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Veröffentlicht am 29.03.2017

Harold Frys Reise aus der Sicht von Queenie Hennessy

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry
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Queenie Hennessy ist die Frau, für die Harold Fry einmal quer durch England läuft, um sie noch einmal zu sehen, bevor sie stirbt. Denn sie liegt in Berwick upon Tweed (Nordengland) unheilbar an Krebs erkrankt ...

Queenie Hennessy ist die Frau, für die Harold Fry einmal quer durch England läuft, um sie noch einmal zu sehen, bevor sie stirbt. Denn sie liegt in Berwick upon Tweed (Nordengland) unheilbar an Krebs erkrankt im Hospiz und hat nicht mehr lange zu leben. Weil sie so gerührt von Harolds Idee ist, aber auch, weil sie das Gefühl hat, dass sie ihm noch einige Antworten schuldig ist, schreibt sie ihm einen langen Brief darüber, wie damals alles kam und was er alles über die Ereignisse nicht weiß.

Ich habe mich lange gefragt, ob man "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" kennen sollte, bevor man dieses Buch liest. Ich bin nach wie vor unschlüssig: Auf der einen Seite erschließt sich manches vielleicht ganz anders, wenn man die Ereignisse schon aus der Sicht von Harold Fry kennt, auf der anderen Seite wird aber nichts als so bekannt vorausgesetzt, dass man das Buch ohne Vorkenntnisse nicht verstehen würde.

Das Buch liest sich sehr flüssig, ich war sofort drin in der Geschichte und wollte am liebsten nicht mehr aufhören zu lesen. Die Handlung hat mich in ihren Sog gezogen, gepackt und auch z.B. bei der Arbeit noch beschäftigt. Ich fand die Beschreibung des Lebens und der Personen im Hospiz sehr eindrücklich, aber vor allem sehr lebensbejahend - so, wie ich es selbst schon in Hospizen erlebt habe. Dabei hatte es etwas rührendes, wie schon bald das ganze Hospiz mit Harold Fry mitgefiebert hat, erst noch eher verhalten und skeptisch, bald aber sehr begeistert.

Queenie Hennessy an sich ist eine Frau, über die man durch die Rückblicke auf ihr Leben viel erfährt. In diesem Leben ist vieles nicht so gelaufen, wie sie es sich erträumt hat und sie musste auf vieles verzichten, was ich ihr eigentlich sehr gegönnt hätte. Doch sie hat immer ihren Weg gefunden, wenn vielleicht auch nicht immer auf der direktesten Strecke.

Während des Buches war an Emotionen bei mir alles dabei, Lachen, Weinen, Frustration, Verärgerung, Trauer. Doch gerade das Ende fand ich noch einmal sehr bewegend, zumal es ganz anders kam, als ich gedacht hätte.

Fazit: Klare Empfehlung für alle, die Harold Fry mochten, aber auch für die, die sich einfach für Queenie Hennessy interessieren.

Veröffentlicht am 29.03.2017

spannender Jugendkrimi

Elanus
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Jona ist 17 und deutlich intelligenter als die meisten anderen Jugendlichen in seinem Alter. Deshalb bekommt er auch ein Stipendium von einer Elite-Uni - wobei er dort erst mal weniger durch sein Talent ...

Jona ist 17 und deutlich intelligenter als die meisten anderen Jugendlichen in seinem Alter. Deshalb bekommt er auch ein Stipendium von einer Elite-Uni - wobei er dort erst mal weniger durch sein Talent als mehr durch seine soziale Inkompetenz auffällt. Doch er ist eh viel mehr daran interessiert, seine mathematisch-technischen Fähigkeiten zu verbessern, die tatsächlich schon auf einem hohen Level sind. Immerhin hat er schon selbst eine Drohne entwickelt, gebaut und programmiert, mit der er seine Mitmenschen beobachten kann, nachdem sie ihm einmal auf eine SMS geantwortet haben und Elanus, die Drohne, sie so orten kann. Doch Jona muss schnell feststellen, dass er damit nicht nur in die Privatsphäre anderer eindringt, sondern auch Dinge beobachtet und hört, von denen niemand etwas wissen soll, was ihn bald in große Gefahr bringt.

"Elanus" war mein erstes Buch von Ursula Poznanski - und es wird nicht mein letztes bleiben. Das Buch ist sehr spannend und auch wenn relativ schnell klar ist, wer in den Fall verwickelt ist, wurden mir die Zusammenhänge und die Tatabläufe erst ganz zum Schluss wirklich klar. Davor war es wie ein Puzzle, bei dem immer noch einige Stücke fehlen und man die vor einem liegenden nicht so richtig zu einem Bild zusammengefügt kriegt. Dadurch steigert sich die Spannung immer mehr, ich habe das Buch nur sehr ungern aus der Hand gelegt.

Jona ist eine Hauptfigur, die eher sperrig ist. Ich fand es spannend, in seine Welt einzusteigen, aber ich kann es gut verstehen, dass seine Umwelt zum Großteil nicht spontan mit ihm warm geworden ist. Wobei gerade seine Gasteltern von Anfang an noch komischer sind. Klar ist es nicht einfach, einen hochbegabten fast-Erwachsenen bei sich aufzunehmen, aber sich vorzustellen, dass er so richtig ein Teil der Familie wird und das in kurzer Zeit ist schon utopisch.

Es ist gleichzeitig erstaunlich und erfreulich, wie schnell Jona an der Uni, aber auch in der Nachbarschaft Anschluss findet und das bei ungefähr Gleichaltrigen, die ihn nehmen, wie er ist, ihm aber auch Grenzen zeigen, was sein Benehmen angeht. Pascal ist mir zwar manchmal ein bisschen zu positiv und abenteuerlustig, aber er tut Jona gut und hält zu ihm, egal, was er über ihn erfährt. Marlene ist da ein guter Gegenpol, der ebenfalls zu Jona steht, ihm aber auch klar zeigt, wann er zu weit gegangen ist.

Fazit: Ein Jugendkrimi, der lange einige Fragen offen lässt und so Spannung aufbaut, gleichzeitig ein neues Thema aufmacht - nicht nur für Jugendliche sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 29.03.2017

Paris von seiner unromantischen Seite

Paris, du und ich
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Während eines Schüleraustauschs verliebt sich Emma in Alain - doch dieser muss natürlich nach ein paar Wochen zurück in seine Heimat Paris. Deshalb fasst Emma den Entschluss, ihn in den Herbstferien mit ...

Während eines Schüleraustauschs verliebt sich Emma in Alain - doch dieser muss natürlich nach ein paar Wochen zurück in seine Heimat Paris. Deshalb fasst Emma den Entschluss, ihn in den Herbstferien mit einem Treffen zu überraschen. Doch als sie vor seiner Tür steht, öffnet nicht Alain ihr, sondern seine Freundin Chloé. Emma ist am Boden zerstört, will ihre Niederlage aber auch nicht sofort zu Hause eingestehen und bleibt also erst mal in Paris in einem Hostel, wo sie sich ihrem Liebeskummer hingibt. Als sie nach ein paar Tagen das Hostel für einen Ausflug in die Stadt verlässt, lernt sie in einem Bistro Vincent kennen, der eigentlich mit seiner Freundin eine romantische Zeit in Paris verbringen wollte und kurz vor der Abreise von ihr sitzen gelassen wurde. Noch im Bistro fassen die Beiden einen Entschluss: Sie wollen Paris kennenlernen, aber bitte von seiner unromantischen Seite - eben auf ihre ganz eigene Art.

Adriana Popescu hat mit ihrem zweiten Jugendroman wieder ein locker-leicht zu lesendes Buch geschrieben, dass leider viel zu schnell zu Ende war. Die Seiten flogen nur so dahin, ich hab es nur ungern an die Seite gelegt. Dazu haben auch die Protagonisten beigetragen: Emma, der man ihre 16 Jahre zwar manchmal anmerkt, die dafür aber schon sehr selbständig ist und die mir einfach von Anfang an sympathisch war. Alain hingegen kam mir von Anfang an wie ein typischer Pariser Play Boy vor, für den Emma halt eine nette Abwechslung war. Dagegen ist Vincent erst mal ein lieber Kerl, der von seiner Ex ziemlich enttäuscht wurde und bei dem man direkt merkt, dass er und Emma ähnliche Vorstellungen von ihrer Zeit in Paris und vom Leben haben. Allerdings hat er seine Momente, in denen er ziemlich eigen ist und ich ihn dadurch auch ziemlich anstrengend fand. Dass er lange nicht darüber reden will, was los ist, macht die Sache nicht wirklich besser, aber da dieses Verhalten bei ihm nicht von Dauer ist, fand ich ihn ansonsten ziemlich nett.

Vom Grundthema her ahnt man, worauf das Buch hinausläuft, gleichzeitig schafft Adriana Popescu aber, dass es auch noch einige Überraschungen gibt. Abgesehen davon schafft sie es, Paris, Emma, Vincent und Co so lebendig vor einem erscheinen zu lassen, dass es einfach Spaß macht. Ich wäre gerne sofort nach Paris gefahren oder hätte zumindest ein paar französische Leckereien hier gehabt =)

Fazit: Nicht nur für Jugendliche ein Lesegenuss

Veröffentlicht am 29.03.2017

fesselnder Schwedenkrimi

Tausendschön
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An Mittsommer wird ein Mädchen vergewaltigt. 15 Jahre später sterben ein Pfarrerehepaar und mehrere andere Menschen unter eigenartigen Umständen, so dass die Polizei um Alex Recht und die schwangere Fredrika ...

An Mittsommer wird ein Mädchen vergewaltigt. 15 Jahre später sterben ein Pfarrerehepaar und mehrere andere Menschen unter eigenartigen Umständen, so dass die Polizei um Alex Recht und die schwangere Fredrika Bergman nach Hintergründen und möglichen Zusammenhängen sucht. Doch das ist nicht so einfach, weil wichtige Zeugen nicht auffindbar sind oder nicht kooperieren wollen. Und es sterben immer wieder Menschen...

Dieser Krimi hat einen großen Sog entwickelt, ich konnte ihn kaum weglegen. Dazu kommt, dass es jede Menge Puzzleteile gibt, bei denen man zwar mit den Ermittlern vieles ausprobiert, sich aber lange kein so richtiges Bild entwickelt und man immer viele Teile in der Hand hält, die man einfach nicht unterkriegt. Einige davon fügen sich auch erst ganz am Ende ins Bild - angefangen bei der Frage, welches Mädchen vergewaltigt wurde, bei der ich immer wieder aufs Glatteis geführt wurde. Die "richtige" Auflösung kommt dann auch erst ganz am Schluss, so dass die Spannung lange erhalten bleibt.

Was auch zur Spannung beiträgt ist, dass die Ermittler zwar ein Privatleben haben, dieses aber keine große Rolle spielt. Dabei geht es gerade bei Alex Recht und Fredrika Bergman auch zu Hause hoch her, wo man auch lange nur bedingt weiß, was los ist und bei Fredrika bis zum Ende nur bedingt klar ist, wo es hingeht. Dabei macht sie als Person durch die Schwangerschaft eine interessante Veränderung durch: Mitunter wirkt sie wie die Einzige im Team, die noch mitdenkt und überhaupt teamfähig ist. Sogar mit ihrem Kollegen Peder kommt sie klar, obwohl der wirklich schwierig ist. Und der neue Kollege Joar arbeitet zwar an sich gut, ist aber auch irgendwie komisch.

Fazit: Eine Reihe, die ich sehr gerne weiter verfolge und nur empfehlen kann!

Reihenfolge:

1. Aschenputtel

2. Tausendschön

3. Sterntaler

4. Himmelschlüssel

5. Papierjunge

Veröffentlicht am 29.03.2017

Spannung um eine stumme Autorin

Sterntaler
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Die Kinderbuchautorin Thea Aldrin hat seit Jahrzehnten kein Wort mehr gesprochen. Ihre Umwelt hat sich daran gewöhnt, zumal sie inzwischen in einem Pflegeheim lebt. Dort ist sie nach einigen schrecklichen ...

Die Kinderbuchautorin Thea Aldrin hat seit Jahrzehnten kein Wort mehr gesprochen. Ihre Umwelt hat sich daran gewöhnt, zumal sie inzwischen in einem Pflegeheim lebt. Dort ist sie nach einigen schrecklichen Ereignissen in ihrem Leben eingezogen und lebt seitdem recht zurückgezogen. Abgesehen davon, dass sie jeden Samstag einen Blumenstrauß bekommt, zu dem eine Karte gehört, auf der "Danke steht". Einmal hat eine Studentin sie besucht, doch kurz danach wurde sie ermordet und zwei Jahre später im Wald vergraben wieder gefunden - womit das Team um Alex Recht und Fredrika Bergman einen neuen Fall zu lösen haben. Doch es ist von Anfang an ein Fall, in dem es viele Verdächtige und Theorien gibt, so dass das Team kaum hinterher kommt. Als dann noch eine zweite Leiche und mit der Zeit eine dritte auftaucht, wird die Sache auf der einen Seite verzwickter, auf der anderen Seite werden manche Zusammenhänge mit den Identifizierungen der anderen Leichen erst wirklich deutlich.

Das war wieder ein Krimi von Kristina Ohlsson, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Langsam bekomme ich bei jedem weiteren Buch von ihr Angst, dass sie doch irgendwann mal nachlässt, aber bisher hat sie mich nicht enttäuscht. Dazu kommt, dass ihre Bücher sich eh schon sehr flüssig lesen, aber auch von Anfang an eine Grundspannung da ist, die sich steigert und die auch während der Recherchen und Ermittlungen nicht verloren geht.

Auch in "Sterntaler" spielt das Privatleben der Ermittler eine Rolle, insbesondere das von Fredrika, Peder und Alex, allerdings verwebt sich das so mit dem Fall, dass es nur bedingt als Privatleben auffällt. Es ist eher so, dass man merkt, wie schwierig es im Polizeialltag werden kann, Beruf und Privates zu trennen bzw. warum bestimmte Regelungen und Gesetze wichtig sind. Aus den Privatangelegenheiten ergibt sich letzten Endes auch ein Cliffhanger (finde ich zumindest), weil so einiges offen bleibt, was das Leben auf dem Revier durchaus beeinflussen könnte.

Es macht übrigens Sinn, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, gerade hier wurde auch auf die beiden Vorgänger Bezug genommen, was man zwar auch so verstehen kann, wo ich mir aber vorstellen könnte, dass es umgekehrt nach "Sterntaler" nur noch bedingt Spaß macht, "Aschenputtel" und "Tausendschön" zu lesen.

Fazit: Eine klare Empfehlung für alle Fans von skandinavischen Krimis - lasst euch nicht davon abschrecken, dass es eine Reihe ist!

Reihenfolge:

1. Aschenputtel

2. Tausendschön

3. Sterntaler

4. Himmelschlüssel

5. Papierjunge