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Veröffentlicht am 18.07.2021

Ein interessanter, vielschichtiger Familienkurzurlaub, Humor und Liebe inklusive!

Erben wollen sie alle
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„Wird einem da nicht langweilig? Jeden Tag die gleiche Strecke?“, wollte Anja wissen.
„Was kann es Schöneres geben? Wenn man einen Ort liebt, kann man ihn sich doch nicht oft genug ansehen.“
Seite 177

Oder ...

„Wird einem da nicht langweilig? Jeden Tag die gleiche Strecke?“, wollte Anja wissen.
„Was kann es Schöneres geben? Wenn man einen Ort liebt, kann man ihn sich doch nicht oft genug ansehen.“
Seite 177

Oder doch? Denn irgendwie hat Bianca genug von der schönen Insel Mallorca, wo sie ihren Lebensabend verbringt. Sie beschließt, ihr Haus dort zu verkaufen und mit dem Erlös eine Weltreise zusammen mit ihrem neuen Bekannten Wolfi anzutreten. Doch die liebe Familie bekommt Wind davon und sieht ihr Erbe den Bach runtergehen… Und ein jüngerer Mann an der Seite ihrer Mutter, der kann doch nur das eine im Sinn haben, oder?
Obwohl sie sonst kaum Kontakt haben, packen Biancas Tochter Anja mit Lieblingsenkelin Luisa sowie ihr Sohn Steffen mit Frau Yvonne die Koffer und ab geht es auf die Insel, um den Heiratsschwindler Wolfi zu entlarven und den Gesundheitszustand Biancas zu überprüfen.
Doch sie haben die Rechnung ohne die Wirtin gemacht…

Wo fange ich an? Ich war noch nie auf Mallorca und Tessa Hennig, die mich auch schon ins südlichste Italien gelockt hat, bringt mir die Insel abseits des Ballermanns näher. Die Geschichte rund um die rüstige Bianca und ihre Erben erinnert ein wenig an ein humorvolles Theaterstück inklusive Missverständnisse, und das im besten Sinne.
Bianca ist eine rüstige Pensionistin vom alten Schlag, wirkt manchmal etwas ruppig. Ich mochte sie und habe gut verstanden, dass sie manches lieber für sich behält… Einerseits, um ihre Lieben zu schützen, andererseits haben sie sich in der letzten Zeit auch kaum um sie gekümmert.
Als wäre das nicht schon genug für eine interessante Geschichte, gibt es da aber auch noch den an Alzheimer erkrankten Nachbarn Alejandro und seinen ambitionierten Pfleger Felix, der gemeinsam mit Medizinstudentin Luisa versuchen will, seine Erinnerungen wieder zum Leben zu erwecken. Auch wenn mich das manchmal fast schmerzhaft an meine Großeltern erinnert hat, so war es doch schön zu lesen, dass es Menschen gibt, die sich mit Hingabe um deren Pflege bemühen.
Und gerade dieser Mix hat für mich „Erben wollen sie alle“ so besonders gemacht. Eine Partyinsel abseits der Klischees erforschen, einen anderen Zugang zur Pflege kennenzulernen, alte und neue Missverständnisse und Geheimnisse aufzuklären in einem schönen Ambiente mit einer Familie, die letzten Endes doch erkennt, was sie aneinander hat… Und das alles mit Tessa Hennigs flotter Feder zu einem lockeren und flüssig zu lesenden Roman verpackt, was will man mehr?
Fazit: Ein interessanter, vielschichtiger Familienkurzurlaub, Humor und Liebe inklusive!

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Veröffentlicht am 02.07.2021

Eine interessant erzählte Geschichte über Überforderung, Zusammenhalt, Familie, Freundschaft und Liebe!

Kaputte Herzen kann man kleben
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„Kann ich nicht“, erklärte ich schließlich und trank einen Schluck Sekt. „Also, über Wasser wandeln.“
„Nein? Du bist doch eine Frau und Mutter. Wir können alles“
Kapitel 8

Wenn es doch so einfach wär, ...

„Kann ich nicht“, erklärte ich schließlich und trank einen Schluck Sekt. „Also, über Wasser wandeln.“
„Nein? Du bist doch eine Frau und Mutter. Wir können alles“
Kapitel 8

Wenn es doch so einfach wär, denn Luisa kann einfach gar nicht mehr… Alleinerziehend kämpft sie ständig mit Geldsorgen. Sie ist Hebamme und seit einem traumatischen Ereignis bei einer Geburt in der Klinik zweifelt sie daran, ob sie ihren Beruf unter diesen Voraussetzungen noch weiter machen will. Als dann auch noch ihr Rücken Probleme macht, fährt sie zu ihrer eigenwilligen Tante Mimi nach St. Peter-Ording.
Der begnadete Physiotherapeut Tom hilft ihr mit ihrem Rücken, und als sie dann eine Gruppe Frauen trifft, die aus dem Mommy-Universum ausgestiegen sind, beginnt es ihr besser zu gehen.
Es ist keine leichte Geschichte, die uns Kerstin Günak hier erzählt, und gerade das hat mir so gut gefallen. Luisa ist wirklich am Ende, bricht in Tränen aus, hat keine Kraft mehr und das spiegelt sich in ihrem Körper wider. Von ihrem Partner allein gelassen, muss sie an alles denken und wird von den anderen Müttern noch mit zusätzlichen Aufgaben belastet. Der Besuch bei Mimi zeigt ihr, wie es ist, wenn einem jemand unter die Arme greift und man sich gegenseitig hilft. Aber es kommen auch andere Gefühle hoch und ein alter Konflikt, der nie aus dem Weg geräumt wurde, schwelt unter der Oberfläche.
Ihre neu gewonnenen Freundinnen tun ihr gut, mit ihnen lernt Luisa (und ich mit ihr) den Begriff Mental Load und es wird ihr immer klarer, dass sie etwas ändern muss. Sie ist ein herzensguter Mensch, gibt alles für ihr Kind und hat doch ständig das Gefühl, dass es nicht genug ist. Ihr Beruf ist Berufung doch erfährt er in der Gesellschaft kaum Wertschätzung und die Arbeitsumgebung macht es ihr immer schwerer, ihn so auszuüben, wie sie es mit Leib und Seele tun will. Auch ich kenne Hebammen nur aus den kurzen Stunden der Geburt, eine Betreuung vorher und nachher ist bei uns nicht üblich, obwohl das so wichtig wäre. Die Autorin beschreibt die Kräfte einer Geburt, die Stärke von Frauen so eindringlich, dass mir wieder mal bewusst wurde, was wir alles leisten und ließ mich mir selbst die Frage stellen, ob wir das wirklich alles müssen. Aber sie zeigt uns auch die andere Seite, Mütter, die die Väter gar nicht mit einbeziehen und gab mir auch hier einen interessanten Denkanstoß!
„Kaputte Herzen kann man kleben“, und solche Geschichten helfen ein Stück weit mit, wenn man nicht nur die unterhaltsame Oberfläche sondern auch die tieferen Töne erliest!
Fazit: Eine interessant erzählte Geschichte über Überforderung, Zusammenhalt, Familie, Freundschaft und Liebe!

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Veröffentlicht am 28.06.2021

Eine wunderschön erzählte Entwicklungsgeschichte in einem tollen Setting!

Liebe in bester Lage
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„Wie anders das Leben hier war als in Berlin. So ruhig, keine Hektik. (…) Es war immer laut. Hier war es bis auf das Summen ein paar emsiger Bienen still.“
6. Kapitel

Ella ist sehr erfolgreich in der ...

„Wie anders das Leben hier war als in Berlin. So ruhig, keine Hektik. (…) Es war immer laut. Hier war es bis auf das Summen ein paar emsiger Bienen still.“
6. Kapitel

Ella ist sehr erfolgreich in der Werbeagentur Spreegold, die sie mit ihrem Mann David aufgebaut hat. Auch wenn es stressig ist, alles passt doch soweit… bis sie erfährt, dass ihr Mann eine Affäre hat, die noch dazu von ihm schwanger ist. Ella fährt spontan nach Südtirol um in Bozen ein Seminar in einem kleinen Weingut zu besuchen. Dort findet sie wieder zu sich zurück, neue Stärke und neue Ideen… aber auch eine neue Liebe?

Wer öfter meine Rezensionen liest weiß, dass ich das Setting in einem Weingarten liebe, auch wenn ich kaum Wein trinke. Also schon alleine dafür gibt es bei mir den ersten Stern. Aber auch ohne diese positive Voreingenommenheit ist „Liebe in bester Lage“ ein einfach wunderschöner Entwicklungsroman. Wir begleiten Ella von dem Moment an, als sie von der Affäre erfährt, sich nach Bozen begibt und dort erst Mal die Ruhe genießt. In manch kurzen Rückblicken aber erleben wir auch ihr altes Ich, hektisch, voller Aufgaben in ihrer Agentur, und sehen, was sie dort eigentlich schon lange nicht mehr erfüllt hat.
In dem kleinen Weingut von Maria macht sie nicht nur ein Weinseminar, sie lernt auch neue Freunde kennen und findet eine alte Leidenschaft wieder. Schnell sprüht sie über vor neuen Ideen. Ich mochte es sehr, dass sie sich nicht im Verrat ihres Mannes gebadet hat. Ja, Ella ist verletzt und gekränkt, aber sie sieht rasch auch wieder das Schöne, das sie in ihrer Vergangenheit erlebt hat und auch die Chancen, die sich jetzt für sie auftun.
Die Weinbäuerin Maria, aber auch die anderen Teilnehmer des Seminars waren eine tolle Ergänzung zu Ella. Lustig und nett, manche auch gerade an einem Scheideweg und so wurde aus der Truppe schnell eine Einheit, die sich gegenseitig beraten und unterstützt hat. Eine schöne Gemeinschaft!
Wir dürfen aber auch einen von Ellas schwierigsten Kunden kennenlernen, den aufstrebenden Koch Joe, den sie schon in ihrer alten Agentur betreut hat und der auch jetzt gerne auf ihre Meinung und Erfahrung baut. Er brachte noch mal zusätzlichen Schwung in die Geschichte.
Wie gesagt, ich liebe Weingärten von ihrem landschaftlichen Aspekt her und auch, der Weinbau selber und Verkostungen sind nicht so mein Thema. Obwohl sich die Geschichte viel darum dreht, war es mir nicht zu viel und ich habe diesen Roman von der ersten bis zur letzten Seite genossen!
Fazit: Eine wunderschön erzählte Entwicklungsgeschichte in einem tollen Setting!

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Veröffentlicht am 24.06.2021

Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt und Liebe an faszinierenden Schaupl

Wie Träume im Sommerwind
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„Bevor sie nach Paris gegangen war, hatte Emilia in Zinnowitz das Gefühl gehabt, von der Langeweile erdrückt zu werden. Sie kannte jeden Quadratzentimeter auf diesem Fleckchen Erde.“
Seite 122
Und jetzt ...


„Bevor sie nach Paris gegangen war, hatte Emilia in Zinnowitz das Gefühl gehabt, von der Langeweile erdrückt zu werden. Sie kannte jeden Quadratzentimeter auf diesem Fleckchen Erde.“
Seite 122
Und jetzt hat Emilia keine andere Wahl als Paris zu verlassen, denn ihre geliebte Schwester Clara hatte einen schweren Unfall. Zurück in ihrem Heimatort muss sie Verantwortung übernehmen, Claras Rolle ausfüllen und ihr eigenes Leben ordnen.
Katharina Herzog erzählt in „Wie Träume im Sommerwind“ die berührende Geschichte der Schwestern in zwei Zeitsträngen. Wir begleiten Clara in ihrer Jugendzeit nach England, in einen wunderschönen Garten zu ihrer ersten großen Liebe. Und wir sehen, wie Emilia heute versucht, ihrer Schwester zu helfen, und deshalb einerseits die Eltern am heimischen Rosenhof unterstützt. Und danach nach England reist, an den Ort in Claras Vergangenheit, der wohl eine große Bedeutung für sie hat.
Kann ein vertrauter Geruch von dort sie erwecken?
Emilia ist eine Rebellin, in den kurzen Rückblenden in die Vergangenheit der Schwestern spürt man schon, wie sehr sie die Enge der Insel bedrückt, wie sie durch Kleidung etc. herausstechen und provozieren will. Als sie ihre besondere Fähigkeit erkennt, setzt sie alles daran, nach Paris an eine renommierte Parfümeurschule zu kommen. Ihre Schwester liebt Rosen ebenso wie ihre Eltern und kümmert sich um deren Rosenhof, in Zeiten des Internethandels und billiger Importblumen keine leichte Aufgabe.
Und so dreht sich die Geschichte um Düfte, was sie bewirken können und die Schönheit und Vielfalt der Rosen – eine für mich als Leserin berauschende Mischung. Ich fand beides wahnsinnig interessant und spannend und man spürt, dass die Autorin für beide Themen gut recherchiert hat und selbst dieser Faszination erlegen ist!
Ich mochte Emilia von Anfang an, sie, die ihre eigene Kraft unterschätzt und für ihre Schwester kämpft. Aber auch die Reise in die Vergangenheit, an wunderschöne Plätze in Groß Britannien haben mich sehr bewegt und berührt. Emilia wandelt auf den Spuren ihrer Schwester und geht doch ihren eigenen Weg. Und letzten Endes finden die Zeitstränge ein gemeinsames Ende.
Fazit: Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt und Liebe an faszinierenden Schauplätzen.



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Veröffentlicht am 10.06.2021

Ein abwechslungs- und facettenreicher Krimi!

25 Knoten
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„Manchmal greife ich zum Telefonhörer, weil ich mich mit ihm besprechen will … und dann fällt es mir wieder ein … dass ich das nicht mehr kann …“



Als Majas Großvater, der große Reeder Magnus Johansson ...

„Manchmal greife ich zum Telefonhörer, weil ich mich mit ihm besprechen will … und dann fällt es mir wieder ein … dass ich das nicht mehr kann …“



Als Majas Großvater, der große Reeder Magnus Johansson nach einem Unfall im Koma liegt, entdeckt sie in seinen Sachen einen verdächtigen Brief. Hatte er etwa eine Affäre?

Um das zu klären, begibt sie sich auf den Weg nach Frankreich – um festzustellen, dass es um etwas viel Größeres und weiter Verzweigtes geht…

In was für Machenschaften war ihr geliebter Großvater verstrickt? Und wurden ihm diese zum Verhängnis?

Majas Nachforschungen bringen sie einmal rund um die Welt – und in große Gefahr!



25 Knoten ist ein superspannendes Buch das mich auf verschlungenen, unvorhersehbaren Pfaden zu einem absolut stimmigen Ende gebracht hat.

Der Einstieg führte mich schon auf eine falsche Fährte, gemeinsam mit dem „maritimen“ Titel dachte ich mir, die Geschichte selbst würde uns direkt aufs Meer, zu manipulierten Sicherheitsmaßnahmen oder Ähnliches führen. Doch das wäre zu einfach für Liv Morus gewesen, der weitere Verlauf war überraschend und interessant anders. Da werden Familienbande geknüpft, Medien geschickt manipuliert und Kartelle geschmiedet.



Maja ist eine absolut liebenswerte Protagonisten, das nette Mädchen von nebenan, mit dem man sich sofort identifizieren kann. Ihre Neugierde und die Liebe zu ihren Großeltern sind eine große Motivation, die sie dazu bringen, über sich hinauszuwachsen und sich mehr zuzutrauen.

Ihre Entwicklung war schön zu lesen und absolut stimmig.

Majas Reise führt sie weit umher und überraschend nahe an viele wunderbare Menschen. Die Verbundenheit, die sich da rasch zeigt, war ein weiteres Highlight in diesem Buch. Ebenso wie die spürbar perfekt recherchierten Handlungsorte – Maja bringt uns nach Marseille, New York und Singapur – und die Autorin uns diese Orte mit wenigen Worten so sphärisch nahe, als wäre man selbst dort angekommen.



Gerade durch diese Reisen und Begegnungen fordert dieses Buch auch viel Aufmerksamkeit vom Leser ein, denn wir bekommen unerwartet viele wichtige Personen zu Gesicht. Hier ist ein gutes Gedächtnis gefragt – oder ein kleiner Notizzettel in meinem Fall ;) Doch der Roman ist es absolut wert, nicht nur nebenher sondern konzentriert gelesen zu werden!



„25 Knoten“ überrascht auch in anderem Sinne: Schon zu Beginn ist mir eine „Eigenheit“ aufgefallen, die zusammen mit den eingestreuten Intermezzi erst Mal willkürlich wirkten – und am Ende das Bild perfekt abgerundet haben! Ich war überrascht, wie im Nachhinein jeder noch so unbedeutend wirkende Nebensatz seinen wichtigen Platz in der Geschichte eingenommen hat!


Liv Morus schreibt immer bildhaft und glaubwürdig und spielt hier auch gekonnt mit unseren Emotionen. Obwohl Magnus Verhalten keineswegs richtig oder verständlich war – letzten Endes kann man ihm nicht böse sein.


Wems gefallen hat (und den Krimilesern unter euch wird es gefallen!) – unbedingt auch ihre spannende Reihe um Reporterin Elisa und Kommissar Henri Wieland lesen!

Fazit: Ein spannender, abwechslungs- und facettenreicher Krimi, der mich auf verschlungenen Pfaden einmal um die Welt und zu einem absolut stimmigen Ende geführt hat!

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