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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2021

Figuren, die an ihrer eigenen Vergangenheit ertrinken

Schicksal
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Davon kommen so einige vor in diesem überaus mitreißend geschriebenen Roman, in dem es um zwei Frauen geht, die erst zu einander finden, als der Mann, der sie verband, bereits verstorben war. Rachel war ...

Davon kommen so einige vor in diesem überaus mitreißend geschriebenen Roman, in dem es um zwei Frauen geht, die erst zu einander finden, als der Mann, der sie verband, bereits verstorben war. Rachel war Menos erste Ehefrau - nur für ein Jahr, Atara seine Tochter aus der zweiten Ehe. Mittlerweile ist Rachel eine alte Frau und Witwe, die ihre Söhne zu selten sieht, Atara eine Frau im mittleren Alter, die gerade eine Entfremdung von Alex, ihrem zweiten Ehemann, eigentlich ihrer großen Liebe und auch von ihren Kindern aus erster und zweiter Ehe wahrnimmt.

Treffen werden veranlasst, zunächst auf Ataras, dann auf Rachels Initative, doch beide Male kommt etwas dazwischen - zuletzt erfolgt ein Aufeinandertreffen in einer Extremsituation.

Es ist ein schöner und stabiler Rahmen, den Zeruya Shalev uns Lesern in diesem Roman bietet, einer, der die gesamte Geschichte des Staates Israel umfasst. Eigentlich könnte man in diesem Rahmen und den darin agierenden, kraftvoll gezeichneten Figuren schwelgen und das tat ich auch mit großer Begeisterung - bis ich merkte, dass ich auf meine zahlreichen Fragen, die sich im Verlauf der Handlung in mir aufgestaut hatten, nicht eine einzige Antwort bekam. Die allesamt vielversprechenden Handlungsstränge und ihre Verknüpfungen brachen allesamt an der Stelle ab, an der es interessant zu werden versprach.

Ein wundervoll geschriebener Roman, dessen Botschaft(en) leider komplett im Sande verlief(en).

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ein toter Mann auf einer Bank

Wattenmeermord
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Das ist etwas, das man auf der beschaulichen Insel Pellworm nicht alle Tage antrifft: und so bekommt es der frischgebackene Inselpolizist Jan Benden es bald nicht nur mit seinem selbsternannten (Möchtegern-)Assistenten ...

Das ist etwas, das man auf der beschaulichen Insel Pellworm nicht alle Tage antrifft: und so bekommt es der frischgebackene Inselpolizist Jan Benden es bald nicht nur mit seinem selbsternannten (Möchtegern-)Assistenten Tamme, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet bzw. nervt, sondern bald auch mit einer Ermittlungskommission vom Festland zu tun.

Dann alles deutet darauf hin, dass der Arzt in Rente, der sein Leben auf einer Bank am Meer aushauchen musste, keines natürlichen Todes starb. Die Ermittler vom Festland strotzen ebenso vor Klischees wie das Insel-Original Tamme, was bald schon zu augenscheinlich und damit unangenehm wird.

Schade eigentlich, da sich die eigentlichen Mordenermittlungen durchaus spannend und auch mit diversen Überraschungen gespickt gestalten. Nur geht das leider in all dem Drumherum unter, das ziemlich bemüht wirkt und mir auch einen Teil des Lesevergügens an diesem eigentlich spannenden Fall raubte. Schade eigentlich!

Veröffentlicht am 21.05.2021

Ein Strudel der Leidenschaft

Blütenschatten
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Als Blumenfrau, frühere Gespielen eines berühmten Malers, jetzt seit Jahren Gattin eines ebenso berühmten Architekten kennt man sie nicht nur in ihrer Heimatststadt London. Blumenfrau deswegen, weil sie ...

Als Blumenfrau, frühere Gespielen eines berühmten Malers, jetzt seit Jahren Gattin eines ebenso berühmten Architekten kennt man sie nicht nur in ihrer Heimatststadt London. Blumenfrau deswegen, weil sie sich auf das Malen von Blumen und Pflanzen spezialisiert hat, immer schon.

Und sie hatte ein interessantes, reiches Leben. Doch wenn man ihren Rückblick liest, hat man nicht den Eindruck, dass sie viel Gutes darin erlebt hat. Ihre Freundinnen haben sie betrogen, ihr Mann hat sie genervt, ihre Tochter Nancy war unglaublich anstrengend und ist es nun, als Erwachsene immer noch.

Doch da taucht am Horizont bzw. in ihrem Atelier der junge, begehrenswerte Luka auf und wirft sie in einen Strudel von Emotionen. Endlich, im Alter von sechzig Jahren, hat das wahre Leben sie eingeholt, sie wird begehrt von jemandem, den sie ganz genauso begehrt. Und sie spürt, dass sie niemanden sonst mehr braucht. Nur Luka und ihre Kunst.

Als ich dieses Buch las, hatte ich den Eindruck die netten, warmherzigen Menschen der Welt seien ausgestorben. Ich liebe Kunst und Musik und kann mir vorstellen, dass es unter den emotionalen Künstlernaturen des Öfteren zum Hauen und Stechen kommt, aber doch nicht aussschließlich!

Hier war ich zu Beginn gelangweilt, im Mittelteil hegte ich Hoffnung auf rosigere Zeiten oder zumindest auf einen pragmatischen Ausweg und am Schluss war ich schlicht und einfach deprimiert. Kein gutes Ende für einen Roman über die schönen Dinge des Lebens. Und so empfehle ich ihn nur mit Einschränkungen.

Veröffentlicht am 18.05.2021

Die lustlosen Touristen und Britten

Die lustlosen Touristen
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weckten mein Interesse - den Anfang mit dem Treffen mit Britten und seinem Lebensgefährten und die daraus resultierende Session fand meine Zustimmung - ich kann sogar sagen, ich war begeistert!

Doch ...

weckten mein Interesse - den Anfang mit dem Treffen mit Britten und seinem Lebensgefährten und die daraus resultierende Session fand meine Zustimmung - ich kann sogar sagen, ich war begeistert!

Doch irgendwie verlor ich mich in der Zweisamkeit der Baskin Ulia ud des Spaniers Gustavo, was eindeutig an mir und meiner fehlenden Antenne für diese Problematik lag: nein, dieser Thematik ist leider überhaupt nicht meins, feinsinnige Anspielungen und elegante Übergänge perlen einfach an mir vorbei. Ich begann, auf weitere Auftritte von Team Britten zu warten, was zugegebenermaßen der falsche Ansatz für die Rezeption des Romans war.

Mir schien er wirr und sehr weit weg zu sein von dem, was ich aufzunehmen bereit war - ich ging zwar offen an den Ansatz heran, aber es reichte einfach nicht aus. Schon bin ich dabei, dieses Werk der Vergessenheit anheim fallen zu lassen - ganz eindeutig meine eigene Schuld!

Veröffentlicht am 13.05.2021

Ein Wochenende für die Karriere

Hotel Weitblick
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Das tun sich vier Mitarbeiter einer ambitionierten Werbeagentur an: der Grund. Unter ihnen soll sich entscheiden, wer eine Führrungsposition übernehmen wird. Drei Männer: Horst, Franz und Helmut, sowie ...

Das tun sich vier Mitarbeiter einer ambitionierten Werbeagentur an: der Grund. Unter ihnen soll sich entscheiden, wer eine Führrungsposition übernehmen wird. Drei Männer: Horst, Franz und Helmut, sowie eine Frau: Annette. Ein jeder kommt mit einem Riesenrucksack voller Altlasten verschiedener Art.

Der Coach ist einer mit einem gewissen Ruf, Marius Tankwart nämlich, sozusagen einer der Stars am österreichischen Consulter-Himmel. Ihm allein obliegt die Entscheidung darüber, wessen Karriere einen steilen Knick nach oben machen wird - und zwar ab sofort.

Gewisse Verhaltensmuster werden hier von Beginn an deutlich, nein: überdeutlich aufgezeigt. Sie als Klischee zu bezeichnen, ist fast schon eine Untertreibung. So macht Horst von Beginn an gleich allen klar, dass er ja wohl der Geeignetste von allen ist. Und alle Herren der Schöpfung versuchen, Annette zu ihrer Assistentin bzw. Dienstmagd zu degradieren - vergeblich übrigens.

Autorin Renate Silberer pflegt einen Stil, der ebenso eingängig wie unterhaltsam ist - unterwandert wird er jedoch von inhaltlichen Störungen und Sprüngen, denn an diesem Roman ist nicht geradlinig.

Wer von den vieren wird es schaffen? Und wie wird Marius' Beitrag dazu ausfallen?

Dass es nicht so kommt wie man es sich vorstellt, hatte ich fast erwartet. Aber nicht, dass es - so sehe ich es - gewissermaßen insgesamt zu einer Dokumentation des Scheiterns wird.

Leider ist der Roman für mich auch in sich selbst gescheitert, nämlich mit der Auflösung - sie entbehrt jeglicher Stringenz und Kraft, dümpelt nur so vor sich hin, wie der ganze Roman. Schade eigentlich, bis etwa zur Hälfte habe ich ihn richtig gern gelesen und auch danach fiel es mir nicht schwer,ihn zu lesen. Aber das Ende ergibt für mich keinen Sinn, jedenfalls keinen, der zu dem eigentlich ausgesprochen originellen Roman passt. Leider wird er - für mich jedenfalls - durch das Ende so ziemlich abgewertet.