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Veröffentlicht am 21.08.2021

Play it again, Tomke!

Das Gestern von morgen
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Mit fünfzehn hat man eigentlich schon genug Probleme, im Leben klarzukommen: das andere Geschlecht ist meistens blöd, wenn auch faszinierend, die Eltern blöd, aber am längeren Hebel und die Schule ist ...

Mit fünfzehn hat man eigentlich schon genug Probleme, im Leben klarzukommen: das andere Geschlecht ist meistens blöd, wenn auch faszinierend, die Eltern blöd, aber am längeren Hebel und die Schule ist auch nicht gerade ein Ort der Glückseligkeit. Doch Tomke trifft es ungleich härter: Ihr etwas älterer Bruder Jannes wird nach einem schlimmen Unfall schwerverletzt im Wald gefunden, und es ist nicht sicher, ob er je wieder aufwacht. Tomke ist verzweifelt. Doch als sie am nächsten Tag wieder aufwacht, hat der gestrige Tag von vorn begonnen und ... könnte das bei aller Unwahrscheinlichkeit die Chance sein, Jannes zu retten? Gegen jede Chance nimmt Tomke den Kampf um ihren Bruder auf, versucht ihn zu retten und ... scheitert. Und wieder beginnt derselbe Tag. Und wieder und wieder und wieder. Ist es überhaupt möglich, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen? Falls ja, ist Tomke bereit, alles in ihrer Macht stehende dafür zu tun.

Tomke ist ein normales, fünfzehnjähriges Mädchen, und das bleibt sie zum Glück auch von Anfang bis Ende. Sie hat Probleme mit Idioten an ihrer Schule, erkennt verliebte Jungs nicht einmal, wenn die nackig vor ihr herumtanzen und mit Leuchtreklame I love you auf ihre Stirn schreiben würden und zockt lieber mit ihren besten Freunden anstatt irgendetwas zu tun, das Erwachsene als sinnvoll erachten. Aber: Sie ist mega-, megacool. Nicht, weil sie sich plötzlich zu einer heißen Schönheitskönigin wandelt, die auf der Beliebtheitsskala plötzlich auf Nummer Eins steht, sondern weil genau solche Sachen ihr quer vorbeigehen. Sie tut alles für diejenigen, die sie liebt und opfert dabei teilweise sogar sich selbst. Sie ist all das, was ich in ihrem Alter gern gewesen wäre: clever, mutig, stur bis zur Selbstaufgabe. Dazu passt, dass alle wichtigeren Charaktere in diesem Buch gut ausgearbeitet sind, ohne in extreme Klischees zu verfallen. Ich mochte eigentlich alles - den Schreibstil, die Art, wie das Buch durch Handygespräche oder Liedtexte aufgelockert wird, die Zerrissenheit der Protagonistin, die darum kämpft, das Richtige zu tun, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren.

Großes Kino. Bin dafür, das Ganze als Netflixserie zu verfilmen.

Veröffentlicht am 30.07.2021

Katze, Dackel, 4500 Kilometer

Allein durch die Sterne
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Ariadne lebt eher in den Tag hinein als dass sie etwas aus ihrem Leben machen würde. Das Studium hat sie abgebrochen, sie jobbt gerade so viel, dass sie sich das Leben in Lille leisten kann. Doch eines ...

Ariadne lebt eher in den Tag hinein als dass sie etwas aus ihrem Leben machen würde. Das Studium hat sie abgebrochen, sie jobbt gerade so viel, dass sie sich das Leben in Lille leisten kann. Doch eines Tages ist sie plötzlich allein auf der Welt. Sämtliche anderen Menschen sind verschwunden. Was tun? Zuerst ist es gar nicht so uncool, in teuren Läden shoppen, alles essen und machen, was man will. Doch dann beginnt die Einsamkeit. Als sich plötzlich doch noch eine Menschenseele bei ihr meldet - Sanghyun. Dumm nur, dass sich der auf der anderen Seite der Welt befindet. Also beschließen sie, sich entgegenzukommen und in Jekaterinburg - mitten in Russland - zu treffen. Nicht so einfach: Der Strom fällt nach und nach aus, alle Straßen sind mit Autos verstopft, die Tiere verwildern. Und was, wenn man krank wird? Sich verletzt? Ariadne macht sich mit einem Dackel und einer Katze auf den langen Weg durch die Sterne ...

Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und bin immer wieder beeindruckt von ihrem Ideenreichtum und der Tatsache, dass sie keinen Hang zu Kitsch hat. Obwohl die Geschichte oberflächig fast wie ein Liebesgedöns aussieht, ist sie doch viel mehr. Eine Dystopie für die Menschheit, eine Utopie für alle anderen Lebewesen auf der Welt. Eine Geschichte über Einsamkeit, Isolation, über das Bedürfnis des Menschen nach Sozialisation. Sie war spannend erzählt und ich konnte - gerade an einer bestimmten Stelle - extrem mitleiden. Und das Ende? Ist einfach irre. Es lässt mit Fragen zurück, sorgt aber dafür, dass man immer wieder mal zurückkehren wird mit den Gedanken an dieses Buch. Auf gewisse Art happy war es auch noch. Was will man mehr?

Veröffentlicht am 07.07.2021

Für eine enkeltaugliche Erde

Mensch, Erde!
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Wenn man auf Reisen geht, kann man was erzählen. Und so ist es auch mit Eckhart von Hirschhausen. Mal davon abgesehen, dass der Mann sogar auf sehr sympathische Art einen Papagei schwindlig quatschen kann, ...

Wenn man auf Reisen geht, kann man was erzählen. Und so ist es auch mit Eckhart von Hirschhausen. Mal davon abgesehen, dass der Mann sogar auf sehr sympathische Art einen Papagei schwindlig quatschen kann, hat er auch was zu sagen. Etwas mit Hand und Fuß und Fußabdrücken. Nämlich den ökologischen. Und so hat er vielleicht nicht zum ersten Mal, aber zum intensivsten Mal in seinem Urlaub darüber nachgedacht, was mit unserer Erde passiert. Thema: Klimawandel. Wer sich mit offenen Augen umsieht, dem kann dieser nicht entgehen. Die Sommer werden heißer, das Wasser knapper, die Winter ... sind so mies, dass es nicht mal eine vernünftige Schneeschmelze gibt. (Wer in den Bergen wohnt, weiß, wovon ich rede.)

Doch Hirschhausen redet nicht nur vom Klima oder von der Erde, denn es geht gar nicht um Klima- oder Umweltschutz. Wir müssen eigentlich niemanden anderes schützen als uns, es wäre also eine reine Vorsichtsmaßnahme, etwas zu unternehmen. Und das geht nicht nur von denjenigen aus, die die "Macht" haben. Nicht nur von den riesigen Konzernen, den Regierungen, den Politikern. Die Macht haben sie durch uns, mit uns. Finge jeder einzelne damit an, erst einmal auf sich zu achten - das fängt schon mit der eigenen Gesundheit, mit dem eigenen Essen, mit der eigenen Achtsamkeit an - wäre das auf Dauer auch ein Schubs für die Erde. Leben wir gesünder einfach nur für uns, tun wir auch dem Planeten, auf dem wir leben, weniger an.

Ich habe ziemlich lange für dieses Buch gebraucht. Nicht, weil es so schlecht, schwer zu lesen oder unakzeptabel wäre, nein. Unangenehm vielleicht manchmal, weil man so oft merkt, wie man selbst, obwohl man sich für grün hält, doch immer wieder als Umweltbanause entpuppt. So viele Kleinigkeiten, so große Wirkung. Der Doktor hält einem auf sympathische, sachliche, informative Art und Weise einen Spiegel vor die Nase: Ob der beschlägt und Anzeichen von intelligenten Leben aufweist, muss jetzt nur noch jeder Einzelne für sich entscheiden.

Und es wäre gut, wenn sich viele, viele Leute dafür entscheiden würden, damit auch unsere Enkel eine Erde erleben, von der sie sagen können, sie sei schön. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für Politiker, CEOs und Lehrer werden.

Veröffentlicht am 30.06.2021

Zeitenbummler

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv
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Madleine Maxwell hat zwei Dinge hinter sich gelassen: ihre toxische Familie und ihren Vornamen. Dafür hat sie Geschichte studiert und hat ein bisschen Probleme mit Autorität. Die perfekten Voraussetzungen, ...

Madleine Maxwell hat zwei Dinge hinter sich gelassen: ihre toxische Familie und ihren Vornamen. Dafür hat sie Geschichte studiert und hat ein bisschen Probleme mit Autorität. Die perfekten Voraussetzungen, um im historischen Institut von Saint Mary Karriere zu machen. Das ist ein bisschen anders, als sie Geschichte bisher kennt, denn hier ist man nicht nur dabei, sondern mittendrin, um mal einen Werbeslogan aufzugreifen. Und so findet sich Max plötzlich nicht nur unter verrückten Wissenschaftlern, attraktiven Mitarbeitern und im Alten Ägypten wieder, sondern muss auch zusehen, dass sie nicht nur ihren, sondern auch den Allerwertesten ihrer Kollegen vor hungrigen Tyrannosaurus Rexen (ob das wirklich die Mehrzahl ist?) rettet.

Was für ein Ritt! Was für ein Spaß! Ja, es war nicht alles eitel Sonnenschein und gute Laune. Bei allem Humor gab es jede Menge tragischer Ereignisse, aber genau das machte für mich die perfekte Mischung aus. Max ist eine fantastische Protagonistin, wie ich sie haben möchte: intelligent, Schnodderschnauze, das Herz auf dem rechten Fleck und jederzeit bereit, für sich und die ihren einzustehen. Dieses Institut ist der krasseste Oberhammer und ich wünschte mir so sehr, dass, falls die noch Leute suchen, sich einfach mal vertrauensvoll an mich wenden. Was die brauchen, lerne ich schon. Also, Hogwarts, du hast Konkurrenz bekommen. Entweder du schickst mir endlich eine Eule, dass ich bei euch zur Schule kommen darf, oder ich gehe ins Institut Saint Mary. Überleg's dir gut - bekomme ich zuerst Post von denen, überlege ich nämlich nicht lange.

Ach so: Fette Empfehlung!

Veröffentlicht am 12.06.2021

Wassergeister und Wachhaie

Melyn – Leg dich nie mit einem Meeresgott an
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Eigentlich hat Cooper bald Prüfungen und somit gar keine Zeit für irgendwelche Dinge, die nicht mit Lernen zu tun haben. Doch beim Kopfdurchpusten oder Joggen am Strand findet er eine bewusstlose junge ...

Eigentlich hat Cooper bald Prüfungen und somit gar keine Zeit für irgendwelche Dinge, die nicht mit Lernen zu tun haben. Doch beim Kopfdurchpusten oder Joggen am Strand findet er eine bewusstlose junge Frau und nimmt sie mit zum Haus seiner Großmutter. Melyn, so der Name des Mädchens, ist seltsam. Sie versteht kein Englisch und nur wenig Walisisch, kennt das normale Essen nicht und ihre Sachen sind völlig anders als das, was Cooper kennt. Aber sie lernt schnell und weiß sich verständlich zu machen. Und mit meinem Mal ist der junge Student in einem Abenteuer gefangen, das ihn nicht nur auf Wassergeister in Pferdeform treffen lässt, sondern auch tief unter die Wasseroberfläche in ein versunkenes Reich führt. Das Wichtigste, was er lernt ist jedoch nicht, sich niemals mit einem Meeresgott anzulegen, sondern auf sein Herz zu hören - und das schlägt nicht für Melyn.

Ein Buch wie ein Ritt auf dem Wassergeist namens Daliwr, der in Form eines hübschen Pferdes daherkommt, listig zu verhandeln weiß, zuerst wie ein recht eigensinniger Geselle wirkt, aber dann doch der heimliche Held des Buches wird. Mich begeisterte jedoch nicht nur er, sondern auch das, was ich oben schrieb: Es gibt keine klischeehafte Liebesbeziehung zwischen Cooper und Melyn, denn beide haben ihr Herz anderweitig verschenkt, und das ist gut so. Trotzdem harmonieren sie gut miteinander, vielleicht gerade deswegen, weil eine erzwungene, aufdringliche Lovestory eben nicht vorkommt. Gut gefallen hat mir auch, dass walisische Mythologie eine große Rolle spielte und auf Umweltprobleme eingegangen wird, ohne den Zeigefinger zu heben. So erwarten einen ein rundum gelungenes (Unterwasser)Abenteuer und amüsante Stunden mit einem schlagfertigen Wasserpferd.