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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2017

Eine eher ruhige und gefühlvolle Geschichte

Die zwei Leben der Florence Grace
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Florrie, die schon früh ihre Eltern verloren hat, führt mit ihrer Großmutter ein hartes und entbehrungsreiches Leben in Cornwall. Sie ist sehr naturverbunden und liebt das Moor über alles. Als ihre Großmutter ...

Florrie, die schon früh ihre Eltern verloren hat, führt mit ihrer Großmutter ein hartes und entbehrungsreiches Leben in Cornwall. Sie ist sehr naturverbunden und liebt das Moor über alles. Als ihre Großmutter stirbt, kommt sie zu ihrer reichen aber bis dato unbekannten Familie nach London, die sie nicht gerade bereitwillig aufnimmt.
Es ist interessant zu beobachten wie si
ch Florrie nach und nach in Florence verwandelt. Findet sie zu Beginn noch, dass ihre neue Familie von allem zu viel hat – zu viel Essen, zu viel Kleidung – gewöhnt sie sich nach und nach daran und übernimmt den Lebensstil weitestgehend. Während der ganzen Zeit verlässt sie jedoch die Sehnsucht nach ihrer Heimat mit den weiten Mooren nicht.

Die Person der Florrie ist sehr gut dargestellt. Ihre innerliche Zerrissenheit zwischen Heimweh, Loyalität und Pflichtgefühl zur Familie; Sehnsucht und Heimlichtuerei bis zur Lüge was ihre große Liebe angeht, ist durchweg fühlbar.

Die übrigen Charaktere sind ebenfalls sehr authentisch in ihrem Tun und Handeln. Die bildhafte Beschreibung lassen die Lebensumstände im 19. Jahrhundert lebendig werden.

Erzählt wird aus Sicht von Florrie in einem angenehmen und gut zu lesenden Schreibstil.

Meiner Meinung nach setzt das Cover den Inhalt der Geschichte sehr gut um. Auf der Vorderseite sieht man die Toreinfahrt mit Florence im Vordergrund und den prachtvollen Familiensitz im leichten Dunst im Hintergrund. Auf der Rückseite ist nur noch die Toreinfahrt zu sehen.

Mir hat es trotz einiger kleiner Längen im Verlauf der Geschichte gut gefallen. Besonders das Ende, das aufzeigt wie wenig an materiellen Gütern man wirklich zum Glücklichsein benötigt, fand ich sehr gelungen.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Geheimdienste mischen in der Kunstszene mit

Der Raub
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Gabriel Allon ist in seinem geliebten Venedig und restauriert ein Altarbild als die italienische Polizei seine Hilfe einfordert. Am Comer See wurde ein Kunstsammler brutal ermordet. Er nimmt diesen Auftrag ...

Gabriel Allon ist in seinem geliebten Venedig und restauriert ein Altarbild als die italienische Polizei seine Hilfe einfordert. Am Comer See wurde ein Kunstsammler brutal ermordet. Er nimmt diesen Auftrag nur an, weil sein langjähriger Freund Isherwood als Hauptverdächtiger gilt.

In seinem zweiten „Beruf“ als israelischer Geheimagent wandelt sich Allon vom liebevollen Ehemann und kunstbegeistertem Restaurator in einen knallharten und mit allen Wassern gewaschenen Agenten, der auch vor unlauteren Machenschaften nicht zurückschreckt.

In diesem 14. Band der Reihe erhält der Leser sehr viele Informationen aus der Kunstszene. Es geht um bekannte Maler und ihre Bilder, um Sammler und Fälscher. Hier hat der Autor sehr gut recherchiert.
Bei der Lösung des Falls nutzt Allon sein über die Jahre gestricktes Netzwerk und wir bewegen uns wie auch schon in anderen Bänden dieser Reihe quer durch Europa. Er entwickelt einen ausgeklügelten Plan, um ein seit langem verschwundenes Gemälde aufzutreiben. Als die Spuren zur syrischen Herrscherfamilie führen wird die Geschichte zunehmend politischer.

Insgesamt eine spannende und gut konstruierte Geschichte, die durch einige zu langatmige Beschreibungen zwischendurch aber Längen aufweist. Außerdem fordern die zahlreich mitwirkenden Personen und ihre Verflechtungen höchste Konzentration des Lesers, damit der Überblick nicht verloren geht.

Der gut lesbare und fesselnde Schreibstil hat es mir angetan. Die Charaktere sind entsprechend ihrer Rolle sehr gut ausgearbeitet und kommen authentisch rüber.

Bei der Bewertung schwankte ich zwischen 3 und 4 Sternen; aufgrund des sehr spannenden letzten Teils habe ich mich für 4 Sterne entschieden.

Veröffentlicht am 07.04.2017

Ein emotionales Buch über Liebe, Trauer und deren Bewältigung

Das Brombeerzimmer
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Nora ist Ende zwanzig und hat vor einem Jahr ihren Ehemann Julian verloren, der nach einer Herzmuskel-Erkrankung plötzlich verstorben ist. An diesem Tag, an dem sich der Todestag jährt, kocht Nora wie ...

Nora ist Ende zwanzig und hat vor einem Jahr ihren Ehemann Julian verloren, der nach einer Herzmuskel-Erkrankung plötzlich verstorben ist. An diesem Tag, an dem sich der Todestag jährt, kocht Nora wie an jedem Sonntag Marmelade, weil Julian ganz verrückt nach ihren Kreationen war.

Bei Aufräumarbeiten findet sie einen Brief von seiner Großtante Klara, die ebenfalls begeistert Marmeladen herstellt. Sie hat ihm eines ihrer Spezialrezepte und Kostproben zur Verfügung gestellt, damit er Nora damit an ihrem Hochzeitstag überraschen kann. Leider kam es ja nicht mehr zu der Überreichung des Geschenks.

Nora macht sich auf den Weg zu Klara, die in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt.

Die Geschichte beginnt sehr traurig mit dem Todestag Julians. Nora hat in dem vergangenen Jahr mehr in der Vergangenheit gelebt und nicht wirklich mit der Trauerbewältigung begonnen. Sie denkt ständig an Julian, ihr gemeinsames Leben und kann noch nicht los lassen. Dieser Teil ist sehr bewegend geschrieben und hat mich sehr berührt. Ich konnte gar nicht anders als mit Nora zu fühlen.

Erst als sie auf Julians Tante Klara und Mandy trifft, kann sie ihre Gedanken langsam auf eine Zukunft richten. Mit den beiden Frauen hat sie Gleichgesinnte gefunden, denn sie lieben es ebenfalls Marmeladen, Liköre oder Torten zu kreieren.

Zum Ende offenbart sich noch ein Familiengeheimnis, das aufgedeckt wird. Dieser Teil hat mir nicht ganz so gut gefallen. Das ganze wird im Schnelldurchgang und ziemlich oberflächlich abgehandelt, ohne bleibende Spuren bei den Betroffenen zu hinterlassen.

Das Ende der Geschichte ist sehr offen gehalten und lässt alle Möglichkeiten offen … auch die eines Folgebandes.

Eine bewegende Geschichte, geschrieben in einem tollen Schreibstil mit sympathischen Charakteren. Angefangen bei dem zum Titel und Inhalt passenden Cover, über die eingefügten Rezepte (von denen ich sicherlich das ein oder andere ausprobieren werde) bis zu der Geschichte selbst ist es ein gelungenes und stimmiges Ganzes.

Veröffentlicht am 31.03.2017

Leider nicht so spannend wie erwartet

Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)
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„Die Leiche schwebt nackt ein Stück über dem Dielenboden. Hunderte beinahe unsichtbare Fäden fixieren sie in dieser Stellung. Detective Wolf brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was er da sah. Im ...

„Die Leiche schwebt nackt ein Stück über dem Dielenboden. Hunderte beinahe unsichtbare Fäden fixieren sie in dieser Stellung. Detective Wolf brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was er da sah. Im Näherkommen fielen ihm die groben Stiche auf, die die nicht zueinander passenden Körperteile zusammenhielten. Eine Leiche und sechs Opfer.“

Der Klappentext verspricht schon mal Spannung pur und der erste Teil kann dieses Versprechen auch halten. Danach aber hat die Geschichte Längen bevor es zum Ende hin wieder besser wird.

Grundsätzlich bin ich froh, wenn ein Autor detailliert beschreibt, denn dann habe ich von handelnden Personen, Schauplätzen und Szenen eine viel bessere Vorstellung. In diesem Fall wird das m. E. an vielen Stellen jedoch übertrieben. Ich erhalte Informationen, die für die Geschichte in keiner Weise relevant sind. Dann noch das Verwirrspiel mit den vielen beteiligten Ermittlern und der diversen Namensgebungen für den Protagonisten – Wolf, Fawkes oder auch Will.

Der Protagonist ist mal ein besonderer Charakter. Scheinbar vollkommen durchgeknallt, rastet er zwischendurch völlig aus, hält sich an keine Anweisung oder gar Vorschrift. Dieses Verhalten bringt durchaus Schwung in den Ablauf. Ich konnte mich aber weder für ihn noch für einen der anderen Hauptpersonen erwärmen.

Die Idee wie es zu diesen Morden kam oder auch die Ausführungen waren mal was and
eres und haben mir durchaus gefallen.

Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen.

Ich schwanke bei der Bewertung zwischen 3 und 4 Sternen – leider ist eine 3 ½ nicht möglich. Aufgrund des spannenden Beginns und der guten Idee schlägt das Pendel zu 4 Sternen aus.

Veröffentlicht am 25.03.2017

Köstlich, aber nicht ganz so spannend

Voll von der Rolle
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In diesem Band ermittelt Loretta bereits zum achten Mal. Frank hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt und ein für den Ruhrpott so typisches Büdchen erworben. Damit Kropkas Klümpchenbude ein voller Erfolg ...

In diesem Band ermittelt Loretta bereits zum achten Mal. Frank hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt und ein für den Ruhrpott so typisches Büdchen erworben. Damit Kropkas Klümpchenbude ein voller Erfolg wird helfen Loretta und Co. kräftig mit. Aber bereits nach kurzer Zeit zeigt sich, dass Frank gar nicht so glücklich mit seinem Büdchen ist, denn eine Jugendbande macht ihm mit unbezahlten Einkäufen zu schaffen. Als Loretta eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes über die Leiche eines der Bandenmitglieder stolpert, gibt’s für sie keine Halten mehr und mit Freund Erwin nimmt sie eigene Ermittlungen auf.

Lotte Minck hat es wieder geschafft, die Besonderheiten des Ruhrpotts und seiner Bewohner liebevoll in einer neuen Geschichte zu verpacken. Loretta und ihre Kumpanen begleiten wir ja schon eine Weile und sie sind uns mittlerweile mit ihren Eigenheiten ans Herz gewachsen. Nun wird die Runde erweitert durch die drei Oppas Locke, JuppZwo und Steiger, die ein sehr belebendes Trio sind und uns hoffentlich erhalten bleiben. Der Ruhrpottslang und die Situationskomik tragen sehr zur Unterhaltung des Lesers bei.

Auch wenn mir das Geschehen um die Jugendbande auf ihren Skateboards nicht zu sehr aus der Luft gegriffen zu sein scheint, fehlte es mir in diesem Fall etwas an Spannung. Außerdem hätte ich mir in einigen Situationen gewünscht, dass die Männer mehr Mumm haben und nicht Loretta diejenige ist, die den Burschen alleine die Stirn bietet.

Insgesamt haben wir es wieder mit einer wunderbar unterhaltsamen und teilweise zum Brüllen komischen Krimödie zu tun - ein Muss für alle Loretta-Fans.