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Veröffentlicht am 15.09.2016

Dieses Kind nervt einfach nur

Flavia de Luce 1 - Mord im Gurkenbeet
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Flavia de Luce ist elf und liebt Chemie. Ich sag's gleich noch mal: Sie liebt Chemie. Vielleicht werde ich es im Verlauf der Rezension noch so drei bis sechs Mal wiederholen. Warum? Weil es im Buch auch ...

Flavia de Luce ist elf und liebt Chemie. Ich sag's gleich noch mal: Sie liebt Chemie. Vielleicht werde ich es im Verlauf der Rezension noch so drei bis sechs Mal wiederholen. Warum? Weil es im Buch auch dauernd erwähnt wird. Leider ist das nicht das Einzige, das sich dauernd wiederholt.
Flavia findet eines Morgens eine Leiche in spe in ihrem Beet. Die zukünftige Leiche schafft es noch, ihr etwas zuzuhauchen, bevor sie ihr Leben aushaucht und eine gescheite Leiche wird. Was das Gehauchte war, weiß Flavia nicht, aber sie entscheidet sich, es herauszufinden, denn 1.) wird ihr Vater des Mordes verdächtigt und von der Polizei mitgenommen und 2.) sind eh alle viel zu dumm, diesen Fall zu lösen.

Außerdem liebt sie Chemie. Was das mit der Sache zu tun hat? Na, nichts, ich wollte es aber auch nicht unerwähnt lassen.

Jedenfalls macht sie sich auf die Suche nach dem richtigen Täter. Dabei muss sie sich leider ständig mit Leuten herumärgern, die im Gegensatz zu ihr völlig verblödet sind. (Also eigentlich alle.) Flavias Gedankenwelt könnte eigentlich wirklich witzig sein, ist es aber nicht. Denn statt Sarkasmus bekommen wir nur arrogantes Geschwafel und statt witziger Szenen (und Konstellationen dafür gäbe es zuhauf) höchstens mal ein müdes Lächeln.

Aber Flavia liebt immerhin Chemie. (Das wisst ihr jetzt aber, denke ich.)

Man merkt es an meiner alles andere als begeisterte Rezension: Flavia war mir unsympathisch. Dabei mag ich eigentlich kindliche Ermittler, selbst oder ganz besonders solche, die hochintelligent sind. Ich kann es nur nicht leiden, wenn sich jemand selbst als hochintelligent beschreibt, dann aber den Beweis dafür nicht erbringt, und so wie sich Flavia zum Schluss in Gefahr brachte, hätte das nicht einmal ein zweijähriges Kleinkind gemacht.

Schade. Schöne Ausgangsbasis, nicht viel draus gemacht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Mehr Milieustudie als Krimi

Vergessen
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Seltsame Fälle bekommt die Kommissarin Irlenbusch vorgesetzt: Einen Zahnarzt, der scheinbar völlig durchdreht, einen Patienten quält (grausige Vorstellung!), und dann aus dem Fenster springt, ein verschwundenes ...

Seltsame Fälle bekommt die Kommissarin Irlenbusch vorgesetzt: Einen Zahnarzt, der scheinbar völlig durchdreht, einen Patienten quält (grausige Vorstellung!), und dann aus dem Fenster springt, ein verschwundenes Mädchen und zu allem Überfluss hat ihre beste Freundin und Kollegin einen schweren Unfall, was bedeutet, sie bekommt einen Kollegen vor die Nase gesetzt, der alles andere als zugänglich ist. Die Ermittlungen in diesen Fällen gehen schleppend voran und dann hat die Kommissarin ja noch eine Großmutter zu Hause sitzen, deren Alzheimer sich scheinbar von Tag zu Tag verschlimmert.

So außergewöhnlich dieses Mal die Kommissarin mit ihrer kranken Großmutter ist, so langatmig wird es aber auch. Irgendwann ist auch mal dem mitfühlendstem Leser (was ich sicherlich nicht bin) klar, dass es hart ist, die geliebte Großmutter an diese schreckliche Krankheit zu verlieren, aber das bedeutet nicht, dass man die ganze Zeit darüber lesen möchte. So ein Krimi soll ja auch ein bisschen spannend sein, doch Spannung wollte selten aufkommen. (Fast nur, wenn aus Sicht des kindlichen Opfers erzählt wurde.) Auch das "gespannte" Verhältnis zwischen den beiden Ermittlern sorgte nicht für mehr Spannung. Ich fand keinen Zugang zu ihnen, und nachvollziehen konnte ich nur Weniges von dem, was Verena Irlenbusch da trieb.

Auch dieser Krimi soll wohl der Auftakt einer Reihe sein, doch ich werde keine Fälle dieser Kriminalisten mehr lesen. Zu sehr wurde das Privatleben strapaziert, zu wenige Twists und Wendungen gab es.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wie ein Fiebertraum

Skargat 1
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Ich weiß, dass es der Klappentext war, der mich anzog, nicht mal so sehr das Cover, obwohl das auch ziemlich cool ist. Es dauerte dann zwar doch einige Zeit, ehe ich das Buch endlich las, aber im Nachhinein ...

Ich weiß, dass es der Klappentext war, der mich anzog, nicht mal so sehr das Cover, obwohl das auch ziemlich cool ist. Es dauerte dann zwar doch einige Zeit, ehe ich das Buch endlich las, aber im Nachhinein muss ich für mich konstatieren, dass das kein Verlust war.

Die Hauptperson der Geschichte ist Mykar, ein seltsamer Außenseiter in einem Dorf, den selbst sein eigener Vater nicht leiden kann. Lediglich Cay, ein Bursche, den jeder liebt und der auch noch der Sohn des Priesters ist, schön, angesehen, klug, hält zu ihm. Doch dann wird Cays Verlobte ermordet, und klar, Mykar ist der perfekte Sündenbock. Die Bauern erschlagen und verscharren ihn. Ab da wird es dann nur noch seltsam. Nicht nur, dass Mykar nach ein paar Jahren wieder zum Leben erwacht, er trifft auf Leute, mit denen ich so gar nichts anfangen konnte. Da ist zum einen Scara, eine wirklich völlig durchgedrehte Magd, deren ständige Monologe möglicherweise die düstere Geschichte auflockern sollten, aber die für mich sogar noch anstrengender war als die Sichtweisen von Mykar und Justinius, eines verarmten, verfetteten Adligen, bei dem Scara arbeitet. (Falls man das arbeiten nennen kann.)

Eigentlich geht es in der Geschichte darum, den Freund, Cay, zu retten, der jetzt selbst des Mordes angeklagt ist, aber durch die extrem seltsamen und langatmigen Stellen, in denen Mykar nur mit Scara und Justinius zu tun hat, erscheint das Ganze wie ein Fiebertraum, den ich mal hatte, als ich mit einer schweren Grippe unter ebenso schweren Drogen stand.

Obwohl ich auf originelle Fantasy stehe, und zumindest das Setting war wirklich originell, konnte ich mit diesem Buch nicht warm werden und werde auch keine Fortsetzungen lesen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Dystopie? Teenieschnulze? Man weiß es einfach nicht.

Infernale (Band 1)
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Trotz des ausdruckslosen, billigen Covers konnte ich die Finger nicht von diesem Buch lassen, denn die Idee klang fesselnd: In einer nahen Zukunft hat man erkannt, dass alle Mörder und Gewalttäter dasselbe ...

Trotz des ausdruckslosen, billigen Covers konnte ich die Finger nicht von diesem Buch lassen, denn die Idee klang fesselnd: In einer nahen Zukunft hat man erkannt, dass alle Mörder und Gewalttäter dasselbe Gen in sich tragen, das HTS-Gen, dem kurze Zeit später einfach der Name Mördergen verpasst wird. Deshalb werden nach und nach bei der gesamten Bevölkerung Gentests durchgeführt, um die potenziellen Mörder zu isolieren.

Und plötzlich ist Davy, die Ich-Erzählerin, eine von DENEN. Die mit dem Mördergen. Sie, die eine typische Schulzicke ist, eine, die weiß, dass sie etwas Besonderes ist, begnadet, talentiert. Sie kann auch einfach mal so irgendwelche Musikinstrumente lernen, im Alter von drei Jahren schon. Hat auch ein Goldkehlchen, das die Menschheit dahinschmelzen lässt. Hilft ihr aber alles nichts: Ihre Eliteschule nicht, ihre superreichen Eliteeltern, ihr Elitefreund. Denn sie wurde positiv auf HTS getestet, was bedeutet, sie muss jetzt runter von ihrer Eliteschule und in eine Art geschlossene Schulklasse, in der nur Genträger lernen dürfen. Wobei Lernen eher ein positiver Ausdruck dafür ist, dass ein paar Psychos zusammen in einer Klasse sitzen und sich diversen Stoff einprägen müssen. (Oder auch nicht, denn gelernt hat in der ganzen Zeit kein Mensch was.)

Plötzlich ist Davy so isoliert wie ihre Schulklasse, und keiner hat sie mehr lieb. Nicht ihre beste Freundin, nicht ihre Eltern, ihr Freund auch nicht. Nur noch ihr Bruder hält zu ihr, aber helfen kann der ihr auch nicht. Und da Genträger sich absolut nichts zuschulden lassen kommen dürfen, wird sie sehr schnell mit einem Tattoo als gewalttätig markiert und nach einem Vorfall mit anderen Genträgern in eine Art KZ gesteckt.

Wenn ich das so zusammenfasse, klingt es immer noch gut. Leider ist die Umsetzung alles andere als das. Das Problem ist Davy selbst. Das Mädel, so um die 17 herum und angeblich überdurchschnittlich intelligent und begabt, stellt sich die meiste Zeit an wie der erste Mensch. Außerdem denkt sie wie ein vorpubertärer Bengel. Sie kann sich in keiner Minute mal auf wirklich wichtige, teilweise lebensbedrohliche Sachen konzentrieren, weil sie in einer Tour zuerst nur an ihren heißen Freund und später an ihren noch heißeren Mitschüler denken kann. Alle zwei Minuten erzählt zu bekommen, wie sexy der eine oder wie muskulös der andere ist, ganz zu schweigen von diversen Augenfarben, die keinen Menschen interessieren, kann echt anstrengend werden.

Irgendwo steht, dass die Autorin Englisch unterrichtet hat. Das hat mich erschüttert, denn ihr Schreibstil ist gut - zumindest, wenn man Achtklässler ist. Für eine Bestsellerautorin ist er eher unterirdisch. Und ich verlange keine ausgefeilte Sprache, denn ich habe zum Beispiel die Hunger Games wirklich gern gelesen. Aber was hier als Dystopie angeboten wird, hat leider nur einmal neben einer Dystopie gelegen. Vielleicht wäre Teeniedrama der bessere Ausdruck für dieses Buch. Teil 2 und 3 werde ich mir wohl sparen oder nur lesen, wenn es mich mit genau diesen beiden Büchern auf eine einsame Insel verschlägt und kein Freitag auftaucht, der mir das Leben ein wenig kurzweiliger gestaltet.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Auf Mons

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Ein junges Ehepaar - Ines und Marco Winkler - haben sich in der Siedlung "Auf Mons" ihr erstes eigenes Haus gekauft und ziehen dort mit ihrer vierjährigen Tochter Emilia und Hund James ein. Die Freude ...

Ein junges Ehepaar - Ines und Marco Winkler - haben sich in der Siedlung "Auf Mons" ihr erstes eigenes Haus gekauft und ziehen dort mit ihrer vierjährigen Tochter Emilia und Hund James ein. Die Freude währt nur kurz. Schon in der ersten Nacht wacht Ines auf, weil sie glaubt, jemand in ihrem Schlafzimmer zu sehen und auch in dem noch unbewohnten Haus nebenan glaubt sie, jemanden rumgeistern zu sehen. Und dann findet man ausgerechnet dort die Leiche einer Frau. Als ob dieser eine Mord nicht genug wäre, passieren gleich in drei hintereinander folgenden Nächten weitere Morde. Auch Ines ist unter den Opfern und Emilia verschwindet spurlos ...

Die Prämisse klingt eigentlich vielversprechend, aber was Strobel daraus macht, ist eine absolute Katastrophe. Ich weiß gar nicht, wo ich hier anfangen soll. Dass sich niemand in der Familie um das seltsame Verhalten des Hundes schert? Dass in dem eh recht kurzen Buch unfassbar viel Zeit verschwendet wird, immer und immer wieder dasselbe durchzukauen? Dass keine der auftretenden Charaktere irgendeine Art von ... Charakter hat? Dass die Polizei offensichtlich mordsunfähig ist und keine Hintergründe zu gar nichts recherchiert? Dass die Lösung und der Täter einfach mal so völlig unlogisch aus dem Hut gezaubert wird? Es gibt genau zwei positive Dinge, die ich hier erwähnen möchte: Erstens, der Sprecher. Der hat einen guten Job erledigt. Und zweitens: Die Idee, die Straßen der Siedlung nach Charakteren aus anderen Büchern des Autors zu benennen. Dass beides nicht mal das Verdienst des Autors sind, macht die Geschichte auch nicht besser. 1.5/5 Punkten.