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Veröffentlicht am 04.05.2021

Qualitativer Dämpfer

Eisige Wellen
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Die Einführung in die Welt der Grisha ist mit „Goldene Flammen“ wirklich gut gelungen und dennoch müssen sich gerade Trilogien oft den Vorwurf machen, dass der zweite Band, in diesem Falle „Eisige Wellen“, ...

Die Einführung in die Welt der Grisha ist mit „Goldene Flammen“ wirklich gut gelungen und dennoch müssen sich gerade Trilogien oft den Vorwurf machen, dass der zweite Band, in diesem Falle „Eisige Wellen“, oft ein sogenannter Zwischenband ist, in dem die Handlung eher dahin plätschert. Ist dieses Urteil auch über den zweiten Band von Leigh Bardugo zu fällen?

Die Antwort ist relativ schnell mit ‚Ja‘ zu geben, denn „Eisige Wellen“ bietet nur zu Beginn und zum Schluss einen wirklichen erzählerischen Höhepunkt, wo sich Sonnenkriegerin Alina wenig überraschend einem Kampf mit dem Dunklen stellen muss. Hier sind jeweils neue Entwicklungen zu begrüßen sowie auch wichtiger Veränderungen, die bei Alina erfolgen und den weiteren Fortgang enorm beeinflussen werden. Alles dazwischen aber ist wohl tatsächlich eher Aufbau für das, was da noch kommen wird. Aber die inhaltlichen Schwächen werden auch noch durch anstrengende zwischenmenschliche Entwicklungen ergänzt. Das in Kombination hat einen wirklich zähen Lesefluss ergeben.

Absoluter Lichtblick ist in dieser schwierigen Ausgangslage sicherlich Prinz Nikolai oder auch Sturmhond genannt, der im ersten Band keinerlei Rolle gespielt hat, aber mit seiner frechen und vor allem respektlosen Art und Weise gegenüber dem Dunklen und anderen direkt Eindruck hinterlässt. Ich bin durch sein Auftauchen wirklich überrascht worden, zumal er als möglicher Herrscher für Ravka auch eine Alternative für die Zukunft des Landes darstellt, die nicht zu unterschätzen ist. Mit ihm sind auch neu das Geschwisterpaar Tamar und Tolya, die als gebürtige Shu, die sich dem klassischen Dasein von Grisha entzogen haben, ebenfalls für eine neue Komponente stehen. Im Gegensatz zu Nikolai bleiben sie aber doch deutlich blasser und dennoch würde ich sie als sinnvolle Ergänzung des Personenkreises in diesem Band bezeichnen.

Kommen wir aber noch einmal zu den angesprochenen Schwächen. Der zwischendurch fehlende fesselnde Inhalt wird auch dadurch in seiner Präsenz befördert, weil das zwischenmenschliche Drama sehr nervig daherkommt. Im ersten Band gab es schon viel Eifersucht, aber hier wird dem Ganzen wirklich noch einmal die Krone aufgesetzt. Mal und Zoya, Mal und Alina, Alina und Nikolai, ständig werden dort unnötige Steine in den Weg gelegt, was eindeutig an den Nerven zehrt. Verbunden damit ist auch der Faktor, dass Alina in diesem Band eine fragwürdige Entwicklung durchläuft. Ich brauche wahrlich keine Sauberfrau als Protagonistin, aber ihre Reise gen Machtgier erfolgt viel zu schnell und kaum ohne nachvollziehbare Begründung. Hier setzen sich also die Schwächen des ersten Bandes fort, denn das innere Gefühlsebene verharrt erneut an der Oberflächlichkeit. Und das, obwohl wir bei Alina sogar die Ich-Perspektive erleben. Bei dieser Ausgangskonstellation ist es dann wohl verständlich, dass das ständige Eifersuchtsdrama nur noch ein zusätzliches Übel ist, durch das man irgendwie durch mit.

Gerade vor dem Hintergrund, dass ich inzwischen auch die Krähen-Dilogie gelesen habe, wird hier deutlich, dass die Grisha-Trilogie eine ganz andere hätte sein können, wenn auch hier mehrere Perspektiven eingebunden worden wären. Die Welt der Grisha ist definitiv komplex genug und vielleicht muss man sogar sagen, so komplex, dass sie schlichtweg mehrere Sichtweisen bräuchte, um sie noch viel spannender für die Leser*innen zu übertragen. Nach diesem doch eher enttäuschenden Band bleibt nur zu hoffen, dass das Finale sich wieder lohnt.

Fazit: „Eisige Wellen“ bietet Ausrufezeichen zu Beginn und zum Schluss, doch dazwischen ist überraschend viel Leere. Zwar werden neue und interessante Figuren eingeführt, aber das kann auch nicht über ein Geplätscher des Geschehens hinwegtäuschen, das leider zu sehr von Eifersuchtsdrama durchzogen ist. Zudem ist Alinas Entwicklung fraglich. Hier wird es schwer, das Ruder noch einmal rumzureißen.

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Veröffentlicht am 28.03.2021

Reihentiefpunkt

The Brooklyn Years - Wer wenn nicht wir
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Nun sind wir mit „The Brooklyn Years – Wer wenn nicht wir“ schon beim dritten Band der Reihe und obwohl ich mich gefreut habe, dass wir es mit dieser Reihe wieder mit erwachseneren Figuren zu tun haben, ...

Nun sind wir mit „The Brooklyn Years – Wer wenn nicht wir“ schon beim dritten Band der Reihe und obwohl ich mich gefreut habe, dass wir es mit dieser Reihe wieder mit erwachseneren Figuren zu tun haben, weil Sarina Bowen mit diesen intensivere Geschichten erschaffen kann, ist die Euphorie leider noch nicht ausgebrochen. Und leider auch nicht mit diesem neuen Band, der sich um Lauren und Beacon dreht. Hier erfahrt ihr, warum.

Obwohl ich im Vorfeld gedacht hätte, dass Beacon leichtes Spiel bei mir haben wird, weil er eben schon die ganze Zeit über ein sehr sympathischer Mann war, habe ich mich dennoch den gesamte Roman über mehr mit Lauren verbunden gefühlt. Das passiert mir tatsächlich sehr selten, weil Frauenfiguren leider oft Charakterzüge erhalten, die sie nicht wirklich zu Traumprinzessinnen machen. Jetzt will ich auch gar keine perfekten Figuren und das ist Lauren auch gar nicht. Im Gegenteil ist sie sogar ein wenig das Biest, aber man darf schnell hinter ihre Fassade blicken und die hat mich vom ersten Moment an gefangen genommen. Zuvor wusste man als LeserIn gar nicht, was zwischen ihr und Beacon vorgefallen ist, aber nach der Offenbarung der Wahrheit kann man nur mit ihr fühlen. Und dadurch erwacht Verständnis und nicht nur Verständnis, sondern auch ein offenes Ohr für ihre wahren Charakterzüge und da zeigt sich schnell Mut, Loyalität und Beharrlichkeit. Sie kann man nur als starke Frau bewundern.

ABER genau das sorgt auch dafür, dass Beacon leider überhaupt nicht mehr gut wegkommt. Er wirkt zwar zu keinem Zeitpunkt richtig unsympathisch, aber er wirkt eben auch nicht mehr großartig. Man erlebt ihn als liebevollen Vater, man erlebt ihn als Kämpfer für seine schwule Manny, man erlebt ihn als loyalen Mannschaftskameraden, aber gleichzeitig ist das alles nur auf Sparflamme, weil ihm vieles auch zuzufliegen scheint. Zudem liegt schnell auf der Hand, welche Fehler er begangen hat, doch richtig Buße muss er dafür nicht tun. Er hätte es verdient gehabt, durch ein dunkles Tal zu gehen, um sich richtig beweisen zu können. Stattdessen wird seine stellenweise übertrieben dargestellte Arroganz auch noch dadurch befeuert, dass er alles bekommt, was er will.

Nach diesem harten Abschnitt dürfte man es sich wohl schon denken, aber die Problematik bei Beacon hat dafür gesorgt, dass ich die Liebesgeschichte leider auch problematisch fand. Natürlich war klar, dass Lauren ihm irgendwann verzeihen würde, aber nach ein paar entschuldigenden Worten sind die beiden regelrecht in eine Beziehung gerutscht, ohne aber wirklich zu reflektieren, was einst vorgefallen ist. Richtig absurd wurde es dann bei der Kinderthematik. Selbst wenn Lauren unbedingt ein Kind wollte, so war die daraus entstehende Entwicklung mit Beacon zu keinem Zeitpunkt romantisch, sondern eher abstoßend. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich ein Paar für ein Kind entschieden hat, das einen gemeinsamen Lebensplan hat. Man weiß, dass genug Kinder als Unfälle gezeugt werden oder eben um etwas zu kompensieren, aber das hier thematisch aufzufangen finde ich befremdlich.

Abgesehen von diesem Kritikpunkt, der mir das Buch bis zu einem gewissen Grad doch regelrecht verhagelt hat, ist die Darstellung der Eishockeysaison wieder sehr spannend gestaltet worden. Man hat wirklich das Gefühl, dabei zu sein, sei es aus Laurens Zuschauersicht oder aus Beacons Sicht als Teil der Mannschaft. Weiterhin funktionieren die Beziehungen zwischen Hauptfiguren und Nebenfiguren. Da Lauren bis dato unterkühlt dargestellt wurde, war sie ein wenig außen vor und mir hat es gefallen, wie sie nach und nach bei Georgia und Co integriert wurde. Auch die vielen Andeutungen zu Nate und Becca waren vielversprechend, denn ihre Geschichte kommt ja noch. Da würde ich mir wirklich wünschen, dass es noch ein richtiges Highlight wird, denn Band 3 ist es definitiv nicht.

Fazit: Der dritte Band der „The Brooklyn Years“ ist leider der bisherige qualitative Tiefpunkt. Die Reihe hat mich insgesamt noch nicht zu Begeisterungsstürmen animiert, aber wenigstens wurden solide Liebesgeschichten erzählt. Hier stimmt das Korsett, aber der Kern nicht, weil Beacon mich als Figur kaum überzeugen konnte und auch die Darstellung des Kinderwunsches fand ich – vorsichtig ausgedrückt – problematisch. Hier wird mir der Inhalt wohl kaum lange im Gedächtnis bleiben…

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Veröffentlicht am 26.01.2021

Bin zu sehr über den Hype hinaus

Biss zur Mitternachtssonne (Bella und Edward 5)
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Auf der einen Seite wirkt es weit weg, auf der anderen ist es, als wäre es erst gestern gewesen, als gefühlt alle im totalen „Biss“-Fieber waren. Auch ich habe die Bücher von Stephanie Meyer wirklich gerne ...

Auf der einen Seite wirkt es weit weg, auf der anderen ist es, als wäre es erst gestern gewesen, als gefühlt alle im totalen „Biss“-Fieber waren. Auch ich habe die Bücher von Stephanie Meyer wirklich gerne gelesen, doch schon bei der Filmumsetzung kamen erste Zweifel auf, vermutlich auch, weil ich schlichtweg immer erwachsener wurde und generell reflexiver was einige Inhalte in dem Buch angeht. Nun nach ewigen Zeiten ist also „Biss zur Mitternachtssonne“ erschienen, das ich zum damaligen Hype ohne Frage sofort gelesen hätte, weil Edward ohne Frage eine interessante Persönlichkeit war, aber heute musste ich doch regelrecht gezwungen werden, dieses Buch zu lesen. Hat sich „Biss zur Mitternachtssonne“ also für mich gelohnt?

Dazu ein klares 'Jein'! Ohne Frage bietet die Perspektive von Edward unheimlich viele neue Infos an, gerade zu den Cullens und ihren einzelnen Entstehungsgeschichten, aber natürlich auch zu den kleinen Familienmomenten zwischendurch, denen wir durch Bellas Perspektive nicht beiwohnen konnten. Für mich haben sich viele Puzzleteile zusammengesetzt, weswegen es umso bedauerlicher ist, dass dieses Buch nicht damals schon erschienen ist, wo es so viel mehr Sinn ergeben hätte. So sind die zusätzlichen Infos nett, aber eben auch nicht mehr, weil diese Welt für mich schon so lange abgeschlossen ist. Zudem wurden eben auch einige fragwürdige Entwicklungen in der Reihe noch einmal aufgegriffen, was mich noch einmal hat fragen lassen, was ich damals so extrem gefeiert habe?

Das klare 'Nein' meiner Antwort liegt nun darin begründet, dass „Biss zu Mitternachtssonne“ viele Seiten hat und ganz klar zu viele. Alleine die endlosen Passagen, in denen Edward über seine Entscheidungen in Bezug auf Bella nachgrübelt waren extrem langweilig, denn er macht sich diese Gedanken ständig, nicht nur einmal, sondern immer wieder und immer müssen sie in allen Einzelheiten dargelegt werden. Was habe ich also gemacht? Ich habe die Seiten schlichtweg überschlagen, was definitiv kein Kompliment ist. Dadurch war natürlich die Gefahr da, dass ich interessante Passagen überschlage, aber damit musste ich leben, sonst hätte ich vermutlich vorher schon enerviert aufgehört.

Fazit: „Biss zur Mitternachtssonne“ hätte für mich definitiv erscheinen müssen, als ich noch Teil des Hypes war. So habe ich mich zwar über einige sehr interessante Stellen gefreut, die unerwartete Antworten geliefert haben, aber die Welt fasziniert mich eben nicht mehr genug, als dass ich über die Längen und fragwürdigen Entwicklungen hinweg sehen könnte. Sollten auch die anderen Bände aus Edwards Perspektive jemals erscheinen, werde ich dankend nein sagen.

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Veröffentlicht am 29.03.2020

Leider nur mittelmäßiger Abschluss

True North - Unser Traum von Für immer
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Ich bin ein riesiger bekennender Fan der „True North“-Reihe von Sarina Bowen, da hier romantische Liebesgeschichten mit der richtigen Portion Dramatik erzählt werden. Das Herz der Reihe waren stets die ...

Ich bin ein riesiger bekennender Fan der „True North“-Reihe von Sarina Bowen, da hier romantische Liebesgeschichten mit der richtigen Portion Dramatik erzählt werden. Das Herz der Reihe waren stets die Shipleys, diese große Familie mit ihrer Obstplantage. Daher war ich insgeheim etwas traurig, als sich mit den letzten Bänden der Fokus etwas davon entfernt hat. In Band 4 war zwar noch May die Hauptdarstellerin, trotzdem ging es mehr um Alecs neue Selbstständigkeit. Da die Geschichten aber weiterhin absolut zufriedenstellende Unterhaltung waren, habe ich mich damit abgefunden. Der letzte Band hat mir nun aber leider bewiesen, warum diese Fokusverschiebung wohl doch nicht so gut war.

Benito als Hauptfigur kannten wir natürlich schon aus den vorherigen Bänden und es war nur logisch, ihn als letzten Mann an die Frau zu bringen, denn der Fokus ist nun mal zuletzt zu den Rossi-Geschwistern gegangen. Aber mit ihm hat die ganze Reihe noch eine Wendung bekommen, die mir nicht wirklich gefallen wollte. Während die anderen Geschichten viel Platz für die Liebe ließen und viel die unterschiedlichen Selbstständigkeiten und ihre Möglichkeiten bearbeiteten, ist Benito Polizist in der Drogenfahndung. Weg also von Essen, Alkohol und Geselligkeit, hin zur kriminellen Unterwelt. Gerade für einen letzten Band einer Reihe finde ich das doch eher enttäuschend, denn der Ton der Reihe wird so einfach nicht getroffen. Zudem muss ich betonen, dass diese kriminellen Aspekte, die teilweise auch Thrillerelemente enthalten sollten, nicht überzeugend waren. In die Ermittlungen wurden man regelrecht hineingeschmissen, ohne wirklich eingeführt zu werden. So musste man sich doch vieles zusammendenken, was mit etwas geschicktere Erzählung nicht notwendig gewesen wäre.

Das zweite Problem ist für mich die Liebesgeschichte. Ich mag Benito wirklich und habe es gerne gesehen, dass auch er sein Happy End bekommen hat, aber dennoch konnte er mich in der Verbindung mit Skylar nicht überzeugen. Das liegt größtenteils auch daran, dass sie so widersprüchlich ist. Sie hat durchaus viele sympathische Seiten, aber auf der einen Seite kann sie das Wort Sex nicht aussprechen, um sich im nächsten Moment aber in Enthüllungsjournalismus stürzen muss. Ich bin auch nie richtig schlau aus ihr geworden. Mit dem Blick in die Vergangenheit sollte auch eine epische Liebesgeschichte inszeniert werden, aber dadurch, dass die Sequenzen im personalen Erzählstil geschrieben waren, wirkte er tierisch unpersönlich, fast wie im Märchen, obwohl es das nicht war. Zudem war die Liebesgeschichte in der Gegenwart so flott erzählt. Gerade erst wiedergesehen, schon zusammen im Bett, obwohl sie eigentlich mit einer Freundschaft geendet haben. Das konnte mich leider wirklich nicht vom Hocker reißen.

Zudem war ich sehr enttäuscht, dass sich dieser letzte Band auch nicht wie der Abschluss angefühlt hat. Viele Paare der anderen fünf Bücher sind nochmal aufgetaucht, aber eben auch nicht alle. Erneut waren es eher die Festspiele der Rossis, obwohl doch alles mit den Shipleys begann. Das ist nicht de Hommage an eine großartige Reihe, die ich erhofft habe. Schade.

Fazit: Bowen hat sich mit diesem finalen Band leider keinen Gefallen getan. Von der Atmosphäre her passt die Geschichte leider nicht in die Reihe. Sie will zu erwachsen sein, macht dabei aber viele Fehler. Zudem ist es nicht der Abschluss, denn die „True North“-Reihe verdient hätte. Trotzdem bleiben die Erinnerungen an die anderen tollen Bände.

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Veröffentlicht am 10.09.2019

Bleibt weit hinter den Erwartungen zurück

Die letzte Königin - Das Feuer erwacht
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„Die letzte Königin – Das schlafende Feuer“ war für mich Anfang des Jahres eine echte Überraschung, da ich im Fantasy-Genre nicht zuhause bin und mich eher vom orientalischen Setting angezogen gefühlt ...

„Die letzte Königin – Das schlafende Feuer“ war für mich Anfang des Jahres eine echte Überraschung, da ich im Fantasy-Genre nicht zuhause bin und mich eher vom orientalischen Setting angezogen gefühlt habe, was ich selten in meinen bevorzugten Genres finde. Erfreulicherweise hat sich die Lektüre fast schon eher dystopisch herausgestellt, da die Fantasy-Elemente doch sehr unter der Oberfläche geblieben sind. Der erste Band endete sehr spannend, so dass ich den zweiten Band sehr herbeigesehnt habe.

Obwohl die Lektüre von Band 1 nun wahrlich nicht ewig her ist, war ich doch überrascht, wie sehr ich mich erst wieder zurechtfinden musste. Zum Glück gibt es noch einmal eine knappe Zusammenfassung nach einigen Seiten, was für mich bitter nötig war, offenbar war die Welt doch komplexer, als ich es in Erinnerung hatte. Anschließend war ich aber sofort wieder mitten in der Geschichte und der Atmosphäre, die eben so anders ist als das, was man sonst so vorgesetzt bekommt. Wir lernen in dieser orientalischen Welt nun neue Gebiete, neue Figuren kennen, aber im Herzen bleibt die Geschichte gleich und erinnert mich daher sehr an die ersten beiden Bände von „Die Tribute von Panem“, die auch dasselbe Schema mit den Hungerspielen, nur in unterschiedlicher Konstellationen, hatten. Bei „Die letzte Königin“ wiederum steht das Turnier wieder im Fokus.

Leider ist mir bei der Gesamtlektüre jedoch schnell klargeworden, dass der Funke einfach nicht überspringen wollte. Einerseits wirkte alles so vertraut und vielversprechend wie in Band 1, aber gleichzeitig hat sich mir auch das Gefühl aufgedrängt, dass die Autorin selbst die neuen Aspekte der Geschichte nicht mit der Leidenschaft angegangen ist, über die sie zuvor verfügt hat. Alle neuen Charaktere bleiben komplett hinter den Erwartungen zurück. Der neue Sultan und sein erster Gehilfe mitsamt Tochter bleiben als „Fieslinge“ ebenso blass, wie es die beiden Windwesen Opal und Rohan tun, die für die gute Seite kämpfen. Die zentrale neue Figur ist aber Prinz Ashwin, Tareks Sohn, bei dem man zunächst hofft, dass er so undurchdringlich wirkt, weil er möglicherweise nur den Guten spielt. Später stellt sich jedoch heraus, dass er wirklich eher ein Waschlappen ist, der keinen aussagekräftigen Charakter zu haben scheint.

Das Turnier wartet mit spannenden Aufgaben auf, aber vom Prinzip her sind diese eher langatmig und unspektakulär erzählt. Zudem besteht Kalinda aus unterschiedlichen Gründen nie die Prüfung, kommt aber trotzdem weiter. Hier zeigt sich nur ein geringer Einfallsreichtum. Kritisch sehe ich auch ihre Entfesslung der Feuerkräfte. Zwar übt Brac mit ihr daran am Anfang des Buches, aber da sie räumlich getrennt werden, verliert sie ihren Lehrmeister, kann die Kräfte aber doch problemlos schließlich beherrschen. Hier hat keine logische Entwicklung stattgefunden.

Schon im ersten Band haben viele Leserinnen die Liebesbeziehung zwischen Kalinda und Deven kritisiert, die ihnen zu oberflächlich geblieben ist. Das habe ich nicht so stark empfunden, zumal ich es gut fand, dass die Liebesgeschichte nicht zu viel Raum eingenommen hat. Das tut sie auch nicht in Band 2, da sie sehr wenige Szenen nur miteinander haben. Mir ist dann aber übel aufgestoßen, dass sogleich ein Liebesdreieck mit Ashwin aufgezogen werden musste. Dass er Gefühle für sie entwickelt hat, okay, aber dass sie so schnell seinen Oberkörper bewundert hat, passte nicht in die Geschichte und wirkte extrem gekünstelt.

Fazit: Band 2 von „Die letzte Königin“ lässt mich leider enttäuscht zurück. Die Voraussetzungen waren genial, aber leider wirkt das weitere Wordbuilding und die neuen Charaktere sehr lieblos. Auch potenziell spannende Szenen wirken eher langatmig, so dass es insgesamt um ein zähes Lesen handelt. Nun bin ich aber so weit mit der Geschichte fortgeschritten, dass ich den finalen Band auch nach dieser Enttäuschung unbedingt lesen muss.