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Veröffentlicht am 15.07.2021

Hörbuchgenuss

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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Das Buch des Totengräbers: Ein Fall für Leopold von Herzfeldt von Oliver Pötzsch, gelesen von Hans Jürgen Stockerl, erschienen im Hörbuch Hamburg Verlag als gekürzte Hörbuchfassung am 31. Mai 2021.

Leopold ...

Das Buch des Totengräbers: Ein Fall für Leopold von Herzfeldt von Oliver Pötzsch, gelesen von Hans Jürgen Stockerl, erschienen im Hörbuch Hamburg Verlag als gekürzte Hörbuchfassung am 31. Mai 2021.

Leopold von Herzfeldt ist jung und neu in Wien. Er arbeitet mit Kollegen zusammen, die seine modernen Methoden ablehnen, etwas gegen seine jüdische Herkunft haben und selbst sein Hochdeutsch kommt nicht richtig gut an. Gleich mit seinem ersten Fall tritt er mit beiden Füssen in alle Fettnäpfchen, die man sich nur denken kann und wird eiligst von einem Frauenmord abgezogen, um dann den versuchten Leichenraub auf dem Zentralfriedhof zu untersuchen. Dort trifft er auf den Totengräber Augusti Rothmayer, ein Mann der seinen ererbten Beruf als Berufung sieht. Einerseits hoch gebildet, andererseits zufrieden mit der Stellung die er in der Welt hat.
Dieses Buch, gelesen von einem überragenden Hans Jürgen Stockerl ist einfach nur grandios. Pötzsch hat genau die Grenze getroffen. an der ein wienerischer Krimi spielen sollte. Etwas Wiener Schmäh und auch für uns nicht Wiener gut verständliche Sprache. Stockerl haucht jeder Figur Leben ein, ich könnte mir im Augenblick nicht vorstellen, dass man dieses Hörbuch besser lesen könnte.

Die Geschichte hat zwar das Krimielement, zeigt aber mehr den damaligen Zeitgeist, das Aufkommen der Forensik und das Einbeziehen der Technik in die Polizeiarbeit. Vorurteile gegen Juden, Aberglaube und der Glaube, dass eine hohe Geburt einen unantastbar machen sind genau so ein Thema wie die Lebensumstände der verschiedenen Schichten. Schaurig wird es auch, da der Totengräber am Anfang der Kapitel immer einen Absatz aus dem Sachbuch welches er schreibt vorliest.

Wenn einem die Reihe um den bretonischen Kommissar Dupin wegen der Weitschweifigkeit der Geschichte gut gefällt, dann liegen sie mit dem historischen Krimi um Leopold von Herzfeldt auf jeden Fall richtig. Klare Kaufempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.07.2021

Spannender und besser als der erste Band

Der Tintenfischer
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Der Tintenfischer: Commissario Morello ermittelt in Venedig (Ein Fall für Commissario Morello, Band 2) von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo, gelesen von Dietmar Wunder, erschienen im Argon Verlag ...

Der Tintenfischer: Commissario Morello ermittelt in Venedig (Ein Fall für Commissario Morello, Band 2) von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo, gelesen von Dietmar Wunder, erschienen im Argon Verlag als gekürzte Hörbuchversion am 30. Juni 2021.

Venedig ist ruhig. Die Touristen sind weg, die Bewohner sitzen in ihren Häusern. Corona greift um sich und er und sein Team müssen die Ausgangssperre überwachen. Er und Anna Klotze retten einen Nigerianer dessen Asylantrag vor sich hingammelt, der sich von einer der Brücken Venedigs in den Canale Grande stürzt, um auf die Situation seiner Freundin aufmerksam zu machen, die auf Sizilien von der nigerianischen Mafia zur Prostitution gezwungen wird aufmerksam zu machen.
In fast allem was Morello tut findet sich ein Bogen zu Mafia. Ging mir das im ersten Band der Reihe noch etwas auf die Nerven, bin ich jetzt so weit abgetaucht in die Geschichte, dass ich ihm Recht geben muss. Erzählt wird von dem Drama um Flüchtlinge, die z.T. unter falschen Voraussetzungen nach Europa kommen, unser Unwille und Unvermögen mit ihnen, um zu gehen und um „Geschäftsleute“, die daraus eine Geldquelle für sich geschaffen haben. Außerdem behandelt das Team um Morello in Italien die Fälle von sogenannten Covid-Betrügern, die alte Menschen um ihr Erspartes bringen, weil sie alleine mit der Situation, die wir mit Corona Abstand und Kontaktverboten geschaffen haben, nicht zurechtkommen.

Die sehr spannende Geschichte, die Venedig und Palermo vor den Augen des Zuhörers entstehen lässt, wurde sehr einfühlsam von Dietmar Wunder gelesen.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und kann ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes gelesen werden. Trotzdem empfehle ich Band 1 zuerst zu lesen, um die Beziehungen der handelnden Personen untereinander einfach besser verstehen zu können.

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Veröffentlicht am 06.07.2021

Ungewöhnliche Konstellation von Charakteren

Herz des Winters
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Herz des Winters (Band 1 von Daena und Berekh) von Madeleine Puljic, erschienen im Greenlight Press Verlag am 23. April 2018.

Daena ist eine Kämpferin ohne Abschluss. Sie zieht mit Berekh, einem belebten ...

Herz des Winters (Band 1 von Daena und Berekh) von Madeleine Puljic, erschienen im Greenlight Press Verlag am 23. April 2018.

Daena ist eine Kämpferin ohne Abschluss. Sie zieht mit Berekh, einem belebten Totenschädel, durch die Gegend und ist quasi ein Mietschwert. In der Welt von Daena gibt es all die Wesen aus unseren Sagen und Märchen wirklich und einen Feind der die Menschen und ihre lebenden Märchenwesen versklaven und töten. Daena und Berekh rufen die Gilden zum Widerstand auf und ziehen in einen Krieg, der das Schicksal der Menschen festlegen wird.

Die Autorin hat mit Daena und Berekh ein seltsames Paar geschaffen, welches zwar Kampfkraft und Magie vereint, wo die Protagonisten aber ihr Eigenleben führen. Im Laufe der Geschichte entwickeln sich die Charaktere sehr schnall weiter und sie überrascht den Leser, mit einer zügig fortschreitenden Geschichte, in der die Protagonisten sich schneller entwickeln und wo nicht gezögert wird Entscheidungen zu treffen. Es ist also ein temporeicher erster Band, der Lust auf mehr macht, aber einen auch schon mit ungewöhnlich viel Informationen für einen ersten Band ausstattet, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ich bin schon richtig gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 01.07.2021

Kämpfer mit Ecken und Kanten

Die Eherne Garde 1: Die schwarze Klaue
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Die Eherne Garde 1: Die schwarze Klaue von Peter Hohmann.

Avi kämpft mit ihrer Vergangenheit, Lormak kennt seine nicht. Avi versucht die Dämonen, die immer weiter vordringen zurückzuhalten. Sie kann ...

Die Eherne Garde 1: Die schwarze Klaue von Peter Hohmann.

Avi kämpft mit ihrer Vergangenheit, Lormak kennt seine nicht. Avi versucht die Dämonen, die immer weiter vordringen zurückzuhalten. Sie kann Dämonen spüren, richtig dumm läuft es, als in einem Kampf ein Amulett zerbricht und nun alle Dämonen auch sie spüren können. Als Avi und Lormak aufeinander treffen bilden sie eine unwillige Allianz, die ihm seine Vergangenheit zurückgeben soll und ihr helfen soll die Dämonen, die sich an ihre Fersen geheftet haben, loszuwerden.
Die Geschichte wird aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Die Vergangenheit erzählt aus dem Leben von Iridon Vulkola, einem begnadeten, aber leider auch überheblichen Magier der Elfen, der seine Nase tief in Angelegenheiten bohrt, die eine Hausnummer zu groß sind. Die Gegenwart wird aus der Sicht von Avi bszw. Lormak erzählt. Lormak kann man zur Gruppe der Antihelden zählen, während Avi und ihr Begleiter, der Zwerg Krax, deutlich sympathisch sind.

Im ersten Band geht es nicht immer ganz gesittet zu, Blut fließt in Bächen, die Charaktere sind raue Kämpfer und hochnäsige Magier, die Welt wird von Dämonen überzogen die gestern noch normale Kinder gewesen sind. Das Buch ist sehr spannend, beinhaltet Gewalt fast komplett ohne Ekelfaktor, für zarte Seelchen trotzdem nicht geeignet. Klare Leseempfehlung.

Ich habe das Buch mit einem anderen Cover erhalten. Die Beurteilung ist für das "neue" Cover, dass zwar besser als das Alte ist, aber noch immer mehr so naja ...

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Veröffentlicht am 21.06.2021

Ein Fundament auf dem man aufbauen kann

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit
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Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: Wahr, falsch, plausibel von Mai Thi Nguyen-Kim, gelesen von der Autorin, erschienen im Argon Verlag am 1. März 2021

Mitten in der Pandemie schreibt Mai Thi Nguyen-Kim ...

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: Wahr, falsch, plausibel von Mai Thi Nguyen-Kim, gelesen von der Autorin, erschienen im Argon Verlag am 1. März 2021

Mitten in der Pandemie schreibt Mai Thi Nguyen-Kim ein Buch, welches Wissenschaft erklärt und helfen könnte die 80 Millionen Besserwisser in Deutschland wieder in die Streitkultur die Früchte tragen kann, um zu lenken. Oft ist es heute nicht mehr wichtig einen Konsens zu finden, sondern es dem unbekannten Gegenüber zu zeigen und auf jeden Fall recht zu haben.
Innerhalb von 9 Kapiteln nimmt sich die Autorin verschiedener Themen an:
Die Legalisierung von Drogen
Videospiele und Gewalt
Gender Pay Gap
Big Pharma vs. Alternative Medizin
Wie sicher sind Impfungen
Die Erblichkeit von Intelligenz
Warum denken Frauen und Männer unterschiedlich
Sind Tierversuche ethisch vertretbar
Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit

Fast immer stellt uns Mai Thi Nguyen-Kim eine Frage, die sie auch direkt als Fangfrage bezeichnet. Manchmal hatte ich etwas das Gefühl, einem Wahl-O-Mat ausgesetzt zu sein. Bei einigen Fragen möchte man das nehmen, was gesellschaftlich anerkannt wirkt, bei anderen Dingen wird sicher etwas Anderes rauskommen, wenn man genauer hinschaut, worauf es dann wirklich hinausläuft. Es geht nicht um Lobbyismus in dem Buch. Es soll uns Laien erklären wie geforscht wird und warum es oft auf die Interpretation einer Studie ankommt.

Beim Kapitel über die Erblichkeit von Intelligenz bin ich leicht am Format Hörbuch gescheitert. Da hätte ich ab und an gerne noch mal einige Seiten zurückgeblättert.

Mai Thi Nguyen-Kim hat dieses Hörbuch selbst eingelesen und einige Anmerkungen und Hinweise, wo der Hörer Diagramme aufrufen kann, hinzugefügt. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie wichtig es der Autorin ist uns Zusammenhänge begreiflich zu machen. Manchmal mag das Buch für die gesetzteren etwas schnodderig wirken, aber es macht Spaß es zu hören und es verändert wirklich was im Gehirn. Das Buch fordert mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit als das durchschnittliche Sachbuch, aber die Autorin schafft es eigentlich bis zum Abwinken durchgekaute Themen wie Gender Pay Gap und Globuli aktuell und verständlich zu erklären.

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