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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2026

Köstlich geschrieben

Der Goldfisch meiner Schwester
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Ich gebe zu, alleine der Titel hat mich zunächst ein wenig von dem Buch abgeschreckt, ebenso das etwas schräg und leicht provozierende Cover.

Es ist mir auch anfänglich nicht leicht gefallen, mich in ...

Ich gebe zu, alleine der Titel hat mich zunächst ein wenig von dem Buch abgeschreckt, ebenso das etwas schräg und leicht provozierende Cover.

Es ist mir auch anfänglich nicht leicht gefallen, mich in den Stil der Autorin und in die Handlung hinein zu finden. Aber das hat sich schnell geändert.

Die Figuren sind ebenso skurril wie teils liebenswert, teils abstoßend. Besonders gut gefallen hat mir, dass nicht schwarz-weiß gezeichnet wird, sondern dass die Charaktere viele Schattierungen aufweisen, dass Entwicklungen vorhanden, glaubwürdig und gut geschildert sind.

Und hinter allem schlummert und scheint immer wieder auf ein wirklich eigenwilliger Humor, der die Erzählerin mit viel Ironie, Selbstreflektion und Liebe auf die Menschen ihrer Umgebung und auf sich selbst und ihr Leben blicken lässt.

Sehr schön zu lesen.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Authentisch, akribisch, spannend, düster, wertvoll

Nacht der Ruinen
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Ich kannte Cay Rademacher bisher als Autor von gut zu lesenden, leichter verdaulichen Regionalkrimis und mochte ihn sehr. Letzteres hat sich auch nicht verändert, wenngleich dieses Buch für mich zunächst ...

Ich kannte Cay Rademacher bisher als Autor von gut zu lesenden, leichter verdaulichen Regionalkrimis und mochte ihn sehr. Letzteres hat sich auch nicht verändert, wenngleich dieses Buch für mich zunächst nicht leicht zugänglich war.

Nach einem superspannenden Anfang - der Beschreibung eines Schauder, Übelkeit und Gänsehaut erzeugenden Flugzeugabschusses - bewegen wir uns mit dem jüdischen Deutschamerikaner Joe Salmon durch das zerstörte Köln in den letzten Kriegstagen. Er soll ein Verbrechen aufklären und versucht gleichzeitig, Spuren seiner deutschen Freunde aus vergangenen Tagen zu finden.

Cay Rademacher beschreibt all dies sehr detailgetreu und hat offensichtlich akribisch recherchiert, aber genau diese Genauigkeit nimmt dem Buch streckenweise die Spannung, zumindest in der ersten Hälfte und zumindest was mich betrifft, die ich mich nicht gerne seitenweise mit technischen Details der Kriegsgeräte und der Beschreibung des Ruinenszenarios in Köln fesseln lasse. Das allerdings ist sicherlich subjektiv.

Und - im letzten Drittel nimmt die Geschichte noch einmal sehr viel Tempo auf, so dass ich die letzten 100 Seiten geradezu verschlungen habe

Ich finde es wichtig und großartig, dass diese doch sehr selten literarisch beleuchteten Tage des Übergangs vom Krieg zu Besatzung zu Waffenstillstand zu Frieden hier ausführlich betrachtet und in eine fiktive Handlung eingewoben werden, die an und für sich menschlich sehr spannend ist, aber - siehe oben.... Dennoch gehen wir mit JOe Salmon auch einige Irrwege, und die Auflösung kam dann doch RELATIV überraschend.

Auch die Menschen, denen wir im Roman begegnen und die es wirklich gab in dieser Zeit, wie George Orwell, Adenauer, Irmgard Keun, geben dem Buch eine besondere Note.

Gut ist meines Erachtens auch, dass der Autor am Schluss erklärt, was real und was fiktiv war.

Fazit: unbedingt lesenswert, wenn auch in der ersten Hälfte mit weniger Detailtreue noch mehr Spannung erreichbar gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 06.11.2022

Intelligent, witzig, nostalgisch

Der Fußgänger
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Schönes Cover, das bereits den Humor und den Hang zum Bissigen bis Grotesken des Autors impliziert. Die rote Aktentasche, die im Verlauf des Textes eine bemerkenswerte Rolle spielt, sticht sofort ins Auge ...

Schönes Cover, das bereits den Humor und den Hang zum Bissigen bis Grotesken des Autors impliziert. Die rote Aktentasche, die im Verlauf des Textes eine bemerkenswerte Rolle spielt, sticht sofort ins Auge und wirkt gleichzeitig skurril und elegant.

Außerdem hat sie mich schmerzlich und nostalgisch an meinen allerersten Schulranzen erinnert - der war tomatenrot und neben den damals vorherrschenden braunen Ranzen ein hübscher Exot.

Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Die Ironie hat ebenso Platz wie nostalgische Erinnerungen an Kindheitsschrecken und -freuden im Zusammenhang mit Gehen im engeren und weiteren Sinn.

Schön finde ich u.a. auch, wie er sich über verbissene Outdoorfanatiker lustig macht..

Man darf keinen sanften esoterischen philosophischen Text über das Wandern erwarten – habe ich auch nicht.

Vielmehr tobt sich Wigald Boning sehr vergnügt zwischen Humor, Sarkasmus, Nostalgie, Frechheit und Unkonventionalität aus. Er geht völlig respektlos, aber immer nett und nie zynisch, mit allem scheinbar Vorgegebenem um.

Köstlich sind diverse Abhandlungen über skurrile Wander-Accessoires und ebensolche Bekleidungsteile, ebenfalls begeistert haben mich die Kolumnen über die höchsten Wanderberge der deutschen Bundesländer.

Ein herrliches Buch für jeden, der sich selbst, seine Füße und die Welt wirklich mit Humor nimmt.




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Veröffentlicht am 11.05.2021

Romantik und Grusel

Sommernacht
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Ich hatte ein paar Monate zuvor "Neuschnee" von Lucy Foley gelesen und war nun sehr gespannt auf das Nachfolgebuch.

Und - meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.

Es ist eine superspannende Geschichte, ...

Ich hatte ein paar Monate zuvor "Neuschnee" von Lucy Foley gelesen und war nun sehr gespannt auf das Nachfolgebuch.

Und - meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.

Es ist eine superspannende Geschichte, von der ersten bis zur letzten Seite. Sehr flüssig geschrieben und wirklich gut zu lesen, ein echter "Pageturner", fast genauso ein Beziehungs- und Freundschaftsdrama wie ein Psychothriller.

Besonders prickelnd ist der Kontrast zwischen der Szenerie einer prachtvollen romantischen Hochzeit mit allen zugehörigen vorstellbaren Details wie Rosenbläätern, Tanz, romantischen Kleidern und feiner Küche - und das vor dem Hintergrund der Abgeschiedenheit einer düsteren sturmumtosten Insel.

Einzelne der Charaktere sind in ihren hellen und dunklen Details sehr gut getroffen, bei anderen hätte ich mir etwas mehr Tiefe in der Beschreibung der Person und etwas mehr Entwicklung in der Handlung gewünscht. Aber das ist fast Jammern auf hohem Niveau.

Mein Fazit: eine superspannende, wunderbar zu lesende Unterhaltungslektüre, gleichermaßen Psychodrama wie Psychokrimi, wunderbar geeignet für lange Wochenenden, Urlaub, den Liegestuhl auf der Terrasse oder perfekte Ablenkung während eines Klinikaufenthaltes.


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Veröffentlicht am 22.05.2026

Faszinierend, verblüffend und lehrreich

Organisch
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Ich habe bereits "Darm mit Charme" mit großer Faszination gelesen und war sehr gespannt auf das neue und bereits kurz nach Erscheinen hoch gelobte Buch von Giulia Enders.

Meine Erwartungen wurden auch ...

Ich habe bereits "Darm mit Charme" mit großer Faszination gelesen und war sehr gespannt auf das neue und bereits kurz nach Erscheinen hoch gelobte Buch von Giulia Enders.

Meine Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Wirkt auch das Cover sehr "medizinisch" und auf mich, ehrlich gesagt, zunächst eher etwas abschreckend, so ist doch der Inhalt für interessierte Nicht-Mediziner sehr schön gestaltet und gut gegliedert. Mein Highlight waren die wunderbaren naiven Bilder von Giulia Enders' Schwester.

Die Kapitelaufteilung ist prägnant und sinnvoll,die Erläuterungen und Erklärungen für mich als absoluter biologisch-medizinischer Laienfrau zu ca. 70-80 % verständlich.

Um vielleicht doch näher an die 100 % zu kommen, habe ich das Buch gerade ein zweites Mal angefangen zu lesen.

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