München 1945
Das doppelte GesichtHeidi Rehns neustes Buch ist ein Kimi der besonderen Art. Auf der einen Seite bleibt die Autorin ihrer Linie treu und beschreitet dennoch neue Wege, die sie auf jeden Fall weiterverfolgen sollte.
Das ...
Heidi Rehns neustes Buch ist ein Kimi der besonderen Art. Auf der einen Seite bleibt die Autorin ihrer Linie treu und beschreitet dennoch neue Wege, die sie auf jeden Fall weiterverfolgen sollte.
Das Cover wird dem Roman absolut gerecht. Es zeigt die Stadt München, alles liegt in Schutt und Asche. Es ist düster und die Menschen müssen mit dem Vorlieb nehmen, was sie vorfinden. Der Roman beginnt am 15. August 1945, Maria Himmelfahrt, in Bayern ein Feiertag. Und genau an diesem Tag geschieht der erste Mord. Emil Graf ein Jude aus Breslau, der Aufgrund göttlicher Fügung von einem GI zur Polizei nach München gebracht wird, in die Stadt seiner Studienjahre, wird mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Am Tatort begegnet er Billa Löwenfeld einer amerikanisch-jüdischen Reporterin, die mit dem Opfer ein Interview für eine amerikanische Zeitung führen wollte.
Doch als zwei weitere Morde geschehen muss Emil erkennen, dass Billa mehr weiß, als sie zugibt und etwas zum Hintergrund der Morde beitragen kann. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Neben den der guten Ausarbeitung der Protagonisten hat mir vor allen Dingen das Flair gefallen. München erwacht zum Leben, man bewegt sich mit den Figuren durch München. Ein wahres Gemälde, welches die Autorin in Buchform an ihre Herzens-Stadt geschrieben hat. Emil und Billa sind zwei sympathische Figuren, welche mich überzeugen konnten. Besonders Emil mit seiner hintergründigen, bedachten und ehrlichen Art hat es mir sehr angetan.
Der Roman wird chronologisch erzählt, hauptsächlich aus den Blickwinkeln von Emil und Billa. Der Leser hat lange keine Ahnung, welches das Motiv der Morde ist und wer der Mörder sein könnte. Mich hat die Autorin lange in die Irre geführt.
Besonders erwähnenswert ist die Sprache, neben der gewohnt liebevollen Sprache, welche nicht nur zur gegebenen Zeit das Münchner Platt einstreut, um den Roman authentischer wirken zu lassen. Sondern durch seine präzise und sehr ausgefeilte Sprache besticht.
Ein Roman der mehr ist als ein Krimi, er ist ein Sittengemälde und setzt sich auch mit den unbeliebten Themen der Epoche auseinander. So geht es zum Beispiel um die Displaced Persons nach dem zweiten Weltkrieg und ihre Stellung innerhalb in der Gesellschaft.
Den Roman lege ich allen ans Herz, die eine Zeitreise in das München im Sommer 1945 antreten möchten, die ganz und gar in eine Geschichte eintauchen möchten.
Volle Leseempfehlung nicht nur für Krimi-Fans!
Ich bedanke mich sehr bei Heidi Rehn für die spannenden Lesestunden und hoffe sehr, das dies nicht Emil Grafs letzter Fall war.
9/10 P.