Schaurige Nervenanstalt, verwirrte Frauen und ein charismatischer Arzt!
GrabschwesternDer Schreibstil ist bildhaft und spannend, unterhält gut und versetzt einen in eine schaurige und gruselige Stimmung.
Das Cover zeigt ein altes Gebäude (so ähnlich könnte die Nervenanstalt mal ausgesehen ...
Der Schreibstil ist bildhaft und spannend, unterhält gut und versetzt einen in eine schaurige und gruselige Stimmung.
Das Cover zeigt ein altes Gebäude (so ähnlich könnte die Nervenanstalt mal ausgesehen haben) in einer eher dämmrigen Beleuchtung. Davor ist ein Gewässer zu sehen, vermutlich Loch Laggandhu. Schön wirkt auch der Romantitel, der sich im Wasser spiegelt. Mit den Farben, dem Stil und der Aussagekraft stellt das Cover den Romaninhalt und die Atmosphäre gut dar.
Der Klappentext kling vielversprechend, schaurig und ich war sehr gespannt darauf.
Fazit:
Im Roman treffen wir auf die Friedhofsenthusiastin Violet Grave aus der erfolgreichen Highland-Hexen-Krimi-Serie der Autorin. Diesmal soll Violet dabei helfen menschliche Überreste auf dem ausgetrockneten Grund eines Sees in Schottland (Loch Laggandhu) zu identifizieren. Dabei lernt sie den Knochenexperten David Bennett kennen und es entwickelt sich etwas mehr, allerdings hält er sie nicht für die Nachforschungen geeignet, im Gegenteil er unterstellt ihr psychische Probleme.
Dass die Autorin ausgiebig recherchierte ist gut nachzuvollziehen und sollte man anerkennen. Psychische Erkrankungen und die vermeintliche Verbindung sowie der Zusammenhang mit dem weiblichen Geschlecht zeigt sich in der Entwicklung von den sogenannten "Irrenhäusern" (Wohlwollende auch Nervenanstalten genannt) gerade im ausgehenden 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19.Jahrhundert ist interessant, genau wie die geschichtlichen Hintergründe, die einen sehr erschrecken. Feminismus und Gleichberechtigung sind echte Fremdworte, die Unterdrückung der Frau steht im Vordergrund. Auch wichtig und informativ fand ich die Arbeit eines Knochenexperten wie in diesem Fall David Bennett, einiges war mir in dieser Form noch nicht bekannt. Ich finde es gibt alles einen recht guten Rahmen für den Roman ab – für manche Leser/innen aber vielleicht zu viel Informationen und zu wenig Handlung.
Die bildliche Schreibweise, die ich schon aus den Fantasy Romanen der Autorin kenne, Kommen hier zum Tragen. Man kann sich die Schauplätze vor Ort in Schottland (Ruinen des Sanatoriums, den Friedhof und Loch Laggandu) mit ihrer bedrückenden, dunklen und schaurigen Stimmung gut vorstellen.
Immer wieder gibt es Szenen, in den Violet ganz in die Vorfälle der ehemaligen viktorianischen Nervenheilanstalt eintaucht und sich völlig verliert. Die psychische Entwicklung von Violet ist packend geschrieben, die Selbstzweifel an ihrer Gabe und das Verhalten von ihr anderen gegenüber. Die Grenzen zwischen Realität scheinen zu verschwimmen und nahtlos an Träume anzuknüpfen.
Als Protagonistin gefällt mir Violet, sie lernt sich auf ihre Gabe zu verlassen, auch wenn es andere nicht als positiv empfinden. Vielleicht sogar lachhaft, weil sie nichts damit anfangen können oder es sich vorstellen können das es sowas gibt. In Violets Vergangenheit gibt es immer wieder kleine Anspielungen aber nur recht oberflächlich – ich hoffe da mehr zu erfahren in Band 2 Grabgesang. David Bennett hingegen kommt zumeist recht arrogant und besserwisserisch rüber, obwohl er wie es sich zeigt auch anders sein kann. Aber Violet gegenüber wirkt er recht blass und schwach als Charakter inklusive seiner Vorurteile.
Als Fan von Mystery Romanen bin ich auf meine Kosten gekommen allerdings Leser/innen die sich mehr eine Thriller Atmosphäre erhofft haben werden enttäuscht sein. Es erinnert mich stark an die Serie „Ghost Whsiperer“. Und es ist viel Zeit in Recherche verwandt worden – was ich recht interessant finde. Von mir 5 Sterne für den Auftaktband und ich bleibe gespannt auf Band 2 Grabgesang im Sommer.