existiert hat. Es kann also passieren, dass von einem Moment zum nächsten aus einem Teenager ein gewaltiger Krieger von Anfang 20 wird.

Tirasan bekommt also seinen Namen - und keiner weiß, wer sein Namensgeber überhaupt war. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise kennt man alle Clans und Dynastien. Doch er muss ohnehin nach Himmelstor, der Hauptstadt, reisen, um sich registrieren zu lassen, dort im Archiv hofft er alles über sich zu erfahren. Auf der Reise dorthin kommt er unverhofft zu Gefährten, die er sich nicht ausgesucht hat und er stolpert über eine Verschwörung, die direkt ihn zu betreffen scheint.

Mir gefällt die Idee sehr gut, obwohl ich mir manchmal eine genauere Erklärung gewünscht hätte. Wenn aus Kindern plötzlich "mittelalterliche" Erwachsene werden, wurden ihnen dann auch Jahrzehnte Lebenszeit weggenommen? Solche Sachen etwa. Auch der Schreibstil ist angenehm zu lesen, allgemein macht es Spaß, in diese Welt einzutauchen. Nur konnte ich so gar nichts mit Tirasan selbst anfangen. Ich finde es ja gut, wenn ein Protagonist nicht von heute auf morgen alles kann und vermag, aber noch weniger mag ich Protagonisten, die gar nichts können, nur in Selbstmitleid baden, andere, die ihnen helfen wollen, ständig vor den Kopf stoßen und sich allgemein aufführen, als wäre die ganze Welt gegen sie. Es gab Momente, da habe ich Tirasan nur verabscheut, zumal er sich bis zum Schluss nicht sonderlich weiterentwickelt hat, trotz mehrmals einsetzender Magie.

Dann der wohl von allen kritisierte Schluss. Das war einfach dieses Buchs nicht würdig. Als hätte die Autorin plötzlich nicht mehr gewusst, wie sie sich aus der von ihr erstellten Falle lösen sollte. Schade auch, dass einer der Protagonisten, der homosexuell war, plötzlich umgedreht wurde. Was sollte das denn? Endlich mal ein Buch, das es wagt, einen homosexuellen Helden aufzufahren, nur um dann zum Schluss einen Rückzieher und alles "straight" zu machen? Nein, das fand ich billig.

Es hätte ein wirklich außergewöhnliches Buch werden können, wenn einige Sachen besser durchdacht und konsequent Mut bewiesen wäre.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Welt am Ende

Sturmland - Die Kämpferin
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Auch Teil 2 von Sturmland konnte nicht mit mehr Sympathien punkten. Mittlerweile ist die knapp siebzehnjährige Elin Mutter einer Tochter geworden, als eines Nachts überraschend ihre Tante Karin auf ihrem ...

Auch Teil 2 von Sturmland konnte nicht mit mehr Sympathien punkten. Mittlerweile ist die knapp siebzehnjährige Elin Mutter einer Tochter geworden, als eines Nachts überraschend ihre Tante Karin auf ihrem Gehöft auftaucht. Karin ist eine von der autoritären Regierung gesuchte Flüchtige, eine Rebellin, der Auftauchen Elins ganze Familie in Gefahr bringt. Und richtig, nur kurze Zeit später erscheinen Leute von der Regierung, die Elin samt Tochter verschleppen und verhören. Elin tut alles, um zu fliehen und ihre Tochter zu retten, doch der Weg nach Hause ist weit, und die Rebellen kämpfen mittlerweile erbittert mit den Regierungstreuen um die Vorherrschaft.

Wieder hätte es eine spannende Geschichte werden können, doch Wahl schafft es einfach nicht, Fingerknabber-Momente zu ersinnen. Oh, ich bin gefangen, oh, ich kann fliehen, oh, da hilft mir jemand, oh, huch, da stirbt schon wieder jemand. Die Kämpfe zwischen den verfeindeten Parteien wurden so simpel abgehandelt, dass man sich fragen musste, wie es die Regierung jemals schaffen konnte, überhaupt an die Macht zu kommen. Die waren allgemein so unfähig und von Verrat durchdrungen, dass zu keiner Zeit wirklich Angst aufkommen konnte, dass noch mehr den Bach runtergeht, als es ohnehin schon der Fall war. Wieder werden Tode so en passant abgehandelt, dass weder Schock noch Bedauern aufkommen kann und lediglich der Schluss mit dem cleveren Bruder von Elin und seinen Erkenntnissen rettet das Buch auf gewisse Weise vor völliger Belanglosigkeit.

Ich weiß nicht, ob es der Abschluss einer Dilogie war oder ob es noch weitere Bände geben wird, nur, dass ich wohl kaum den Atem anhalten werde, um mehr oder andere Bücher von Mats Wahl zu lesen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Am Ende der Welt

Sturmland - Die Reiter
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Der Klappentext verspricht uns eine düstere Dystopie. Immerhin ist die Natur am Ende, Stürme und Wildschweinhorden bedrohen die wenigen Außenposten in der schwedischen Wildnis und eine Regierung macht ...

Der Klappentext verspricht uns eine düstere Dystopie. Immerhin ist die Natur am Ende, Stürme und Wildschweinhorden bedrohen die wenigen Außenposten in der schwedischen Wildnis und eine Regierung macht einen auf Big Brother und überwacht alles und jeden. In dieser nahen Zukunft lebt Elin mit ihrer Familie recht isoliert von allem, was man Stadt oder Siedlung nennen kann. Mit Überwachungskameras beobachten sie die Grenzen ihres Landes, mit Pferden überwinden sie Entfernungen. Einerseits sind sie ziemlich hochtechnisiert, andererseits irgendwo in der Mitte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben. Als eines Tages Elin und ihr Bruder auf dem Rückweg von einem Handelsposten überfallen und ihr Bruder gekidnapt wird, muss sie sich auf den Weg machen, ihn zu finden und die Verhandlungen zu seiner Freilassung führen. Wenn man erst sechszehn und auf sich allein gestellt ist, scheint das in so einer lebensfeindlichen Situation eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Wie man an der Punktebewertung erkennen kann, hatte ich wohl mehr erwartet. Eine ausgearbeitetere Ausgangssituation, durchdachtere Geschehnisse. Ja, das Leben ist wohl nicht einfach. Aber ich hatte es mir noch bedeutend mühseliger vorgestellt, auch die ganze Sache um ihren Bruder. Das hätte alles viel, viel eindringlicher, erschütternder erzählt werden können. Stattdessen beschränkt sich Wahl darauf, seine Handlungen wie Stichpunkte abzuarbeiten, ohne näher auf irgendetwas einzugehen. Wie sich die Sache mit ihrem Bruder löst, zum Beispiel, war geradezu lächerlich in ihrer Einfachheit. Oder wie der Autor Leute killt. Sie drehte sich um, ups, da lag derjenige, der ihr helfen wollte. Oh, schade. Na, passiert halt.

Was soll ich sagen? Natürlich weiß ich, dass es ein Mehrteiler ist und man nicht alles in dem ersten Band unterbringen kann. Trotzdem wäre ein Hintergrund, der den Leser besser einführt, angebracht gewesen. Ob sich Band 2 in meinen Augen steigern konnte? Seht selbst.