Auf Irrwegen der Rache
MalvitaSchwer von Liebeskummer und Verrat gebeutelt, fährt die etwas unscheinbare Studentin und Hobbyfotografin Christina nach Italien – sie soll dort die Hochzeit ihrer unbekannten Cousine Marietta fotografieren, ...
Schwer von Liebeskummer und Verrat gebeutelt, fährt die etwas unscheinbare Studentin und Hobbyfotografin Christina nach Italien – sie soll dort die Hochzeit ihrer unbekannten Cousine Marietta fotografieren, nachdem die eigentlich vorgesehene Fotografin verschwunden ist. Dort angekommen, beginnt ein obskurer Trip zwischen Surrealismus und menschlichen Abgründen. Christinas unbekannter Familienzweig der Espositos samt Tante Ada, Onkel Tonio, Cousin Jordie und die Cousinen Elena und Marietta wohnen in einer Art Schloss und werden von zahlreichen blau uniformierten Bediensteten umsorgt. Der fiktive, toskanische Ort Malvita hat schon bessere Zeiten erlebt – seit der Schließung der Lederfabrik ist er fast ausgestorben und die letzten Bewohner finden Anstellung bei der nach außen gönnerhaften Familie. Doch je länger Christina auf dem gruseligen und labyrinthischen Anwesen verweilt, desto abstruser entwickeln sich die exaltierten Charaktere und die fantastische Handlung. Jeder der Familie scheint einen großen psychischen Knacks abbekommen zu haben und so manche Frauen sinnen auf Rache für das, was ihnen angetan wurde. Nicht umsonst ist Modelcousine Elena ein großer Fan von Artemisias Gemälde „Judith und Holofernes“ in den Uffizien. Als Christina zusammen mit Jordie die Leiche von Blanca – die eigentliche Hochzeitsfotografin – findet, nehmen die mysteriösen Dinge ihren Lauf und Christina will den Mord aufklären, auch wenn sie sich selbst in Gefahr begibt.
Wer hier einen Krimi trotz kriminalistischen Elementen und subtil spannender Rahmenhandlung erwartet, wird enttäuscht werden – die junge österreichische Autorin Irene Diwiak spielt mit den Genres und führt an einigen Stellen den Leser wie die Protagonistin auf Irrwegen. Sprachlich mitreißend, in einer filmischen Szenerie à la David Lynch und mit viel Zynismus taucht sie in Abgründe, reißt Fassaden herunter und lässt die Geschichte in einem gewalttätigen, leicht feministisch angehauchten Rache-Showdown enden, der in der Realität nur schwer vorstellbar ist. Hier endet Christinas surreal angehauchter Trip zu den Verwandten und der Roman hat den Leser um den Finger gewickelt. Ein außergewöhnliches Leseerlebnis, über das man länger sinniert.