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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2021

Literatur, Kunst und undurchschaubare Frauen

Die dritte Frau
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Das Renaissance-Gemälde „Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern“ ist erneut – nach „Die Purpurlinie“ Dreh- und Angelpunkt eines Romanes von Wolfram Fleischhauer.

Ein Autor, dessen Erstlingswerk ...

Das Renaissance-Gemälde „Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern“ ist erneut – nach „Die Purpurlinie“ Dreh- und Angelpunkt eines Romanes von Wolfram Fleischhauer.

Ein Autor, dessen Erstlingswerk genau dieses Gemälde und seine Geschichte zum Thema hatte, kommt in den Besitz neuer Quellen und lernt dabei die ebenso undurchschaubare wie faszinierende Camille Balzac kennen – keine geringere als eine Nachfahrin der zweiten Dame auf besagtem Gemälde.

Während er immer tiefer in den Sog der Quellen gezogen wird, erliegt er immer mehr dem Reiz von Camille und dem gefährlichen Spiel, das diese Frau mit ihm treibt und dass sich immer mehr einem Abgrund nähert.

Wolfram Fleischhauer ist ein faszinierender Roman gelungen, der den Spagat zwischen Historie und Gegenwart gekonnt meistert. Je mehr man liest, um so mehr möchte man über die Geschichte Heinrich IV und der drei Frauen, die sein Leben bestimmten, erfahren. Gleichzeitig erhält man Einblicke in die Nöte eines Schriftstellers, der nach Inspiration ringt. Und nicht zuletzt ist da diese zerstörerische Amour Fou einer weiteren, sehr modernen tragischen Frauengestalt. Das alles hätte noch etwas tiefer gehen können, ist aber durchaus fesselnd und sprachlich toll geschrieben.

Mein Fazit: Ein faszinierender Roman, der zur Eigenrecherche anregt. Nicht nur für Kunstliebhaber.

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Veröffentlicht am 22.09.2019

Spannend und absolut lesenswert

Das Mädchen Jannie
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In ihrem neuesten Roman erzählt Petra Hammesfahr die Geschichte von Jannie, einem ca. 11-jährigen Mädchen, das mit 4 Jahren von seinem Großvater an einen rumänischen Clan verkauft wurde und nun gemeinsam ...

In ihrem neuesten Roman erzählt Petra Hammesfahr die Geschichte von Jannie, einem ca. 11-jährigen Mädchen, das mit 4 Jahren von seinem Großvater an einen rumänischen Clan verkauft wurde und nun gemeinsam mit anderen Kindern und Frauen bettelnd durch Deutschland zieht. Als eine mitfühlende Frau ihren kleinen kranken Begleiter mit ins Haus nimmt, flüchtet Jannie voller Panik und findet Zuflucht auf dem einsam gelegenen Hof von Dieter Leuken. Hier findet sie das erste Mal in ihrem Leben ein Zuhause, nicht ahnend, dass sie in allergrößter Gefahr schwebt. Denn Dieter ist nicht nur ein einfacher Landwirt, sondern auch ein sadistischer Psychopath, der von dem Wunsch, Bestsellerautor zu werden, besessen ist, und der nicht davor zurückschreckt, für besonders authentische Szenen über Leichen zu gehen.
Insgesamt gibt es vier Handlungsstränge die gekonnt miteinander verwoben einen spannenden Thriller ergeben, der einen von den ersten Seiten an in seinen Bann zieht. Auch wenn die Ermittlungen von Kommissar Klinkhammer sich stellenweise etwas langatmig hinziehen, hatte ich ständig das Bedürfnis, unbedingt weiterlesen zu müssen.
Besonders gelungen fand ich die Figur des Dieter Leuken: obwohl seine kranken Phantasien in schonungsloser Deutlichkeit dargestellt werden, kann man stellenweise fast Mitleid mit ihm bekommen, einer absolut zerrissenen Persönlichkeit, die eigentlich ein gutes Herz hat, aber unbedingt mehr sein will, als ein Versager.
Das Herzstück des Romans jedoch sind Jannies Erzählungen aus dem Milieu der Menschenhändler, in denen Menschen eine austauschbare Ware sind. Wie oft begegnen einem die Bettler in den Städten, wie oft wenden wir uns ab, ohne uns einmal Gedanken über die Schicksale dieser Menschen zu machen? Wie oft liest oder hört man von den Frauen, die auf dem Straßenstrich ihr Geld verdienen, ohne sich darüber weiter Gedanken zu machen? Petra Hammesfahr hat mit Jannie, Dana, Radu und all den anderen genau diesen tragischen Existenzen am Rande der Gesellschaft ein Gesicht und Namen gegeben und zumindest mich sehr zum Nachdenken angeregt.
Mein Fazit: ein packender Thriller - schonungslos geschrieben. Absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Gefährliche Geheimnisse

The Exes
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Nach einigen Enttäuschungen scheint Natalie endlich ihren Mr. Right gefunden zu haben. James ist charmant, liebevoll, gut aussehend und wohlhabend. Eine richtig gute Partie. Doch die Vergangenheit lastet ...

Nach einigen Enttäuschungen scheint Natalie endlich ihren Mr. Right gefunden zu haben. James ist charmant, liebevoll, gut aussehend und wohlhabend. Eine richtig gute Partie. Doch die Vergangenheit lastet schwer auf Nats Schultern, hatten ihre Ex-Freunde doch alle ein paar unschöne Gemeinsamkeiten, waren verletzend, demütigend und manipulierend. Und alle sind tot.
Aber auch James scheint Geheimnisse zu haben und schon bald fallen all die kleinen und großen Lügen in sich zusammen.

Mit „The Exes“ hat Leodora Darlington einen beeindruckenden Debütroman über toxische Beziehungen und gefährliche Familiengeheimnisse geschrieben. Erzählt wird größtenteils aus der Sicht von Nat, doch auch James und Nats Schwester Claire kommen immer zu Wort. Dabei wird immer wieder in die Vergangenheit gesprungen, so dass sich die Geschichte in kleinen Dosen offenbart. Das liest sich spannend und gut, auch wenn es stellenweise Längen gibt. Doch die Wendungen sind allesamt unerwartet und konnten mich immer wieder überraschen.

Mein Fazit: Gelungener, spannender Roman über toxische Beziehungen und dunkle Familiengeheimnisse. Lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Das Ritz, die Deutschen und der jüdische Barmann

Der Barmann des Ritz
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Frank Meier war zu seiner Zeit der wohl berühmteste Barkeeper der Welt. Geboren in Österreich, erlernte in New York die hohe Kunst der Cocktailzubereitung und erlangte durch seine Eigenkreationen einen ...

Frank Meier war zu seiner Zeit der wohl berühmteste Barkeeper der Welt. Geboren in Österreich, erlernte in New York die hohe Kunst der Cocktailzubereitung und erlangte durch seine Eigenkreationen einen einzigartigen Ruf. Große Namen wie Hemingway oder Fitzgerald zählte Meier nicht nur zu seinen Kunden, sondern auch zu seinen Freunden. 1921 kehrte er nach Europa zurück und wurde Barmann des Hotel Ritz in Paris. Und so kam es, dass er während der Besetzung Frankreichs durch die Deutsche Wehrmacht auch deutsche Offiziere und Generäle bediente. Doch Frank Meier hatte ein Geheimnis: er war Jude.

In ruhiger Sprache erzählt Philippe Collin die Geschichte eines Überlebenden, eines Mannes, der mitten in den Reihen der Feinde steht, der als Barmann manchmal fast unsichtbar wirkt und daher alles mitbekommt, was um ihn gesprochen wird. Ein Kriegsgewinnler, der während Paris in Stille, Hunger und Verzweiflung versinkt, im steten Überfluss des Hotel Ritz lebt. Und ein Mensch, der ohne es zu ahnen eine Rolle in der berüchtigten Operation Walküre spielte. Dieser Roman hat mich von Anfang an gefesselt und berührt, immer wieder zum Nachdenken gebracht.

Mein Fazit: fesselnder Roman über eine düstere Zeit, heute wichtiger denn je.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Freundschaft, Lügen und Missbrauch

Eine von uns
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Gina führt ein gutes Leben, ist glücklich mit Matt, dem ehemaligen Mädchenschwarm der Schule, verheiratet und zwei wunderbare kleine Kinder. Als ihr Haus abbrennt, hat sie Glück im Unglück, denn ihre Freundin ...

Gina führt ein gutes Leben, ist glücklich mit Matt, dem ehemaligen Mädchenschwarm der Schule, verheiratet und zwei wunderbare kleine Kinder. Als ihr Haus abbrennt, hat sie Glück im Unglück, denn ihre Freundin bietet ihr an, in ihrem Haus zu wohnen, bis ihr eigenes wieder bewohnbar ist. Doch dann steht plötzlich eine fremde Frau vor der Tür und stellt sich als Annies Haushälterin Mary vor. Gina hat direkt ein ungutes Gefühl und als Mary immer mehr in Ginas Leben eindringt und seltsame Dinge geschehen, ist sich Gina sicher, dass Mary einen Plan verfolgt. Und dass dieser Plan etwas mit dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin Sara vor Jahren zu tun hat. Die Lage spitzt sich immer mehr zu und Gina muss erkennen, dass die Wahrheit noch viel grausamer ist, als sie es sich jemals hätte vorstellen können.

Dieser Thriller hat es wirklich in sich: was zunächst wie eine Geschichte über Freundschaft und Familie beginnt, entwickelt sich zu einem unheimlichen Thriller um Missbrauch, Lügen und Betrug.
Das ist spannend geschrieben, mit Figuren, die zum großen Teil recht authentisch erscheinen. Dank Perspektivwechsel kann man sich gut in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten hineinversetzen. Zeitsprünge erhöhen die Spannung und offenbaren erst nach und nach eine Geschichte, die einen berührt und schockiert. Die Atmosphäre des Hauses ist immer ein wenig düster und unheimlich und einige unvorhergesehene Wendungen sorgen für einen stetigen Anstieg des Spannungsbogen.

Mein Fazit: gelungener Thriller über Freundschaft und Missbrauch. Sehr lesenswert.

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