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Veröffentlicht am 01.08.2022

Extremer Thriller mit wenig Struktur

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Inhalt:
ER WILL RACHE. ER WILL CHAOS. ER HAT NICHTS ZU VERLIEREN.

An den Stahlseilen der New Yorker Brooklyn Bridge hängt ein Toter. Das Wort »Köder« ist mit tiefen Schnitten in seine Brust geritzt. Das ...

Inhalt:
ER WILL RACHE. ER WILL CHAOS. ER HAT NICHTS ZU VERLIEREN.

An den Stahlseilen der New Yorker Brooklyn Bridge hängt ein Toter. Das Wort »Köder« ist mit tiefen Schnitten in seine Brust geritzt. Das lässt nur einen Schluss zu: Ein Killer kopiert die berühmten Londoner Ragdoll-Morde. Chief Inspector Emily Baxter wird sofort von den US-Ermittlern angefordert. Als beinahe täglich weitere Tote auftauchen – darunter auch Polizisten – geraten der Fall und die Medien außer Kontrolle. Baxter und ihre Kollegen von FBI und CIA werden zum Spielball des grausamen Mörders – wer kann seinen Irrsinn stoppen? Und wer hält im Hintergrund die Fäden in der Hand?
Emily Baxter ist die Hauptperson im zweiten Band und sie sieht sich einer Reihe von bizarr inszenierter Morde in London und in New York gegenüber. Die Gewaltspirale steigert sich schnell und schwankt zwischen Faszination und Ekel. Ebenso wird das Motiv, das hinter all diesen Morden steckt, immer monumentaler und auch verrückter.
Schon im ersten Band „Ragdoll“ hat Daniel Cole nicht mit grausam inszenierten Morden und bizarren Motiven gespart, doch während dort alles auf ein zwar unglaubliches, aber dennoch nachvollziehbares Finale zusteuert, verliert die Geschichte in Hangman schnell an Struktur und damit auch an Spannung. Das Finale endet in einer Gewaltorgie, doch das Motiv des Täters bleibt fast nur eine Randerscheinung. Fast wirkt es so, als hätte sich Daniel Cole mehr auf die Inszenierung als auf die Logik der Handlung konzentriert.
Was die Geschichte dennoch interessant macht, sind die Protagonisten, allen voran Emily Baxter, die es jedem, Freund, Vorgesetzen und Feind mit ihrer unfreundlichen und absolut misstrauischen Art schwer macht. Am besten sind die Passagen, in denen Edmunds, ihr ehemaliger Kollege und wohl ihr einziger Freund, versucht, Ermittlungsarbeit für Emily mit seiner Familie unter einen Hut zu bringen. Leider vergisst Daniel Cole auch hier an einigen interessanten Fäden dranzubleiben, so zum Beispiel Emilys Freund Thomas, der viel erdulden muss.
Leider insgesamt ein eher strukturloser Roman, der es trotz einer hohen Anzahl an Leichen nicht schafft, die Spannung des ersten Bandes zu erzielen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Brutaler Thriller zum Thema Selbstjustiz

Der Zoom-Killer (Tom-Bachmann-Serie 2)
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Der Zoom-Killer ist der zweite Band um den Profiler Tom Bachmann. Es empfiehlt sich den ersten Band „Der Blutkünstler“ davor zu lesen.
Das Cover ist auch dieses Mal sehr gelungen: durch einen bläulichen, ...

Der Zoom-Killer ist der zweite Band um den Profiler Tom Bachmann. Es empfiehlt sich den ersten Band „Der Blutkünstler“ davor zu lesen.
Das Cover ist auch dieses Mal sehr gelungen: durch einen bläulichen, violetten Hintergrund schaut einen ein großes Auge an. Ein schöner Effekt, der sehr gut zum Inhalt passt.
Die Jagd nach dem Zoom-Killer ist streckenweise spannend. Wieder spart Chris Meyer nicht mit blutigen Details, für mich etwas zu viel. Tom Bachmann geht mit seinem Team, allen voran seiner Kollegin Ira an die Ermittlungen, die sie in alle Tiefen menschlicher Perversitäten, die Pornoindustrie und das Darknet führt. Tom Bachmann, der geniale, aber auch empathielose Ermittler, nimmt mit seiner familiären Hintergrundgeschichte einen sehr breiten Platz ein, zumal diese für die Ermittlungen wichtig sind.
Und hier habe ich aus mehreren Gründen meine Probleme. Denn Tom Bachmann ist ein sehr unsympathischer Protagonist, auch seine schwere Kindheit macht ihn da nicht sympathischer. Zudem wirkt diese Vorgeschichte und die dahinterstehende Motivation extrem überzogen und unglaubwürdig. Als Ermittler ist er nicht tragbar, er lässt sich manipulieren und auch dieses Mal wird ihm der Weg zum Killer von jemand anderen gezeigt, dessen Motive er nicht wirklich hinterfragt. Zudem wird hier eine Reihe von Morden als quasi legitime Selbstjustiz hingestellt, von der sich auch Tom Bachmann nicht klar distanziert und nicht wirklich reflektiert.. Zu allem Ärger auch nicht seine Kollegin Ira.
Außer Tom Bachmann bleiben die anderen Personen aus dem Ermittlerteam sehr blass, Ira dieses Mal sogar noch mehr als im ersten Band. Ansonsten sind alle Personen, denen sie bei ihren Ermittlungen begegnen, gescheiterte Existenzen, fast jeder lebt am Abgrund. Das ist oft zu viel schwarz-weiß gemalt, mehr Grautöne täten da gut.
Bei aller Spannung bleibt ein sehr fader Beigeschmack übrig, zumal man sich sehr oft an Chris Carter oder Ethan Cross erinnert fühlt.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Spannender Anfang, doch dann wird es zu viel

Monströs
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Inhalt: Der ehemalige Strafverteidiger Martin Waller hat sich auf das Restaurieren antiker Möbel spezialisiert. Ein Auftrag führt ihn während der Saisonferien in ein nobles Berghotel, wo sich neben dem ...

Inhalt: Der ehemalige Strafverteidiger Martin Waller hat sich auf das Restaurieren antiker Möbel spezialisiert. Ein Auftrag führt ihn während der Saisonferien in ein nobles Berghotel, wo sich neben dem Hoteldirektor und der Eigentümerin nur noch wenige Angestellte aufhalten. Als dann noch ein psychopathischer Mörder, den Martin gut kennt, im Hotel auftaucht, beginnt in der Abgeschiedenheit des Hotels ein Katz- und Mausspiel und es stellt sich die Frage, wer die Fäden in diesem Spiel in Händen hält. Als Martin dann noch Emails seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau Anna erhält. gerät sein Leben endgültig aus den Fugen.
Etwa das erste Drittel dieses Thrillers, der mit grausamen Details nicht spart, hat es in sich und zieht den Leser in seinen Bann. Gut und spannend geschrieben entwickelt der Thriller eine Sogwirkung, die es schwer macht, mit dem Lesen aufzuhören. Leider schreibt sich Chris Karlden dann in einen Rausch, wobei er sämtliche Thrillerthemen und leider auch Klischees in dieses Werk packt. Martin ist nicht nur aufgrund des Todes seiner Frau psychisch labil, er hat zudem noch einen autistischen Sohn und leidet seit seiner Kindheit an Klaustrophobie und Angst vor Schnee (und begibt sich in ein abgelegenes Berghotel mit Lawinengefahr). Bandenkriminalität, Folter, Schizophrenie und ein nerdiger Computerhacker sind Themen, die sich immer mehr anhäufen, so dass die Glaubwürdigkeit immer mehr abnimmt und mich immer öfter den Kopf hat schütteln lassen. Lieber wenige Themen und die dafür gut ausgearbeitet.
Wenn man über die zunehmende Realitätsferne hinwegsehen kann, ist „Monströs“ ein spannender Thriller – ähnlich wie ein James-Bond-Film.

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Skurrile Fälle mit sympathischen Ermittler - etwas spannungsarm

Das Dezernat für heikle Fälle
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Assoziative Gedankengänge und entspannte Ermittler

In Schwedens »Dezernat für heikle Fälle« in Malmö landet all das, was die Kollegen von der Kripo nicht recht einzuordnen wissen: Inspektor Ulf "Wolf" ...

Assoziative Gedankengänge und entspannte Ermittler

In Schwedens »Dezernat für heikle Fälle« in Malmö landet all das, was die Kollegen von der Kripo nicht recht einzuordnen wissen: Inspektor Ulf "Wolf" Varg, seine hübsche Kollegin Anna Bengsdotter und der fliegenfischende Erik Nykvist sind Merkwürdigkeiten gewohnt. In aller Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt machen sie sich an die Ermittlungen im Fall eines hinterhältigen Messerangriffs - auf ein Knie!
Auch die Tatsache, dass der angeblich verschwundene Freund eines jungen Mädchens in Wahrheit gar nicht existiert, kann Ulf nicht aus der Ruhe bringen. Anders sieht es da schon mit der akuten Depression seines treuen Hundes Marten aus, der plötzlich nicht mal mehr Eichhörnchen jagen mag Als dann auch noch ein FKK-Strand in Süd-Schweden von einem Werwolf heimgesucht zu werden scheint, ist Ulfs ganze Kombinationsgabe gefragt.

Verschrobene Ermittler bevölkern das Dezernat und genauso skurril wirken die Fälle. Doch wer hier eine aufregende Verbrecherjagd erwartet, wird enttäuscht sein, denn die Ermittlungen sind genau das Gegenteil. Weil hinter den skurrilen Begebenheiten einfach nur menschliche Schwächen stecken, menschelt es sehr und auch die Ermittler zeigen sich immer wieder von ihrer menschlichen Seite. Zusammengehalten werden die einzelnen Episoden durch den Polizisten Blomquist, der gerne auch zur Kriminalpolizei gehören würde, aber schon an der Rechtschreibung und seiner einfachen Denkweise scheitert. Doch genau dadurch stößt gerade er oft auf die Wahrheit. Viel aufregender wird es, wenn Ulf Varg sich um seinen depressiven Hund oder seine attraktive Kollegin Anna sorgt.

Die Personen in diesem Roman können einen schnell ans Herz wachsen, denn alle sind auf ihre Art herzliche Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Und so schaffen es alle bei den Ermittlungen mit ihren Gedanken abzuschweifen, und so springen die Dialoge oft von Thema zu Thema, von der Motivsuche zu der Frage, ob man Kartoffeln schälen soll oder wie gesund Saunagänge sind.

Mit der Bewertung des Romans tue ich mich etwas schwer, denn einerseits handelt es sich um einen schön geschriebenen Roman, der allerdings mit seinen assoziativen Gedankensprüngen dazu führt, dass man beim Lesen genauso mit seinen Gedanken abschweifen kann. Etwas mehr Spannung hätte dem Roman gut getan So ist es ein netter Roman, bei dem man leider selbst oft mit seinen Gedanken abschweift. Einige interessante Konstellationen sind in dem Roman angelegt, die dann wohl im Nachfolgeband wieder aufgenommen werden.


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Veröffentlicht am 04.05.2021

Politisch brisant - aber nicht immer spannend

Paganinis Fluch
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"Paganinis Fluch" ist der zweite Band des Autorenduos Alexander und Alexandra Ahndoril aka Lars Kepler um den finnischstämmigen Kriminalkommisar Joona Linna von der Landeskriminalpolizei in Stockholm.

Zwei ...

"Paganinis Fluch" ist der zweite Band des Autorenduos Alexander und Alexandra Ahndoril aka Lars Kepler um den finnischstämmigen Kriminalkommisar Joona Linna von der Landeskriminalpolizei in Stockholm.

Zwei Todesfälle, die dem ersten Anschein nach keinen Bezug zueinander haben, lassen die Polizei rätseln: eine junge Frau Viola, die scheinbar an Bord eines Schiffes ertrunken ist und der anscheinend vorgetäuschte Selbstmord des Vorsitzenden der schwedischen Waffenkontrollbehörde Carl Palmcrona. Während die Polizei noch rätselt, scheint Joona Linna mit der Gabe gesegnet zu sein, den wahren Ablauf der Ereignisse mittels seiner Vorstellungskraft sofort zu lösen.

Was nun folgt, ist eine Jagd eines (anscheinend allwissenden) Auftragskiller auf Violas Schwester Penelope Lopez und ihren Freund Björn, denn natürlich findet Joona Linna eine Verbindung dieser beiden zu dem Tod Carl Palmcronas. Auch das Polizeigewahrsam, in das Penelope kommt, hindert den Killer nicht, sie weiter zu jagen, wobei ich mich frage, woher der Killler den neuen geheimen Aufentalsort kennt. Die Zahl der Todesopfer, die diese Jagd fordert, ist dabei beachtlich.

In der zweiten Hälfte nun rückt Palcronas Nachfolger Axel Riessen ins Zentrum, der schnellstmöglich eine Waffenausfuhr nach Afrika genehmigen soll,wozu Palmcrona nicht mehr gekommen ist. Da dies ein äußerst schändliches Millionengeschäft ist, ist der Hintermann auch entsprechend skrupelos, wenn er Axel Riessen zu seiner Unterschrift drängen will.

Die Story um einen illegalen Waffenhandel verspricht viel Stoff für spannende Unterhaltung und ist auch sehr aktuell. Leider weichen Lars Kepler ständig auf Nebenschauplätze aus und ziehen die Handlung so in die Länge. Ist schon die Jagd auf Penelope Lopez sehr lang geraten, so wendet nach ihrem Ende die Handlung sich dann ziemlich abrupt nun vollends Axel Riessen zu. Dieser ist eine interessante Person, vor allem weil er versucht, in diesem Dschungel von Waffenhandel integer zu bleiben. Aber Lars Kepler statten ihn mit einer Hintergrundgeschichte aus, die an den Haaren herbeigezogen wirkt und auch wenig zur Handlung beiträgt und damit von dem Waffenhandel ablenkt. Der große Showdown schließlich auf einer Yacht ist wieder sehr lang geraten und auch hier ist der Kollateralschaden immens. Schade, denn so fängt die eigentlich spannende Geschichte an, einen immer wieder zu langweilen.

Schließlich noch der Titel. Was die Wespe auf dem Cover über das Buch vermitteln soll, bleibt mir verschlossen. Auch ist der Bezug des Titels mit dem großen Namen Paganini eher aufgesetzt. Denn einerseits ist Axel Riessen ein genialer (ehemaliger) Geigen-Virtuose mit einem diesbezüglichen Trauma, der aber mit seiner musikalischen Genialität einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Falls beitragen kann (diese Idee hat mir sehr gut gefallen), andererseits war der Haupttäter mit einer mittlerweile verstorbenen Stargeigerin verheiratet, so dass er mit einer wertvollen Sammlung berühmter Geigen und einem leidlich begabten geigenspielenden Sohn aufwarten kann. Zudem nennt dieser seine per Handschlag abgeschlossenen Verträge "Paganini-Verträge", warum hat sich mir nicht erschlossen, denn dabei handelt sich nur um das Bösewicht-typische "Mach, was ich sage, oder du wirst deinen schlimmsten Albtraum erleben."

Eine Geschichte, mit viel Potential, auf das Lars Kepler sich hätten konzentrieren sollen. So bleibt leider nur eine streckenweise spannende Geschichte zu einem wichtigen Thema übrig , die öfters dieses Thema aus den Augen verliert und auch zuweilen langweilt und mir öfters ein Kopfschütteln hervorgelockt hat.

Positiv beim Hörbuch möchte ich den Sprecher Wolfram Koch hervorheben, der das Hörbuch gut gestaltet. Auch die zwischen den Kapitel kurz eingespielte Paganini-Musik passt durchaus gut dazu.

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