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Veröffentlicht am 29.07.2021

Addie LaRue

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue
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Mit dem Fantasy- Werk „Das unsichtbare Leben der Addie LaRue“ hat die Autorin V.E. Schwab ihr neustes Werk auf den Markt gebracht. Dies ist ein eigenständiges Buch und kann daher ohne Vorkenntnisse gelesen ...

Mit dem Fantasy- Werk „Das unsichtbare Leben der Addie LaRue“ hat die Autorin V.E. Schwab ihr neustes Werk auf den Markt gebracht. Dies ist ein eigenständiges Buch und kann daher ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Addie LaRue ist die Frau, an die sich niemand erinnert. Die unbekannte Muse auf den Bildern Alter Meister. Die namenlose Schönheit in den Sonetten der Dichter. Dreihundert Jahre lang reist sie durch die europäische Kulturgeschichte – und bleibt dabei doch stets allein.
Seit sie im Jahre 1714 einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, ist sie dazu verdammt, ein ruheloses Leben ohne Freunde oder Familie zu führen und als anonyme Frau die Großstädte zu durchstreifen. Bis sie dreihundert Jahre später in einem alten, versteckten Antiquariat in New York einen jungen Mann trifft, der sie wiedererkennt. Und sich in sie verliebt.

Von Victoria Schwab habe ich schon mehrere Fantasy-Bücher gelesen, wobei jedes auf seine eigene Weise einen Eindruck hinterlassen hat. Auch dieses Fantasy-Werk konnte mich vom Klappentext ansprechen. Und mittlerweile ist der Name V.E. Schwab auch für mich schon so etwas wie ein Qualitätssiegel. Daher habe ich mich voller Vorfreude an ihr neustes Werk gewagt und habe doch etwas ganz Anderes bekommen, als ich zunächst erwartet hätte.
Der Schreibstil ist auch dieses Mal wieder sehr wortgewaltig. Man hat beim Lesen den Eindruck, dass wirklich jedes Wort sitzt und genau das richtige ist. Man merkt hier jedem Satz an, dass Schwab mit Worten umgehen kann. Auf mich wirkte dieser Stil hier besonders malerisch, fast schon poetisch. Ich persönlich fand, dass dies auch sehr gut zur Handlung des Buches passte – ist in dieser doch eine Hommage an die Kunst gesetzt wurden. Das Buch beinhaltet einige Zeitsprünge. Die eigentliche Handlung spielt in der Gegenwart. Dennoch werden häufig Rückblenden eingebunden. In diesen erfährt man mehr über das bisherige Leben von Addie LaRue, was sie bereits alles erlebt hat. Welche wichtigen Ereignisse sie begleitet hat und wo sie schon überall war.
Wie der Titel des Buches schon verrät, handelt dieses Buch von der Protagonistin Addie LaRue. Als junges Mädchen lebt sie im frühen 18. Jahrhundert in Frankreich in einem kleinen Dorf. Sie führt ein beschauliches Leben. Den meisten Mädchen ist ein Weg vorgegeben – früh heiraten und dann Mutter werden und sich um die Kinder und den Mann sorgen. Doch solch ein Leben will Addie nicht führen – sie möchte etwas erleben. Daher geht sie einen Pakt ein – mit einer Art Schattendämon oder einer bösen Gottheit – es gibt hier verschiedene Erklärungen. Addie nennt ihn Luc – und dieser soll sie noch öfters begleiten. Addie bekommt ein langes Leben, wenn nicht sogar Unsterblichkeit. Doch dabei ist sie unsichtbar – Addie kann keine direkten Spuren hinterlassen. Menschen, denen sie begegnet, vergessen sie sofort wieder, sobald sie Addie nicht mehr sehen. Das hat natürlich zur Folge, dass sie sich sehr alleine fühlt. Doch Addie findet einen Weg, damit umzugehen. Sie inspiriert Künstler auf ihre Art, wird zur Muse und hat damit Einfluss auf viele Kunstwerke der verschiedensten Art. An jedem Kapitelanfang wird ein solches Werk vorgestellt – auch die Geschichte dazu erfährt der Leser dann anschließend. Hier erfährt man, wem sie als Inspiration gegolten hat und auf welch unterschiedliche Weise. Ich fand diese Darstellung sehr gelungen und fand es jedes Mal aufs Neue faszinierend, welchem Künstler sie dieses Mal als Muse zur Verfügung stand.
In unserer Gegenwart begegnet Addie einem jungen Mann namens Henry. Dieser arbeitet im Antiquariat – aber das Besondere ist, dass er sich an Addie erinnern kann. Die beiden verbringen Zeit miteinander und schon bald entwickelt sich eine ganz besondere Story. Auch Henry hat ein Geheimnis, von dem man Stück für Stück mehr erahnen kann. Die Beweggründe, wie es dazu kam und auch welche Folgen diese Entscheidung hatte, kommen langsam ans Licht. Leider konnte ich diese nicht immer vollständig verstehen. Mir ist es schwergefallen, Henry in dieser Situation zu verstehen.
Mein persönlicher Liebling war jedoch Luc – der Teufel, welcher den Pakt mit Addie geschlossen hat. Im Verlauf des Buches lernt man ihn immer besser kennen, erkennt seine Vielschichtigkeit. Auch fand ich das Zusammenspiel und die Dialoge zwischen Luc und Addie einfach genial – sie waren mein persönliches Highlight in diesem Buch.
Dieses Buch ist kein actiongeladener oder temporeiches Fantasy- Werk, in dem sich ein Ereignis an das nächste reiht. Spannung wird hier nicht im klassischen Sinn erzeugt. Es ist eher gemächlich – man erfährt immer mehr über das Leben von Addie, wie sie der Pakt zur gleichen Zeit bereichert hat und zeitgleich auch was er ihr genommen hat. Wie sie damit umgeht, oder wie sie einfach nur versucht zu überleben, welche Gedanken sie plagen.

Insgesamt hat V.E. Schwab auch mit ihrem Fantasy- Buch „Das unsichtbare Leben der Addie LaRue“ wieder ein gelungenes Werk geschaffen. Es besticht durch seinen Erzählstil und die Charaktere, die dieses Buch enorm bereichern. Dennoch hat mir das berühmte i- Tüpfelchen gefehlt. Es ist wirklich eine bewegende und besondere Geschichte – daher möchte ich 4 wohlverdiente Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 14.07.2021

Der Tag, an dem die Welt zerriss

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Mit dem Jugend- Future- Fantasy- Roman „Der Tag, an dem die Welt zerriss – Vortex 1“ hat die Autorin Anna Benning ihren Debütroma geschrieben. Dieser ist ein Reihenauftakt und kann daher auch sehr gut ...

Mit dem Jugend- Future- Fantasy- Roman „Der Tag, an dem die Welt zerriss – Vortex 1“ hat die Autorin Anna Benning ihren Debütroma geschrieben. Dieser ist ein Reihenauftakt und kann daher auch sehr gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Für Elaine ist es der wichtigste Tag ihres Lebens: In Neu London findet das spektakuläre Vortexrennen statt, und sie ist eine der Auserwählten. Hunderte Jugendliche jagen bei dem Wettkampf um den Globus – doch nicht zu Fuß. Sie springen in die Energiewirbel, die die Welt vor Jahrzehnten beinahe zerstört haben. Der Sprung in einen Vortex ist lebensgefährlich, doch gelingt er, bringt er einen wie ein geheimes Portal in Sekunden von einem Ort zum anderen. Elaine will das Rennen um jeden Preis gewinnen. Doch mitten im Vortex erwacht eine Macht in ihr, die die Welt erneut erschüttern könnte. Und der Einzige, der Elaine nun zur Seite stehen kann, ist ein Junge, der nichts mit ihr zu tun haben will …

Ich persönlich hatte schon viele positive Meinungen zu dieser Reihe gehört. Daher wollte ich mir nur zu gerne meine eigene Meinung bilden und habe mich voller Vorfreude auf den Auftaktsband gestürzt. Eigentlich hatte ich keine großen Erwartungen, ich bin ohne große Anforderungen an dieses Buch herangegangen. Dennoch hat mich „Der Tag, an dem die Welt zerriss – Vortex 1“ positiv überrascht.
Der Schreibstil ist sehr angenehm. Benning legt in ihrem Debütroman ein hohes Erzähltempo vor, sodass sich das Buch zügig lesen lässt. Viele actionreiche Szenen halten hier den Spannungsbogen weit oben, sodass dieser auch nicht abbricht. Diese spannungsgeladenen Passagen gehen gekonnt in ruhigere Sequenzen über, in denen der Leser die Figuren besser kennen lernen kann. Auch die Interaktionen zwischen den einzelnen Charakteren werden hier gekonnt dargestellt. Das Wechselspiel zwischen den einzelnen Personen hat mir gut gefallen, bekommt man als Leser einen guten Eindruck, welche Beweggründe oder auch welche Vergangenheit die einzelnen Charaktere haben, was sie antreibt oder was sie für die Zukunft planen.
Auch das World- Building fand ich ansprechend. Es ist eine Art mögliche Zukunft. Vielseitig wird diese Welt beschrieben, auf die einzelnen unterschiedlichen Facetten wird gekonnt eingegangen. Diese werden ganz natürlich in die eigentliche Story eingebunden. Über die Welt sind Energiewirbel verteilt, sogenannte Vortexe. Durch diese kann man im Raum springen, was natürlich mit diversen Schwierigkeiten verbunden ist, nicht jeder kann das. Und ganz wenige können diese Vortexe nutzen, um damit sogar in der Zeit zu springen. Diese Energiestrudel sind vor einigen Jahren entstanden, dabei wurden auch die Lebewesen auf der Welt mit den einzelnen Elementen vermischt, also mit Feuer, Erde, Luft und Wasser – dabei sind die Vermengten entstehen. Diese Mischkreaturen haben bestimmte Fähigkeiten und auch Talente, auch werden ihnen gerne bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Am Beispiel der Vermengten kann der Leser erkennen, wie stark Vorurteile sein können und dann man sich lieber selbst ein eigenes Urteil bilden sollte.
Der Einstieg in das Buch ist mir leichtgefallen. Gekonnt wird gleich am Ende der Ausbildung von der Protagonistin Elaine, auch Ellie genannt, eingesetzt. Diese gipfelt im spektakulären Vortexrennen. Dabei bekommt man gleich ein paar wichtige Informationen und die Spannung wird gleich zu Beginn hochgehalten. Auch bekommt man einen guten Einblick in Ellie, wie sie denkt und welche Prinzipien sie hat, aber auch über ihren Freundeskreis. Besonders ihr bester Freund Luka ist mir hierbei ans Herz gewachsen, seine Art mochte ich sofort. Aber auch Elaine ist sympathisch. Im Verlauf des Buches lernt man sie immer besser kennen, man versteht ihre Denkweise immer besser und erkennt, dass sie ihr Herz am richtigen Fleck hat, auch wenn viele Gedanken – besonders auf den ersten Seiten – noch stark von den falschen Einflüssen geprägt sind. Erst langsam muss sie erkennen, dass sie bisher in einer Art Seifenblase aufgewachsen ist. Ellie hat schon früh ihre Mutter verloren und dieses Ereignis treibt sie an, sie ist zielstrebig und mutig, zugleich aber auch vorsichtig. Auch ist sie nicht perfekt und macht im Verlauf der Handlung den ein oder anderen Fehler. An ihrer Seite ist Bale. Zunächst ist er eher arrogant und ruppig, ist Ellie gegenüber ziemlich gemein. Aber mit der Zeit lern man auch Bale besser kennen und kann seine Motive besser verstehen. Auch mochte ich seine sarkastische Ader, manchmal hat er einfach den richtigen Spruch auf den Lippen parat.
Auch der Showdown konnte mich überzeugen, spannend geht es auf den letzten Seiten zu. Nur zu gerne würde ich wissen, wie es mit Ellie und Bale weitergeht. Die Spannung auf den folgenden Band wird hoch angesetzt, zu gerne möchte ich lesen, wie die Geschichte weitergeht.

Insgesamt konnte mich Anna Benning mit ihrem Debüt „Der Tag, an dem die Welt zerriss – Vortex 1“überzeugen. Dieses Buch hat vieles, was ein gelungener Reihenauftakt braucht – überzeugende Charaktere, ein vielseitiges World- Building und einen flüssigen Schreibstil. Weil aber meiner Meinung nach noch ein bisschen Luft nach oben ist, möchte ich 4 Sterne vergeben. Auch freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 06.06.2021

Ostfriesenzorn

Ostfriesenzorn
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Der bekannte Krimi-Autor Klaus- Peter Wolf hat mit „Ostfriesenzorn“ den nun mittlerweile fünfzehnten Band seiner Reihe rund um die Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen geschrieben, welche in Norddeutschland ...

Der bekannte Krimi-Autor Klaus- Peter Wolf hat mit „Ostfriesenzorn“ den nun mittlerweile fünfzehnten Band seiner Reihe rund um die Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen geschrieben, welche in Norddeutschland spielen. Man kann diese Bücher auch ohne Vorkenntnisse aus bisherigen Bänden lesen. Jedoch finde ich, dass es mehr Spaß macht, wenn man bereits andere Werke aus der Reihe kennt, gewisse Zusammenhänge oder auch charakterliche Entwicklungen ergeben so einfach mehr Sinn.

Klappentext:
Sie will Urlaub machen auf Langeoog und am Strand entspannen. Doch ihr Schicksal ist längst besiegelt. Denn der Mörder weiß genau, wo er sie am Abend finden und ihr den Weg in die Ewigkeit zeigen wird. Astrid Thoben ist das erste Opfer eines Serientäters, der noch weitere Frauen im Visier hat. Bei ihren Ermittlungen erhält Ann Kathrin Klaasen unerwartet Hilfe von einem alten Bekannten aus dem Knast: Dr. Bernhard Sommerfeldt. Der Mörder wolle ihm beweisen, dass er der Geschicktere sei. Eine Finte, um aus dem Gefängnis zu kommen? Oder ein ehrliches Hilfsangebot? Für Ann Kathrin stellt sich eine hoch moralische Frage: Kann sie die Hilfe eines verurteilten Mörders annehmen, um Leben zu retten?

„Ostfriesenzorn“ war nicht mein erstes Buch aus der Feder von Klaus- Peter Wolf. Werke, in denen Ann Kathrin Klaasen als Ermittlerin auftritt, kannte ich schon ein paar, wenn auch nicht alle. Der Klappentext hat sich spannend lesen lassen, war ich doch auch schon auf Langeoog und war daher gespannt, wie der Autor diese tolle Landschaft gekonnt in Szene setzt und dort einen Mord inszeniert. Voller Vorfreude habe ich mich in den neuen Kriminalfall gestürzt.
Der Schreibstil von Klaus- Peter Wolf ist, wie ich es bereits aus seinen bisherigen Büchern gewohnt bin, wieder sehr bildhaft und lässt sich auch flüssig lesen. Gekonnt malt Wolf ein Bild von der aktuellen Umgebung. Sodass man dabei das Gefühl hat, dass man selbst auf Langeoog an der Küste oder auf dem nordischen Deich steht und einem dabei der Wind um die Nase weht, man wieder tief und frei atmen kann. Dabei lässt Wolf gekonnt Lokalkolorit einfließen. Man bekommt einen guten Eindruck von den dortigen Umständen und den lokalen Gegebenheiten. Auch wird gekonnt eine dichte Atmosphäre aufgebaut. Man wird zu Beginn direkt in das Geschehen hineingeworfen und wird als Leser dabei auch Zeuge einer bösen Tat. Mir hat der Begriff Upskirting vorher nichts gesagt – dank dieses Buches wurde ich aufgeklärt und mir ist es dabei sofort eiskalt den Rücken runtergelaufen. Allein der Gedanke, dass solche Seiten im Netz existieren, indem Leute – aus welchem Grund auch immer- Frauen zum Freischuss freigeben, dass man ihnen unter die Röcke fotografiert. Wirklich ein schrecklicher Gedanke.
Die Charakterdarstellung fand ich hier relativ gelungen. Mir hat das Wechselspiel und auch die Zusammenarbeit von Klaasen, Weller und auch Rupert zugesagt. Auch wenn die Ermittler dabei nicht wirklich die strahlenden Helden sind. Nicht selten vermasseln sie die Situation und hinterlassen dabei kein gutes Licht auf die Polizeiarbeit. Aber wie sie miteinander agiert haben, hat mir gefallen – man bekommt den Eindruck, dass sie bei diesem Fall als Team arbeiten. Man bekommt auch einen guten Einblick in die jeweiligen Charaktere und auch die Gedankengänge der jeweiligen Person werden beleuchtet. Etwas schade fand ich, dass hier das private Umfeld recht intensiv beschrieben wird. Hier wird mir persönlich ein bisschen zu viel Werbung gemacht. Diverse aktuelle Projekte werden mehrmals erwähnt und so rührt der Autor für sich selber und auch für seine Frau ordentlich die Werbetrommel. Mir persönlich war dies etwas zu viel – hier wäre weniger mehr gewesen!
Gelungen fand ich hier die Beleuchtung des Serienkillers. Dieser wird vielseitig dargestellt und Wolf weiß es, wie er die Gedankengänge von diesem Charakter spannend darstellen kann. Seite für Seite bekommt man ein genaueres Bild von ihm, seinen Zielen und seine Psyche. Als Leser bekommt man diverse Informationsbrocken, aber dabei wird nichts Genaues verraten, sodass man um die genauen Umstände immer noch miträtseln kann.
Interessant fand ich, dass Dr. Sommerfeldt eine wichtige Rolle in diesem Krimi einnimmt. Dieser ist ein Charakter aus einer anderen Kriminalreihe von Klaus- Peter Wolf. Die genauen Umstände, wie er in die Ermittlungsarbeiten eingebunden wird, möchte ich bezweifeln, dass dies im wirklichen Leben auch so funktionieren würde. Aber dafür ist es Unterhaltungslektüre und mit Spannung habe ich seine Passagen gelesen. Ich persönlich hoffe, noch mehr von und über ihn zu lesen.
Etwas schade fand ich, dass man keinen wirklichen Einblick in die Polizeiarbeit bekommt. Diese ist mir etwas zu sehr in den Hintergrund gerückt. Manchmal geht es ziemlich schlagartig. Genaue Fortschritte in den Ermittlungsarbeiten werden so gut wie gar nicht diskutiert. Fehlinformationen oder Irrwege eigentlich nicht thematisiert. Oder Sommerfeldt erledigt hier die Arbeit der Polizei und Klaasen geht ihren persönlichen Problemen nach.
Auch das Ende konnte mich nicht so ganz überzeugen. Mir persönlich war es zu abrupt. Ein paar Seiten mehr hätten dem Buch meiner Meinung nach hier gutgetan.

Insgesamt konnte mich Klaus- Peter Wolf mit „Ostfriesenzorn“ gut unterhalten. Flüssig hat er einen spannenden Kriminalfall erzählt, indem sich das Team rund um Ann Kathrin Klaasen nicht immer im besten Licht präsentiert. Auf Grund ein paar kleinerer Schwächen möchte ich 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Lodernde Schwingen

Lodernde Schwingen
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Der Fantasy- Titel „Lodernde Schwingen“ stammt von der bekannten Autorin Leigh Bardugo. Bei diesem Buch handelt es sich um den Abschlussband einer Trilogie, indem die Grischa Alina eine wesentliche Rolle ...

Der Fantasy- Titel „Lodernde Schwingen“ stammt von der bekannten Autorin Leigh Bardugo. Bei diesem Buch handelt es sich um den Abschlussband einer Trilogie, indem die Grischa Alina eine wesentliche Rolle spielt. Da dieses Buch nahtlos an die Vorgänger „Goldene Flammen“ und auch „Eisige Wellen“ anschließt und sich nicht mit Zusammenfassungen der bisherigen Handlung aufhält, ist es wirklich sehr empfehlenswert, dass man die Reihenfolge der Trilogie einhält.

Klappentext:
Tief unter der Erde versteckt sich Alina vor dem Dunklen, der nun endgültig die Macht in Ravka übernommen hat. Um sie hat sich ein Kult gebildet, der sie als Sonnenkriegerin verehrt – doch in den Höhlen kann Alina ihre Kräfte nicht anrufen. Und die einst mächtige Armee der Grisha ist fast vollständig zerschlagen. Alinas letzte Hoffnung gilt nun den magischen Kräften des legendären Feuervogels – und der winzigen Chance, dass ein geächteter Prinz noch leben könnte. Gemeinsam mit Mal macht sich Alina auf die Suche. Doch der Preis für die uralte Magie des Feuervogels könnte alles zerstören, wofür sie so lange gekämpft haben.

Bereits die ersten beiden Bände der Grischa- Trilogie habe ich zügig gelesen. Daher war ich sehr auf die Weiterführung der Handlung gespannt, ich habe schon um Alina und ihre weitere Geschichte gebangt. Aber ich wollte unbedingt wissen, wie die Story ausgeht. Somit habe ich mich mutig den weiteren Abenteuern mit ihr gestellt und ich wurde nicht enttäuscht.
Wie ich es bereits aus den vorherigen Werken von Bardugo gewohnt war, war auch dieses Mal der Schreibstil recht leicht und angenehm gehalten, sodass sich auch der Titel „Lodernde Schwingen“ flüssig lesen ließ. Die Seiten sind nur so dahingeflogen. Der bildhafte Schreibstil der Autorin hat zusätzlich dazu beigetragen, dass ein Bild vor meinem geistigen Auge entstehen konnte. Zu Beginn ist die Story ein bisschen schwermütig. Dies liegt auch daran, dass Alina erst einmal ihre Wunden aus dem vorherigen Kampf, welche sie in „Eisige Wellen“ meistern musste, lecken muss. Alina muss erst wieder zu alter Stärke zurückfinden und mit sich selbst im Reinen sein. Sie hadert mit ihrem Schicksal und auch ihren Verlusten und dem Leben, dass sie und ihre Wegbegleiter derzeit leben. Die Story an sich ist dabei eher gemächlich, langsam aber stetig muss sich die Handlung erst wieder entwickeln. Dennoch schafft es Bardugo auf andere Weise, Spannung zu erzeugen.
Positiv möchte ich die eingebauten Rückblenden erwähnen. Diese fand ich sehr interessant und haben vielseitige Einblicke gewährt. Man lernt dabei viel über die Geschichte und dessen Quelle von wichtigen Charakteren. Auch erfährt man, wie diese vor vielen Jahren geschehene Ereignisse sich auf die aktuellen Gegebenheiten auswirken. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss die Geschichte aus der Rückblende auf das aktuelle Geschehen haben. Auch wird damit die Geschichte rund um die Figur Morozova und seine Magie Verstärker aufgearbeitet. Man lernt diese besser kennen, kann seine Beweggründe und auch die Person im Allgemeinen viel besser verstehen. Dies hat zur Folge, dass man als Leser langsam die Zusammenhänge erkennt. Ich fand, dies war gut gelöst und auch die Umsetzung rund um seine Geschichte fand ich gelungen.
Auch fand ich es gut, dass man mehr über die Person des Dunklen erfährt. Dadurch bekommt man einen anderen Blickwinkel auf seine Person und lernt neue Facetten an ihm kennen. Seine Person erhält mehr Tiefgang und man kann seine Handlungen und Beweggründe besser verstehen. Dies hat mir den Antagonisten sympathischer gemacht, man hat mit ihm mitgefühlt. Auch die Weiterentwicklung von Nikolai hat mir zugesagt. Angefangen hat alles mit der Geschichte rund um den Mythos des Feuervogels. Dieser Handlungsstrang hat sich jedoch ganz anders entwickelt, als man zunächst vermuten würde. Unerwartete und schockierende Wendungen werden eingebaut. Und Nikolai spielt dabei eine wesentliche Rolle. Er will Alina helfen, den Feuervogel zu fangen, damit sie sich seine Macht aneignen kann. Nikolai gerät dabei zwischen die Fronten und erleidet dabei kein einfaches Schicksal. Mir hat dieser Aspekt sehr gut gefallen und dies ist auch wichtig für die Weiterführung der Handlung. Durch diesen Aspekt ist mir dieser Protagonist noch mehr ans Herz gewachsen, hat er dadurch noch eine zusätzliche Tiefe erhalten. Allgemein haben mir die Nebencharaktere mir hier wieder gut gefallen, die haben das Buch zusätzlich lebendiger gemacht. Bei manchen war ich mir nicht sicher, ob man sie nochmal wieder treffen wird und es hat mir Freude gemacht, dies zu erkunden.
Die Liebesbeziehung zwischen Alina und Mal nimmt auch in dem Abschlussband eine wesentliche Rolle ein. Sie ist wichtig für den Verlauf der Handlung und führt zu der ein oder anderen Konfliktsituation. Doch fügt sie sich diesmal gut in die Haupthandlung ein, sodass ich es nicht als allzu störend empfunden habe.
Der Showdown hat mir gefallen und hat meiner Meinung nach zur Trilogie gepasst. Ein würdiger Abschluss, indem die Hauptfragen geklärt werden, sodass man das Buch am Ende zufrieden zuklappen kann.

Insgesamt konnte mich Leigh Bardugo auch mit dem Abschlussband ihrer Grischa- Trilogie „Lodernde Schwingen“ überzeugen. Ich bin in eine fremdartige Welt mit wunderbaren Charakteren entführt wurden und zusammen mit den Protagonisten musste man Ravka vor dem Untergang bewahren. Dafür möchte ich 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 12.04.2021

Nordwesttod

Nordwesttod
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Der Krimi „Nordwesttod“ stammt von der Autorin Svea Jensen. Dieser Roman ist der Reihenauftakt und damit auch der erste Fall für die Soko St. Peter- Ording.

Klappentext:
Aus der Landeshauptstadt Bayerns ...

Der Krimi „Nordwesttod“ stammt von der Autorin Svea Jensen. Dieser Roman ist der Reihenauftakt und damit auch der erste Fall für die Soko St. Peter- Ording.

Klappentext:
Aus der Landeshauptstadt Bayerns ins ferne Kiel: Kommissarin Anna Wagner braucht nach ihrer Scheidung einen Tapetenwechsel. Sie zieht in den Norden, um im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein eine Stelle aufzubauen, die auf Vermisstenfälle spezialisiert ist. Gleich ihr erster Fall führt sie nach St. Peter-Ording an die Nordseeküste: Nina Brechtmann, eine junge Umweltaktivistin aus einer einflussreichen Hoteliersfamilie, wird vermisst. Hat ihr Verschwinden etwas mit den aggressiven Expansionsplänen ihrer Familie zu tun, wurde sie vielleicht entführt? Oder hütete die junge Frau ein Geheimnis? Anna Wagner und der örtliche Dienststellenleiter Hendrik Norberg ermitteln unter Hochdruck, denn niemand weiß, wann genau Nina Brechtmann verschwunden ist … und jede Minute zählt.

Ab und zu lese ich gerne mal einen Kriminalroman, in letzter Zeit auch sehr gerne mal einen der an Ost- oder Nordsee spielt. „Nordwesttod“ ist unter einem Pseudonym erschienen. Nach ein bisschen stöbern im Internet findet man jedoch recht schnell heraus, wer hinter diesem Namen steckt. Von diesem Autor hatte ich schon ein paar Bücher gelesen, welche mir auch gut gefallen haben, daher habe ich mich voller Vorfreude auf den Krimi gestürzt.
Der Erzählstil ist flüssig und bildgewaltig. In diesem Roman wird dem Leser ordentlich Lokalkolorit geboten. Einige interessante und wunderbare Ecken von St. Peter- Ording und Umgebung werden in die Handlung mit eingebunden. Man lernt dadurch die Gegend ganz gut kennen, bekommt ein Gefühl dafür. Dabei hat man nicht selten das Gefühl, dass einem eine frische Brise um die Nase weht. Durch den bildhaften Schreibstil hat man quasi ein Bild vor seinem geistigen Auge und gekonnt wird eine Atmosphäre aufgebaut, sodass man während des Lesens häufig das Gefühl hat, ebenfalls vor Ort zu sein. Der Autorin ist es ebenfalls gelungen, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Handlung ist ein spannender Vermisstenfall von einem jungen Mädchen namens Nina Brechtmann. Nach und nach lernt man sie ein bisschen kennen, wie sie ist. Im Verlauf der Story kommen immer neue Erkenntnisse dazu. Unerwartete Wendungen oder auch ein Plot Twist wird eingebaut – manche führen den Leser in eine andere Richtung und dann entwickelt sich doch alles anders, als man vermuten würde. Manche Situationen waren vorhersehbar oder zumindest nicht überraschend, dies tut aber der Stimmung keinen Abbruch – die Seiten fliegen nur so dahin und man möchte am liebsten diesen Krimi nicht mehr aus der Hand legen.
Auch die Charakterdarstellung konnte mich überzeugen. Im Mittelpunkt stehen die Ermittler Anna Wagner und Hendrik Norberg. Anna Wagner kommt eigentlich aus München, auch dort schon hat sie Vermisstenfälle bearbeitet. Nach ihrer Scheidung brauchte sie einen Ortswechsel und wurde berufsbedingt nach Kiel versetzt. Da in St. Peter- Ording eine junge Frau namens Nina vermisst wird, hat sie sich dort eine Ferienwohnung angemietet, um in diesem Fall zu ermitteln. Anna Wagner ist eine toughe Frau, die ihre Arbeit konzentriert verfolgt. Dennoch hat sie ein gutes Herz und zeigt viel Mitgefühl und auch Einfühlungsvermögen. Hendrik Norberg ist der männliche Gegenpart. Früher war er in der Mordkommission. Doch nach dem Tod seiner Frau musste er sich für seine beiden Söhne neu orientieren und sein Leben neu strukturieren. Daher hat er sich an die Polizeidienststelle in St. Peter- Ording versetzen lassen. Norberg ist voller Trauer und muss sich erst an die neue Situation gewöhnen und einleben. Mir hat die vielseitige Darstellung der Protagonisten gefallen. Beide hatten ihre Ecken und Kanten, sie kamen einen durchaus realistisch vor. Auch die Nebencharaktere konnten mich überzeugen und wirkten authentisch. Besonders zu Beginn des Buches muss man jedoch erst einmal die Figuren sortieren. Man wird am Anfang mit einigen Namen konfrontiert, die ich zumindest nicht gleich einsortieren konnte, wie sie in die Handlung passen. Aber dieses Problem legt sich recht schnell und man ist in der Handlung gefangen.

Insgesamt konnte mich die Autorin Svea Jensen mit ihrem Reihenauftakt „Nordwesttod“ überzeugen. Die Kriminalreihe beginnt spannend mit authentischen Charakteren und einer fesselnden Handlung. Zu gerne würde ich mehr von der Soko St. Peter- Ording lesen. Für diesen Krimi vergebe ich 4 Sterne.