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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2017

Wunsch und Wirklichkeit kommen nicht immer zusammen

Das geträumte Land
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Jende Jonga hat es mit Hilfe seines Cousins geschafft, seine Heimat Kamerun zu verlassen und nach New York zu kommen. Er arbeitet hart und lebt sparsam, trotzdem dauert es 1 ½ Jahre bis er seine Frau Neni ...

Jende Jonga hat es mit Hilfe seines Cousins geschafft, seine Heimat Kamerun zu verlassen und nach New York zu kommen. Er arbeitet hart und lebt sparsam, trotzdem dauert es 1 ½ Jahre bis er seine Frau Neni und seinen Sohn Liomel nachholen kann. Dann hat Jende Glück und bekommt den Job als Chauffeur bei Clark Edwards, der eine gehobene Position bei Lehman Brothers innehat. Alles könnte gut sein, wenn Jende sich nicht um seine Greencard sorgen müsste, denn bisher hat er nur eine Arbeitserlaubnis und Neni ein Studentenvisum.
Gegensätzlicher könnten die beiden Familien nicht sein; die Edwards sind reich, wohnen großzügig, haben ein Sommerhaus und Dienstboten, gehören zur High Society in New York, leben in gesicherten Verhältnissen und daneben die Jongas, sie kommen aus ärmlichen Verhältnissen in Kamerun, leben in einer kleinen mit Kakerlaken verseuchten Wohnung und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen solange sie keine endgültigen Papiere haben.
Jende ist mir mit seiner freundlichen und offenen Art direkt ans Herz gewachsen auch wenn er sich aufgrund der Umstände im Verlauf der Zeit verändert und ich nicht alles gut heißen kann was er macht. Eine Veränderung ist auch bei den anderen Protagonisten aufgrund der Ereignisse sichtbar. Diese Veränderungen machen die Charaktere so authentisch. Das Ende hat mich dann doch überraschen können, denn so hatte ich es nicht erwartet, aber es passt.
Gut gefallen haben mir die Einblicke in den kameruner Alltag und die eingeflochtenen Sätze in der Landessprache. Der Erzählstil ist toll und lässt sich sehr flüssig lesen.
Imbolo Mbue greift sozialkritische und aktuelle Themen wie Auswanderung oder die Lehmann-Pleite auf und hat sie in ihrem Debütroman wunderbar verarbeitet. Ein wirklich lesenswertes Buch!

Veröffentlicht am 05.05.2017

Der etwas andere Reiseführer

Wien abseits der Pfade Band II
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Für seine Spaziergänge/Wanderungen hat sich Georg Renöckl sieben Bezirke Wiens ausgesucht. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Kartenausschnitt, in dem die verschiedenen Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet ...

Für seine Spaziergänge/Wanderungen hat sich Georg Renöckl sieben Bezirke Wiens ausgesucht. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Kartenausschnitt, in dem die verschiedenen Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet sind. Dadurch hat man vor dem Start einen guten Überblick wohin es gehen wird. Am Ende des Kapitels werden die besonderen Orte noch einmal aufgelistet und kurz charakterisiert. Als besonderes Highlight bekommt der Leser noch spezielle Rezepte von unterwegs zu bekommenden Köstlichkeiten.
Mir haben diese Spaziergänge durch Wien richtig gut gefallen. Man bekommt hier nicht die touristischen Sehenswürdigkeiten vorgesetzt sondern erhält ein authentischeres Bild der Stadt und seiner Bevölkerung. Ich bezweifele, dass ich ohne dieses Büchlein jemals etwas über einen Schneckenzüchter erfahren hätte, wüsste was eine Bassena ist oder einen der letzten Klavierbauer Wiens kennen gelernt hätte.
Der Leser bekommt hier keine trockene Aufzählung sondern in einem sehr ansprechenden Schreibstil erzählt der Autor aus vergangenen und gegenwärtigen Zeiten über Stadtgeschichte, Gebäude, Personen, Kulinarisches und, und, und …..
Sicher wird man bei seinem ersten Wien-Besuch auch die bekannten Sehenswürdigkeiten besuchen wollen, aber bei einem längeren oder wiederholten Aufenthalt in der Hauptstadt Österreichs sollte man ruhig mal abseits der ausgetretenen Pfade einen der hier vorgestellten Weg gehen. M. E. ist für jeden Geschmack was dabei. Bei mir steht Wien schon länger auf der Wunschliste und ich bin ziemlich sicher, dass ich dann auch den ein oder anderen hier beschriebenen Spaziergang machen werde.

Veröffentlicht am 24.04.2017

Eine eher ruhige und gefühlvolle Geschichte

Die zwei Leben der Florence Grace
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Florrie, die schon früh ihre Eltern verloren hat, führt mit ihrer Großmutter ein hartes und entbehrungsreiches Leben in Cornwall. Sie ist sehr naturverbunden und liebt das Moor über alles. Als ihre Großmutter ...

Florrie, die schon früh ihre Eltern verloren hat, führt mit ihrer Großmutter ein hartes und entbehrungsreiches Leben in Cornwall. Sie ist sehr naturverbunden und liebt das Moor über alles. Als ihre Großmutter stirbt, kommt sie zu ihrer reichen aber bis dato unbekannten Familie nach London, die sie nicht gerade bereitwillig aufnimmt.
Es ist interessant zu beobachten wie si
ch Florrie nach und nach in Florence verwandelt. Findet sie zu Beginn noch, dass ihre neue Familie von allem zu viel hat – zu viel Essen, zu viel Kleidung – gewöhnt sie sich nach und nach daran und übernimmt den Lebensstil weitestgehend. Während der ganzen Zeit verlässt sie jedoch die Sehnsucht nach ihrer Heimat mit den weiten Mooren nicht.

Die Person der Florrie ist sehr gut dargestellt. Ihre innerliche Zerrissenheit zwischen Heimweh, Loyalität und Pflichtgefühl zur Familie; Sehnsucht und Heimlichtuerei bis zur Lüge was ihre große Liebe angeht, ist durchweg fühlbar.

Die übrigen Charaktere sind ebenfalls sehr authentisch in ihrem Tun und Handeln. Die bildhafte Beschreibung lassen die Lebensumstände im 19. Jahrhundert lebendig werden.

Erzählt wird aus Sicht von Florrie in einem angenehmen und gut zu lesenden Schreibstil.

Meiner Meinung nach setzt das Cover den Inhalt der Geschichte sehr gut um. Auf der Vorderseite sieht man die Toreinfahrt mit Florence im Vordergrund und den prachtvollen Familiensitz im leichten Dunst im Hintergrund. Auf der Rückseite ist nur noch die Toreinfahrt zu sehen.

Mir hat es trotz einiger kleiner Längen im Verlauf der Geschichte gut gefallen. Besonders das Ende, das aufzeigt wie wenig an materiellen Gütern man wirklich zum Glücklichsein benötigt, fand ich sehr gelungen.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Geheimdienste mischen in der Kunstszene mit

Der Raub
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Gabriel Allon ist in seinem geliebten Venedig und restauriert ein Altarbild als die italienische Polizei seine Hilfe einfordert. Am Comer See wurde ein Kunstsammler brutal ermordet. Er nimmt diesen Auftrag ...

Gabriel Allon ist in seinem geliebten Venedig und restauriert ein Altarbild als die italienische Polizei seine Hilfe einfordert. Am Comer See wurde ein Kunstsammler brutal ermordet. Er nimmt diesen Auftrag nur an, weil sein langjähriger Freund Isherwood als Hauptverdächtiger gilt.

In seinem zweiten „Beruf“ als israelischer Geheimagent wandelt sich Allon vom liebevollen Ehemann und kunstbegeistertem Restaurator in einen knallharten und mit allen Wassern gewaschenen Agenten, der auch vor unlauteren Machenschaften nicht zurückschreckt.

In diesem 14. Band der Reihe erhält der Leser sehr viele Informationen aus der Kunstszene. Es geht um bekannte Maler und ihre Bilder, um Sammler und Fälscher. Hier hat der Autor sehr gut recherchiert.
Bei der Lösung des Falls nutzt Allon sein über die Jahre gestricktes Netzwerk und wir bewegen uns wie auch schon in anderen Bänden dieser Reihe quer durch Europa. Er entwickelt einen ausgeklügelten Plan, um ein seit langem verschwundenes Gemälde aufzutreiben. Als die Spuren zur syrischen Herrscherfamilie führen wird die Geschichte zunehmend politischer.

Insgesamt eine spannende und gut konstruierte Geschichte, die durch einige zu langatmige Beschreibungen zwischendurch aber Längen aufweist. Außerdem fordern die zahlreich mitwirkenden Personen und ihre Verflechtungen höchste Konzentration des Lesers, damit der Überblick nicht verloren geht.

Der gut lesbare und fesselnde Schreibstil hat es mir angetan. Die Charaktere sind entsprechend ihrer Rolle sehr gut ausgearbeitet und kommen authentisch rüber.

Bei der Bewertung schwankte ich zwischen 3 und 4 Sternen; aufgrund des sehr spannenden letzten Teils habe ich mich für 4 Sterne entschieden.

Veröffentlicht am 07.04.2017

Ein emotionales Buch über Liebe, Trauer und deren Bewältigung

Das Brombeerzimmer
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Nora ist Ende zwanzig und hat vor einem Jahr ihren Ehemann Julian verloren, der nach einer Herzmuskel-Erkrankung plötzlich verstorben ist. An diesem Tag, an dem sich der Todestag jährt, kocht Nora wie ...

Nora ist Ende zwanzig und hat vor einem Jahr ihren Ehemann Julian verloren, der nach einer Herzmuskel-Erkrankung plötzlich verstorben ist. An diesem Tag, an dem sich der Todestag jährt, kocht Nora wie an jedem Sonntag Marmelade, weil Julian ganz verrückt nach ihren Kreationen war.

Bei Aufräumarbeiten findet sie einen Brief von seiner Großtante Klara, die ebenfalls begeistert Marmeladen herstellt. Sie hat ihm eines ihrer Spezialrezepte und Kostproben zur Verfügung gestellt, damit er Nora damit an ihrem Hochzeitstag überraschen kann. Leider kam es ja nicht mehr zu der Überreichung des Geschenks.

Nora macht sich auf den Weg zu Klara, die in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt.

Die Geschichte beginnt sehr traurig mit dem Todestag Julians. Nora hat in dem vergangenen Jahr mehr in der Vergangenheit gelebt und nicht wirklich mit der Trauerbewältigung begonnen. Sie denkt ständig an Julian, ihr gemeinsames Leben und kann noch nicht los lassen. Dieser Teil ist sehr bewegend geschrieben und hat mich sehr berührt. Ich konnte gar nicht anders als mit Nora zu fühlen.

Erst als sie auf Julians Tante Klara und Mandy trifft, kann sie ihre Gedanken langsam auf eine Zukunft richten. Mit den beiden Frauen hat sie Gleichgesinnte gefunden, denn sie lieben es ebenfalls Marmeladen, Liköre oder Torten zu kreieren.

Zum Ende offenbart sich noch ein Familiengeheimnis, das aufgedeckt wird. Dieser Teil hat mir nicht ganz so gut gefallen. Das ganze wird im Schnelldurchgang und ziemlich oberflächlich abgehandelt, ohne bleibende Spuren bei den Betroffenen zu hinterlassen.

Das Ende der Geschichte ist sehr offen gehalten und lässt alle Möglichkeiten offen … auch die eines Folgebandes.

Eine bewegende Geschichte, geschrieben in einem tollen Schreibstil mit sympathischen Charakteren. Angefangen bei dem zum Titel und Inhalt passenden Cover, über die eingefügten Rezepte (von denen ich sicherlich das ein oder andere ausprobieren werde) bis zu der Geschichte selbst ist es ein gelungenes und stimmiges Ganzes.