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Veröffentlicht am 14.10.2021

Spannender Wissenschaftsthriller mit origineller Prämisse

Probe 12
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„Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele passt genau in unsere Zeit: ein Wissenschaftsthriller, der sich mit drohenden Pandemien und ihren Gegenmitteln beschäftigt. Hier geht es nicht nur spannend ...

„Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele passt genau in unsere Zeit: ein Wissenschaftsthriller, der sich mit drohenden Pandemien und ihren Gegenmitteln beschäftigt. Hier geht es nicht nur spannend zu, hier lernt man auch noch etwas!

Die Corona-Pandemie ist vorbei, aber in der Welt der Wissenschaft ist man sich einig: Das wird nicht die letzte Pandemie gewesen sein. Eine Bewegung namens „Pandemic Fighters“ kämpft für mehr Prävention und Forschungsgelder, während in Berlin ein Bioterrorist sein Unwesen treibt und anderswo an neuartigen Therapien mithilfe sogenannter Phagen geforscht wird. Diese Forschung ist jedoch äußerst attraktiv und droht in die falschen Hände zu geraten. Das möchten die Wissenschaftsjournalistin Nina und der Foodblogger Tom, der eine todkranke Tochter hat, unbedingt verhindern und verstricken sich so in ein Wirrwarr aus unterschiedlichen Interessen, die es jedoch im Kern alle auf eins abgesehen haben: die neuartige Phagentherapie von Ninas ehemaligem Mentor.

„Probe 12“ ist ein Roman mit ausgesprochen vielen Handlungssträngen, die das Chaos der modernen Welt hervorragend illustrieren. Das birgt jedoch auch einige Fallstricke, denn ab und zu geht es auch im Roman etwas chaotisch zu. Stets im Vordergrund steht jedoch der Gegenstand, nämlich die Phagentherapie. Was das ist, das erklären die Autorinnen im Buch recht ausführlich und leisten damit auch noch einen Beitrag zur Allgemeinbildung. Neben diesen Ausführungen geht es jedoch meist ziemlich rasant zu: mehrere Morde, mögliche Anschläge und Drohungen sorgen für ein dauerhaft hohes Spannungsniveau.

Ein insgesamt ausgesprochen spannender und zugleich lehrreicher Thriller, der manchmal ein paar zu viele Schauplätze aufmacht. Jedoch eine lohnenswerte Lektüre, vor allem wenn man sich für Neuerungen in den Naturwissenschaften interessiert.

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Ein Buch über Einsamkeit, Liebe und Lebensentscheidungen – gewohnt poetisch

Das Archiv der Gefühle
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„Das Archiv der Gefühle“ ist ein Roman, wie man ihn von Peter Stamm gewohnt ist: poetisch, lebensklug, mit einem intensiven und unverstellten Blick auf menschliche Emotionen.

Der Protagonist des Romans ...

„Das Archiv der Gefühle“ ist ein Roman, wie man ihn von Peter Stamm gewohnt ist: poetisch, lebensklug, mit einem intensiven und unverstellten Blick auf menschliche Emotionen.

Der Protagonist des Romans ist ein einsamer Mann: Als Dokumentar bei einer Zeitung ist er obsolet geworden, hat seine Stelle verloren und führt das Archiv nun privat weiter. So ordnet er die Welt, sein Leben, seine Gedanken – und seine Erinnerungen. Zum Beispiel an Franziska, seine Jugendliebe, die ihn ein Leben lang nicht losgelassen hat, auch als der Kontakt längst abgebrochen war. Nur lassen sich Gefühle nicht so einfach archivieren, und so muss er sich seinen Erinnerungen stellen und landet dabei unvermeidlich immer wieder vor der Frage: Was wäre, wenn …?

Immer wieder werden Möglichkeiten durchgespielt, fiktive Dialoge geführt, darüber nachgedacht, was er hätte anders machen können. Wäre er glücklich geworden? In „Das Archiv der Gefühle“ geht es ständig um Möglichkeiten, um verpasste Gelegenheiten, um Reue. All das schildert Peter Stamm ruhig und unaufgeregt, in gewohnt poetischer Sprache. Dabei übertrifft er sich allerdings keineswegs selbst. Es ist ein solider, intelligenter und nachdenklicher Roman, der jedoch nicht lange im Gedächtnis haften bleiben wird. Zu banal ist die Existenz seines Protagonisten bisweilen, zu vertraut die Geschichte von der großen Liebe (die jedoch einige durchaus ungewöhnliche Nuancen beinhaltet).

„Das Archiv der Gefühle“ ist ein Roman von gewohnt hoher Qualität, der die ganz großen Fragen des Lebens anreißt. Ein intelligenter, lesenswerter und sprachlich ansprechender Roman, jedoch nicht Stamms überzeugendstes Werk.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Ein solider Wissenschafts-/Religionsthriller in der Tradition von „Der Name der Rose“

Die Gottesmaschine
7

In „Die Gottesmaschine“ entführt Reinhard Kleindl sein Publikum in ein abgelegenes französisches Kloster, das Wissenschaft und Religion zu versöhnen versucht. Dass es dabei nicht ganz mit rechten Dingen ...

In „Die Gottesmaschine“ entführt Reinhard Kleindl sein Publikum in ein abgelegenes französisches Kloster, das Wissenschaft und Religion zu versöhnen versucht. Dass es dabei nicht ganz mit rechten Dingen zugeht, wird schnell klar. Sorgfältig recherchiert und in bester Tradition eines Locked-room Mystery werden die Geheimnisse des Klosters nach und nach aufgedeckt.

Im Zentrum der Geschichte steht Weihbischof Lombardi, der das Kloster besucht, um nach dem dort lebenden und forschenden Sohn eines besorgten Freundes zu sehen. Als ein Sturm das Kloster von der Außenwelt abschneidet und die erste Leiche auftaucht, wird Lombardi unfreiwillig zum Ermittler. Es scheint, als seien die Forschungen im Kloster brisanter als zunächst angenommen. Dabei steht ihm die talentierte Wissenschaftlerin Samira Amirpour bei, die für den wissenschaftlichen Überbau sorgt.

Geschickt werden in „Die Gottesmaschine“ eine ganze Reihe Handlungsstränge ineinander verwoben, ohne dabei je den Überblick zu verlieren. Lombardis Ermittlungen im Kloster wechseln sich ab mit dramatischen Ereignissen im Vatikan und Einblicken in das Geistesleben einer mysteriösen Figur, die sich „der Diener“ nennt. Dabei wird jedoch das Konzept des Cliffhangers oft etwas überstrapaziert – die sehr kurzen Kapitel enden fast immer mit einer schwer lastenden Andeutung, bevor zu einem anderen Schauplatz übergeleitet wird. Auf Dauer wird dieser Erzählmodus etwas anstrengend.

Das Spannungsniveau ist jedoch kontinuierlich hoch, und vor allem die wissenschaftlichen Konzepte und Ideen, die diskutiert werden, verleihen dem Roman ein ganz besonderes Flair. Da lässt sich auch über die ein oder andere etwas unvermittelt wirkende Entwicklung in der Handlung hinwegsehen, die mich als Leserin ab und zu zum Stirnrunzeln gebracht hat.

Insgesamt ist „Die Gottesmaschine“ ein lohnenswerter Thriller mit einem Schwerpunkt auf Wissenschaft und Religion, der mit seinem ermittelnden Geistlichen durchaus an „Der Name der Rose“ erinnert, wenn er auch in der Konzeption nicht an das große Vorbild heranreicht. Eine unterhaltsame und bisweilen sogar lehrreiche Lektüre.

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Ein hervorragend recherchierter, erschreckend lebensnaher Roman

Ohne Strom / Ohne Strom - Wo sind deine Grenzen? - Band 1
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Mit seinem Debütroman „Ohne Strom 1“ wagt sich Markus Mattzick gleich an eine ganz große Vision – mit Erfolg! Der erste von zwei zusammengehörigen Teilen schildert detailliert den rapiden Niedergang einer ...

Mit seinem Debütroman „Ohne Strom 1“ wagt sich Markus Mattzick gleich an eine ganz große Vision – mit Erfolg! Der erste von zwei zusammengehörigen Teilen schildert detailliert den rapiden Niedergang einer Gesellschaft, die ohne Strom nicht funktionieren kann.

Als plötzlich in ganz Deutschland ohne Vorwarnung sämtliche elektrischen Geräte zu funktionieren aufhören, bricht das Leben, wie wir es kennen, in sich zusammen. Keine Kommunikation, keine Produktion, keine Lieferketten, kein Transport … die rund 2000 Bewohnerinnen des kleinen Örtchens Umbach beginnen schnell damit, sich zu organisieren, aber wer sich zum Zeitpunkt der Katastrophe anderswo aufhielt, muss einen gefährlichen, langen Weg auf sich nehmen. Während bei ihrer Familie in Umbach alles Mögliche von Nahrungsbeschaffung über medizinische Versorgung bis zu Kommunikationswegen neu erschaffen werden muss, befindet sich Simone auf der gefährlichen Wanderung in ihr Heimatdorf und muss dabei feststellen, wie unterschiedlich die Menschen auf die Katastrophe reagieren – und welch schreckliche Blüten diese Reaktionen treiben können.

Auf jeder Seite des Romans wird deutlich, wie gut Hintergründe, mögliche Schwierigkeiten und Potenziale einer solchen Krise recherchiert wurden. Es ist erstaunlich, an was alles gedacht werden muss, wenn der schlimmste Fall eintritt, und entsprechend ist die Vielfalt der im Roman geschilderten Aspekte unglaublich spannend. Fast dokumentarisch wird erzählt, wie sich ein Dorf völlig neu organisiert und wie ein Land ins Chaos driftet. Dabei kommen unterschiedliche Stimmen zu Wort, die ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen – manche bewahren ihre Integrität länger als andere, bei manchen ist die Zivilisationsdecke so dünn, dass es nur einen kleinen Kratzer braucht, um alle Hemmungen abzuwerfen.

Leichten Punktabzug gibt es für die oft etwas hölzernen Dialoge, die eine Distanz zwischen den Protagonist
innen und mir als Leserin herstellen. Der dokumentarische Stil passt hervorragend zur Beschreibung der Katastrophe und ihrer Auswirkungen, Emotionales bleibt dahinter allerdings oft zurück. Immer wieder sind Reaktionen einzelner Charaktere und Unterhaltungen eher unnatürlich, sodass die Identifikation schwerfällt.

Trotz dieser leichten Abstriche ist „Ohne Strom 1“ eine absolut bahnbrechende dystopische Fiktion mit vielen aktuellen Bezügen und Diskurspotenzial – die Lust auf den zweiten Band ist auch nach 500 Seiten ungetrübt. Wer sich auf ein intensives, detailliertes und spannendes Szenario einlassen möchte, wird sicher Freude an diesem Buch haben.

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Veröffentlicht am 10.07.2021

Ein starkes dystopisches Setting, das es sich in der Handlung manchmal etwas zu einfach macht

RC2722
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„RC 2722“ von David Moitet brilliert durch ein beklemmendes und erschreckend realitätsnahes Setting in der nahen Zukunft: Aufgrund des Klimawandels steigen die Temperaturen auf der ganzen Welt, und auch ...

„RC 2722“ von David Moitet brilliert durch ein beklemmendes und erschreckend realitätsnahes Setting in der nahen Zukunft: Aufgrund des Klimawandels steigen die Temperaturen auf der ganzen Welt, und auch in Frankreich wird das Wasser knapp. Der Strom der Klimaflüchtlinge geht gen Norden, dann breitet sich jedoch eine Krankheit rasant in den Lagern aus, die einen Großteil der Menschheit auslöscht und den Rest in unterirdische Bunker zwingt. Dort wächst der mittlerweile fast erwachsene Oliver auf und lernt nie etwas anderes kennen, bis sein Bruder an die Oberfläche verbannt wird und er ihm folgen muss.

Oliver stellt bald fest, dass die Erdoberfläche zwar einer Wüste ähnlich sieht und teils radioaktiv verstrahlt, aber keinesfalls völlig unbewohnbar und vom Virus verseucht ist. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Tsché, einer hartgesottenen jungen Frau, die sich schon lange in der rauen Wüste durchschlägt, macht er sich auf die Suche nach seinem Bruder. Dabei lernt er schnell die mannigfaltigen Gefahren dieser Welt kennen, die meistens von skrupellosen Mitmenschen und der unbarmherzigen Umwelt ausgehen. Nach und nach erfährt er, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, und lernt einiges über seine eigene Familiengeschichte.

Die düster geschilderte Welt und das faszinierende Setting machen dieses Jugendbuch zu einer unterhaltsamen Lektüre mit viel aktuellem Potenzial. Leider verläuft die Handlung stellenweise jedoch recht oberflächlich und vorhersehbar und wird damit dem äußerst spannenden Setting nicht ganz gerecht. Viele Konflikte lösen sich zu einfach auf, wodurch die erbarmungslose verbrannte Erde und die brutale Vergangenheit auf merkwürdige Art konterkariert werden. So bleibt einiges etwas unbefriedigend – es ist zwar ein Jugendbuch, jedoch könnte man hier auch jüngeren Lesenden durchaus etwas mehr zumuten.

Alles in allem ein spannendes Buch mit vielen aktuelle Bezügen, einem atmosphärischen Setting und einer gut durchdachten Prämisse. Kleine Abzüge gibt es für die oft etwas stark vereinfachte Handlung, jedoch bleibt das Buch eine Leseempfehlung für Lesende ab 12 Jahren, die Lust auf Dystopien haben.

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