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Veröffentlicht am 07.09.2021

Vom Leben in schwierigen Zeiten mit und ohne Mutter

Der Silberfuchs meiner Mutter
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Der Ich- Erzähler Heinz erzählt rückblickend die Geschichte seiner Mutter, die mit ihm schwanger als "Nazi-Hure" auf den Hof ihres Verlobten nach Österreich fährt. Dort erwartet er sie jedoch nicht und ...

Der Ich- Erzähler Heinz erzählt rückblickend die Geschichte seiner Mutter, die mit ihm schwanger als "Nazi-Hure" auf den Hof ihres Verlobten nach Österreich fährt. Dort erwartet er sie jedoch nicht und stattdessen wird sie von seiner Familie verstossen. Anhand von gefundenen Aufzeichnungen verfolgt Heinz die jeweiligen Stationen bis zum Ende der Reise, an dem sie immer fremd und "die Norwegerin" blieb....
Für mich ist es erstaunlich, wie authentisch es der Autor Alois Hotsching (Jahrgang 1959) geschafft hat, den alten Mann Heinz von den Erlebnissen aus (Nach)Kriegszeiten erzählen zu lassen als wäre er selbst dabei gewesen bzw. schildere seine eigenen Erfahrungen. Die Umsetzung durch den Hörbuchsprecher Wolfram Berger ist dabei viel mehr als einfach gelungen - hier passen Geschichte und Stimme perfekt zusammen. Im Nachlass meines Grossvaters habe ich eine Kassette gefunden, in dem sein Freund seinen Werdegang nach der Kapitulation in der Festung Breslau bis in die 70er Jahre berichtete. Im Vergleich damit ist dieses Hörbuch, mit seinen Formulierungen, Pausen und (kurzen) Wiederholungen zum "Aufgreifen" des Fadens, absolut authentisch!!
Inhaltlich hat das Buch mich jedoch etwas enttäuscht, so begeistert ich von der realistischen Wiedergabe des Sprechers bin, so sehr fehlt mir die eigentliche Aussage. Vieles bleibt diffus und der Interpretation des Lesers überlassen. Ich würde dieses Buch deshalb nicht noch einmal lesen.

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Veröffentlicht am 17.07.2021

Es gibt bessere Bände…

Unterm Schinder
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Bei einem ursprünglich von Kreuthner inszenierten Einbruch in einem abgelegenen Hof wird die Leiche von Carmen Skripa gefunden, die vor einigen Jahren als Zeugin im Mordfall ihres Mannes ausgesagt hatte. ...

Bei einem ursprünglich von Kreuthner inszenierten Einbruch in einem abgelegenen Hof wird die Leiche von Carmen Skripa gefunden, die vor einigen Jahren als Zeugin im Mordfall ihres Mannes ausgesagt hatte. Kommissar Wallner vermutet einen Zusammenhang und ermittelt in diese Richtung, mit einigen Überraschungen…
An Andreas Föhrs bayrischen Regionalkrimis sind das Schönste für mich die haarsträubenden Ideen und Aktionen um Kreuther, die mit dem passenden Dialekt im Hörbuch immer (auch hier wieder) hervorragend umgesetzt sind – der Hauptgrund für mich diese Bände als Hörbuch zu hören. Nur leider wurde das in diesem Buch recht sparsam dosiert – Kreuthner wird relativ schnell aufs Abstellgleis geschoben und Wallner spielt nun den Einzelkämpfer.
Die Handlung an sich wirkt sehr konstruiert, mir sind es einfach zu viel Zufälle um die Story glaubhaft wirken zu lassen.
Bei mir hat „Unterm Schinder“ keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, allerdings sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden.

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Veröffentlicht am 29.06.2021

Gute-Laune-Buch trotz schwerer Themen

Bernsteinsommer
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Christinas Leben ist eine einzige Baustelle: ihr Mann möchte die rasche Scheidung um erneut heiraten zu können, ihr Vater verschwindet durch seine Alzheimer-Demenz immer mehr und in ihrem Café sorgt ein ...

Christinas Leben ist eine einzige Baustelle: ihr Mann möchte die rasche Scheidung um erneut heiraten zu können, ihr Vater verschwindet durch seine Alzheimer-Demenz immer mehr und in ihrem Café sorgt ein Wasserrohrbruch für zusätzlichen Ärger mit dem Vermieter, der ihr letztendlich noch mit der Kündigung droht. Bei den Sachen ihres Vaters findet sie ein Bild, das sich deutlich von den von ihm gemalten Bildern abhebt und sie magisch anzieht. Damit beginnt für Christina der Ausflug in die bisher unbekannte Familiengeschichte…
Anne Barns ist es gelungen, die Handlung in eine Geschichte zu verpacken, der einen trotz der schwierigen Themen nicht herunterzieht. Zur Abwechslung tut es mal ganz gut, so etwas zu lesen, auch wenn das Buch vielleicht ein paar zu viel glückliche Zufälle enthält. Wahrscheinlich trägt dazu auch Luise Georgis angenehme Stimme bei.
Aufgrund der Kurzbeschreibung hatte ich erwartet, dass der Fokus mehr auf dem Unbekannten in der Familiengeschichte liegt, stattdessen sind die Schwerpunkte Christinas Leben und neue Liebe. Wäre mir das bewusster gewesen, hätte ich dieses Buch vielleicht gar nicht gehört.
Zur Abwechslung und für ein positives Feeling nett zu lesen/hören, jedoch würde ich dies kein zweiter Mal tun.

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Veröffentlicht am 04.06.2021

Unter der Fassade brodelt es…

Piz Palü
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Das Grand Arnold am Piz Palü befindet sich seit Generationen in Familienbesitz – ein Luxushotel in welchem viele illustre Gäste die Sommerfrische genießen.
Niemand ahnt, was unter der scheinbar friedlichen ...

Das Grand Arnold am Piz Palü befindet sich seit Generationen in Familienbesitz – ein Luxushotel in welchem viele illustre Gäste die Sommerfrische genießen.
Niemand ahnt, was unter der scheinbar friedlichen Atmosphäre schwelt…
Zugegeben es braucht schon etwas Ausdauer um nach dem Vorgeplänkel der ersten Seiten nicht das Interesse zu verlieren um endlich in die eigentliche Story einzutauchen, die dann jedoch durch sehr tiefe Abgründe überzeugt.
Die Anwesenheit von O.W.Fischer ist mir zwar immer noch unklar, es hätte auch irgendeine unbekannte Person seine Rolle übernehmen können, aber wahrscheinlich soll es dem Hotel und der Geschichte etwas Glanz verleihen.
Mit dem erforderlichen Durchhaltevermögen bei den ersten Kapiteln ein überraschend tiefsinniger Krimi – solide 3 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 02.06.2021

Ein Tanz auf dem Vulkan

Die Tänzerin vom Moulin Rouge
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Die junge Louise Weber, Tochter einer Wäscherin wächst am Rand von Paris in Armut und Elend auf. Zufällig macht sie Bekanntschaft mit August Renoir und seinen Freunden, die sie in das Nachtleben von Montmartre ...

Die junge Louise Weber, Tochter einer Wäscherin wächst am Rand von Paris in Armut und Elend auf. Zufällig macht sie Bekanntschaft mit August Renoir und seinen Freunden, die sie in das Nachtleben von Montmartre einführen. Hungrig auf das Leben beschließt sie, ihrer Schwester Vic zu folgen um ebenfalls Tänzerin zu werden und wird als „La Goulue“ Star des Moulin Rouge...
Tanja Steinlechner hat sich für ihren Roman „Die Tänzerin von Moulin Rouge“ eine zwar interessante, jedoch auch ausgesprochen schwierige Person als Anregung ausgewählt. Dies spiegelt sich meiner Meinung nach auch im Buch wieder. Nach einem sehr spannenden Einstieg bis zum Louises Aufstieg wird es immer schwieriger, bei der Aneinanderreihung von oberflächlichen Erlebnissen und Abenteuern, quasi ihrem Tanz auf dem Vulkan, weiterzulesen, da mir etwas der Tiefgang fehlt. Andererseits wird damit jedoch Luises Zerrissenheit und Suche nach dem Glück sehr deutlich. Auf ihrer Jagd nach Anerkennung und vor allem Liebe steht sie sich immer selbst im Weg, gönnt sich das Gefühl nur kurz, lässt es nie komplett zu, aus Angst zu verlieren. Und damit zerstört sie sich mehr, als sie gewinnen kann und am Ende auch sich selbst.
Nachdem ich wie gesagt im Mittelteil etwas mit dem Buch zu kämpfen hatte, denke ich, dass es der Autorin doch recht gut gelungen ist, die zahlreichen Facetten der schwierigen Persönlichkeit der „Vorlage“ Louise Webers in einem stimmigen Roman umzusetzen. Dafür solide 3 von 5 Sternen.

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