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Veröffentlicht am 22.06.2021

Taucht tief ins Olympische Turnen ein

Goldmädchen
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Die Olympischen Spiele haben immer schon eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, auch wenn mit zunehmendem Alter natürlich auch die Dopingthematik mehr in den Fokus rückte. Und dennoch dieses Fest ...

Die Olympischen Spiele haben immer schon eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, auch wenn mit zunehmendem Alter natürlich auch die Dopingthematik mehr in den Fokus rückte. Und dennoch dieses Fest so vielfältiger Sportarten hat nie seinen Reiz auf mich verlieren können. Nachdem im letzten Jahr das große Fest wegen der Pandemie ausgefallen ist, dürste ich dieses Jahr tatsächlich wieder auf die Live-Übertragungen hin auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass dieses Jahr auch nicht alles rosig ist und hoffe daher, dass angesichts der immer noch angespannten Gesundheitssituation ein verantwortungsvoller Umgang stattfindet. Nun erscheint pünktlich für Olympia das Jugendbuch „Goldmädchen“ von Jennifer Iacopelli, die sich speziell mit dem Turnen beschäftigt. Das fand ich auf Anhieb sehr spannend, denn der Turnsport hat in den letzten Jahren, aber auch in diesem Jahr durch die deutsche Auswahl für viel Furore gesorgt. Über Doping, Missbrauch und Frauenbilder gibt es wirklich viel anzubieten, weswegen ich mich wirklich vorfreudig auf „Goldmädchen“ eingelassen habe.

Relativ schnell ist klar, dass Iacopelli eine sehr einfache Sprache pflegt, was ich aber auch völlig in Ordnung finde, denn in dem Buch soll es mehr um Inhalt als um schöne Stilistik gehen. Dennoch hat der recht einfache Stil dafür gesorgt, dass die Erzählung es selten von der Ebene der Oberflächlichkeit weg geschafft hat. Das ist mir auch besonders in Bezug auf Audrey aufgefallen, durch deren Augen wir das gesamte Geschehen begleitet haben. Auch wenn ich mit ihr gelitten habe, so würde es mir im Nachhinein wirklich schwer fallen, sie in einigen Sätzen zu charakterisieren, denn vieles wird nur angedeutet, ohne es auch elaboriert zu bekommen. Insgesamt scheint nur dieser enge Zeitrahmen der Vorbereitung auf Olympia und die Spiele selbst entscheidend zu sein. Weitere einschneidende Erlebnisse ihres Lebens werden kaum ergründet. All das hat leider verhindert, dass eine intensivere Verbindung zu Audrey aber auch den anderen entstehen konnte.

Kommen wir aber nun zum Inhalt, denn das ist definitiv der Trumpf dieses Buchs. Auch wenn ich die Hand für die Authentizität nicht ins Feuer legen kann, so bekam ich schnell das Gefühl, dass Iacopelli sich wirklich intensiv mit dem Turnsport, dem Qualifizierungsprozess und weiteren Faktoren auseinandergesetzt hat, denn es wirkte alles ausgearbeitet und war dementsprechend gebannt mitzuverfolgen. Ein wichtiges Handlungselement ist natürlich die Missbrauchsthematik, die vor allem den US-Sport sehr belastet hat, deswegen fand ich es nur folgerichtig, das hier aufgegriffen zu sehen. Auch wenn es eben keine richtig emotionale Erzählweise ist, so ist doch eindrucksvoll rübergebracht worden, wie tief sich der Machtmissbrauch durch die Reihen gezogen hat und was das mit den Turnerinnen angerichtet hat. Dabei zeigt sich auch ein gewisses Fingerspitzengefühl, denn eine andere Auseinandersetzung wäre auch unlogisch gewesen, denn wir haben es mit jungen Frauen zu tun, die außer dem Turnsport sonst nichts anderes in ihrem Leben kennen und Olympia alles unterordnen. Deswegen holen sie sich eben aus dem Loch heraus, indem sie das tun, was sie am besten können: Turnen.

Was für mich definitiv auch ein Highlight war, das war die Darstellung der ganzen Wettbewerbssituationen. Zwar hat sich das Buch jetzt nicht gerade bemüht, alle Übungen für Laien darzustellen, aber das war schon in Ordnung, denn beim ersten Erwähnen waren die Beschreibungen doch recht ausführlich und bei jedem Wiederholen wurden sie knapper, aber dennoch entstand ein Bild vor Augen. Neben diesen Bildern ist auch eine elektrisierende Spannung entstanden, wie Audrey für alle mitfiebert, wie sie rechnet, wie sie kalkuliert. Ja, es bleibt weiterhin alles recht oberflächlich, aber ich war vollends drin und konnte auf den letzten 100 Seiten nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Das war wirklich ein Erlebnis, das mir erst recht wieder Lust auf Olympia gemacht hat!

Fazit: „Goldmädchen“ hat mich vor allem mit dem Inhalt rund um den Turnsport und die Olympischen Spiele überzeugen können, denn es wirkte alles sehr authentisch und dadurch ungeheuer spannend. Dennoch kann man der Geschichte vorwerfen, eine gewisse Oberflächlichkeit nie abgeschüttelt zu haben.

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Veröffentlicht am 12.06.2021

Überraschend runder Abschluss

Lodernde Schwingen
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Mit „Lodernde Schwingen“ ist nun tatsächlich die Grisha-Trilogie rund um Alina, Mal und den Dunklen schon wieder abgeschlossen. Während sich andere Reihen teilweise sehr ziehen, ging die gemeinsame Zeit ...

Mit „Lodernde Schwingen“ ist nun tatsächlich die Grisha-Trilogie rund um Alina, Mal und den Dunklen schon wieder abgeschlossen. Während sich andere Reihen teilweise sehr ziehen, ging die gemeinsame Zeit mit dem Grishaverse fast schon zu schnell vorbei, wobei mich der zweite Band „Eisige Wellen“ eher enttäuscht hat, dennoch waren es immer flott zu lesende Bücher, die die Leserinnen an die Seiten gebunden haben. Und es gibt ja auch noch genug Spin-Offs und Ähnliches, um wieder in diese Welt einzutauschen, die Leigh Bardugo geschaffen hat sowie die Adaption bei Netflix, die der Fantasie sogar noch mehr Auftrieb gibt. Hier also meine Meinung zum Abschluss der Trilogie.

Man merkt „Lodernde Schwingen“ immer noch gewisse Schwächen aus dem Vorgänger an, aber deutlich reduzierter, was für das Finale auch bitter nötig ist, denn schließlich sollte hier noch einmal ein Feuerwerk gezündet werden, das für pure Unterhaltung steht. So bietet der Abschluss auch definitiv mehr erzählerische Höhepunkte. Zudem ist es diesmal besser gelungen, dass nicht jedes Hoch automatisch mit dem Dunklen verbunden ist. Dadurch wirkt das Geschehen deutlich flexibler, da so die Gefahren auch hinter jeder Ecke lauern können. Das hat definitiv für den gewissen Kick im Spannungsfaktor gesorgt, da sich die Geschichte kaum Pausen genommen hat. Bei der zweiten Schwäche des Vorbandes ist ebenfalls eine Abnahme in der Intensität zu beobachten. Das Zwischenmenschliche spielt natürlich immer noch einen wichtigen Faktor in der Handlung, aber es steht nicht immer alles unter dem Motto von unvernünftiger Eifersucht. Gerade Mal macht in diesem finalen Buch einen riesigen charakterlichen Sprung. Während er und Alina zusammen mich im zweiten Band oft in den Wahnsinn getrieben haben, so wirkt gerade er diesmal sehr reif. Seine Ansprachen an Alina zwischendurch zeugten auch von Weitsicht und Reflexionsbewusstsein. Das hat man bei ihm ein bisschen vermisst und so konnte Alina, die eben mit der Machtgier ihrer Kräfte kämpfen muss, besser ausgeglichen werden.

Auch bei den anderen Nebenfiguren merkt man inzwischen, dass ein intensives Band geknüpft werden konnte. Weniger und weniger sind sie geworden, was aber jedem einzelnen aber ein bisschen mehr als charakterlicher Beleuchtung schafft, sei es Genya, sei es David, sei es Zoya, sei es Nadja, seien es die Zwillinge Tamar und Tolya. Ganz wichtig ist an dieser Stelle auch, dass auch sie untereinander sich nur noch foppen, dass es keine wirklichen Streitereien mehr gibt, sondern dass alle an einem Strang ziehen. Dieses dadurch entstehende Miteinander ist definitiv nicht zu unterschätzen, weil es den Leser
innen gleich ein anderes Gefühl gibt.

Spätestens mit dem zweiten Band habe ich mir natürlich meine Gedanken gemacht, wie „Lodernde Schwingen“ wohl ausgehen könnte. Da ich Trilogien nun wahrlich nicht selten lese, kenne ich das Phänomen, das große Erwartungen geschürt werden, die am Ende leider nicht bestätigt werden können. Bei „Lodernde Schwingen“ war es nun eher anders, denn es gab für mich keine ideale Endsituation. Insgesamt hat die Welt so viele Möglichkeiten aufgebaut, dass ich mich wohl gar nicht auf eine eigene Idee versteifen wollte. Aber egal, was vorher möglicherweise doch war, die finale Lösung, die sich Bardugo überlegt, lässt bei mir keine Wünsche offen, was mir wirklich selten passiert. Auch wenn es vielleicht etwas absurd klingen mag, so ist für mich vor allem zufriedenstellend gewesen, dass es kein reines Happy End war. Das hätte der Düsternis der Geschichte nicht entsprochen. So musste ich oft an „Die Tribute von Panem“-Trilogie denken, die atmosphärisch ähnlich und doch anders war, die aber auch am Ende den schwierigen Weg gewählt hat, der aber in sich konsequent war. Das gilt nun auch für die Grisha-Trilogie, denn eine bessere Zukunft ist in Sicht, aber doch eine, die viele Zugeständnisse machen muss. Vor allem hat mich schwer beeindruckt, wie viele lose Fäden und logische Bezüge noch zusammengebracht wurden, so dass ein wirklich rundes Bild entstehen konnte. In der Mitte des Buches habe ich mir das gar nicht vorstellen können, umso begeisterter bin ich am Ende natürlich. Da ist auch wirklich gut zu verkraften, dass sich Bardugo im zweiten Band definitiv eine Auszeit genommen hat.

Fazit: „Die lodernden Schwingen“ bestätigt zwar einige kleinere Schwächen aus dem vorherigen Band noch, aber das ist doch schnell vergessen, wenn ich bedenke, wie spannend der Abschluss noch war und was für ein toller Kreis am Ende geschlossen wurde. Kein Wunder, dass alle Leser*innen in diese Welt nur immer und immer wieder zurückkehren wollen.

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Veröffentlicht am 26.05.2021

Autorinnenduo mit Potenzial

Forever and ever
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Während Samantha Young für mich definitiv eine Bank ist, zu der ich ohne einen zweiten verschwendeten Gedanken greifen würde, ist mir Kristen Callihan natürlich namentlich ein Begriff, aber gelesen habe ...

Während Samantha Young für mich definitiv eine Bank ist, zu der ich ohne einen zweiten verschwendeten Gedanken greifen würde, ist mir Kristen Callihan natürlich namentlich ein Begriff, aber gelesen habe ich noch nichts von ihr. Warum? Manchmal macht es einfach nicht klick, vielleicht umso besser, dass sie mit „Forever and ever“ nun gemeinsam ein Buch mit Young veröffentlicht hat, denn wie gesagt, bei der greife ich immer zu, ob da nun ein zweiter Name draufsteht oder nicht, ist dann auch egal.

Auch wenn für mich bei „Forever and ever“ natürlich nicht ersichtlich ist, wer von den beiden Autorinnen was geschrieben hat und wie insgesamt der Schreibprozess erfolgt ist, so habe ich für mich dennoch die Handschrift von Young erkennen können. Möglicherweise hat Callihan ja einen ganz ähnlichen Stil und es ist eine absolute Verschwendung, dass ich bislang noch nichts von ihr gelesen habe, oder sie hat sich da einfach durchsetzen können. Andererseits habe ich aber auch Elemente entdeckt, bei denen ich einiges Young-untypisch empfunden habe. Aber der Reihe nach. Was definitiv hervorragend in diesem Buch klappt, ist die grandiose Chemie, die Rhys und Parker schnell entwickeln. Ich habe bislang noch nicht ein Buch von Young gelesen, wo ich dachte, dass es zwischen den Protagonisten nicht stimmt. Und seien wir ehrlich, in Liebesgeschichten, vor allem heißen Liebesgeschichten, ist das nun mal das A und O. Dementsprechend bin ich wirklich sehr glücklich mit dem hier dargebotenen Pärchen gewesen, denn sie sind wirklich sehr gegensätzlich und dennoch teilen sie von Anfang an die Anziehung füreinander und da hat es schon gewaltig geprickelt.

Was ich tatsächlich eher ungewöhnlich fand, war die drum herum konstruierte Geschichte. Vom Prinzip her finde ich dieses „Ich kaufe mir einen Freund“ sogar ganz nett, weil es einfach zu solchen Geschichten passt, aber es passt meiner Meinung nach nicht unbedingt zu Parker und wie sie dargestellt wird. Ich fand nämlich, dass sie für das Genre überraschend modern, feministisch und umweltbewusst wirkte. Das findet man tatsächlich nicht regelmäßig in erotischen Liebesgeschichten, weil dort eher ältere Rollenbilder noch bedient werden, aber Parker ist das Hirn und das in einem Thema mit erneuerbaren Energien, wo man auch den Hut ziehen muss. Ich fand diese Ausgangslage für Parker echt spannend, aber letztlich wurde nicht sonderlich viel daraus gemacht und dann kommt eben hinzu, dass sie in ihrem Willen, unbedingt in dieser einen Firma arbeiten zu wollen, alle Prinzipien über Bord wirft. Das hätte ich aber gut wegschieben können, wenn dieser ekelhafte Chef nicht die komplette weitere Handlung auch dominiert hätte. Dessen Bestreben fand ich extrem widerlich und deswegen war er in dieser Geschichte, die ansonsten viel Witz und Charme hatte, völlig deplatziert. Ich habe ihn definitiv als kurzweiligen Gegenspieler akzeptiert, aber nicht so dominant, wie es letztlich aber der Fall war.

Ob diese nicht immer zusammenpassenden Elemente daran liegen, dass zwei Autorinnen am Werk waren? Schwierig. Fakt ist für mich dennoch, dass die Geschichte von Rhys und Parker für mich stark genug war, dass ich dieses Buch sehr flott und definitiv begeistert konsumiert habe. Vor allem fand ich es mal interessant, dass das Ende der Geschichte im Verhältnis sehr ruhig und durchdacht herbeigeführt wurde. Young kann am Ende gerne mal eine Dramaqueen sein, aber hier stimmte für mich die Dosierung seht gut, denn das letzte Hindernis hatte das Pärchen schon längst beseitigt, so dass es am Ende nur noch um ihren gemeinsamen Kampf gegen viele Faktoren ging. Das war wirklich nett und hat dann auch eher wieder die Ausgangslage getroffen, die mit Parker und den erneuerbaren Energien angestoßen worden ist.

Fazit: Das gemeinsame Schreibexperiment von Young und Callihan muss man meiner Meinung nach als gelungen einstufen. Zwar gab es kleinere Brüche in der Geschichte, die möglicherweise eine Folge von unterschiedlichen Stilen ist, aber ich habe eine prickelnde Liebesgeschichte bekommen, was für mich hier ein Muss war. Zudem wurde ein Ende geboten, da gut durchdacht war, ohne es übertreiben zu müssen. Bei dem Autorinnenduo würde ich also jeder Zeit wieder zugreifen.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Tatsächlich Umarmung für die Seele

Soul Food
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Ich lese definitiv zu wenig Bücher von People of Color. Das kann man auf der einen Seite so auslegen, dass ich von der Hautfarbe unabhängig zu einem Buch greife, aber man kann es auch deutlich negativer ...

Ich lese definitiv zu wenig Bücher von People of Color. Das kann man auf der einen Seite so auslegen, dass ich von der Hautfarbe unabhängig zu einem Buch greife, aber man kann es auch deutlich negativer auslegen, dass es auf den deutschen Buchmarkt immer noch nicht genug Stimmen von People of Color schaffen. Da ich von Angie Thomas im Jugendbereich schon sehr begeistert, aber thematisch auch erschüttert werden konnte, wollte ich nun Elizabeth Acevedo eine Chance geben, die nach „Poet X“ mit „Soul Food“ zum zweiten Mal in Deutsch veröffentlicht wurde.

Bei „Soul Food“ musste ich mich definitiv erst an den Erzählstil gewöhnen, denn es gibt immer wieder sehr kurze Kapitel. Dazu werden zwischendurch Kapitel eingeschoben, die nicht die Handlung voranbringen, sondern vielmehr als Erklärung dienen. Das ist definitiv ein seltener Stil, den ich zu lesen bekomme. Auch wenn ich ihn nach Beendigung des Buchs nicht als Favorit sehen würde, so muss ich doch zumindest gestehen, dass es dem Geschehen eine eigenwillige Dynamik gegeben hat. Zudem gewöhnt man sich beim Leben definitiv an die Stilistik und findet gut hinein.

Durch die recht knappe Erzählweise ist auch eine gewisse Oberflächlichkeit nicht zu leugnen. Man kommt als Leser*in definitiv nicht so nah an die Figuren rund um Emoni dran, wie man das aus anderen Lektüren kennt, aber dafür ist mir auf der anderen Seite aufgefallen, dass es Acevedo an vielen Stellen gelungen ist, mit nur wenigen Worten eine Atmosphäre zu kreieren, die Verständnis und Mitgefühl erzeugt. Deswegen hatte ich letztlich definitiv das Gefühl, dass ich verstanden habe, wer Emoni ist und wer die ihr lieben Menschen sind. Es hat sicherlich auch geholfen, dass die aufgegriffenen Themen nahbar waren. Für mich persönlich ist Kochen ein riesiges Thema. Ich bin zwar keine so intuitive Köchin wie Emoni, aber dennoch konnte ich ihr Bedürfnis sehr gut nachvollziehen, über ihr Gekochtes etwas beim Esser zu erzeugen. Es ist auch absolut rübergekommen, dass es ihr Traum ist und das konnte berühren.

Ein wichtiges Thema war natürlich auch ihre Herkunft, als halbe Puerto Ricanerin und als Kinder einer schwarzen Mutter, die sie nie persönlich kennengelernt hat, und dass sie damit kulturell oft zwischen den Stühlen steht. Ebenso die Schwangerschaft in der Jugend, die Liebe in der Jugend. Das Buch hat definitiv vieles geboten, das nachdenklich macht. Bei all dem war es mir vor allem wichtig, dass ich Emoni verstehen kann und dass sie dabei durchweg sympathisch rübergekommen ist, war dann ein netter Bonus. Ich habe es auch genossen, dass die Handlung trotz eingestreuter schwerer Thematik nie auf übermäßige Dramatik gesetzt hat. Sei es der Vater ihrer Tochter Emma, sei es die abgehobene Oma und seien es die Geldsorgen, all das hätte dafür sorgen können, dass die Handlung in ein tiefes emotionales Loch abdriftet, aber stattdessen war die Handlung stets von Hoffnung geprägt. Deswegen war das Buch definitiv auch Nahrung für die Seele, weil es mitten in der Realität wie eine warme Umarmung war.

Fazit: Ich habe mein erstes Buch von Elizabeth Acevedo sehr genossen, weil es thematisch mit Kochen und vielem mehr meine eigene Lebenswelt getroffen hat und somit berührt hat. Es war eine Geschichte mitten aus dem Leben, die trotz des zeitweiligen Ernst der Lage stets Hoffnung versprüht hat. Einzig der Erzählstil war etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber für Dynamik gesorgt.

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Veröffentlicht am 29.03.2021

Vertraut und doch einzigartig wie immer

Durch die kälteste Nacht
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Brittainy C. Cherry schreibt ihre Bücher zwar in Reihen, aber das war nur selten eine Garantie dafür, dass diese auch inhaltlich einen Zusammenhang haben. Für mich persönlich ist das aber immer ein unschlagbares ...

Brittainy C. Cherry schreibt ihre Bücher zwar in Reihen, aber das war nur selten eine Garantie dafür, dass diese auch inhaltlich einen Zusammenhang haben. Für mich persönlich ist das aber immer ein unschlagbares Argument, weil ich Figuren gerne über einen längeren Zeitraum begleite. Nun scheint mit der Compass-Reihe aber genau das geliefert zu werden, weswegen ich mich auf „Durch die kälteste Nacht“ besonders gefreut haben. Aber wem mache ich eigentlich etwas vor? Ich hätte das Buch natürlich so oder so gelesen!

Die Bücher von BCC sind der Autorin immer schnell eindeutig zuzuordnen, was einerseits für Qualität steht, weil sie eine ganz eigene Art des Schreibens hat, aber es bietet leider auch die Gefahr zu ähnlich zu sein. Bei „Durch die kälteste Nacht“ kann man leider nicht verheimlichen, dass sich einige parallele Elemente zu Romance Elements, aber auch den Einzelbänden ergeben. Dennoch ist es mir wichtig zu betonen, dass letztlich doch jede Geschichte ihren eigenen Charme entwickelt. Seien sich die Figuren oder auch Handlungsmomente manchmal ähnlich, so sind die Entwicklungen zwischendurch gänzlich anders. Dennoch erwische ich mich inzwischen schon mal bei dem Gedanken, dass ich BCC gerne mal ganz anders erleben würde, denn sie hat so schöne Sachen zu sagen, das sollte doch auch in einem anderen Rahmen möglich sind. Ich denke da beispielsweise an Colleen Hoover, die ebenfalls grandios mit der Sprache umzugehen weiß und sich ständig neu erfindet.

Nun aber konkret zu „Durch die kälteste Nacht“. Ich mochte Kennedy und Jax auf Anhieb und das aus unterschiedlichen Gründen. Sie will man am liebsten ständig nur in den Arm nehmen, weil man miterlebt, wie sie von ihrem Ehemann behandelt wird und was für Dämonen sie heimsuchen, während bei ihm der weiche Kern, der nach außen hin harte Schale zeigt, durch seinen Kollegen Connor immer wieder deutlich wird. Die beiden alleine, aber auch zusammen bekommt schnell eine ganz neue Dimension, denn wir dürfen miterleben, wie sie sich als Kinder kennengelernt haben. Die Szenen sind zuckersüß, aber vor allem grandios einzigartig, weil gerade bei der kindlichen Kennedy deutlich wird, was für seltene Figuren sie schaffen kann. Diese sind unangepasst, mutig und so mitten im Leben, wie man sich das immer wünschen würde, weswegen ich sie immer gerne erlebe. Zwar ist somit der Kontrast zur heutigen Kennedy extrem, aber man spürt, dass ein Teil von ihrem kindlichen Selbst noch da ist und den will man endgültig wieder zum Vorschein bringen. Mit dieser gemeinsamen Vergangenheit im Hinterkopf ist es dann auch leichtes Spiel in der Gegenwart, wo die Funken nur so sprühen.

Dennoch wird „Durch die kälteste Nacht“ nicht als mein Liebling in Erinnerung bleiben. Zuletzt habe ich von BBC die Chances-Reihe gelesen und habe „Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch“ heiß und innig geliebt. Das muss ich dann auch nicht rational begründen, denn es ist oft ein Bauchgefühl, welche Figuren, welche Paarung mich einfach noch intensiver auf ihre Reise mitnimmt. Und bei so vielen schon veröffentlichen Büchern ist wohl auch völlig klar, dass ich nicht alle Werke gleich lieben kann, aber ein Leseerlebnis sind sie wirklich immer wert! Bei „Durch die kälteste Nacht“ habe ich aber dennoch ein paar Argumente, um diesen eher durchschnittlichen Eindruck zu unterfüttern. Das ist zum einen das Erzähltempo. Am Anfang zieht sich vieles, während am Ende alles Schlag auf Schlag geht. Ich finde es normalerweise packender, wenn es immer mal wieder Höhepunkte gibt, um den Leser so gleichmäßig bei der Stange zu halten. Und ein zweites Argument ist sicherlich, dass einiges sehr intensiv, anderes eher lasch auserzählt wurde. Da haben wir grandiose Nebencharaktere wie Joy oder Connor, die mit wenigen Sätzen ein Eigenleben entwickeln, aber dann haben wir auch eher Antagonisten wie Derek, Cole oder auch Penn, die sehr stereotyp und manchmal auch nicht nachvollziehbar gestaltet sind. Auch inhaltlich hat das dann Auswirkungen, weil manche Entwicklungen mich tief innen drin berühren, während andere wie lästige Schikane wirken.

Fazit: „Durch die kälteste Nacht“ hat zwar recht penetrant zwischendurch mich denken lassen „Kenne ich!“ und dennoch entwickelt die Geschichte letztlich noch ihren ganz eigenen Charakter. Dennoch nicht mein Liebling von BCC, weil der Funke nicht so überspringen wollte, wie bei vorangegangenen Paarungen. Dennoch wie immer eine bedingungslose Leseempfehlung!

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