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Veröffentlicht am 07.09.2022

✎ Wiebke Wiedeck - Lea und das blaue Glück

Lea und das blaue Glück
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Als ich das Buch entdeckte und las, dass man sich auf Gänsehautmomente einstellen sollte und dass Lea "etwas anders ist, als die anderen", machte mich das sehr neugierig. Es wurde von Farben und Glück ...

Als ich das Buch entdeckte und las, dass man sich auf Gänsehautmomente einstellen sollte und dass Lea "etwas anders ist, als die anderen", machte mich das sehr neugierig. Es wurde von Farben und Glück gesprochen. Und von einem Familiengeheimnis.

Dass die Autorin das Hörbuch selbst eingesprochen hat, ließ mich im Endeffekt dazu greifen. War ich doch gespannt, welche Emotionen sie in ihre eigenen Zeilen legen wird. Und wie sie selbst ihren Text interpretiert.

Anfangs war das für mich wirklich gewöhnungsbedürftig. Wiebke Wiedeck liest bedächtig und langsam. Sie macht Pausen an Stellen, die ich so niemals gemacht hätte. Sie interpretiert Stellen in einer Weise, die bei mir beim Lesen ganz anders ankamen. Und bereits da dachte ich: Wie unterschiedlich wir Menschen einfach sind. Wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung ist. Wie schön, dass es so viele Facetten von uns gibt.

Nachdem ich die Geschichte dann beendet hatte, kam bei mir erstmal die Ernüchterung. Sie hatte nicht den gewünschten Effekt auf mich. Trotz der vielen Gefühle, die vorkommen, blieb ich irgendwie stumpf zurück ... Also ließ ich das Ganze erstmal sacken ...

Nun, zwei Tage später, bin ich erstaunt, welche Wirkung der Roman indessen auf mich hat(te). Er ließ meine Gedanken in den letzten Tagen nicht los. Immer wieder schweifte ich zu Lea und ihren Erlebnissen. Immer wieder bewunderte ich die Entschlossenheit dieses jungen Menschen. Immer wieder war ich über den Verlauf der Geschichte verblüfft. Immer wieder erstaunte mich die Vielschichtigkeit der Charaktere.
Und immer wieder musste ich darüber nachdenken, welche Fügungen das Schicksal mir bereits bescherte.

"Lea und das blaue Glück" ist ein Werk, welches einen vom ersten Moment an abholen kann - wenn man sich darauf einlässt. Es zeigt uns die Vielfalt der Menschen und die Vielfalt des Lebens an sich. Vor allem jedoch regt es zum Nachdenken an.
Ich war - entgegen meiner Erwartungen - scheinbar noch nicht bereit, doch in mir hallt(e) es nach, sodass ich erst 2 Tage später dazu in der Lage war, das ganze Ausmaß wirklich zu begreifen.

Das Buch wird ab 14 empfohlen. Ich denke - besonders aufgrund des Alters der Protagonistin -, dass ab 16 eine bessere Alterseinstufung ist. Einfach auch, um das volle Ganze zu begreifen. Um all die Facetten, die diese Erzählung zu bieten hat, wahrzunehmen. Die Autorin selbst bezeichnet ihr Werk als All-Age-Roman.

Von mir gibt es an dieser Stelle eine ganz klare Hörempfehlung für diese Lektüre. Man muss sich auf sie einlassen; man muss gewillt sein, die unterschwelligen Botschaften wahrnehmen zu wollen - dann wird man reich belohnt.

Im (Hör)Buch werden die auftauchenden Personen immer wieder gefragt, welche Farbe das Glück für sie hat. Für mich hat Glück die Farbe des Regenbogens. Wenn ich glücklich bin, ist alles bunt für mich.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 28.07.2021

✎ Sanne Dufft - Tinkas Tomaten

Tinkas Tomaten
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Das Buch passt super gut in unsere Familie - und meine Tochter liebt es.

Bereits letztes Jahr hatten wir im Garten Tomaten gepflanzt, die unsere damals 2-Jährige hegte und pflegte. In diesem Alter hat ...

Das Buch passt super gut in unsere Familie - und meine Tochter liebt es.

Bereits letztes Jahr hatten wir im Garten Tomaten gepflanzt, die unsere damals 2-Jährige hegte und pflegte. In diesem Alter hat sie das Ganze jedoch noch nicht so aufgenommen. Sie ging zwar mit uns abends raus, um die Pflanzen zu gießen, zeigte sich fernab dessen nicht interessiert.

Dieses Jahr war das alles anders.

Sie durfte bereits beim Aussähen mithelfen. Hat dann beobachten können, wie aus Samen erst kleine Stängelchen und dann kleine Pflänzchen wurden.
Als es ans Raussetzen ging, war sie ebenfalls eifrig dabei. Und jeden Abend nimmt sie ihre kleine Gießkanne und ist mächtig stolz, weil sie das ganz alleine machen darf.

In "Tinkas Tomaten" wird erklärt, wie aus kleinen Pflanzen durch Sonne, Wasser und viel Geduld am Schluss Tomaten werden.

Der Opa erklärt dem Mädchen, was sie beim Gießen beachten muss, wie man Rankhilfen anbringt (leider wird im Text selbst nicht erwähnt, wozu genau sie dienen, doch das kann man gut eigenständig ergänzen) und wieso die Pflanzen irgendwann welk werden.

Als im Werk gezeigt wird, dass erst Blüten wachsen, aus denen dann Tomaten werden, lief unser kleines Mädchen sofort in den Garten und rief ihren Papa, um ihm zu zeigen, dass auch bei ihr diese Blüten wachsen. Diese strahlenden Kinderaugen sind unbezahlbar.

Doch diese Lektüre bietet so viel mehr:
Es zeigt die Bedeutung von Freundschaft und Dankbarkeit.
Es bringt Kindern nahe, dass Lebensmittel nicht im Supermarkt wachsen.
Man kann mit den Kleinen darüber reden, dass verschiedene Gemüsesorten zu unterschiedlichen Zeiten wachsen - also nicht das ganze Jahr über erhältlich sind.

Ich hätte mir gewünscht, dass neben Spaghetti mit Tomatensoße, Tomaten auf der Pizza und in der Vesperdose, auch Tomaten eingekocht werden. Denn das werden wir tun, um zu zeigen, wie man das ganze Jahr über Tomaten essen kann.

Großzügig bebildert und mit einem Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt, hat es diese Veröffentlichung geschafft, dass sie von meiner 3-Jährigen ständig aus dem Regal genommen wird - entweder, um es vorgelesen zu bekommen, oder um anhand der Zeichnungen selbst zu schauen, wie weit ihre eigenen Tomaten bereits herangereift sind.

Der Verlag vergibt eine Altersempfehlung ab 4. Meiner Meinung nach ist es bereits früher einsetzbar - sofern sich das Kind dafür interessiert.

©2021 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 23.06.2021

✎ Katie Daynes - Erklär mir den Mond

Erklär mir den Mond
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Der Mond. Ein faszinierendes Objekt am Himmel, welches zu allerlei Fragen (von den Kleinsten) führt.
Auch meine Tochter hat immer wiederkehrende Fragen:

- Warum sieht man ihn manchmal am Tage, wenn es ...

Der Mond. Ein faszinierendes Objekt am Himmel, welches zu allerlei Fragen (von den Kleinsten) führt.
Auch meine Tochter hat immer wiederkehrende Fragen:

- Warum sieht man ihn manchmal am Tage, wenn es noch hell ist?
- Wo ist er? (wenn er abends nicht zu sehen ist)
- Warum verändert er seine Form?

Ich kann eine Suchmaschine anschmeißen und ihr aus den wissenschaftlichen Texten einen kindgerechten Text formen. Oder ich nehme ein Buch mit kindertauglichen Erklärungen und vor allem Bildern.

Direkt auf der ersten Seite wird eine Frage meiner 3-Jährigen aufgegriffen:

»Manchmal kann man ihn auch tagsüber sehen.« (S. 1)

Doch leider gibt es dazu absolut keine Erklärung. Schade. Da musste ich dann doch eigene Anmerkungen einbringen.

Als nächstes werden anschaulich die verschiedenen Formen erklärt und warum man manchmal nur einen Teil vom Mond sieht. Das fand unsere Kleine sehr interessant. Diese 2 Doppelseiten schaut sie sich auch immer mal wieder alleine an.

Ob schon jemand auf dem Mond war und wie es dort oben ist, wird ebenfalls mit lebendigen Bildern dargestellt.

Als das kleine Mädchen im Buch zum Schluss in einen Raumanzug schlüpft, wollte meine Tochter natürlich auch sofort einen haben.

Wir haben festgestellt, dass mit diesem Werk viele Fragen dem Kindesalter angemessen und vor allem bildhaft erklärt werden. Bei uns kommt es immer wieder zum Einsatz, wenn der Mond am Himmel entdeckt wurde. Entweder schaut mein Kind es sich alleine an oder wir besprechen gemeinsam, was alles unter den Klappen zu finden ist.

Einzig die Frage »Warum sieht man den Mond manchmal schon am Tage, wenn es noch hell ist?« bleibt unbeantwortet. Ansonsten ist das Buch wirklich perfekt fürs Kindergartenalter.

©2021 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 21.05.2026

✎ Kathrin Schrocke - Bunte Fische überall

Bunte Fische überall
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Von Kathrin Schrocke hatte ich bereits „Freak City“ und „Weiße Tränen“ gelesen. Beide Bücher haben mich überzeugt, weil die Autorin schwierige Themen greifbar macht, ohne künstlich dramatisch zu wirken. ...

Von Kathrin Schrocke hatte ich bereits „Freak City“ und „Weiße Tränen“ gelesen. Beide Bücher haben mich überzeugt, weil die Autorin schwierige Themen greifbar macht, ohne künstlich dramatisch zu wirken. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an „Bunte Fische überall“. Ganz an die Wucht der beiden anderen Titel reicht der Roman für mich zwar nicht heran, trotzdem hat mich die Geschichte auf ihre eigene Art gepackt.

Erzählt wird aus der Sicht der 13-jährigen Barnie, die zum Geburtstag lieber ein iPad bekommen hätte als ein Tagebuch. Genau dieses ungeliebte Geschenk wird jedoch zur Grundlage der Handlung. Durch die Tagebuchform entsteht eine große Nähe zu Barnie, ihren Gedanken und ihrer oft herrlich ungefilterten Art. Mal chaotisch, mal verletzlich, mal urkomisch - vieles fühlt sich erstaunlich echt an. Gleichzeitig bleiben auch die Nebenfiguren nicht blass. Vor allem innerhalb der Klasse entwickelt sich eine Dynamik, die lebendig wirkt und die Geschichte trägt.

Besonders mochte ich, dass der Roman trotz seiner ernsten Inhalte nie bedrückend wird. Ich musste mehrfach schmunzeln, manchmal sogar laut lachen. Kathrin Schrocke findet eine gute Balance zwischen Humor und Nachdenklichkeit, ohne dass eines das andere verdrängt.

Im Mittelpunkt steht ein Schulprojekt, bei dem jeweils zwei Schülerinnen oder Schüler gemeinsam eine computergesteuerte Babypuppe versorgen müssen - Tag und Nacht. Die Kinder nennen ihre Babys Lady Gaga, Creature oder Gollum, organisieren Krabbelgruppen, damit nebenbei noch Fortnite gezockt werden kann, und diskutieren über Stillzeiten im Matheunterricht. Gerade diese Szenen lockern die Geschichte auf und machen gleichzeitig deutlich, wie schnell Jugendliche mit Verantwortung an ihre Grenzen geraten.

Nebenbei greift der Roman viele Themen auf, die im Alltag zahlreicher Kinder und Jugendlicher präsent sind, aber oft unausgesprochen bleiben: Scheidung, emotionale Vernachlässigung, alleinerziehende Elternteile oder Instrumentalisierung der Kinder. All das fließt selbstverständlich in die Handlung ein, ohne überdramatisiert zu werden. Genau deshalb bleibt vieles hängen. Das Buch eignet sich nicht nur zum privaten Lesen, sondern auch als Grundlage für Gespräche im Unterricht oder innerhalb der Familie.

Kathrin Schrocke schafft es außerdem, viele gesellschaftliche Fragen miteinander zu verweben. Es geht um Vorurteile gegenüber Regenbogenfamilien, um Rollenbilder, erste Liebe und die Erkenntnis, dass der vermeintlich perfekte Schwarm manchmal ziemlich enttäuschend sein kann.

An manchen Stellen werden Konflikte allerdings etwas zu sanft aufgelöst. Auch Barnies Familienleben wirkt stellenweise fast zu harmonisch, obwohl einige Themen deutlich mehr emotionale Tiefe zugelassen hätten. Gleichzeitig ist vermutlich genau das einer der Gründe, warum das Buch für die Zielgruppe so gut funktioniert: Die Geschichte bleibt leicht zugänglich und verliert sich nie in übermäßiger Schwere.

Schrocke erzählt das alles ohne erhobenen Zeigefinger und nimmt Kinder und Jugendliche auf eine Art ernst, die ihre Romane zu etwas Besonderem macht. Sie liefert keine einfachen Antworten, sondern zeigt Situationen so, dass man automatisch beginnt, über die eigene Haltung nachzudenken.

Erst durch eigene Recherche habe ich herausgefunden, dass „Bunte Fische“ überall bereits 2015 unter dem Titel „Mein Leben und andere Katastrophen“ erschienen ist. Im Buch selbst wird das nur sehr beiläufig als „aktualisierte Neuauflage“ erwähnt. Ich hätte mir ein einordnendes Nachwort der Autorin gewünscht.

Unterm Strich bleibt ein Jugendbuch, das unterhält, zum Nachdenken einlädt und gesellschaftliche Vielfalt ohne Betroffenheitsmiene in eine leichte, humorvolle Geschichte verpackt. Es stellt die Frage, ob es nicht manchmal besser ist, nicht mit der Masse zu schwimmen - und das auf eine Art, die weder Erwachsene noch Jugendliche unterschätzt.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 04.05.2026

✎ Jasmin Schaudinn - Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita

Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita
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Mit „Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita“ hat Jasmin Schaudinn ein liebevoll konzipiertes Vorlesebuch für die letzte Kita-Zeit geschaffen. Genau in dieser Phase spüren Kinder oft sehr deutlich, ...

Mit „Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita“ hat Jasmin Schaudinn ein liebevoll konzipiertes Vorlesebuch für die letzte Kita-Zeit geschaffen. Genau in dieser Phase spüren Kinder oft sehr deutlich, dass sich etwas verändert: Sie gehören nicht mehr zu den Kleinsten, wollen mehr können, mehr mitentscheiden und fiebern dem nächsten großen Schritt entgegen. Dieses Gefühl aus Stolz, Unsicherheit, Neugier und Aufbruch fängt das Buch greifbar ein. Gleichzeitig bleibt es nicht bei einer reinen Vorlesegeschichte, sondern ergänzt die Handlung um zahlreiche Mitmachideen und kleine Impulse für die Vorschulzeit.

Bereits die erste Umklappseite hat mich ehrlich begeistert. Sie ist wie ein Freundebuch aufgebaut und steckt voller witziger, ungewöhnlicher Fragen, die nicht nach Standardprogramm klingen. Nicht dieses austauschbare Abfragen von Lieblingsfarbe und Lieblingstier, sondern kleine kreative Impulse, die Kinder wirklich zum Erzählen bringen. Umso bedauerlicher, dass es so ein Freundebuch nicht separat zu kaufen gibt, denn allein diese Idee hat sofort Charme.

Sehr gelungen ist außerdem, wie selbstverständlich Vielfalt in die Geschichte eingebunden wurde. Die Kinder unterscheiden sich sichtbar in Aussehen, Temperament und familiärem Hintergrund. Unterschiedliche Hautfarben, Brille, diverse Familienkonstellationen und ein Kind mit Cochlea-Implantat sind einfach Teil der Gruppe, ohne dass daraus eine belehrende Sonderlektion gemacht wird. Genau dadurch wirkt es glaubwürdig. Besonders das Cochlea-Implantat wird kindgerecht erklärt und spielerisch in den Alltag eingebettet, sodass Kinder lernen, Unterschiede wahrzunehmen, ohne sie als etwas Fremdes zu empfinden. Auch ein abgeklebtes Auge wird thematisiert, was ebenfalls eine schöne Möglichkeit bietet, Fragen aus dem Kinderalltag aufzugreifen. Nur in den Illustrationen wurde dieses Detail nicht ganz konsequent durchgezogen, weil die Augenklappe stellenweise plötzlich fehlt. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber gerade jungen Zuhörern fallen solche Unstimmigkeiten oft erstaunlich schnell auf.

Seine eigentliche Stärke entwickelt dieses Kinderbuch jedoch in den vielen Aktionen, die die Geschichte begleiten. Nach den einzelnen Kapiteln findet sich eine Zusammenfassung der kreativen Ideen, die sich nicht nur im Kita-Alltag, sondern ebenso gut zuhause, beim Kindergeburtstag oder an einem gemeinsamen Spielenachmittag umsetzen lassen. Dabei geht es nicht um Beschäftigung um der Beschäftigung willen. Ganz nebenbei trainieren die Kinder Feinmotorik, Wahrnehmung, Koordination, soziale Kompetenzen, Frustrationstoleranz, Empathie, Selbstvertrauen, Selbstregulation und Sprachentwicklung. Man merkt deutlich, dass hier pädagogische Erfahrung eingeflossen ist, ohne dass sich das Buch jemals trocken anfühlt.

Bei uns waren vor allem die Klatschspiele der heimliche Star. Mein Kind liebt solche rhythmischen Mitmachaktionen ohnehin abgöttisch. Eines dieser Klatschspiele ist zusätzlich per QR-Code verlinkt, was ich im ersten Moment tatsächlich hilfreich fand, weil man die Umsetzung direkt gezeigt bekommt. Leider fand ich die Umsetzung des Videos ein bisschen lieblos.

Ähnlich ging es mir mit dem Vorschullied. Dass Kinder beim Vorlesen nicht nur zuhören, sondern auch mitsingen dürfen, passt wunderbar zum Konzept und lockert die Geschichte schön auf. Da das Lied allerdings auf einer sehr bekannten Melodie basiert, findet man ohnehin sofort hinein. Umso unnötiger wirkt es, dass im Buch gleich viermal auf denselben Song verwiesen wird. Nach der ersten Verlinkung ist der Hinweis absolut ausreichend, alles Weitere fühlt sich eher wie eine wiederholte Erinnerung an als wie ein echter Zusatznutzen.

Was ich ebenfalls sehr mochte: In dieser Geschichte dürfen Gefühle einfach da sein. Freude, Unsicherheit, Ärger, Stolz, Enttäuschung - nichts wird klein geredet. Vorschulkinder stecken mitten in einem riesigen Umbruch, und genau deshalb ist es wertvoll, wenn ein Buch ihnen signalisiert, dass nicht immer alles glattlaufen muss. Dass man genervt sein darf. Dass man sich mal nicht traut. Dass man trotzdem seinen Platz findet.

Optisch ist „Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita“ freundlich, bunt und sympathisch von Sandy Thißen illustriert. Die Figuren sind lebendig gezeichnet und laden zum Anschauen ein. Trotzdem hätte ich mir auf einigen Seiten etwas mehr visuelle Fülle gewünscht. Teilweise steht recht viel Text einem vergleichsweise ruhigen Bild gegenüber, sodass Kinder beim längeren Vorlesen nicht ganz so viel zum zusätzlichen Entdecken haben, wie es möglich gewesen wäre.

Wirklich irritiert hat mich dagegen die Einbindung bei Antolin. Zwar sammelt das Buch dort Punkte, gelistet ist es jedoch erst ab Klasse 3. Für ein Vorlese- und Mitmachbuch, das sich eindeutig an Vorschulkinder ab fünf Jahren richtet, läuft das am eigentlichen Nutzen vorbei. Kinder in dieser Altersgruppe können mit diesem Zusatz nichts anfangen, sodass die Antolin-Anbindung eher wie ein nettes Extra auf dem Papier wirkt als wie eine durchdachte Ergänzung.

Unterm Strich bleibt für mich trotzdem ein warmes, ideenreiches und im Kern klug gemachtes Kinderbuch, das Vorschulkinder ernst nimmt, ohne sie zu überfordern. Es feiert das Größerwerden, ohne Druck aufzubauen. Es zeigt Unterschiede, ohne sie auszustellen. Und es schenkt Familien neben der Geschichte noch viele kleine Anstöße für gemeinsames Erleben.

©2026 Mademoiselle Cake