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Veröffentlicht am 07.04.2021

Kurzweilige Geschichte über eine verrückte Vater-Tochter-Hunde-WG

Die Liebe ist ein dicker Hund
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Franzi versteht die Welt nicht mehr! Da ist sie endlich mit ihrem Mann Manolito in ihr Traumhaus gezogen und steckt mitten in der liebevollen Renovierung der Immobilie, schon kommt die Hiobsbotschaft: ...

Franzi versteht die Welt nicht mehr! Da ist sie endlich mit ihrem Mann Manolito in ihr Traumhaus gezogen und steckt mitten in der liebevollen Renovierung der Immobilie, schon kommt die Hiobsbotschaft: Manolito steckt in einer Lebenskrise, von der Franzi nichts mitbekommen hat, und flüchtet in einer Nacht-und-Nebel-Aktion für mehrere Monate in ein Kloster nach Nepal, um sich selbst zu finden! Neben einem großen Berg Schulden für das Haus, einem leergefegten Bankkonto und einem großen Schock bei Franzi lässt er auch seine Leonberger Hündin Andromeda, die er gegen Franzis Willen unbedingt anschaffen wollte, zurück. Eigentlich macht sich Franzi nichts aus Hunden, aber als Leidensgenossen halten sie und Andromeda/Andi zusammen und bilden schon bald ein tolles Team. Denn Franzi hat sich fest vorgenommen, ihr Traumhaus zu behalten! Doch dazu muss Geld her – und ihr Vater stellt sich als vorübergehende Lösung heraus. Denn dieser zieht nach einem Streit mit Franzis Mutter bei ihr ein – das lustige Chaos in dieser ungleichen Vater-Tochter-Hund-WG ist also vorprogrammiert. Und dann gibt es ja auch noch den attraktiven neuen Nachbarn Mick und seinen eleganten Dalmatiner-Rüden Pongo, die den beiden Damen der WG nicht mehr aus den Köpfen gehen…

Ich liebe Hunde und dementsprechend hat mich das Cover direkt gecatcht. Der gestreifte Hintergrund lässt zudem auf eine humorvolle Geschichte schließen, auch wenn er mir persönlich etwas zu kindisch erscheint. Auch hätte mich der Titel so nicht wirklich angesprochen.

Lustig finde ich die verschiedenen Zwischenüberschriften der einzelnen Kapitel. Diese sind noch dazu kurz gehalten und somit angenehm zu lesen. Der Schreibstil der Autorin ist ebenfalls sehr ansprechend, sie schreibt sehr realistisch und vor allem unglaublich humorvoll. Es gab sehr viel Situationskomik und Stellen, bei deren leicht überzogener Beschreibung ich laut auflachen musste. An einigen Stellen bin ich allerdings leider etwas über die unklare Darstellung zeitlicher Abläufe gestolpert, manche Zeitsprünge waren auf den ersten Blick nicht sofort als solche erkennbar, was zu Verwirrung geführt hat.

Die Geschichte an sich ist relativ kurz, aber auf das Wesentliche beschränkt. Der Leser hat einen umfassenden Ausschnitt aus dem Leben einer jungen Frau bekommen, die sich gerade in einer maximal schwierigen Phase befindet. Mir hat gut gefallen, dass der Fokus weniger auf der Liebesgeschichte zwischen Franzi und ihrem Nachbarn lag, sondern darauf, dass sie ihr chaotisches Leben neu ordnet und in den Griff bekommt. Natürlich haben dazu (etwas zu) viele Zufälle beigetragen und es war vorhersehbar wie sich alles perfekt gefügt hat, aber angesichts der locker-leichten Grundstimmung des Buches konnte ich darüber hinwegsehen. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Hunde in die Geschichte eingebunden wurden und diese mitgestaltet haben. Auch gab es einige rührende Szenen der liebevollen Vater-Tochter-Beziehung, die ich als sehr authentisch und einfach nur schön empfunden habe.

Sowieso hat mir die Figurenzeichnung ausgesprochen gut gefallen: Die verschiedenen Charaktere sind so facettenreich und glaubwürdig ausgearbeitet, dass der Leser sie sofort ins Herz schließt. Die einzige Ausnahme dabei ist Antagonist Manolito, der mir persönlich zu egoistisch und selbstbezogen dargestellt wurde, um noch glaubwürdig zu sein.
Franzi hat mir in der Seele leidgetan und auch wenn ich ihre besonnene, ruhige Reaktion auf die Geschehnisse nicht nachvollziehen konnte passen diese gut zum Charakter, als der sie im Folgenden beschrieben wird. So ganz konnte ich nicht verstehen, warum sie Manolito überhaupt geheiratet hat, da ich keinen Moment auch nur irgendeine Verbundenheit zwischen den beiden gespürt habe. Insgesamt hat sie manchmal zu viel Verständnis gezeigt und sich klein gemacht, war in anderen Situationen dann aber wieder taff. Wunderbar fand ich aber die Annäherung an Andi/Andromeda und wie rührend sie sich um den Hund gekümmert hat. Sie und ihre kleine Familie konnte man nur ins Herz schließen! Mein absoluter Lieblingscharakter war aber Papa Gerhard! Diese "spezielle", aber sehr liebenswerte Figur mit dem Herz am rechten Fleck war einfach wahnsinnig gut beschrieben. Mit seiner manchmal etwas unbeholfen, trotteligen Art war er sehr lebensnah dargestellt und einfach nur zum kaputt lachen!

Ich hatte eine sehr kurzweilige Lesezeit mit „Die Liebe ist ein dicker Hund“ und fand die Idee zur Story kreativ und vor allem sehr humorvoll umgesetzt! Es war für mich eine locker-leichte Lektüre zum Entspannen und Abschalten.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Humor
Veröffentlicht am 31.03.2021

Ein Nachahmungstäter auf Langeoog

Ostfriesenzorn
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Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen steht vor einem neuen Rätsel: Offenbar hat es ein verrückter Mörder auf unschuldige Urlauberinnen abgesehen. Er geht dabei jedes Mal anders, aber stets sehr geplant vor, ...

Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen steht vor einem neuen Rätsel: Offenbar hat es ein verrückter Mörder auf unschuldige Urlauberinnen abgesehen. Er geht dabei jedes Mal anders, aber stets sehr geplant vor, ein Motiv ist nicht zu erkennen und bald ist er in der Presse als der „Langeoog-Killer“ bekannt. Doch auch hier durchbricht er wieder sein Muster und verlässt die Insel bald für seine Taten. Ann Kathrin und ihr Team stehen vor einem großen Rätsel, da bietet sich Hilfe von unverhoffter Seite an: Dr. Bernhard Sommerfeldt meldet sich aus dem Gefängnis bei Ann Kathrin: Offenbar ist der Mörder sein glühender Fan und unterrichtet ihn stets als erstes von seinen Taten. Sommerfeldt bietet seine Hilfe bei der Ergreifung an, doch Ann Kathrin ist sich unsicher: Einerseits könnte die Verbindung der beiden Mörder zur Ergreifung führen und somit weitere Straftaten vermeiden. Andererseits müsste sie Sommerfeldt vertrauen, dass er die Chance nicht nutzt, um aus dem Gefängnis zu fliehen. Eine hoch moralische Frage für die Ermittlerin…

Bereits optisch sind die CD´s zu „Ostfriesenzorn“ ein echter Hingucker: Das Cover ist schlicht, versprüht aber direkt Urlaubsfeeling; hat durch die dunklen Wolken aber auch etwas Bedrohliches. Schön finde ich auch, dass die fünf Einzel-CDs alle unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Farben haben. Das beigelegte Booklet ist hilfreich zum Einschätzen der Länge und Anzahl der einzelnen Kapitel.

Ich finde es super, aber auch sehr mutig von Autor Klaus-Peter Wolf, dass er das Hörbuch selbst einspricht und es somit zu einer Autorenlesung macht. Und genau das gibt dem Hörbuch etwas Besonderes, es lässt es sehr persönlich wirken. Ich mag Wolfs Stimme sehr, sie ist ruhig und unaufgeregt, das Zuhören macht großen Spaß. Besonders schön finde ich seine pointierte Sprechweise, besonders an humorvollen stellen. Das leichte Lispeln macht mir Klaus-Peter Wolf noch zusätzlich sympathisch, eine sehr authentische Lesung!

„Ostfriesenzorn“ ist bereits der 15. Band von Klaus-Peter Wolfs beliebten Ostfriesenkrimis und vereint dort alle aus den Vorgängern bekannten Personen mit dem Protagonisten der „Dr. Sommerfeldt“-Reihe. Da ich „Quereinsteiger“ in die Ostfriesenreihe bin, war ich zunächst etwas überfordert mit den vielen Personen, bin oft durcheinandergekommen und habe mir auch zahlreiche Zusammenhänge erst durch Hintergrundrecherche erarbeiten müssen. Ohne ein tieferes Verständnis für die Vergangenheit der Personen haben zu wollen wäre aber auch ein Einstiegt mit „Ostfriesenzorn“ relativ problemlos möglich.
Am Schreibstil des Autors hat mich insbesondere sein feinsinniger Humor, seine detailreiche durchdachte Figurenzeichnung und seine Ironie begeistert. Gefallen haben mir auch die verschiedenen Erzählstränge, die den Leser Einblicke z.B. in Dr. Sommerfeldts Leben hinter Gittern oder die verschrobenen Gedanken des Mörders gibt. Auch die Beschreibungen von Land und Leuten in und um Langeoog waren sehr atmosphärisch und haben direkt Fernweh in mir hervorgerufen. Die detaillierten Darstellungen auch real existierender Restaurants und Köstlichkeiten haben mir direkt das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, das war sehr bildlich und mitreißend geschrieben! Aber auch die Spannung und etwas leichter Grusel kamen nicht zu kurz – eine tolle Mischung!

Bereits der Beginn des Hörbuches versetzt mich direkt an die Nordsee: Ein herrliches Meeresrauschen setzt ein, bevor der Autor mit seiner Lesung beginnt. Die Geschichte wird langsam aufgebaut und sehr schnell gibt es bereits die erste Tote, der noch einige folgen sollten. Dazwischen wird es teilweise etwas langatmig, aber durch den folgenden Wechsel der Schauplätze und Perspektiven geraten diese Stellen eher in Vergessenheit. Am Fall selbst mochte ich die Ermittlungsarbeit von Ann Kathrin Klaasen und ihrem Team. Dadurch, dass alle Gedankengänge und offenen Punkte innerhalb des Teams diskutiert wurden konnte ich gut folgen mit miträtseln. Das Finale war dann noch einmal richtig aufregend, aber wenig überraschend. Leider blieb bis zum Ende offen, wer der Mörder war und warum er mit dem Morden begonnen hatte. Mit der Erklärung war ich nicht wirklich zufrieden. Schön finde ich den Cliffhanger, den Wolf für Dr. Sommerfeldt gewählt hat – das macht Hoffnung auf mehr!

Insgesamt hat mir „Ostfriesenzorn“ aber sehr gut gefallen und ich habe große Lust, wieder gemeinsam mit dem Autor an die Nordsee zu fahren und zu ermitteln – gerne auch im Rahmen einer Autorenlesung, die Klaus-Peter Wolf ganz wunderbar gelungen ist.

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Veröffentlicht am 29.03.2021

Gelungene Mischung aus „Let´s Dance“ und dem „Bachelor“ – nur besser!

Winter Wonder Dance
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Marlene ist geschockt: Ihr Freund Craig macht ihr mitten im Hawaii-Urlaub einen Heiratsantrag – und alles in ihr schreit: NEIN! Völlig verwirrt reist sie ab und heult sich bei ihrer verrückten besten Freundin ...

Marlene ist geschockt: Ihr Freund Craig macht ihr mitten im Hawaii-Urlaub einen Heiratsantrag – und alles in ihr schreit: NEIN! Völlig verwirrt reist sie ab und heult sich bei ihrer verrückten besten Freundin Cily aus. Wie üblich hat Cily bereits die perfekte Ablenkung für Marlene parat und überredet sie dazu, Anmeldungsformulare auszufüllen. Schnell merkt Marlene jedoch, dass es sich dabei nicht um den Singletanzkurs handelt, von dem sie implizit ausgegangen ist – nein, vielmehr hat Cily die beiden zum Casting für das neue innovative Showformat „Winter Wonder Dance“ der berühmten Senders „Startstime Entertainment“ und somit zu DER Show des Jahres angemeldet! Schneller als sie sich versieht befindet sich Marlene mitten im TV-Dschungel, bestehend aus Intrigen, Zusammenschnitten, Möchtegern-Stars und Bekanntheit… und entwickelt tatsächlich, wie in „Winter Wonder Dance“ beabsichtigt, Gefühle für ihren berühmten Tanzpartner. Doch was ist echt, was ist falsch in der Glitzerwelt des Entertainments?!

„Winter Wonder Dance“ ist der Auftakt einer neuen gleichnamigen Buchreihe der sympathischen Autorin Minny Baker rund um die Themen Tanzen, TV-Shows und die Suche nach der großen Liebe. Bereits das Cover lädt zum Träumen ein, es ist in all seiner Schlichtheit doch herausstechend und sehr kunstvoll gestaltet und erinnert mich an den Blick von einer Bühne in viele entgegenleuchtende Lichter. Ein sehr ansprechendes Cover, das mir sehr gut gefällt.

Minnys Schreibstil ist ebenfalls toll, ihr gelingt es ganz wunderbar Atmosphären und Stimmungen zu erschaffen, ebenso wie nachvollziehbare Emotionen heraufzubeschwören. Insbesondere die Augenblicke auf der Bühne während der TV-Shows von „Winter Wonder Dance“ sind so eindrücklich beschrieben, dass ich richtig das Gefühl hatte, im Publikum zu sitzen und die nervöse Marlene anzufeuern. Durch Minnys locker-leichten Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin und ich habe das Buch nach wenigen Tagen mit einem breiten, zufriedenen Grinsen zugeklappt.

Ich fand es sehr interessant, dass das Buch aus zwei Perspektiven geschrieben ist: Der Sicht der Teilnehmer der Show, wie z.B. Marlene, und die „Backstage-Sicht“, die der Macher von Starstime Entertainment. So hat sich uns Lesern nicht nur die Geschichte erzählt, sondern wir haben auch die Hintergründe zum Konzept, die Entstehung der Show sowie die Planungen und Überlegungen, die agenturseitig im Vorhinein einer großen TV-Show stattfinden, kennengelernt. Auch die eingeschobenen Ankündigungen des Senders zum Tanzspektakel haben die Vorfreude angeschürt und den Lesefluss aufgelockert. Am Ende des Buches findet sich noch eine passende Playlist sowie ein Personenverzeichnis, zu dem ich einige Male dankbar geblättert habe, da man aufgrund der Vielzahl handelnder Personen hier schon einmal durcheinander geraten kann. Ich habe zugegebenermaßen etwas gebraucht, bis ich alle Charaktere zuordnen konnte.

Die Idee hinter der Geschichte gefällt mir ebenfalls gut: Die verwirrte Marlene findet sich unverhofft in einer Mischung aus Tanz- und Datingshow wieder. Dabei waren das Konzept sowie die Teilnehmer der Show detailliert durchdacht und somit absolut glaubwürdig. „Winter Wonder Dance“ kam mir vor, wie eine Mischung aus den bekannten TV-Formaten „Let´s Dance“ und „Der Bachelor“, nur dass hier mehr Wert auf Seriosität gelegt wurde. Ehrlich gesagt würde ich mich sehr über eine derartige TV-Show freuen, da ich sie von der Idee her so viel besser finde als die beiden genannten! Insofern habe ich auch Marlene und Cily mit großem Spaß durch den Casting- und TV-Dschungel begleiten, im Training mit ihnen mitgelitten, mich mitverliebt und während der Shows gezittert. Die Hintergründe einer TV-Show werden sehr realitätsnah dargestellt, ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch in der Realität so abläuft. Dementsprechend wurden nicht nur die heile Glitzerwelt, sondern auch die Schattenseiten des Ruhms authentisch dargestellt. Das Ende des Buches war zwar vorhersehbar, aber genau das Happy End, das ich mir für Marlene gewünscht habe.

Marlene als Protagonistin ist mir direkt ans Herz gewachsen! So richtig hat sie ihren Platz im Leben noch nicht gefunden, sei es beruflich oder in der Liebe. Chapeau dafür, dass sie das Selbstbewusstsein hatte, Craigs Antrag abzulehnen! Insgesamt kann ich mich mit ihrem Denken und Handeln absolut identifizieren und mir selbst würde es genauso gehen wie ihr.
Toll finde ich auch Cily, die mich mit ihrer aufgedrehten, übermotivierten Art verzaubert hat. Schön, dass auch sie in einen Nebenstrang der Handlung ihr Glück findet.
Hinsichtlich der Show sind sämtliche Klischees an Personen bedient – aber das macht ja eine gute TV-Show auch aus. Ein paar Personen weniger wären mir ganz recht gewesen, da ich teilweise doch etwas überfordert war und viele nur nebensächliche Kurzauftritte hatten.
Leider bin ich auch bis zum Ende nicht 100%ig mit ihrem Marcus warm geworden, irgendwie konnte ich nicht so richtig nachvollziehen, wann und wo und wie sich bei ihm Gefühle entwickelt haben. Irgendwie hat mir unsere Kennenlernzeit nicht ausgereicht, um mich von ihm zu überzeugen – aber das darf er gerne in Band 2 nachholen.

Insgesamt fand ich „Winter Wonder Dance“ ein herrlich winterliches und romantisches Buch, das atmosphärisch und in tollem Schreibstil verfasst wurde. Mir persönlich ist das Tanzen leider etwas zu kurz gekommen, aber das Dilemma und die Liebesgeschichte rund um Marlene wurde authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Ich habe die Lesezeit sehr genossen und freue mich heute schon auf „Staffel“ 2 und das Wiedersehen mit den sympathischen Mädels, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Berührende Liebesgeschichte mit kleineren Schwächen

Der Liebesbrief
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Chloe Pencarrow ist viel zu früh Witwe geworden. Die junge Frau kommt mit dem Tod ihres Ehemannes Neil einfach nicht zurecht und beschließt einen Neuanfang zu wagen: Sie zieht aus dem trubeligen London, ...

Chloe Pencarrow ist viel zu früh Witwe geworden. Die junge Frau kommt mit dem Tod ihres Ehemannes Neil einfach nicht zurecht und beschließt einen Neuanfang zu wagen: Sie zieht aus dem trubeligen London, in dem sie alles an Neil erinnert, ins beschauliche Cornwall. Dort mietet sie in einem kleinen Küstenort das ehemalige Pfarrhaus, um wieder zu sich zu finden. Der Ort Rosecraddick ist überregional insbesondere für den dort aufgewachsenen Dichter Kit Rivers bekannt, dessen Gedichte aus dem ersten Weltkrieg zum Kulturgut des Landes gehören. Chloe ist ebenso fasziniert von dem Dichter und dem in ihren Augen nicht besonders stimmigen Kirchenfenster, welches ihm gewidmet wurde und ein stilistisch anders dargestelltes Gänseblümchen beinhaltet. Aufgrund dieser Entdeckung lernt sie den Historiker Matt kennen und beide möchten mehr über Kit und das Geheimnis des Gänseblümchens herausfinden. Dann findet Chloe zufällig unter einem losen Dielenbrett im alten Pfarrhaus ein bisher unentdecktes Tagebuch – dieses gehörte Daisy Hills, die zur Kriegszeit dort gelebt hat. Und die, wie Chloe aus dem Tagebuch erfährt, Kit Rivers große Liebe war…

Was beim Buch „Der Liebesbrief“ von Ruth Saberton als erstes ins Auge sticht ist natürlich die kunstvoll gestaltete Optik! Das Cover ist wunderschön und läd den Leser durch das offen stehende Tor direkt zum alten Pfarrhaus nach Cornwell ein. Die dunklen Wolken am Himmel stehen mit der wunderschönen Landschaft in Kontrast und lassen bereits ahnen, dass Unheil bevorsteht. Die Farbgebung und der hübsche Rahmen um den Titel empfinde ich ebenfalls als sehr ansprechend. Etwas Besonderes ist auf jeden Fall der farblich passend gestaltete Buchschnitt. Bereits der erste Eindruck des Buches versetzt den Leser somit direkt ins Setting und spiegelt somit sehr gut den Inhalt des Buches wider.

Der Schreibstil der Autorin besticht vor allem durch ihre Art, Landschaften und Räumlichkeiten lebendig werden zu lassen. Sie beschreibt so eindrücklich, dass ich Cornwalls raue Klippenlandschaft, aber auch das alte Pfarrhaus oder Kits Herrenhaus regelrecht vor meinen Augen sehen konnte! Das war absolut gelungen und hat direkt Fernweh hervorgerufen. Aber auch die Emotionen der Figuren wurden sehr gut dargestellt und übertragen. Besonders gut ist es der Autorin gelungen, trotz eigentlich sehr trauriger Themen wie Tod, Krieg, Verlust und Sehnsucht die Grundstimmung positiv zu halten, so dass ich nicht vom Schicksal beider Protagonistinnen heruntergezogen wurde, sondern auf die positiven Seiten und Lichtblicke fokussiert war.
„Der Liebesbrief“ setzt sich aus drei Teilen zusammen: Einer historischen Zeitebene rund um Daisys und Kits Geschichte, welche von der Gegenwart rund um Chloe eingerahmt wird. Zu Beginn steht ein passendes Gedicht von Wilfred Owen, welches die Autorin inspiriert hat, sowie ein Prolog, der bereits düsteres ahnen lässt. Den Aufbau fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da die Teile so lange waren, dass ich die andere Zeitebene darüber fast vergessen habe. Andererseits konnte ich mich so gut in die jeweilige Situation einfinden und wurde nicht durch ständige Wechsel unterbrochen. Insofern war der gegenwärtige „Rahmen“ also letztendlich in meinen Augen stimmig.

Im ersten Abschnitt lernen wir Chloe und ihr Schicksal kennen. Die Ankunft im alten Pfarrhaus ist sehr gelungen beschrieben und die Atmosphäre in Cornwall anschaulich dargestellt. Auch wird Chloes Trauer, Einsamkeit und Melancholie nachvollziehbar geschildert. Bereits hier beginnt der Leser, Chloes Entwicklung mitzuerleben und begleitet sie auf den ersten Schritten des Prozesses, Neil loszulassen. Auch die rätselhaften Elemente wurden passend eingeführt und machen mich neugierig. Der folgende zweite Abschnitt lässt mich in eine ganz andere Zeit am selben Ort eintauchen. Auch hier sind Menschen und Zeitgeist absolut authentisch eingefangen, die Liebesgeschichte um Kit und Daisy gefühlvoll und romantisch erzählt. Es ging zwar alles sehr schnell mit den beiden, aber es blieb ihnen ja auch nicht viel Zeit: Der heranziehende Krieg ist bereits spürbar und die unterschiedlichen Reaktionen der handelnden Personen werden gut herausgearbeitet. Der dritte Abschnitt zeigt Chloes und Matts Spurensuche danach auf, wie es mit dem Paar aus der Vergangenheit weitergegangen ist. Chloe erkennt anhand von Daisys Geschichte, wie sie mit Neils Tod abschließen und wieder offen in die Zukunft blicken kann.

Leider gab es dabei aber ein paar Punkte, die mich gestört haben. Insbesondere im letzten Abschnitt haben sich die Ereignisse und Zufälle überschlagen und es ging übertrieben dramatisch zu. So ist Chloes und Matts Geschichte doch sehr in den Hintergrund getreten und konnte mich nicht wirklich überzeugen. Auch die Aufklärung des „Gänseblümchen“-Geheimnisses war absolut unglaubwürdig und war sehr schnell abgehandelt. Des Weiteren gibt es letztendlich zahlreiche lose Fäden und offene Handlungsstränge, die zum Ende hin herunterfallen oder lieblos abgeschlossen werden. Vieles wirkte konstruiert und überzogen.
Das Buch schließt mit einem Interview der Autorin, welches dann wieder sehr interessant war. Ruth Saberton erklärt die Hintergründe des Buches und warum keine Gedichte von Kit eingebaut wurden. Dass Daisys und Kits Geschichte von der Großtante der Autorin, Ella Hills, und ihrem jung im Krieg verschollenen Verlobten Arthur Sidney Bacon inspiriert wurde, hat mich berührt. Dieser persönliche Bezug sowie die dazu abgedruckten Fotos habe ich als wunderschönes Denkmal empfunden, welches die Autorin diesem Paar stellvertretend für viele andere gesetzt hat. Und wie auch im Inhalt der Geschichte hat sie dadurch ein weiteres Mal bewiesen, dass Menschen nicht wirklich tot sind, solange sie nicht vergessen werden. Ein Buch, das mir trotz kleinerer Schwächen definitiv im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Romantik, Spannung und ganz viel Frankreich-Flair

Deadly Rendezvous – Süßer Kuss der Gefahr
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Lara ist im siebten Himmel: Vor kurzem hat die Hobbymalerin ein Portrait des berühmten Filmstars Brice Montaigneux angefertigt und im Internet veröffentlich, da meldet sich tatsächlich die Agentur des ...

Lara ist im siebten Himmel: Vor kurzem hat die Hobbymalerin ein Portrait des berühmten Filmstars Brice Montaigneux angefertigt und im Internet veröffentlich, da meldet sich tatsächlich die Agentur des Schauspielers bei ihr. Laras Idol ist begeistert von dem Portrait und möchte die Künstlerin gerne kennenlernen! Voller Vorfreude und Aufregung macht sich Lara auf den Weg nach Bordeaux. Als sie Brice gegenübersteht knistert es sofort zwischen den beiden und letztendlich nimmt die ungebundene Lara sofort an, als Brice ihr einen Job anbietet. Die beiden kommen sich näher doch bald wird die aufkeimende Beziehung erschüttert: Lara entdeckt in Brices Arbeitszimmer einen Brief, der ihn belastet. Denn vor einigen Jahren war der Schauspieler Hauptverdächtiger in einem Mordfall, wurde aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kann Lara ihm wirklich vertrauen oder begibt sie sich durch ihre Romanze sogar in Gefahr?

Wo mich der dreisprachige, kitschige und etwas umständlich lange Titel des Buches zunächst etwas abgeschreckt hat, konnte mich das Cover aber letztendlich doch zum Lesen animieren: Ein attraktiver älterer Mann, der gut zur Beschreibung des Protagonisten passt vor der düsteren Landschaft Südfrankreichs. Besonders gut finde ich, dass es hier auch einmal ein älterer Mann mit grauen Haaren aufs Cover schafft und nicht wie üblich jugendliche Sixpack-Boys. Das Cover wirkt so erwachsen und durch die dunklen Wolken geheimnisvoll und gefährlich.

Sabines Strick Schreibstil gefällt mir ebenfalls sehr gut. Durch die Perspektivwechsel zwischen Lara und Brice erhält der Leser gute Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt beider Protagonisten. Insbesondere Brice Rückblicke in die Vergangenheit lassen mich Verständnis für ihn entwickeln, wie er so geworden ist, wie er im gegenwärtigen Erzählstrang dargestellt wird.
Die Geschichte an sich beginnt mitten im Geschehen und schreitet auch insgesamt flott voran. Zunächst fokussiert sich das Buch auf die beginnende Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten, durch geschickt eingestreute, kleine Details wird aber bereits deutlich, dass etwas Negatives aufzieht. Im Folgenden rücken die düsteren Geschehnisse der Vergangenheit immer mehr in den Fokus und aus der gefühlvollen Lovestory wird immer mehr ein spannender Actionroman, der in einem dramatischen Showdown endet. Dieser war zwar in Teilen vorhersehbar, aber das hat der Spannung keinen Abbruch getan. Was mir gut gefallen hat ist die vernünftige und erwachsene Art und Weise, mit der Brice und Lara sich annähern. Sie gehen wertschätzend miteinander um, auch wenn Laras launische und Brice machohafte Art den jeweils anderen (und zugegeben auch mich als Leser) manchmal etwas auf die Nerven gehen. Was es aber in Romanen viel zu selten gibt ist die ehrliche Kommunikation zwischen den beiden, so dass kein künstliches Drama aufgrund von Missverständnissen entsteht. Schön, einen Roman mit erwachsenen Protagonisten über 50 zu lesen, die sich auch entsprechend verhalten!

Insgesamt ist „Deadly Rendezvous – Süßer Kuss der Gefahr“ eine wunderbare Mischung aus emotionaler Liebesgeschichte und spannendem Actionroman, der noch zusätzlich durch die wunderbar bildhaften Beschreibungen der Landschaft und Örtlichkeiten Südfrankreichs besticht und somit absolut lesenswert ist.

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