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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2021

Das Leben ist endlich. Mach das Beste draus.

Der erste letzte Tag
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Livius Reimer möchte von München nach Berlin fliegen, um sich mit seiner Frau auszusöhnen, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat. Als der Flug wegen schlechtem Wetter gestrichen wird, muss er sich ...

Livius Reimer möchte von München nach Berlin fliegen, um sich mit seiner Frau auszusöhnen, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat. Als der Flug wegen schlechtem Wetter gestrichen wird, muss er sich den letzten Mietwagen mit Lea von Armin teilen, eine auf den ersten Blick freche, unkonventionelle und aus reichem Hause stammende junge Frau, die ihn vollkommen überfordert. Wenn er nur vorher gewusst hätte, worauf er sich einlässt, als Lea ein ungewöhnliches Experiment vorschlägt: „Na, was wohl. Wir leben diesen einen gemeinsamen Tag lang so, als wäre es unser letzter.“ (Seite 55)!

Hart, härter, am härtesten und nun also „kein Thriller“ von Sebastian Fitzek. Ich gebe zu, ich war sehr skeptisch und das bis zur Hälfte des Buches anscheinend zu Recht. Es war nicht schlecht, stellenweise war es sogar recht witzig, aber so richtig wollte der Funke zwischen der Geschichte und mir nicht überspringen. Dies änderte sich erst, als die Story eine gänzlich andere Wendung nahm. Plötzlich war ich neugierig, wie es weitergeht, und unglaublicherweise geschah das, womit ich nicht mehr gerechnet hatte; ich habe nicht nur Tränen gelacht, nein, ich habe gebrüllt vor Lachen! Ehrlich, Slapstick in Wortform hat selten so gezündet, ich habe manche Situation förmlich vor mir gesehen und konnte einfach nicht mehr aufhören zu lachen. Danke dafür!

Eine Story zum lachen und zum weinen, zum nachdenken und fürs Herz. Mir waren es zwar stellenweise zu viele Klischees und zu viel gewollte Komik, aber trotzdem habe ich mich im Ganzen sehr gut unterhalten gefühlt. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Trauer hat viele Gesichter

Die Telefonzelle am Ende der Welt
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Stell dir vor, es gibt eine Telefonzelle, von der aus du mit einem toten oder vermissten geliebten Menschen Kontakt aufnehmen könntest. Dafür müsstest du den schweren Telefonhörer abnehmen und sprechen. ...

Stell dir vor, es gibt eine Telefonzelle, von der aus du mit einem toten oder vermissten geliebten Menschen Kontakt aufnehmen könntest. Dafür müsstest du den schweren Telefonhörer abnehmen und sprechen. Könntest du dir das vorstellen? So eine Telefonzelle gibt es tatsächlich, sie steht im Garten Bell Gardia am Hang des Kujirayama in Japan. Dort wird das Telefon des Windes von Herrn Sasaki Itaru jedem zur Verfügung gestellt und mit ihm geteilt, der es braucht und nötig hat. Die Autorin hat rund um diesen außergewöhnlichen Ort eine fiktive Geschichte erschaffen, die Geschichte von Yui und Takeshi, die beide geliebte Menschen verloren haben und sich im Garten Bell Gardia das erste Mal begegnen.

„Das ist das Telefon des Windes in erster Linie für mich: eine Metapher dafür, wie kostbar es ist, die Freude ebenso anzunehmen wie den Schmerz. Und dass einem im Leben noch so viel genommen werden kann - ebenso wichtig ist es, sich dem zu öffnen, was es einem geben kann.“ (Eine wichtige Bemerkung, Nachwort der Autorin, Seite 339)

Ich glaube, dass jeder, der bereits einen geliebten Menschen verloren hat, diese Gedanken kennt; ach, könnte ich die Person doch einmal noch sehen, könnte ich nur einmal noch mit ihr sprechen. Ob laut ausgesprochen oder im Kopf, auch ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich das Wort an eine Person richte, die ich verloren habe und die mir wichtig war. Der Einfall mit einem Telefon ist somit gar nicht so falsch und ich denke, dass ein solcher Austausch, mag er noch so einseitig sein, zur Heilung beitragen kann.

Mit der Geschichte selbst bin ich dennoch bis zum Schluss nicht ganz warm geworden, es war für das Buch und mich anscheinend der falsche Zeitpunkt. Es kam mir vor, als bestünde das Buch selbst aus vielen kleinen Geschichten, die letztendlich zu einer großen zusammengefasst wurden. Das fand ich gewöhnungsbedürftig und es hat lange gedauert, bis ich mich an den Schreibstil und die minimalistische Schreibweise gewöhnt hatte. Was mir trotzdem sehr gefallen hat, das waren viele Sätze, die mit chirurgischer Präzision Mitten ins Herz trafen. Sätze, die ich mir laut im Kopf immer wieder vorgelesen habe, die dort von einer Windung in die andere gepurzelt sind und dabei einen Glücksmoment nach dem anderen produziert haben. Die Story selbst plätscherte leider immer mehr vor sich hin, das letzte Drittel flog ein wenig an mir vorbei, echte Gefühle kamen bei mir nicht an, die Figuren blieben blass. Das ist schade, denn den Grundgedanken fand ich berührend und hatte mich sehr auf das Buch gefreut. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.06.2021

Ein Artefakt des Bösen

Der Fluch des Chupacabra
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Dies ist der erste Band aus der Gruftgeflüster-Reihe. Hierbei handelt es sich um Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind, sodass man diese unabhängig voneinander lesen kann. Kurze, unheimliche ...

Dies ist der erste Band aus der Gruftgeflüster-Reihe. Hierbei handelt es sich um Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind, sodass man diese unabhängig voneinander lesen kann. Kurze, unheimliche Geschichten, die beim lesen einen wohligen Schauer über den Rücken jagen.

In dem ersten Band geht es um Marie, die von ihrem Großvater ein kleines Grundstück nebst einer darauf illegal errichteten Hütte geerbt hat. Dort lebt sie nun mit einem Kater und vier Ziegen. Als das Ordnungsamt auf sie aufmerksam wird und zudem auf dem Nachbarshof Tiere verenden, ahnt sie nicht, dass etwas Böses in den Wäldern lauert, das nicht nur für sie zu einer großen Gefahr werden könnte.

Eine unterhaltsame Kurzgeschichte, die mir persönlich nicht gruselig genug war. Zu viel Zeit wurde vergeudet mit Nebensächlichkeiten und unwichtigen Schauplätzen. Ich hätte gerne mehr über das mysteriöse Wesen gelesen. Trotzdem hat mir die Story gefallen und Marie war ein sehr sympathischer Charakter. Von mir gibt es 3 1/2 Ziegen ähm Sterne.

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Veröffentlicht am 22.02.2021

Leben als Frau in Korea und anderswo

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Kim Jiyoung wächst in Korea auf. Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrem Erwachsenwerden handeln. Dies alles in einem Land, in dem Frauen dafür verantwortlich ...

Kim Jiyoung wächst in Korea auf. Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrem Erwachsenwerden handeln. Dies alles in einem Land, in dem Frauen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sie belästigt werden und es eine Schande ist, keinen Sohn zu gebären. Ein Land, das Jungs und Männer bevorzugt und es Mädchen und Frauen schwer bis unmöglich macht, ihren Weg zu gehen oder Karriere zu machen. In dem das alte Rollenbild nach außen hin überholt, in Wahrheit aber weiterhin praktiziert wird.

Das Buch hat mich leider nicht ganz überzeugt. Die Personen blieben blass, die Geschichte hat mich nicht erreicht. Die Autorin rannte buchstäblich durch die Erzählung. Mehr Zeit und Raum hätten der Story gutgetan, so aber war es eine wenig in die Tiefe gehende Aneinanderreihung von Fiktion und Fakten, die sich abgewechselt haben. Eine wissenschaftliche Abhandlung mit Fußnoten, zu denen ich mir am Ende eine ausführlichere Erklärung gewünscht hätte. Wirklich neue Erkenntnisse konnte ich hier nicht gewinnen, die Rolle der Frau im asiatischen Raum (und im übrigen vielen anderen Ländern der Welt auch) war mir nicht neu, ein Schockeffekt blieb aus. Vielleicht ist aber gerade dies das schockierende daran; dass es als normal hingenommen wird, obwohl es alles andere als das ist.

„Auch wenn sich viel in der Welt getan hatte in puncto Gleichberechtigung, all die kleinen Regeln, Selbstverständlichkeiten oder Gewohnheiten innerhalb der Gesellschaft hatten sich nicht erkennbar geändert. Letztendlich war überall immer noch alles beim Alten.“ (Seite 155 ff.)

Es gab im Buch sehr viele interessante Ansätze, die ich mir ausführlicher gewünscht hätte. Der Anfang war spannend, im Mittelteil flachte die Story leider etwas ab, um zum Schluss hin wieder zu fesseln. Dennoch ist es ein wichtiges Thema, das leider immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Ich vergebe 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Wenn ein Geist zum Leben erwacht

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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In diesem Buch begibt sich der Autor, der Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT ist, auf die Spuren seiner Urgroßmutter Anna. Diese Reise führt ihn zurück in das Jahr 1887, tief ins Sauerland hinein, als ...

In diesem Buch begibt sich der Autor, der Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT ist, auf die Spuren seiner Urgroßmutter Anna. Diese Reise führt ihn zurück in das Jahr 1887, tief ins Sauerland hinein, als Anna Kaltoff auf dem Weg ins Dorf Cobbenrode ist, um dort die neue Lehrerin zu werden. Anhand von alten Bildern, Postkarten und Briefen rekonstruiert Henning Sussebach unter Zuhilfenahme von Einträgen in diversen Ämtern, dem Studium von Geburtenregistern und anderen Dokumenten, soweit überhaupt noch erhalten, das Leben seiner Verwandten bis zu deren Tod.

»Partie, ein antiquarisches Wort, mittlerweile so veraltet, dass es Anführungszeichen braucht. Majuskeln, Chamberetten, Pilaster. Je tiefer ich in der Vergangenheit wühle, desto mehr alte Begriffe erobern dieses Buch. Wer bemächtigt sich hier eigentlich wessen Geschichte? (Seite 46)

Teils Sachbuch, teils Roman und zum Teil ein Buch darüber, wie die Welt sich weiterentwickelt hat, konnte mich das relativ schmale Büchlein sehr gut unterhalten. Dabei war es für mich in erster Linie gar nicht die Geschichte von Anna, die mich fasziniert hat, denn diese ist so persönlich, dass deren Leben zwar interessant, aber nicht aufregend genug war, um mich zu fesseln. Dies meine ich keinesfalls abwertend, sondern nüchtern und wertfrei. Was mich mehr als erfreut hat, waren die eingestreuten Fakten, was Erfindungen, geschichtliche Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen angeht. Danke dafür.

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