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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2022

Packendes Debüt

Das siebte Mädchen
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In dem kleinen Ort Breaux Bridge in Louisiana passiert wenig. Doch im Sommer 1998 verschwinden sechs Mädchen spurlos und ihre Leichen werden nie gefunden. Die 12-jährige Chloë kennt alle diese Mädchen ...


In dem kleinen Ort Breaux Bridge in Louisiana passiert wenig. Doch im Sommer 1998 verschwinden sechs Mädchen spurlos und ihre Leichen werden nie gefunden. Die 12-jährige Chloë kennt alle diese Mädchen aus der Schule oder war sogar mit ihnen befreundet. Ausgerechnet Chloë findet im Schlafzimmerschrank ihrer Eltern eine Schatulle mit Schmuckstücken der verschwundenen Mädchen und meldet dies der Polizei. Ihr Vater gesteht die Taten und wird als Serienmörder verurteilt. Chloës Leben wird schlagartig auf den Kopf gestellt und ihre Familie bricht auseinander. Nur zu ihrem Bruder Cooper hält sie seit dem damaligen Geschehen noch engeren Kontakt.
Zwanzig Jahre später ist Chloë promovierte Psychologin. Das damalige Geschehen hat sie eher verdrängt als wirklich verarbeitet. Kurz nachdem ein Journalist sie zum Jahrestag der Morde interviewen will, verschwinden wieder junge Mädchen. Eine davon ist ausgerechnet eine von Chloës Patientinnen und offenbar hat Chloë sie als letzte lebend gesehen. Offenbar will jemand die Taten ihres Vaters nachahmen und den 20. Jahrestag der Morde auf diese Weise begehen. Oder, für Chloë eine noch schlimmere Vorstellung, der wahre Täter ist gar nicht ihr Vater, sondern noch immer auf freiem Fuß?
Der Thriller ist spannend und wendungsreich. Man erlebt Chloës Ängste und ihre Verunsicherung spürbar mit, vor allem, da sich mehr und mehr Verdachtsmomente ergeben, dass jemand anders als der verurteilte Vater hinter den Taten steckt. Selbst ihrem Verlobten Daniel misstraut sie, da er sich zunehmend merkwürdig verhält. Doch Chloës Phantasie und ihre Erinnerung scheinen immer wieder zu verschwimmen, sodass man ihrer Wahrnehmung auch nicht vollkommen trauen kann.
Ein packendes Debüt der amerikanischen Autorin Stacy Willingham.

Veröffentlicht am 08.02.2022

Die Ungerächten

Die Ungerächten
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Die junge Hannah Bloch fahndet 1947 in den Trümmern Frankfurts im Auftrag der Amerikaner nach Kriegsverbrechern. Sie selbst hat während der Nazi-Zeit Schlimmes erlebt. Aufgrund einer Epilepsie war sie ...

Die junge Hannah Bloch fahndet 1947 in den Trümmern Frankfurts im Auftrag der Amerikaner nach Kriegsverbrechern. Sie selbst hat während der Nazi-Zeit Schlimmes erlebt. Aufgrund einer Epilepsie war sie in einer Heilanstalt untergebracht und hatte nur knapp das T 4-Programm der Nazis überlebt. Die Namen ihrer Peiniger hat sie nicht vergessen und so versucht sie nun, die Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem möchte sie sich um jeden Preis ihren Traum, Pilotin zu werden, erfüllen.
Ein Auftrag der Amerikaner führt sie nach England, wo sie dem Mörder ihres früheren Geliebten auf die Spur kommt. Als sie den ehemaligen KZ-Häftling Pawel Kowna kennenlernt, freunden sich die beiden an und scheinen zunächst ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: die damaligen Täter zu finden. Doch Kowna stellt sich als weitaus gnadenloser und brutaler heraus. Hannah Bloch muss sich entscheiden, ob sie diesen Weg der Rache mitgehen will.
Die Motive der beteiligten Figuren werden authentisch vermittelt, auch wird der Zeitgeist der Nachkriegsjahre gut veranschaulicht. Allerdings kommen sehr viele Figuren vor, die Handlung zieht sich sehr in die Länge und wird äußerst weitschweifig erzählt. Hier wäre eine Reduzierung meiner Ansicht sinnvoll gewesen, um das Buch nicht zu überfrachten.

Veröffentlicht am 12.04.2021

Starker Beginn, wird dann schwächer

Der gekaufte Tod
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Der ehemalige Polizist August Snow kehrt nach einem Jahr im Ausland mit zwölf Millionen Dollar Schadenersatz zurück nach Detroit. Mexicantown, das heruntergekommene Viertel seiner Kindheit, will er mit ...

Der ehemalige Polizist August Snow kehrt nach einem Jahr im Ausland mit zwölf Millionen Dollar Schadenersatz zurück nach Detroit. Mexicantown, das heruntergekommene Viertel seiner Kindheit, will er mit dem Geld wieder bewohnbar und attraktiver machen, und so hat er ein paar Häuser in der Straße seines Elternhauses gekauft und herrichten lassen. Die Millionen stammen aus einem Prozess gegen den korrupten Polizeiapparat der Stadt, weshalb sehr viele seiner früheren Kollegen äußerst schlecht auf Snow zu sprechen sind.
Kurz nach seiner Rückkehr bittet ihn die schwerreiche und mächtige Unternehmerin Eleanore Paget, verdächtige Vorkommnisse in ihrer Bank aufzuklären, doch Snow lehnt ab. Als Eleanore Paget kurze Zeit später tot aufgefunden wird, deutet alles auf Selbstmord hin. Doch August Snow hat große Zweifel und ein schlechtes Gewissen, dass er Paget nicht unterstützt hat. So begibt er sich auf die Suche nach dem Mörder. Snow, der Sohn eines schwarzen Polizisten und einer mexikanisch-amerikanischen Malerin war, verkörpert einen multikulturellen Helden in der harten Realität Detroits. Unterstützt wird August Snow von einigen alten und neu gewonnenen Freunden, doch er stößt bei seinen Ermittlungen offenbar in Wespennest und bringt dadurch sich und seine Vertrauten in tödliche Gefahr.
Zu Beginn gefiel mir die schnoddrige und witzige Art, wie August Snow sich durchs Leben schlägt, wie er einen jungen Drogendealer wieder auf die richtige Spur bringt oder sich mit den älteren Ladies aus seiner Nachbarschaft anfreundet. Doch im zweiten Teil wurde es für meinen Geschmack zu amerikanisch-heldenhaft, mit sehr viel Action, Schießereien und Toten. Dadurch geraten der eigentliche Fall und seine Lösung fast schon in den Hintergrund, auch das Ende wirkt somit nicht ganz so überzeugend. Eigentlich schade, da August Snow ein vielversprechender Protagonist ist und auch Detroit mit all seinen Schattenseiten eine sehr interessante Kulisse abgibt.

Veröffentlicht am 21.01.2021

Zu viele Nebenfiguren

Tod eines Eisfischers
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Auf der idyllischen Insel Smögen passiert selten mehr als ein kleiner Diebstahl oder ein Streit unter Nachbarn. Das ist dem Ermittler Dennis Wilhelmson eigentlich ganz recht. Immerhin hat er früher bei ...


Auf der idyllischen Insel Smögen passiert selten mehr als ein kleiner Diebstahl oder ein Streit unter Nachbarn. Das ist dem Ermittler Dennis Wilhelmson eigentlich ganz recht. Immerhin hat er früher bei einer Eliteeinheit in Göteborg gearbeitet und sich aus guten Gründen zurückgezogen.
Als ein Forschungsschiff mit dem berühmten Meeresbiologen Kaj Malmberg in Smögen anlegt, ist dies ein großes Ereignis für die Insel. Zudem soll Malmberg auch noch in einem großen Festakt ein wichtiger Forscherpreis verliehen werden. Doch Malmberg wird in seiner Kabine brutal erstochen. Dennoch findet die Feier am Abend statt, selbst die Expedition ins Nordmeer soll weitergeführt werden. Nicht nur die Forscher, selbst die Besatzung drängt auf eine Weiterfahrt. Für Dennis Wilhelmson und seine Kollegin Sandra Haraldsson ist dies eine völlig unverständliche und gefährliche Entscheidung der Behörden, da ihrer Meinung nach der Täter noch mit an Bord ist.
Die Spannung wird geschickt gesteigert, da immer wieder die Perspektive gewechselt wird und das Geschehen aus Sicht anderer mehr oder weniger beteiligten Figuren beschrieben wird. Auch rücken so immer wieder andere Verdächtige in den Fokus. Allerdings sind diese weiteren Figuren so zahlreich, dass man selbst mit Kenntnis des Vorgängerbandes ,,Mord in den Schären“ stellenweise den Überblick verliert, wer nun eigentlich mit wem und wie verbandelt ist. Zusätzlich gibt es eine zweite Zeitebene, die 1941 spielt und das harte Leben einer Fischerfamilie veranschaulicht.
Ein unterhaltsamer Krimi, dem meiner Ansicht nach aber ein paar Nebenfiguren und Nebenhandlungen weniger gut tun würde.

Veröffentlicht am 04.07.2020

Spannend, aber auch klischeehaft

Der Fahrer
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In Hamburg wird eine junge Frau tot aufgefunden, deren Gesicht mit Leuchtfarbe angemalt wurde. Schon bald werden weitere junge Frauen entführt und - nach Ablauf eines Ultimatum - ermordet. Immer handelt ...



In Hamburg wird eine junge Frau tot aufgefunden, deren Gesicht mit Leuchtfarbe angemalt wurde. Schon bald werden weitere junge Frauen entführt und - nach Ablauf eines Ultimatum - ermordet. Immer handelt es sich um junge Frauen, die nachts unterwegs waren. Auf ihren Autos und auch an anderen Stellen finden sich Hashtags in derselben Leuchtfarbe, mit denen auch ihre Gesichter angemalt wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit der Opfer ist, dass sie häufig auf Instagram unterwegs waren und regelmäßig recht freizügige Fotos von sich gepostet haben. Und so finden sich in den Instagram-Accounts der Opfer Nachrichten des Täters, z.B. #findemich und ein 24-Stunden-Ultimatum an die Polizei. Einige der jungen Frauen waren zuvor mit dem neuen Fahrdienst MyDriver unterwegs. Kommissar Jens Kerner und seine Kollegen ermitteln und gehen verdächtigen Fahrgästen und Fahrern des Unternehmens nach. Merkwürdigerweise haben fast alle verdächtigen Personen in irgendeiner Art und Weise mit Jens Kerner zu tun, sodass er und sein Team bald davon überzeugt sind, dass der Täter Kerner persönlich im Visier hat. Offenbar will der Täter die Inkompetenz der Polizei und speziell die von Kerner öffentlich machen.

Der Krimi ist durchaus spannend, allerdings gibt es zahlreiche Spuren und Verdächtige, sodass man als Leser teils zu oft und zu offensichtlich in die Irre geführt wird.
Jens Kerner wirkt zu Beginn sehr abweisend und reserviert, obwohl sich seine Kollegin Becca sehr um ihn bemüht. Die Überraschungsparty, die sie zu seinem Geburtstag organisiert hat, verlässt er im Streit. Doch im Verlauf der Handlung gewinnt Kommissar Kerner an Sympathiepunkten, da er beharrlich jeder noch so kleinen Spur nachgeht, vor allem, als eine Kollegin seines Teams in die Fänge des Täters gerät.
Ingesamt bleiben die Figuren für meinen Geschmack aber etwas zu klischeehaft. Auch wenn das Privatleben im Krimi eine untergeordnete Rolle spielen soll, dürften die Protagonisten gerne etwas mehr Persönlichkeit und charakteristische Eigenheiten haben.